Der Elektro-Stammtisch: Audi verrät Zukunftspläne


Von Null auf Hundert in 5,9 Sekunden: Audi-Showcar e-tron

Stammtische gibt es in Deutschland Zigtausende. Der, den ich schon mehrmals und auch gestern wieder besucht habe, ist aber ganz anders. Denn er hat sich dem Thema Auto verschrieben – und Autofahren passt mit Bierkonsum bekanntlich nur in Maßen zusammen. Beim „e-monday” in München treffen sich einmal im Monat Menschen, die sich mit dem Thema Elektromobilität beschäftigen. Die  meisten, weil sie in diesem Bereich Geld verdienen wollen oder es heute schon tun. Networking ist angesagt. Da sitzen Ingenieure und Techniker neben Bankern und Marketingleuten. Politiker neben PR-Managern und Hochschulmitarbeitern. Dazwischen Repräsentanten von Stromkonzernen und Verbänden. 100 bis 130 Leute füllen jedes Mal den Saal.

Vor der Tür des Lokals parken stets ein paar Elektrofahrzeug-Exponate. Diesmal waren es: ein Tesla Roadster, ein Think, ein E-Smart, ein Tazzari Zero und ein City El. Wer will, kann auch Probe fahren. Ein Audi e-tron war nicht dabei. Obwohl man den vielleicht hätte erwarten können. Es stand nämlich ein Vortrag von Dr. Christian Allmann, Projekthaus e-performance Audi, auf dem Programm. Audi baut mit Riesenschritten ein Kompetenz-Zentrum für Elektromobilität auf. Was einer kleinen Revolution gleichkommt für einen großen Automobilhersteller. Gute Leute sind rar. Allmann: „Der Markt an qualifiziertem Personal ist leer.“ Etwa 60 Spezialisten sind es heute, die bei Audi das moderne Elektroauto entwickeln. 100 könnten es durchaus werden. Der Zeitplan ist gesteckt: Bis Ende September 2012 soll das Auto der Zukunft serienreif sein.

Wie im Konzern üblich wird auch das Elektroauto im modularen Baukastensystem angelegt. Das heißt, die technischen Komponenten sind in allen Fahrzeugklassen einsetzbar. Geplant sind ein e-city (A1), ein e-family (A4) und ein e-sport (TT). Entwickelt werden Fahrzeuge mit je 2 radnahen E-Motoren an Vorder- und Hinterachse. Auch Radnabenmotoren sollen zum Einsatz kommen können. Die Batterien verschwinden im Mitteltunnel. Ein E-Fahrzeug braucht zudem neue Crash-Strukturen, Leichtbau in allen Bereichen sowie ein vollkommen neues elektrisches Bordnetz.

Höchste Priorität genießt die Software, das Herzstück eines jeden elektrischen Antriebs. Das Auto als fahrender Computer. Steuerungselektronik und Thermomanagement des Systems bestimmen über Qualität des Produktes und Erfolg am Markt. Auch die effiziente Regelung  der Nebenverbraucher (besonders Heizung und Klimaanlage) ist immens wichtig. Denn was Zusatzaggregate an Strom abziehen, geht für den Antrieb verloren. Rund 50% Reichweite sind futsch, wenn ein E-Auto unter extremen klimatischen Bedingungen wie in Hammerfest oder in Bombay betrieben wird. Jedenfalls wenn der Kunde im Auto weder frieren noch schwitzen will.

„Der erste E-Audi wird ein Stadtfahrzeug, das 2011 im Flottenversuch der Modellregion München starten wird,“ kündigt Herr Allmann an. Gut, dass Deutschland zu den klimatisch gemäßigten Zonen gehört. Gemäßigt? Als ich nach Hause fahre, drehe ich gleich mal die Klimatisierung auf 23 Grad. Es regnet in Strömen. Für einen August-Abend ist es viel zu kalt.

Autor: Wolfgang Rudschies, ADAC Motorwelt

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8 Antworten zu “Der Elektro-Stammtisch: Audi verrät Zukunftspläne

  1. H-W.Deutschmann

    E.-Auto.
    Was ich bisher gelesen habe über E-Autos ist in meinen Augen nur leider wieder nur der falsche Weg.E-Autos in dieser Konstellation haben wir doch schon gehabt,nur die Batterien sind verbessert.Wann kommt endlich der Radnabenmotor,(Entwichlung bei Michelin) dann können Antriebswellen,Getriebe und anderer Ballast endlich vom E-Auto entfernt werden. Und wir können mit einem reinen E-Auto und vielen Batterien, mit Front-Hinterrad oder Allradantrieb fahren. Habe in den 90ger selbst beim E-Werk mit E-Autos gearbeitet.

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  3. Jürgen Hahn

    Hier eine interessante Studie, wie umweltschädlich Li-Ion-Akkus für E-Autos sind:

    http://www.empa.ch/plugin/template/empa/3/99073/—/l=1

    Kurz: E-Autos sind im schlimmsten Fall (Strom aus Kohlekraftwerken) so schlecht wie ein Golfklasse Benzinauto, das 4 Liter auf 100km verbraucht.

    Bye.

  4. Michael Bluhm

    Ich denke, dass das schon im Ideenkästchen rumflattert. Immerhin hatte gerade GM eine amerikanische Firma ausgetrixt und deren Voltaikfolie durch einen Einstieg in diese Firma an sich gerissen, um sie nicht auf dem Markt vorzufinden. Mit Ideen für Leichtakkus ist das auch so passiert.
    Doch wollen wir mal jetzt nicht über Amerika oder verschwundene Patente reden.
    Ich finde es gut, dass sich über 100 Profis mit dieser Angelegenheit intensiv schon länger befassen. Es ist mir egal ob sie dann “Amigos” sind oder nicht und damit Geld verdienen und sich die Verträge zuschieben wollen.
    Wichtig ist doch, dass es endlich losgeht und man mit dem Erfahrungsaustausch die Testzeiten der Marktreife senken kann. Es ist eigentlich verwunderlich, dass nach allgemeiner Einschätzung des “kleinen Mannes” auf der Straße, die Fachleute verschiedenster Hersteller zusammen kommen und sich austauschen, nachdem doch jeder versucht sein eigenes Dreirad neu zu erfinden.
    Kann es sein, dass der Prius aus Asien, die Subventionen in China für E- Autos und der Wille des Kunden ein E- Auto zu haben, die Prof’s zusammenschmiedet, weil sie den Schwund von Absatzmärkten als kalten Hauch im Nacken spüren?
    Auch das sollte uns völlig unberührt lassen.
    Ich befürchte aber, dass man uns wieder etwas anbieten will, dass wir so nicht wollen.
    Die Aufzählung der technischen Finessen macht mir sorgen. bauen die Faching’s dann nur Autos für ihre Vorstände oder haben wir da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Ich will kein Geld damit machen und der Mangel an Fachleuten besagt nichts gutes. Deshalb hätte ich mich als Laie schon mal in die Runde gesetzt und versucht meinen Kommentar abzugeben. Ich hätte keine Angst davor mich als “Unwissender” zu outen und Fragen zu stellen, die uns Otto- Normalverbraucher bewegen.
    Nach diesem Bericht sehe ich schwarz für E- Autos mit Effizienz und Einfachheit.
    Es wird wohl das bekannte Auto mit anderen Herstellungsverfahren, Materialien und noch mehr Schnickschnack werden.

  5. Horst Klapdor

    Ich bin sehr für E-Mobile, es ist die einzig ver-
    nünftige Lösung. Meine Idee und Frage, warum
    werden die E-Mobile nicht mit Fotovoltaik-Paneele ausgestattet?
    Es gibt solche im Zubehör, die man in die
    Autosteckdose steckt. Oder aus dem Camping-
    zubehör, um damit die Ladekapazität zu verbessern! Bei längeren Parkpausen, z.B. Stand-
    zeiten im Dienst, würden die Batterien geladen.
    Man könnte auch die Dächer oder Motorhaube
    mit Fotovoltaik-Folie beschichten um die Batterie zu laden! Eine einfache Sache, warum kommt da
    keiner drauf. Ich praktiziere so etwas schon seit
    einigen Jahren bei meinen Lupo 3L um meine
    Batterie zu erhalten. Sie ist jetzt 6 Jahre alt.
    ,

    • Es gibt durchaus schon Elektroautos die diesem Ansatz folgen, wie z.B. der Fisker Karma.

      http://www.cleanthinking.de/daily-intersolar-asola-solardach-fisker/5655/

      Allerdings reicht die Leistung kaum um einen nennenswerten Beitrag zur Reichweitenverlängerung beizutragen, allerdings ist ein solches Solardach sehr hilfreich zur Klimatisierung des Fahrzeuges.

      Mehr Sinn macht da die Solaranlage auf dem Carport oder Garagendach, eine Anlage mit 20m² reicht hierbei schon um den Strombedarf eines durchschnittlichen deutschen Autofahrers zu decken.