Elektrisch heizen – geht das?


Stand-Vorheizung: wärmen statt laden

Stand-Vorheizung: wärmen statt laden

Was ist besser für ein Elektroauto: eine eingebaute Stand-Vorheizung oder ein simpler Heizlüfter? Wir haben es ausprobiert.

Schlechtes Wetter und bitterkalte Temperaturen setzen Elektroautos besonders zu. Die Heizung tut sich schwer, den Innenraum auf Temperatur zu bringen, und wenn die Scheiben beschlagen, müssen auch die Heckscheibenheizung und die Klimaautomatik helfen. Das kostet Leistung und reduziert die Elektroreichweite beträchtlich – mitunter um mehr als die Hälfte.

Mitsubishi bietet für sein Elektromodell i-MiEV deswegen ab sofort eine praktische Neuerung an: eine Stand-Vorheizung. Per Funkfernbedienung mit programmierbarer Zeitsteuerung lässt sie sich so einstellen, dass das Fahrzeug vor der Abfahrt bereits einigermaßen warm ist.

Natürlich braucht auch der i-MiEV dafür Strom. Der kommt in diesem Fall aber nicht aus der Batterie, sondern aus der Steckdose – das Heizen geht also nicht zu Lasten der Reichweite. Die Batterie sollte allerdings mindestens zu einem Viertel gefüllt sein, idealerweise sogar bereits voll geladen sein. Der Grund: Während der Heizphase wird das Aufladen der Batterie unterbrochen. Das Aufheizen dauert bis zu 30 Minuten und verbraucht etwa 1,5 kWh Strom.

Wie der ADAC Test ergab, ist diese Heizung allerdings nicht sehr effektiv. Auch könnte man mit 1,5 kWh Strom rund zehn Kilometer fahren. Heizversuche bei minus zehn Grad Celsius in der Klimakammer haben ergeben, dass das Fahrzeuginnere in den 30 Minuten Heizzeit gerade einmal knapp neun Grad erreicht (Mittelwert der Messpunkte des ADAC Heizungstests am Beifahrersitz). Aber das reicht immerhin aus, um das Fahrzeug zu enteisen und klamme Finger zu vermeiden.

Ein weiterer Versuch hat gezeigt, dass der Innenraum mit einem handelsüblichen Heizlüfter* (2000 Watt) deutlich schneller erwärmt werden kann. Der im Fußraum platzierte Heizer erwärmt die Luft schon nach rund sechs Minuten auf eine Temperatur von neun Grad, nach 30 Minuten hat es sogar deutlich über 20 Grad im Innenraum. Die verbrauchte elektrische Energie in dieser Zeit: 1 kWh.

Mitsubishi verwendet für seine Heizung eine Art elektrischen Tauchsieder, der Wasser erwärmt. Ein Wärmetauscher im Wagenboden entzieht dem Wasser diese Wärme wieder und gibt sie an den Innenraum ab. Das kalte Wasser wird wieder zurückgeführt.

Ein Luftdirektheizung wäre in diesem Fall zwar effektiver und würde deutlich schneller den Innenraum erwärmen, hat aber einen gravierenden Nachteil: Die erwärmte Luft ist nie geruchsfrei, weil immer Staubpartikel an den Heizdrähten verkokeln.

* Aus Sicherheitsgründen sollte dieser nicht ohne Aufsicht betrieben werden. Der Handel bietet spezielle Lüfter für derartige Einsätze an.

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11 Antworten zu “Elektrisch heizen – geht das?

  1. Die Kombination wäre eine tolle Idee! Der Heizlüfter als Vorheizung bis man losfährt und der Infrarotheizer im Armaturen-/Fußbereich.

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  3. Statt Lüfter tut es auch eine mobile Infrarotheizung. Die braucht für die gleiche Heizleistung nur ein Viertel an Strom. Infrarot hat den Vorteil, das im wesentlichen die Materialien ( also Sitze, Armaturen und Lenkung) erwärmt werden und nicht heiße staubige Luft verteilt wird. Infrarotheizungen funktionieren wie die Sonne. Wir heizen damit unser Haus und sparen 40% Energie ggü der alten Gasheizung.

    • IR-Heizung in Fahrzeugen ist vermutlich nicht sehr sinnvoll, da rundum große Glasflächen vorhanden sind die das IR einfach durchlassen. Damit heizt man im wesentlichen die Umwelt – und das Erwärmen der Glasflächen – also das eigentliche Problem – funktioniert damit am schlechtesten.

  4. Ich habe diesen Waeco Heizlüfter seit 10 Jahren in meinem Smart CDI, da der 3-Liter-Wagen natürlich nicht schnell warm wird. Seitdem keine beschlagenen oder vereisten Scheiben mehr und einen warmen Innenraum. Die günstige Standheizung auch für EVs. Unbegreiflich, warum das nicht serienmäßig für alles EVs angeboten wird!

  5. generell würde ich mir von der Redaktion wünschen hier nicht so häufig zu verallgemeinern. Hier wird durch die Art und Weise der Überschriften suggeriert (wohl unabsichtlich – das macht es aber nicht besser), dass es ein allgemeines Problem von Standheizungen bei Elektroautos sei: “Was ist besser für ein Elektroauto: eine eingebaute Stand-Vorheizung oder ein simpler Heizlüfter?” In Wahrheit geht es hier aber nur um den MiEV und seine Umsetzung einer möglichen Lösung. Dass das Problem ein uraltes ist haben die Vorkommentatoren hier ja schon aufgezeigt und auch an Altmodellen gezeigt, dass es schon bessere Lösungen gegeben hat. Bitte liebe Redaktion: Wenn ihr verallgemeinern wollt, so zeigt bitte eine Übersicht über mehrere verfügbare Modelle und deren Lösungen. Das hat mich auch schon beim vorherigen Test der Winterreichweite beim MiEV gestört, dass sofort anhand eines Negativbeispieles verallgemeinert wurde. Die bisher eingesetzten Akkutypen beim MiEV sind nunmal nicht geeignet für niedrigere Temperaturen.
    Hier übrigens noch ein Tipp von mir: Vorbild bei der EIsbefreiung ist in meinen Augen die Frontscheibe des SAM II die direkt im Glas elektrisch beheizt wird. Direkte Scheibenheizung und Sitzheizung ist in meinen Augen das was es braucht. Warum sollte man denn den ganzen Innenraum beheizen? Nur weil das bei Verbrennern das einfachste war und Wärme ja im Überfluss vorhanden war, heißt das nicht, bei Elektroautos das selbe machen zu müssen.

  6. Interessanter Artikel, besonders dann als ich erfahren habe, woher immer dieser Kokelgeruch bei Heizlüftern kommt ;)

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  8. Das Einfachste und günstigste (v.a. auch für unterwegs) wäre eine kleine Standheizung mit Butan… übrigens auch zu empfehlen bei den meisten modernen Spardieseln!

    Warum Mitsubishi allerdings nicht einen vernünftigen Heizlüfter für den Betrieb an der Ladestation einbaut, verstehe ich allerdings gar nicht.

  9. Elektro-Willli

    Mein Peugeot 106 – entwickelt Anfang der 90er Jahre – hat eine Benzin-Standheizung von Webasto. Es gibt aber auch Standheizungen für Dieselfahrzeuge. Und da man mit dem Diesel keinen Motor antreibt, darf man auch Heizöl tanken. Dies ist die günstigste Alternative ohne Reichweitenverlust, ohne Scheiben kratzen und ohne Nierenentzündung. Einfach 15 min vorher anstellen oder über timer programieren.

  10. Die (schon seit langem fahrenden) EV-Fahrer kennen diese Problematik (aus fast jedem Winter) … wobei die Heizluefter-Nummer ein extrem ALTER HUT ist!

    Das machen die SCHWEDEN/NORWEGER/FINNEN/DAENEN in ihren Benziner sowieso schon immer … es gibt dazu 220V Nachruestsaetze z.B. von WAECO (http://www.pearl.de/a-PX7433-5445.shtml?query=heiz)

    “Mit einem Handgriff stecken Sie künftig das grüne Verbindungskabel in die neue EcoPlug-Steckdose an Ihrem Wagen – und schon ist Ihr Innenraum-Heizlüfter mit 230 Volt versorgt. ”
    In der DELUXE-Variante auch mit ZEITSCHATUHR ;-)

    In den 90ern gab’s auch mal EV’s mit GAS-Standheizung (man musste nur eine kleine Patrone/Flasche einlegen).

    Die Electriques (bis auf den KANGOO) wurden mit BenzinStandheizung gebaut (PSA WEBASTO RENAULT VOLVO) … die heute auch mit Ethanol funktionieren.

  11. Alter Hut.

    Eine Luftheizung ist effizienter als eine Wasserheizung

    Am efffizientesten für diese Aufgabe wäre eine Ethanol-Luftheizung, die heizt aus dem Brennstoff mit 100% Wirkungsgrad und ist unabhängig vom wertvollen Fahrstrom.