Opel-Chef Stracke: “Auch ein Porsche-Fahrer will mal CO2-frei fahren und Spaß haben”


Bei Opel ist von Werksschließungen und Massenentlassungen die Rede. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Friedrich Stracke blickt trotzdem zuversichtlich in die Zukunft.

Herr Stracke, es soll einen Porsche-Fahrer geben, der sich zusätzlich einen Opel Ampera angeschafft hat. Stimmt das?
Ja, der will ja auch mal CO2-frei fahren und dabei Spaß am Autofahren haben. Aber die meisten Kunden werden sich so ein Auto als Erstwagen anschaffen.

Der Ampera ist ein Elektroauto mit einem Verbrenner als Hilfsmotor. Wann ist das erste rein elektrische Auto von Opel zu erwarten?
Wir haben eine klare Strategie E-Mobilität voranzutreiben. Gleichzeitig werden wir die Verbrennungsmotoren weiter verbessern. In den nächsten Jahren bringen wir drei neue Motorengenerationen in den Markt. Bei Verbrennungsmotoren sehen wir ein Verbesserungspotenzial von bis zu 20 Prozent. Dieses Potenzial muss ausgeschöpft werden, weil wir damit am schnellsten in der Breite den CO2-Ausstoß verbessern. Und das ist der springende Punkt. Mit Elektrofahrzeugen kommen wir nicht so schnell in die Breite. Aus diesem Grund werden alle Motoren, die wir in den nächsten Jahren auf den Markt bringen, hybridfähig sein. Parallel dazu wird die Elektromobilität wachsen. Wir sehen fünf bis zehn Prozent bis 2020, abhängig davon, wie die Länder das unterstützen. Am Anfang stehen bei uns ganz klar Elektrofahrzeuge mit Reichweiten-Verlängerung im Fokus. Im Konzern arbeiten wir aber auch bereits sowohl am Plug-in-Hybrid als auch an reinen Elektrofahrzeugen. Wir denken da an einen Kleinwagen für die Stadt.

Welche Rolle spielt die Brennstoffzelle für Opel?
Ganz wichtig für uns. Die Brennstoffzelle stellt langfristig das richtige Antriebskonzept aus unserer Sicht dar, um emissionsfrei zu fahren. Insbesondere wenn man den Wasserstoff mittels Wind und Sonne erzeugt. Natürlich muss die Infrastruktur beim Tankstellennetz noch deutlich verbessert werden. Wir arbeiten mit Hochdruck an diesem Konzept.

Da haben Sie ja im Herrn Zetsche von Mercedes auf jeden Fall einen Mitstreiter.
Ich glaube, es werden sich mehr und mehr dieser Meinung anschließen. Auf den Wasserstoffantrieb können wir stolz sein, weil wir den seit den Neunzigerjahren kontinuierlich weiterentwickelt haben und momentan eine führende Position in der Automobilindustrie einnehmen. Opel wird in der zweiten Hälfte dieser Dekade einer der ersten Automobilhersteller mit einem Wasserstoffauto am Markt sein.

Welches Fahrzeug wird es sein? Ein bekanntes Fahrzeug oder ein ganz neues?
Sie können so ein neues Konzept nicht einfach in ein bestehendes Fahrzeug integrieren. Heute kann ich dazu noch keine Details preisgeben, aber wir sind uns sicher, eine sehr gute Lösung gefunden zu haben.

Wenn Sie sagen, zweite Hälfte dieser Dekade, kommt mir das jetzt insofern ein bisschen komisch vor, weil Sie ja vorher erklärt haben: „Dann wird es auch Batterien geben, die schon sehr leistungsfähig sind, wo man auch 300 oder mehr Kilometer fahren kann.
Wir sind davon überzeugt, dass sich in einer Übergangsphase mehrere alternative Antriebskonzepte am Markt behaupten werden, dazu zählt natürlich der Verbrennungsmotor mit Hybridantrieb, Elektrofahrzeuge mit und ohne Reichweitenverlängerung und das Wasserstofffahrzeug.

Vielleicht braucht man ja dann die Brennstoffzelle gar nicht mehr.
Die Kernfrage ist, wie schnell man so eine Technologie in den richtigen Produktkosten mit dem richtigen Volumen versehen kann. Ich glaube, dass es für alle Arten der Elektromobilität einen Markt geben wird: Angefangen bei den reinen Elektrofahrzeugen, wenn die Batterietechnologie sich konsequent weiterentwickelt, bis hin zu Wasserstoff-Fahrzeugen. Der Batterieantrieb wird zunächst weitestgehend für kleinere Fahrzeuge verwendet, der Wasserstoffantrieb zunächst für größere Pkw sowie Busse und Lkw.
Im Pkw-Bereich haben die Batteriefahrzeuge heute einen deutlichen Kostenvorteil vor dem Wasserstoffauto. Ein Wasserstoffauto kostet heute irgendwas zwischen 100.000 und 150.000 Euro, ein Elektroauto 30.000 bis 40.000 Euro, ein Auto mit konventionellem Verbrennungsmotor 20.000 bis 25.000 Euro. Das sind die Preissprünge, die wir heute haben. Aber die Preisniveaus werden sich in den nächsten 10 Jahren immer mehr annähern.

Werden Sie dem Kunden dann später eine Wasserstoff-Tankstelle für zu Hause anbieten oder wie lösen Sie das Infrastrukturproblem?
Das ist ein interessanter Ansatz! (Lacht.) Aber eine Idee könnte es sein, Wasserstoff-Tankstellen bei unseren Händlern aufzubauen. Viele Opel-Betriebe haben ohnehin eine Tankstelle. Das könnte man also relativ leicht umsetzen. Wir haben ganz klar die Vision, in der Zukunft Wasserstoffantrieb als Hauptantriebsquelle für unsere Fahrzeuge bereitzustellen. Nichtsdestotrotz müssen wir die Übergangstechnologien, die ich eingangs erwähnte, realisieren, um die 95 Gramm CO2 bis 2020 im Flottendurchschnitt zu erreichen.

Wie sieht der konkrete Zeitplan für die neuen Motoren aus?
Wir beginnen Ende dieses Jahres mit einem neuen 1,6-Liter-Benzinmotor. Gefolgt von einem völlig neuen 1,6-Liter-Dieselmotor. Mit unserem neuen Corsa kommt dann ein kleiner neuentwickelter Benzinmotor zum Einsatz, sowohl drei- und vierzylindrig. Diese Motoren werden über neueste Technologien verfügen wie Downsizing, Turboaufladung, Direkteinspritzung, variabler Ventiltrieb, Gewichtsreduzierung und vieles mehr. Damit werden wir eine führende Rolle bei Verbrauch und Geräuschkomfort übernehmen. Weiterhin werden wir ein neues manuelles Sechsgang-Getriebe und ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe in den Markt bringen, die hybridfähig sein werden.

Glauben Sie, dass diese Anstrengungen belohnt werden vom Kunden?
Sehr gute Produkte werden immer von den Kunden honoriert. Wir werden uns neu positionieren, was die Marke betrifft. Wir werden die Marke mit mehr Technologien anreichern und dies auf den Punkt kommunizieren.

Heißt das, Opel wird sich in Richtung Premium entwickeln?
Nein. Wir haben immer unsere Wurzeln in der Mitte der Gesellschaft gehabt und werden hier auch bleiben.

Eines der berühmtesten Opel-Modelle ist ja der „Manta“. Hat der eine Chance, wieder belebt zu werden?
Der Astra GTC etwa soll natürlich die sportlichen Gene von einem Manta reflektieren. Aber wir haben im Moment wichtigere Prioritäten. Nämlich das Unternehmen mit einem guten Portfolio in die Profitabilität zu führen.

Aktuell heißt es, dass Opel vor allem sparen muss. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Sparen und Investieren in neue Produkte?
Wir werden elf Milliarden investieren für circa 30 neue Produkte in den nächsten drei Jahren, dabei bleibt es auch. Dieses Jahr alleine haben wir sechs Neuvorstellungen. Das hat es in der Geschichte bei Opel noch nicht gegeben. Neben dem Zafira Tourer und dem Combo werden wir einen kompakten, kleinen SUV, einen stark modifizierten Astra mit neuen Motoren, eine wunderschöne Stufenhecklimousine und einen neuen Kleinwagen auf die Strasse bringen.

Haben Sie für die elf Milliarden volle Rückendeckung von Ihrem Geldgeber General Motors?
Ja, absolut.

Wenn Sie mit einem Noch-nicht-Opel-Kunden im Aufzug fahren, was sagen Sie dem in den 25 Sekunden, warum er auf Opel umsteigen soll, wenn er vielleicht jetzt einen BMW fährt?
Ganz einfach: Machen Sie doch mal eine Testfahrt mit unserem Produkt! Danach wird er überzeugt sein.

Das Interview führten die ADAC Motorwelt-Redakteure Wolfgang Rudschies und Mario Vigl

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