Lautlos im Weltraum


Für einen Moment fühle ich mich wie im Science-Fiction-Film. Vor mir eine Ape, dieses knatternde Verzichtsmobil, Symbol für Romantik und die gute alte Zeit. Ich im Karabag 500E, fast lautlos dahingleitend, ein Symbol für die Zukunft der individuellen Fortbewegung. Hinter mir ein BMW X5, ein Sprit fressendes Monster, ein Dinosaurier, der sich kurz vor dem Aussterben befindet. Reite ich auf einem Zeitstrahl?

Okay, komm wieder zu dir. Das ist doch alles so neu nun auch wieder nicht für dich. Du hast schon einige Male am Steuer eines Elektroautos gesessen. Reiß Dich, verdammt noch mal zusammen!

Das Erlebnis, von einem Elektromotor beschleunigt zu werden, ist einzigartig – und doch immer ähnlich. Eben ein bisschen wie in einer anderen Welt. Kein Gebrumm eines Verbrennungsmotors. Stattdessen das zusammengesetzte Sirren des Elektromotors und des Einganggetriebes. Dazu die mit steigendem Tempo in den Vordergrund rückenden Reifenabroll- und Windgeräusche. Speziell ist auch die beeindruckende Kraft aus dem gern zitierten „Drehzahlkeller“.

Dabei richtet sich mein Blick immer wieder auf die Energieanzeigen im Cockpit. Wobei die Anzeige rechts zu einem Missverständnis führt: Wenn da 99,9 in kleinen Ziffern zu erkennen ist, meint das nicht die Restreichweite in Kilometer, es meint den Ladezustand der Batterie, und zwar in Prozent. Problem für den User-Neuling: Es fehlt die Maßeinheit.

Verwirrend ist auch, wie sensibel die zweite wichtige Digitalanzeige reagiert. Die Zahl für den momentanen Energiefluss schwankt erheblich. Die kleinste Veränderung des „Gasfußes“ spiegelt sich genauso unmittelbar wieder wie ein leichtes Gefälle der Straße oder die winzigste, kaum merkliche Steigung. Selbst bei konstantem Tempo kann die Anzeige zwischen 10 und 20 kW hin und her pendeln.

Spaß macht das Fahren, wenn der Punkt der größten Effizienz gefunden ist. Dem Karabag scheint ein Tempo von 90 km/h besonders zu liegen. Dazu ist laut Anzeige lediglich eine Leistung von rund 10 kW notwendig. Beim Tritt aufs Pedal bis gegen das Bodenblech werden über 30 kW abgefordert.  Über Tempo 90 km/h passiert jedoch auch dann nicht viel. Bei Tempo 115 ist ohnehin Schluss. Trotzdem habe ich heute einen Lkw und einen Lieferwagen überholt. Ganz real. (rud)

2 Antworten zu “Lautlos im Weltraum

  1. Hartmut Mielentz

    Auch finde Elektromobilität wichtig und zukunftsweisend. Trotzdem frage ich mich wie ich mit solch einem Auto von Nürnberg nach Berlin fahren sollte. Dauert es 3 oder 4 Tage?

    Warum setzt sich der ADAC nicht für ein Batterie-austauschsystem ein wie es das z.B. beim Palettentausch oder beim Campinggas erfolgreich gibt. Weiterhin würden Radnabenmotoren die Autos leichter und viel Mechanik überflüssig machen.
    Jedenfalls würde ich mir kein teures E-Auto für die Stadt und zusätzlich ein Benzinauto für die Ferne kaufen.

    • Ihre Meinung dass wir eine Batterietauschsystem brauchen ist unbedingt zu unterstützen. Aufladen an einer Tankstelle ist nicht praktikabel. Hinzu kommt noch, dass ein Aufladen mit Kabel nur der geringe Teil der Bevölkerung mit eigenem Stellplatz oder Garage durchführen kann. Bezüglich der Reichweite frage ich mich, wieso die Autobahnen so voll sind wenn nur 40km pro Tag gefahren werden. Da stimmt doch etwas in der Statistik nicht.
      Insgesamt fehlt mir die sachlich klärende Beteiligung der ADAC Ingenieure. Mischt Euch bitte in die Diskussion ein.

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