Sparrunden bei der Motorwelt: 3,46 Liter auf 100 km (Updated)


Seit Freitag morgen bestreitet ein Motorwelt-Team einen interessanten Öko-Wettkampf, bei dem es auf die perfekte Nutzung des Elektroantriebs ankommt: Online-Redakteur Jochen Krauß und Joachim Becker, Mitarbeiter der Autoredaktion, berichten exklusiv im Blog.

Tag eins der Toyota Auris Hybrid Eco Challenge. Vor uns liegen 19 Wertungsprüfungen und zahlreiche Sonderprüfungen. 1500 Kilometer in drei Tagen. Quer durch Deutschland. 24 Teams haben ein Ziel: so wenig Sprit zu verbrauchen wie möglich.
Wir als Motorwelt-Team fahren außer Konkurrenz (was uns nicht weniger ehrgeizig macht), für die übrigen Teilnehmer geht es um die Wurst, bzw. um das Wettbewerbsgerät als Hauptpreis: Sie können am Ende einen neuen Auris Hybrid gewinnen.
Die erste Begegnung mit dem Auris fand gestern Abend im ADAC-Fahrsicherheitszentrum Grevenbroich statt. Ein Zündschloss suchen wir vergeblich, der Schlüssel muss nur im Fahrzeug liegen, gestartet wird mit dem „Power“-Knopf.Ein Spritspar-Trainer des ADAC und ein Toyota-Mitarbeiter weisen uns ein. Der Auris verfügt über den gleichen Antrieb wie der Toyota Prius. Ein Benziner kombiniert mit einem Elektroantrieb, das macht zusammen 136 PS Systemleistung.
Bis 50 km/h kann der Auris damit auch rein elektrisch fahren, allerdings nur wenige Kilometer weit. Wenn die Batterie leer ist, schaltet sich der Benzinmotor mit stufenloser CVT-Automatik zu. Während der Fahrt lässt sich der Stromspeicher auch durch Bremsen wieder aufladen.
Die Regeln bei der Eco Challenge sind streng. Wir dürfen die Strecke nicht verlassen sowie den Reifendruck nicht verändern. Ein Messgerät über dem Armaturenbrett (siehe Bild unten) misst den Verbrauch, die Zeit und unsere Geschwindigkeit.
Das Tückische an den Wertungsprüfungen: Damit die Teams nicht auf Schleichfahrt gehen, müssen die Etappen in einer bestimmten Zeit gefahren werden. Am Frühstückstisch wurden daher von den Teams schon komplizierte strategische Berechnungen angestellt. Wer plant gewinnt?

Aktualisierung 11.11 Uhr: Die erste Etappe liegt hinter uns: 39,9 km von Grevenbroich nach Köln. Wir haben nur im Schnitt 3,46 Liter Superbenzin verbraucht. Leider waren wir 2,5 Minuten über der Zeitvorgabe von 60 Minuten. Nicht schlecht für den Anfang: Den Normverbrauch des Auris gibt Toyota mit 3,8 Litern an.

Aktualisierung 15.22 Uhr: Auf der zweiten Etappe der Toyota Auris Eco Challenge steheen 120 Kilometer von Köln nach Limburg auf dem Plan. Zeitvorgabe laut Roadbook 1 Stunde und 40 Minuten. Nach 1 Stunde und 32 Minuten rollen wir zum Kontrollpunkt. Im Schnitt haben wir mit dem Hybridantrieb im Auris trotz 100 Kilometern auf der Autobahn nur 3,75 Liter verbraucht. Der Normverbrauch von 3,8 Litern, den der Hersteller angibt, ist also durchaus machbar. Allerdings haben wir an den Berganstiegen auf der A3 die Brummifahrer zur Weißglut getrieben. Die Sattelzüge haben uns dutzendweise überholt, im Anschluss dienten sie uns wieder als Windschattenspender. Zwischenfazit: Wer auf deutschen Autobahnen umweltschonend unterwegs sein will, muss beim Blick in den Rückspiegel gute Nerven haben.

Update 3: Wir arbeiten uns mit Tempo 90 weiter in Richtung Tagesziel Weimar vor. Neben uns zischen Kleintransporter voller müder Bauarbeiter vorbei. Längst haben wir die Entdeckung der Langsamkeit als Motto verinnerlicht, dicht auffahrenden Verkehrsteilnehmern winken wir freundlich zu. Manche stimmt das versöhnlich, andere zeigen uns beim Überholen mit durchgetretenem Gasfuß, was sie von unserem Maximaltempo halten. Längst ist das Messgerät an der Frontscheibe unsere Bibel geworden, ist uns das regenerieren der Nickel-Metallhydrit-Batterie im Fond in Fleisch und Blut übergegangen. Wir streicheln Gas und Bremse, vergessen unseren Part als rollendes Verkehrshindernis. Im Stop-and-go-Stau auf der A 5 konnte der Hybrid seine Vorteile voll ausspielen: Bei niedrigem Tempo fahren wir rein elektrisch und beim Bergabrollen laden wir die Batterie automatisch nach! Natürlich könnten wir mit dem Auris Hybrid auch mit 140 km/h auf der Mittelspur mitschwimmen, doch dann wären unsere Minimalverbräuche in Gefahr. Momentan sind wir wieder mit unter 4 Liter pro 100 km unterwegs. Heute Abend werden wir unsere Werte mit denen der übrigen Teams vergleichen – falls wir innerhalb des Zeitlimits ankommen.

2 Antworten zu “Sparrunden bei der Motorwelt: 3,46 Liter auf 100 km (Updated)

  1. Super, sehr geringe Verbräuche!

    Schreibt doch bitte noch genauer unter welchen Fahrbedingungen diese erreicht wurden, in welcher Zone Ihr Euch aufhaltet (Hybrid-Eco,Hybrid, Power)!

    Nur, wenn ich lese das dutzende LKW´s den Auris bergauf überholen, entspricht das ja nicht der Praxis (schade).

    Das hört sich sehr danach an, das unter normlen (realen) Bedingungen diese Verbräuche nicht zu erreichen sind, ich liege derzeit bei knapp 5 Liter und stelle selbst dann für so manchen „Verfolger“ ein Hinderniss dar (was teilweise kopfschüttelnd überholt wird).

  2. Einer der wichtigsten Beiträge zu diesem Blog. Wunderbar geschrieben und verständlich gemacht. Es liest sich wie ein Spass. Soll es euch auch machen.

    Doch dahinter steckt etwas sehr wichtiges. In unseren Fahrertrainings als Busfahrer (5 x pro Jahr) haben wir dieses Thema sehr oft. Vorausschauend, möglichst gleichmäßig, mit wenig oder keinem Sprintstart, verkehrsfluss beachtend, Streckenprofil nutzend usw. fahren. Es sind eigentlich nicht die Etappen der Challange, sondern eure eigenen Stufen die ihr bei dieser Tour erlernt, verbessert oder ablegt.
    In einer vorgegebenen Zeit mit nur 2,5 minuten Verspätung ist phantastisch. Denn ihr fahrt nicht auf einer gesperrten Strecke, sondern im normalen Straßenverkehr. Auf 39,9 km länge wirklich sensationell. Profis haben da ganz sicher auch erhebliche Schwierigkeiten diese Vorgaben zu erfüllen.
    In meinem Beruf ist ja gerade die Zeitvorgabe ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit, weil andere davon abhängig sind. Zu früh darf man auch nicht sein.
    Eine schwierige Aufgabe ist der Umstand, sich nicht unter Druck zu setzen und konstant zu bleiben. Nervosität ist immer schlecht beim Auto fahren.
    Im Laufe der Tour werdet ihr merken, dass der eingefleischte Automatismus der alten Fahrweise nachlässt und man sich unweigerlich den veränderten Fahrstil zum Sparen aneignet. Dabei werden noch so einige Details von euch bemerkt werden, die ihr jetzt noch nicht registriert habt und die Sparwut packt euch in den kleinsten Punkten.
    Eine witzige Frage war bei uns, ob denn in einem Stadtlinienbus ein Radio sein muss, wenn man alle Verkehrsmeldungen über den digitalen Dienstfunk erhält und man während der Arbeit nicht Radio hören darf. Denn ein Radio hat auch Gewicht, das befördert werden muss.
    Und schon begreift man, warum in vielen neuen Modellen keine Ersatzreifen mehr vorhanden sind.
    Wir haben immer noch Radio und das ist für unsere Pausen gut so. Am Radio oder anderen Dingen in und am fahrzeug soll es in erster linie sicherlich nicht gehen, denn im Vordergrund steht das „Sich Verändern“ beim Fahrstil.
    Bin gespannt wie diese Tour ausgeht.
    Viel Spass und gute Fahrt!

    Wir alle sollten täglich schon mal Üben und sehen was wir bei unseren Spritdrosseln so einsparen können. Vieles haben wir, alle Autofahrer, nämlich seit unserer Fahrschulausbildung wieder vergessen.
    Danke für die Erinnerung auf diese Art.

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