Das Abenteuer beginnt


Der Smart electric drive passt in jede Lücke

Der Smart electric drive passt in jede Lücke (Foto: Gawlitza)

Täglich erreichen die Redaktion neue enthusiastische Fahrberichte vom Smart electric drive. Hier ist die Geschichte von Ulrich Gawlitza aus St. Ingbert.

Der nette Lkw-Fahrer kündigte die Ankunft des mit Spannung erwarteten Smart electric drive mit seinem lustigen Kieler Akzent telefonisch an. Er meinte, er könne leider nicht in unsere Sackgasse einfahren, da er befürchte, nicht wieder herauszukommen.

Meine kleine Tochter und ich schritten zu Fuß zur Abholung. Der Anblick war wirklich einer der anderen Art: Ein riesig anmutender, geschlossener Truck stand in der Ringstraße unseres Wohngebietes; die Bewohner der anliegenden Häuser drückten sich die Nasen an den Fenstern platt.

Im Bauch des Monstrums waren fünf bis sechs Smarts zu sehen. Der hinterste wurde für uns abgeladen. Nach einer kurzen Einweisung – insbesondere Weisung, wo sich das Ladekabel versteckt – konnten wir den Smart zum ersten Mal selbst in Bewegung setzen.

Mit eingeschaltetem Licht sowie voll aufgedrehter Heizung surrte der Smart erst langsam, dann immer schneller dahin. Ein unbeschreibliches Gefühl. Gänzlich ohne Lärm und Vibrationen „schlichen“ wir durch unser Wohngebiet. Nur das Abrollgeräusch der Reifen, der Ventilator der Heizung und ein leichtes Fiepen war zu vernehmen. Das Pfeifgeräusch war mir – im Gegensatz zu anderen Testern – nicht sonderlich unangenehm.

Ich ertappe mich während der Fahrt – im Gegensatz zum Benzinauto – allerdings ständig dabei, wie ich auf das Anzeigeelement der restlich verbleibenden Ladung der Batterie schaue, als ich zur Arbeit fuhr. Ich habe den Weg über die Autobahn nicht gescheut. Die Strecke beträgt etwa 20 Kilometer. Beim Einfädeln auf die Autobahn überholte mich ein langer Laster. Zunächst blieb ich eine Weile hinter ihm; ich dachte: „Och nicht schlimm, der fährt ja fast meine Höchstgeschwindigkeit (knapp 100 km/h); so spare ich im Windschatten noch Energie“. Schließlich überholte ich ihn doch und das erstaunlich flott. Offene Frage: Gilt das „Elefantenüberholverbot“ auch für Elektrosmarts? Man muss ja schließlich mit einem gewissen Geschwindigkeitsüberschuss überholen, und der gesamte Vorgang darf nicht allzu lange dauern.

Nach der Fahrt stand die Energieanzeige noch bei 60 Prozent. Ich bin gespannt, wie das aussieht, wenn ich wieder zu Hause bin. Da werde ich einen anderen Weg fahren. Immer wieder spannend die Frage: Wie weit komme ich noch? Es ist schon ganz schön kalt geworden, also: Heizung und Licht an – reicht der Saft noch?

Morgen früh werde ich noch während der Smart an der Steckdose hängt die integrierte „Standheizung“ mit der Fernbedienung von der Haustüre aus aktivieren, so dass dann die Scheiben bereits eisfrei und der Innenraum schön warm sein dürfte – und das ohne schlechtes Gewissen für die Umwelt. Das ansonsten weit verbreitete Warmlaufenlassen des Motors ist nicht notwendig.

Am liebsten würde ich den Smart schon nach dem ersten Tag nicht mehr hergeben. Suchen die vom ADAC keine Dauertester?

Text: Ulrich Gawlitza

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3 Antworten zu “Das Abenteuer beginnt

  1. Michael Bluhm

    Dauertester wäre was tolles. Wurde auf Arbeit von meinen Kollegen angesprochen. Die finden eine Woche als zu kurz, um aussagefähige Ergebnisse zu bekommen.
    Langzeittest finde ich bei mir aus sehr egoistischen Gründen gut.
    Doch dieser Test zeigt schon in der Breite, wo der Schuh drückt und was sehrgut gelungen ist.
    Den Hersteller wird es freuen, wenn sich seine Mängelliste mit den Testergebnissen deckt und bereits Änderungen vornehmen kann, bevor die Ersten käuflich zu erwerben sind und ausgeliefert werden.
    Erstaunlich ist es nicht, wenn sich die Tester fast identisch zu den gleichen Fakten äußern und zu den gleichen Erkenntnissen kommen.

  2. Ulrich Gawlitza

    Tja nun ist der Smart seit gestern Abend wieder weg, was ich sehr bedaure.

    Letzte Fahrt bei etwa 0° C. Komischerweise funktionierte da die Energierückgewinnung beim Gaswegnehmen und Bremsen nicht. Der Energieverbrauch war zudem deutlich erhöht. Nur etwa 65 km gefahren und 80% Energie verbraucht.

    Als ich heute morgen wieder mit meinem “Stinker” fahren musste (Seat Ibiza) vermisste ich schmerzlich die Standheizungsfunktion des noch am Ladekabel hängenden Smart.

    Dessen Heizung ist ansonsten ein bisschen ineffizient; bei den kalten Temperaturen ist es trotz höchster Stufe, die natürlich dann auch viel Energie verbraucht, nur gerade so erträglich. Für meinen Geschmack könnte sie ein bisschen mehr leisten.

    Fazit: Der Smart Electric Drive könnte ein bisschen mehr Leistung haben; unbedingt erforderlich wäre ein Mehr an Reichweite.

    Das Remake des Trabant soll – so er denn überhaupt kommen wird – 130 km/h schaffen und eine Reichweite von ca. 160 km haben. Siehe hierzu: http://www.bild.de/BILD/auto/2010/10/20/trabant-nt/platzt-der-traum-vom-neuen-trabi.html.

    Ansonsten war ich sehr angenehm überrascht über die Alltagstauglichkeit des Smart einerseits und auch des Elektroantriebs im Besonderen.

    Ich bin sehr gespannt, wie sich der Markt noch entwickeln wird. Insbesondere ist spannend, wie die Preise für ein Elektroauto sein werden und insbesondere, wie sich die Technik bei den Batterien weiterentwickeln wird.

    Tja, ich hätte den Smart gerne behalten.

    Lieber ADAC, wenn Sie Dauertester suchen, dann wissen Sie ja, wo Sie mich finden ;-)

  3. Ulrich Gawlitza

    Nachtrag zum “Elefantenüberholverbot”:

    Die Rechtsprechung der Oberlandesgerichte dazu:

    Es muss eine “wesentlich höhere Geschwindigkeit” i.S.v. § 5 Abs. 2 S. 2 StVO beim Überholer vorliegen. Dies kann bei 10 km/h Differenz zwischen Überholer und Überholtem noch bejaht werden kann. Das OLG Zweibrücken hat zudem die Faustformel des OLG Hamm bestätigt, nach der regelmäßig 45 Sekunden Überholzeit zu lang sind.