Die Idee mit dem Navi-Bordcomputer


Der Rentner Bernhard Schiere, 73 Jahre alt, lebt mit seiner Frau in Baden-Württemberg. Seit 53 Jahren ist er unfallfrei unterwegs. Mit diesem Wissen überreichten wir ihm entspannt am 16. Oktober den Schlüssel zu einem Test-Smart. Die Freude war groß, da er schon seit einiger Zeit über die Anschaffung eines Elektrofahrzeuges als Zweitwagen nachdenkt. Ob er diese Anschaffung nach der Testwoche noch einmal überdenken wird, lesen Sie hier in seinem ersten Fahrbericht.

Die Anlieferung des E-Smart geschah in einem Großraum-LKW, dessen Fahrer nicht in unsere schmale Straße einfahren konnte. Kein Problem: direkt um die Ecke wurde der Winzling an der Hauptstraße ausgeladen. Nach kurzer Einweisung fuhr ich in die Garage, um das Aufladen auszuprobieren: auch kein Problem, der Akku war voll.

Man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran, dass der Motor nicht „laufen“ muss, um losfahren zu können. Die gute Beschleunigung hat mich sehr fröhlich gestimmt: vom Stand bis 50-60 Km/h, danach (bis max. 100 Km/h) muss man sich in Geduld üben. Die Innengeräusche halten sich in Grenzen, auch bei höheren Geschwindigkeiten. Dennoch wäre eine bessere Lärmdämmung sicher kein Schaden. Tatsächlich unangenehm ist das Pfeifen (wie bei einer Straßenbahn), das ständig zu hören ist, vor allem, wenn der Fahrer Gas, pardon, Strom wegnimmt.

Bei der zweiten Ausfahrt, in diesem Fall mit meiner Frau, kam uns recht überraschend die Erkenntnis, dass leises Fahren nicht immer vorteilhaft ist. Die Überraschung kam genauer gesagt aus einer Seitenstraße in Form von zwei Jungs auf Skateboards daher. Sie hatten uns nicht kommen hören. Die Situation war schnell entschärft, dennoch ist die Geräuscharmut eines E-Autos in Zukunft sicher ein verkehrstechnisch relevantes Thema. Die Geräuschentwicklung über den Asphalt reicht eigentlich nicht aus. Die Menschen sind eben auf Krach konditioniert. Hier muss vielleicht auch von Seiten der Fußgänger eine Sensibilisierung erfolgen.

Es ist erstaunlich, dass gerade bei einem solch brisanten Thema wie der Reichweite, die angegebenen 135 Kilometer in der Praxis (mit unserem Testwagen) nicht zu machen sind. Wir schafften mit einer Ladung etwa 100 bis 110 Kilometer. Die lange Ladezeit (bis 8 Stunden) machten somit auch große Reisen (derzeit) für uns unmöglich. Und fraglich ist auch, ob die Heizung in einem süddeutschen Winter ausreicht (bei 3 Grad Celsius mussten wir schon die höchste Stufe der Heizung einschalten).

Ich hätte noch eine Idee für die Ingenieure: Ideal wäre ein Kombinationsgerät „Navi-Bordcomputer“, der errechnet, welche Strecke (getrennt nach Landstraße, Autobahn, Stadt) bis zur nächsten Ladesäule noch möglich ist. Da dieses Gerät den exakten Akku-Ladestand und den aktuellen Verbrauch kennt und mit öffentlichen Ladestationen gespeist ist, kann es so die sinnvollste Streckenempfehlung geben.

Als Zweitwagen bleibt ein Elektrofahrzeug auf alle Fälle interessant. Ob es dann ein E-Smart wird? Da will ich mich noch nicht festlegen.

4 Antworten zu “Die Idee mit dem Navi-Bordcomputer

  1. Hochleistungselektronik vereint mit solchen Softwarevarianten wird sich ganz sicher durchsetzen, weil damit auch der Nutzer Kosten sparen kann.
    Ein Bordcomputer weiß anhand des vergegebenen Streckenabschnittes, wo Steigungen und Gefälle sind, um die Energiezufuhr steuern zu können.
    Es wird zwar noch ein weilchen dauern, aber es kommt ganz sicher.

  2. Das mit dem Navi ist bereits bei den Renaultmodellen geplant, man gibt generell das Fahrziel ein und bekommt an Hand des persönlichen Fahr- und Streckenprofil gleich angezeigt wie weit man voraussichtlich kommen wird. Natürlich sind auch alle Ladestellen im Navi verzeichnet, so das man auch immer mal bei Stopps zwischenladen kann.
    Bei Renault ist auch eine Schnellladefunktion vorgesehen, bei der man in 10 Minuten rund 50km Reichweite nachladen kann.
    Bei dem Quickdrop System von Renault und Better Place, leider derzeit nur in Israel un Dänemark geplant, wird in nur 3 Minuten die leere Batterie gegen eine volle ausgetausch.
    Der Vorgang selbst funktioniert wie die Fahrt in eine Autowaschanlage.
    In dem nachfolgenden Filmchen sind alle Ladevarianten vorgestellt:

  3. Bitte nicht vergessen, dass es draußen schon recht kühl bzw. kalt ist, da reagiert jeder (!) Akkutyp mit geringerer Kapazität und Leistung.

    Auch Otto- und Dieselmotoren verbrauchen bei Kälte z.T. deutlich mehr, insb. auf den so beliebten Kurzstrecken. Hier kann der Verbrauch locker auf 20-30 Liter/100 km steigen (umgerechnet natürlich). Dafür ist ein E-Motor immer gleich effektiv, auch auf Kurzstrecken!

    Beim Benziner bzw. beim Diesel merken wir das aber nur, wenn wir die Verbräuche im Winter genau kontrollieren. Die Normverbräuche erreicht sowieso so gut wie niemand!

    Die Reichweite hängt auch von der Fahrweise und der Topografie ab sowie, wie gut man beim E-Auto die Energierückgewinnung ausnutzt. Wer also wie beim Benziner kurz vor der roten Ampel auf die Bremse steigt, wird mit geringeren Reichweiten bestraft…das sich E-Auto-Fahrer gerne rollen lassen, müssen viele Verkehrsteilnehmer aber noch lernen (es sei denn, die haben ihre eigene Schubabschaltung verstanden…). Wie oft werde ich noch 20m vor einer roten Ampel überholt… :-0

    Gruß und weiterhin viel Spaß!!!
    Julian

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