Alle 60 km eine Ladesäule – aber nicht bei uns


Mobi-E-Karte

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Während in Deutschland 2011 diverse Modellregionen mit Elektroauto-Flottenversuchen starten, um herausfinden, wo und wann Elektro-Fahrer ihr Auto aufladen und wie sie damit zurechtkommen, sind andere Länder schon bedeutend weiter.

Typisch gründlich, typisch deutsch. Zwar beschwören deutsche Politiker, Autohersteller und Energieversorger immer wieder, dass im Bereich Elektromobilität an einem Strang gezogen werden müsse – bundesweite Kooperationen, herstellerübergreifende technische Standards und serienfertige deutsche Elektroautos sind, wenn überhaupt, erst am Horizont des Jahres 2013 erkennbar.  In anderen europäischen Ländern geht das offenbar schneller. Beflügelt wird das Thema Elektromobilität vor allem durch die dort ausgelobten staatlichen Kaufprämien. Beispiel Portugal: Hier bekommen Käufer eines Elektroautos einen Zuschuss von rund 5000 Euro. Dass der Nissan Leaf – ein viersitziges und mit 160 Kilometer Reichweite bemerkenswert alltagstaugliches Elektroauto – zunächst in einem Förderland wie Portugal (sowie in England, Irland und Holland) auf den Markt gebracht wird, ist also kein Wunder. Im Januar werden die ersten Autos an Kunden ausgeliefert. Bestellungen gibt es so viele, dass die Produktion auf etwa ein Jahr ausverkauft ist.

Aber nicht nur die Förderung mit Staatsgeld ist ein Unterschied zu Deutschland, wo es diese Förderung eben nicht gibt. Auch durch eine kluge Strategie in Sachen Infrastruktur wird das Elektro-Auto in Portugal früher markttauglich. Und das funktioniert verblüffend einfach: Energieversorger, die Ladesäulen in Portugal aufstellen, geben eine gemeinsame Bezahlkarte aus. Mit der in der Tasche können Elektroauto-Fahrer in ganz Portugal ihr Fahrzeug aufladen. Die Karte im Scheckkartenformat wird an das Kontrollfeld der Ladesäule gehalten, dann wird ein Pincode wie bei einer Bankkarte eingegeben – und schon kann das Laden losgehen. Die Stromabrechnung mit dem jeweiligen Energieversorger erfolgt automatisch. Egal, ob für das eigene oder das geliehene Elektro-Auto – vorausgesetzt, der Stecker passt.

Bis Ende nächsten Jahres sollen in Portugal 1350 Ladestationen zur Verfügung stehen, alle 60 Kilometer soll eine davon erreichbar sein (Ballungsräume sind engmaschiger besetzt). An immerhin 50 davon wird auch eine Schnellladung möglich sein. Für den Nissan Leaf bedeutet das: Die Akkus sind in weniger als 30 Minuten auf wenigstens 80% ihrer Kapazität gefüllt. Damit können dann getrost die nächsten 100 Kilometer unter die Räder genommen werden.

Wir sind gespannt, ob sich die deutschen Energieversorger auch auf ein solches Modell einigen können. Oder ob es wieder einmal furchtbar kompliziert wird für den Kunden.

Text: Wolfgang Rudschies

8 Antworten zu “Alle 60 km eine Ladesäule – aber nicht bei uns

  1. Die Frage warum denn vier Steckdosen (die sog. öffentlichen Ladestationen) so ein großes Gehäuse benötigen würden, beantwortete mir ein Hersteller damit, dass die EVUs das so wollen, damit möglichst großflächig Werbung gemacht werden kann.
    Ohne einheitliches Schnellladesystem helfen einem die tollsten öffentlichen Ladestationen nichts, ausser vielleicht an P+R Parkplätzen, wo die Autos mehrere Stunden stehen. Die Fahrzeuge dort werden aber in den wenigsten Fällen an der Grenze der Batteriereichweite betrieben. Sinnvoller wären Lademöglichkeiten, die Firmen den Mitarbeitern anbieten, die mit dem Auto pendeln. Dafür braucht es aber keine vermeintlich aufwendigen Ladesäulen, es reicht eine ordinäre Steckdose, wie sie in jedem Baumarkt zu finden ist.
    Macht die Sache doch nicht immer komplizierter als sie ist. Dass Ladesysteme so fürchterlich umständlich seien und deswegen die Elektromobilität nicht voran kommt, ist doch auch nur eine Nebelkerze der etablierten Autohersteller, die zu träge sind um sich der veränderten Situation zu stellen.

  2. Pingback: Kilometer Geld kann man bei der Steuer geltend machen | RSS Verzeichnis

  3. Ich kann es mir nicht verkneifen, aber ich muss noch etwas los werden.
    Tankstellen. Eine geniale Einrichtung. Betrieben von Strom, weil sonst kein Kraftstoff fließen kann.
    Aha! Ein Energieversorger ist vorhanden. Welcher ist egal. Normen für Steckdosen. Oha. In ganz Deutschland einheitlich vorgeschrieben. Stromnetze. Wie wundervoll. Hab ich schon entdeckt und glaube auch, dass wir zu Hause an einem hängen. Kartensysteme. Meine ehemalige KK hat sowas, die neue auch und meine Bank ebenfalls. Tolle Sache. Muss ein Energieversorger nicht unbedingt kennen, sollte er aber mal in seine Berufsausbildung für die Zukunft aufnehmen.

    Wo sehen denn unsere Geschäftsleute in den Vorstandsetagen das Problem in Deutschland. Ich kann keines entdecken. Es ist demnach doch die Wartezeit, die man überbrücken muss, bis der Staat die Schatulle öffnet.
    Traurig, Traurig!!!

  4. Der Bericht wirft ein sehr deutliches Licht auf die Flexibilität anderer Länder und deren Wirtschaftsabläufe.
    Ich bin wirklich kein Freund von Staatssubventionen für die Wirtschaft, wenn sich, wie in diesem Bericht geschildert, die Wirtschaft durchaus Vertrags- und Servicebedingungen ausdenken kann, die allen Beteiligten helfen. Und das sagt ein Familienvater der keine Reichtümer hat und lange für ein E- Auto stricken muss, wenn es denn mal ein bezahlbares geben sollte.
    Fördermittel sind besonders dann für die Ankurbelung von Produkten auf dem Markt unseriös, wenn die Fördermittel nach erfolgreicher Produkteinführung nicht zurück gezahlt werden brauchen, um andere Produkte zu unterstützen. Wie hier geschildert, bestehen durchaus Möglichkeiten die Bindung des E- Auto- Besitzers an den Hersteller zu verstärken, wenn man lukrative Angebote hat. Dazu habe ich bereits schon etwas geschrieben.
    Doch nehmen wir einmal an, dass die schnellere Einführung und Durchsetzung von E- Autos nur mit entsprechenden Förderungen aus der Staatskasse möglich wäre, müsste immerhin erkennbar sein, dass der Staat sich im Sinne der Steuerzahler auch an die Versorger wendet und seine Forderungen stellt. Doch dann ruft der Energieversorger nach Subventionen, die Städte und Gemeinden sowieso und wahrscheinlich erhebt auch dieses oder jenes Ministerium den Ruf nach mehr Geld.
    Im stillen Kämmerlein reiben sich alle die gesponsert wurden die Hände, aber Ideen zur selbständigen Existenzerhaltung bleiben aus.
    Es bleibt nur das ureigene Interesse der Automobilhersteller und deren hartnäckige Forderung an die Energieversorger, dass ein E- Auto sich für die Zukunft trägt und rechnet.
    Der Kunde ist in Deutschland schon lange vorhanden und es mag vielleicht in anderen Ländern den Eindruck erwecken, dass wir zu übervorsichtig sind, weil wir jetzt erst Testfahrten von zukünftigen Kunden durchführen, um herauszufinden was sich in näherer Zeit so machen lässt und sinnvoll ist.
    Ich denke mir, dass die jetzigen Tests keine mehr sind, weil den Autoherstellern und Energieversorgern bereits alles vorliegt.
    Es geht wohl eher darum, dass man hier in Deutschland warten will bis die Regierung die Subventionen ausspuckt die andere Länder bereits freigegeben haben.
    Das wird uns benachteiligen und schiebt uns in den Dunst der Hinterbänkler.
    Ein Beispiel des existierenden realen Marktes:
    Beim Smart ED hat noch keiner der Tester im Bericht ein Messgerät zur genauen Ermittlung des tatsächlichen Stromverbrauches angeführt, um mit dem Tarif des Energieversorgers seiner Wahl die genauen Kosten für sich berechnen und uns mitteilen zu können.
    Vor einigen Stunden hat hier ein Kommentator das Messgerät benannt, ich hab gleich gegoogelt und heute gekauft. Der Hersteller hat also Geld gemacht ohne Werbung aus seinem Haus.
    Dabei habe ich entdeckt, dass es ganz simple und kleine Solaranlagen für den Hausgebrauch gibt, die man durchaus zur ökologischen Energiegewinnung nutzen kann. Selbst in einem Mehrfamilienhaus mit sturem Vermieter.
    Noch bin ich bei Vattenfall, doch es ist durchaus möglich, dass ich in kürze einen Energieversorger entdecke der mir diese Solar- und/ oder Windkraftanlage zur Verfügung stellt und dafür seine Mehrkosten von mir in kleinen moderaten Beträgen abruft. Ich benötige also nur Papier und Bleistift um diesen Versorger mittels Anfrage zu finden.
    Dabei klärt sich dann automatisch, ob er mir auch unterwegs eine Versorgung für mein E- Mobil ermöglicht. Es mag der Druck der Geldpresse sein, die die Wirtschaft fasziniert, wenn es Subventionen regnet. Mich fasziniert mehr der Druck den ich auf die Wirtschaft ausüben kann.
    Die Länder in denen die Subventionen momentan fließen mögen jetzt im Vorteil sein. Sind sie es aber auch auf Dauer?

    Die Frage in diesem Bericht ist durchaus berechtigt und hat eben noch einen ergänzenden Teilsatz.
    Es ist nicht nur die Frage, ob die Energieversorger und Fahrzeughersteller sich in einfachen Systemen für den Kunden zusammenfinden, sondern wie unabhängig und selbständig werden die Unternehmen in der Entscheidungsfindung beim Loslegen ohne Anschubfinanzierung sein.
    Wenn ich höre, dass der VW Konzern 20 Milliarden in der Kasse hat, dann sehe ich hier einen großen Konzern so träge wie ein Schildkröte, wenn es um die Markteinführung von E- Autos geht.
    Als Aktionär von VW würde ich den Vorstand fragen ob er noch alle Tassen im Schrank hat, wenn ich die Fakten aus Japan auf den Tisch knalle und sehen muss, wie die dort ihr Geld vermehren. Meine Aktien von VW hätte ich schon lange verkauft.

    Nun bin ich nur ein Kunde und habe von den „großen Zusammenhängen“ bei VW oder sonstwem keine Ahnung. Ich sehe, höre und staune aber immer wieder, wie kleine Firmen davon rennen und die „Großen“ ins Schwitzen bringen.
    Ich wiederhole mich gerade, aber ich kann es nicht oft genug sagen.
    Es bleibt der Vorwurf an die deutschen Autmobilhersteller, dass sie eine riesige Schlafmütze trage, die ihnen sämtliche Sinnesorgane abschaltet.

    • In Deutschland wird Elektromobilität bislang so subventioniert, daß der Staat „Forschungsförderung“ direkt an die Unternehmen zahlt. D.h. die Autohersteller erhalten Geld ohne etwas dafür tun zu müssen (denn ein Elektroauto kann jeder halbwegs begabte Mechatroniker nach 1-2 Stunden Internetrecherche bauen, diese Privatprojekte scheitern nur hierzulande an den TÜV-EMV-Gebühren).

      Vermutlich auch deshalb wurde in den letzten 20 Jahren der Mythos vom unfertigen Akku warm gehalten, trotz aller Gegenbeweise — schon 1996 hat Mercedes eine alltagstaugliche Elektro-A-Klasse mit Zebra-Akku gebaut: Mercedes_A-class_electric_zebra.pdf

      Erst wenn der Staat nicht mehr den Firmen das Geld schenkt sondern den Bürgern, müssen die Firmen tatsächlich Ware für dieses Geld liefern.

      Unser Staat denkt nur leider, wir würden das Geld dann nehmen um ausländische Elektroautos zu kaufen, weil es ja noch keine deutschen zu kaufen gibt… ein Teufelskreis!😉

  5. Gibt es ja auch in Deutschland, und lange bevor in Portugal oder Spanien oder sonstwo die E-Mibilität publikumswirksam vermarktet wurde.
    In meiner Heimatstadt stehen E-Ladesäulen von bald drei Energieversorgern, bei zwei bekomme ich Strom in der Testphase kostenkos, einer will eine Grundgebühr, da kann ich einen großen Benziner fahren und bin immer noch billiger. Andersherum habe ich bald auch 3 Zugangskarten für drei nicht kompatible Systeme einstecken – wozu?
    Die bestehenden Systeme: http://www.lemnet.org/LEMnet_Land.asp?land=D , http://www.drehstromnetz.de/ , http://www.bhkw-forum.de/ , park und charge und wie sie alle heißen kommen mit einem Zugangssystem (Schlüssel) aus, kassieren nur einmal im Jahr Gebühr und sind teilweise (Park&Charge) länderübergreifend …
    Man schaue sich mal die Überdeckung im „drehstromnetz“ an, im Osten ist es erst im Aufbau, im Westen da sind die Abstände der Ladehalte teilweise unter 60km.
    Und das alles ohne Karte, ohne komplizierte Abrechnungssysteme und ohne
    Daten zum Fahrzeug, der Wegstrecke usw. zu hinterlassen.
    Bevor neue komplizierte Systeme mit viel Förder(steuer)geld aufgebaut werden, sollten bestehende erst mal ausgebaut werden.
    Jede Straßenlaterne ist tagsüber eine Ladestelle für E-Fahrzeuge, das Stromnetz ist vorhanden, es muß nur etwas politischer Wille entwickelt werden, dann gibt es bald tagsüber jede Menge Ladestellen auf Deutschlands nachts beleuchteten Parkplätzen.
    Und wie ich schon schrieb, „rumstromern“ ist z.Zt. noch erheblich billiger als „verbrennern“, dieser enorme Kostenunterschied weckt natürlich Begehrlichkeiten und will abgeschöpft werden …

  6. Tja, so macht man das…
    Apropos Nissan Leaf: Dort gibt es beim Kauf eines Leaf einen Mietwagen für die Urlaubsfahrt umsonst dazu:
    Zitat:

    „Die Reichweite beziffert Nissan auf etwas mehr als 160 Kilometer. Für den großen Autourlaub taugt das nicht. „Für die Urlaubsfahrt bekommen Leaf-Kunden kostenlos einen Leihwagen von uns“, sagt Masson“

    ()

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