Das Elektroauto: „Wenn die Nummer schiefgeht, sind wir tot“


In den letzten zwei, drei Jahren war viel zu hören und zu lesen von Automobil-Herstellern und deren Absicht, Elektroautos in Serie zu fertigen. Auch von den damit verbundenen hohen Kosten war häufig die Rede. Und während die großen, besonders die deutschen Hersteller eher bemüht waren, den E-Auto-Hype in der Öffentlichkeit zu bremsen, schoben sich mehr und mehr die Kleinen in den Vordergrund. Es tauchten Namen auf, die selbst autoaffine Menschen noch nie gehört hatten. Man denke nur an die Firma Tesla. Und ausgerechnet dieser kleinen revolutionären Ideenschmiede in Kalifornien ist es gelungen, das Elektroauto weltweit salonfähig zu machen. Aus Sicht der E-Auto-Befürworter ein unglaubliches Verdienst. Geld verdient aber haben Firmengründer Elon Musk und seine Kompagnons bisher nicht. Im Gegenteil. Das, was sie in die Firma investiert haben, kam bisher nicht wieder rein. Zuletzt war von einem bilanzierten Verlust von 300 Millionen Dollar zu lesen. Ob die Zahl stimmt oder der Verlust womöglich noch viel größer ist, sei einmal dahin gestellt. Fakt ist: Elektroautos zu bauen ist teuer. Das Risiko, sie angesichts entsprechend hoher Preise nicht genügend an den Mann zu bringen, immens.

Firmen, die auf eine Mehrfachstrategie setzen, wie der Daimler-Konzern es tut, gehen ein anderes Risiko ein. Nämlich sich zu verspekulieren. Ob Optimierung des klassischen Verbrennungsmotors oder des Gasmotors, ob Brennstoffzellen-Fahrzeug oder Elektroauto, ob Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen und deren Einsatz im „Diesotto“, dem Zwitter aus Diesel und Benziner – Mercedes mischt bei sämtlichen Antriebstechniken kräftig mit. Und will auf jeder Bühne weltspitze sein. Und so kam vor allem während der bedrohlichen Automobilkrise die bange Frage auf: Kann der Konzern das finanziell überhaupt bewältigen? Verzettelt sich Daimler etwa und wird am Ende von arabischen Öl-Scheichs gekauft?

Dass die Gefahr, sich finanziell zu überheben nicht herbei geredet ist, erscheint dieser Tage erschreckend „offiziell“. Beleg ist die Recherche des hoch geschätzten und allgegenwärtigen Kollegen „Tom Grünweg“ (ist ein Pseudonym). In Spiegel online (www.spiegel.de) zitiert er einen hochrangigen Nissan-Manager mit den Worten: „Wenn diese Nummer schief geht, sind wir tot, mausetot.“ Grund: Nissan hat in die Entwicklung des Elektroautos fünf Milliarden Dollar investiert. Insgesamt vier Elektro-Autos will die japanische Marke bis 2014 auf den Markt bringen – und ist dadurch strategisch weitgehend auf den Erfolg des Elektroautos festgelegt. Konsequenz: Floppt das E-Mobil, bedeutet das möglicherweise das Ende der Existenz des traditionsreichen Autoherstellers.

Für Allianz-Partner Renault, so ist zu befürchten, könnte Ähnliches gelten. Renault hat vier Elektroautos bis Ende 2012 in Planung. Bis 2015 will Renault weltweit 780000 Stück verkauft haben. Großkunde und damit Anschubfinanzierer ist die Firma Better Place, die 100000 Stück schon fest bestellt hat.

Bei allen geschäftlichen Risiken: Gemessen an den Investitionen, die etwa zur Einführung des Mobilfunks notwendig waren, sind die Summen der Automobilindustrie für die Entwicklung und Produktion von Elektroautos vergleichsweise überschaubar. Und mit dem Mobilfunk verknüpft sich bekanntlich eine großartige Erfolgsgeschichte.

Autor: Wolfgang Rudschies, ADAC Motorwelt

4 Antworten zu “Das Elektroauto: „Wenn die Nummer schiefgeht, sind wir tot“

  1. Betterplace hat das beste Konzept für die Energieversorgung für E-Autos. Traurig nur, das hierzulande in Deutschland keiner bei Betterplace anklopft – Da ist beispielsweise der ADAC gefragt!

  2. Na guck mal. Da macht Mercedes mit dem Smart einen Flächentest und die Berichte der Tester zeigen, dass ein großes Interesse besteht. Und so kommt eines zum anderen.
    Das E- Auto ist nicht mehr tot zu kriegen und wenn jetzt noch nicht die Gewinne fließen, so doch in mindestens 5 – 10 Jahren.
    Ja, die großen und kleinen Autoflotten der verschiedensten Unternehmen machen den Markt aus. Es wird sich sehr schnell erweisen, dass die Einsparungen enorm sind, die eine E- Mobilflotte betreffen.
    Pflegedienste, Krankenwagen, Feuerwehren, Verkehrsunternehmen, Taxiverbände usw., werden hier schneller zuschlagen als die Hersteller es denken.
    Die Infrastruktur der Städte und Gemeinden mit ihrer Straßenbeleuchtung zeigt, dass sie bereits alles haben um selbst noch Einnahmen zu erzielen. Das Gehirn einschalten ist Bürokraten leider nicht unbedingt gegeben und die Politik stellt lieber Subventionen zur Verfügung und blockiert mit sinnlosen Verordnungen und Gesetzen den Weg, anstatt die Bahn freizumachen und Gesetze zu erlassen, die jedem Bürger den Zugang als Stromerzeuger in die Netze ermöglichen oder Verordnungen herausgeben, die Hausbesitzern die Installation von Stromanschlüssen für ihre Mieter oder Fremde unbürokratisch zu erlauben.
    Papierkrieg und ein Zuständigkeitsgerangel sondergleichen herrscht bei uns. Die Kosten sind dann für Otto- Normalverbrauchen ab einem gewissen Widerstabdspunkt der Behörden nur noch Nebensache.

  3. Wenn man gegenüberstellt, wieviel Geld für Ölimporte pro Jahr ausgegeben werden und wieviel Investitionen erforderlich sind, um die Voraussetzungen zu schaffen, um auf elektrische Automobile umzusteigen, dann erscheinen die Investitionen in einem anderen Licht. Um die öffentliche Ladeinfrastruktur zu bauen ist etwa eine Summe (einmalig) notwendig, die EINER Tankfüllung Benzin/Diesel pro zugelassenem PKW entspricht.
    Dazu die imensen Entwicklungskosten für die Automobile, die weitgehend von den Autoherstellern geschultert werden müssen. Die paar „Kröten“ die von der Bundesregierung dazukommen, sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
    Bei der Aussage „Fakt ist: Elektroautos zu bauen ist teuer“ würde ich eher sagen. Ein serienreifes Elektroauto zu entwickeln ist teuer. Die Herstellung des reinen Fahrzeuges wird nur unwesentlich teurer, wenn man die Batterie mal aus der Gleichung herausnimmt.
    Das kann man, weil die Batterie + Strom dem entspricht was man beim Benziner/Diesel in den Tank füllt – der Antriebsenergie. Beim Benziner/Diesel kauft man ja auch nicht gleich mit dem Auto den ganzen Sprit, den man während der Lebensdauer des Fahrzeuges verbraucht.
    Wenn man also die Batterie + Strom über die Lebensdauer des Autos in kleinen Beträgen abbezahlt, die in etwa den Beträgen bei einem Tankstopp entsprechen, dann sieht die Sache auf einmal ziemlich attraktiv aus.
    Vor allem bei Fahrzeugen mit hoher Kilometerleistung lohnt sich der Umstieg, Gerade heute hat eine Vereinigung der 40 größten Städte bekanntgegeben, dass sie prüfen, ob ein umstieg bei den TAXI-Flottten aus Elektoantrieb machbar ist.
    Und General Elektric (GE) wird in Kürze bekanntgeben, dass ein großer Teil der eigenen Fahrzeugflotte mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen ersetzt wird (das sind 40.000 Fahrzeuge).
    Nissan/Renault sind eine große Wette auf die Zukunft eingegangen. Aber es ist etwas anderes als eine Lotterie, weil sie es nämlich selbst in der Hand haben, ob der Umstieg gelingt und die Fahrzeuge konkurenzfähig sind oder nicht. Wenn die Anschaffung+Betrieb günstiger sind, als bei einem vergleichbaren Auto mit Verbrennungsmotor, dann werden die Verbraucher nicht lange zögern. Nach allem was man über den Nissan Leaf so liest, sind die Testfahrer in den USA begeistert von der Performance und viele können es sich vorstellen einen Leaf zu kaufen oder haben einen bestellt.

    • Wenn man die Batterie ausklammert — und ich hab nichts dagegen, die von Betterplace zu mieten — dann ist ein Elektro-Serienfahrzeug heute bereits günstiger produzierbar als der entsprechende Verbrenner.

      Die eingesparten Verbrenner-Bauteile kosten mehr als die dafür eingesetzten Elektro-Bauteile, und da das gesamte Setup eines Elektrofahrzeugs wesentlich einfacher ist spart der Hersteller zusätzlich Aufwand bei Logistik, Montage und QS. Und in Zukunft kann durch vorgefertigte Baugruppen und große Stückzahlen noch weiter rationalisiert werden.

      Nissan und Renault werden’s uns vormachen… oder uns vorführen? Das verwechsel ich da irgendwie immer…

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