Staatliche Kaufprämie für Elektroautos?


Die Bundesregierung hat unlängst ehrgeizige Ziele formuliert: Im Jahr 2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Ein Vorhaben, das nach Ansicht von Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber in Gefahr ist – ohne eine Kaufprämie für Elektrofahrzeuge. „Elektrofahrzeuge brauchen mindestens zu Beginn zusätzlich Kaufanreize, um sich als neue Technologie am Markt zu etablieren. Wenn wir dies nicht ernst nehmen, wird es im internationalen Wettbewerb zu Verzerrungen kommen“, sagte Weber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

In Frankreich, den USA und vor allem China könnten Autohersteller auf die Unterstützung der Regierung bauen – weshalb Weber die deutsche Industrie schon in Bedrängnis sieht: „Jetzt geht es um den Durchbruch einer neuen Technologie und darum, wie Deutschland hier Leitmarkt und Leitanbieter werden kann.“

11 Antworten zu “Staatliche Kaufprämie für Elektroautos?

  1. Nun, grundsätzlich hat die Regierung einen Standpunkt. Sie denkt, zumindest sagt sie das, dass der hiesige Automarkt sich eigenständig entwickelt. Das mag viel Vertrauen in unsere Autobranche sein, andererseits hatte man dieses Vertrauen nicht, als es um die Abwrackprämie ging.
    Man sagt außerdem es sei wettbewerbsverzerrend mit einer Kaufprämie zu subventionieren. Da frage ich mich: Von welchem Wettbewerb reden die Damen und Herren? Den nationalen, den internationalen, den gegenüber Verbrennungsmotoren?
    Fakt ist: USA, Fankreich, China, Japan, England, im Grunde genommen jeder wichtige Player auf dem Markt gibt eine Kaufprämie heraus, nur Deutschland nicht. Also ist es doch viel eher wettberwerbsverzerrend, wenn man hier nicht fördert! Man muss sich doch dem Markt und dem Wettbewerb anpassen.
    Und was die Vernachlässigung von Vebrennungsmotoren anbelangt. Ich gehe doch davon aus, dass die Regierung einen Wechsel von Vebrennungsmotoren hin zu Elektroautos wünscht, demnach dürfte eine Wettbewerbsverzerrung nicht nur gebilligt, sondern ausdrücklich gewollt sein.

    Einen Artikel mit mehr Details zu diesem Thema findet man hier: http://blog.q-charge.com/2010-11-24/konnen-elektroautos-in-deutschland-ohne-kaufpramie-fus-fassen

    Euer
    Mr. Q

  2. Beim gegenwärtigen Stand des Preis-Leistungsverhältnisses sind E-Autos Nischenfahrzeuge; daran kann auch keine Förderung durch Kaufprämien etwas ändern.
    Welches E-Auto könnte ich denn jetzt oder in den nächsten 6 Monaten für durchschnittlichen Fahrbedarf kaufen? Tägliche Fahrten Arbeit, Einkaufen etc. 40-60 km, etwa einmal pro Woche 120-150 km, alle 2-3 Monate 600 km, zweimal pro Jahr 1.000-1.500 km. Jetzt erledigen wir all diese Fahrten mit einem Mittelklasse-Kombi, Anschaffungspreis ~21.000 EUR, Verbrauch 5,7 l Diesel im Durchschnitt. Soweit ich es überblicke, gibt es überhaupt kein E-Auto, dass die Anforderungen erfüllen könnte. Und die Fahrzeuge, die den Anforderungen am nächsten kämen, sind bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise völlig indiskutabel, da würde auch eine Kaufprämie nichts daran ändern. Umweltpolitisch mag das alles wünschenswert sein, aber solange Kosten-Nutzen für den Standardnutzer derart außer Verhältnis sind, wird das für die Masse nichts. Wenn ich nur in einem städtischen Bereich unterwegs sein müsste mit entsprechend geringen Fahrstrecken, wären E-Autos immerhin nutzbar, wenn auch noch lange nicht wirtschaftlich. Allerdings wäre dann in Ballungsgebieten ÖPNV die auch unter Umweltgesichtspunkten weit sinnvollere Alternative.

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  4. Guten Morgen,
    leben wir in einer Marktwirtschaft, oder nicht?
    Seit gut 30 Jahren wird vom kommenden Elektroauto erzählt – aber keines kommt!
    Erhebt sich also die Frage warum?
    A) die Oel-Lobby ist dagegen.
    B) die Technik ist nicht vorhanden – zumindest um den heutigen Ansprüchen (vmax 200 km/h / 500km Reicheite) gerecht zu werden.
    C) die Infrastruktur (aufladen) fehlt!
    Und an dieser Stelle wäre – unter Umständen – der Staat gefragt. Aber keinesfalls um das Sales-Risiko der Konzerne abzufangen!! Das nennt man nämlich Subentionieren!

    HGO

    PS: wieviel E-Autos (nicht: öffentliche Busse etc.) werden denn in anderen Ländern tatsächlich verkauft??

    • Lieber HGO!
      Dass Elektroautos aus der Großserie auf den deutschen Markt kommen, steht außer Frage. Die E-Fahrzeuge von Mitsubishi, Peugeot und Citroen wurden vor kurzem aus Japan nach Europa verschifft. In Frankreich und Deutschland zum Beispiel werden derzeit Werke zur Batteriefertigung gebaut. BMW hat gerade – in Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel – das Werk in Leipzig als Produktionsstätte für das Mega City Vehicle präsentiert. Jetzt gibt es für die Industrie keinen Weg zurück mehr.

    • Nein, wir leben nicht in einer Marktwirtschaft. Bei uns musst Du als Firma oder Bank nur genug Mist bauen, dann fängt der Staat (= wir alle) Dich weich auf, sagt einmal mit gespielt böser Miene „Du du!“ und lässt Dich dann weitermachen wie vorher.

      Und auch wenn der zweite Teil davon nervt, auf den ersten Teil wollen wir sicher nicht verzichten. Genau so wenig wie auf die gezielte Beeinflussung der Entwicklungsrichtung, denn ohne die hätten wir heute noch nicht einmal Katalysatoren und bleifreies Benzin, von 20% Ökostromanteil mal ganz zu schweigen.

      Selbstverständlich bewegen sich die Automobilkonzerne und -gruppen bei einer so radikalen Erneuerung nicht von allein. Sie gewinnen dadurch nichts, sie verlieren jedoch eine Menge Macht, denn nicht nur ein Großteil des Wartungs- und Ersatzteilgeschäfts geht dabei flöten, sondern auch das gesamte Kern-Knowhow beim Motorenbau wird bedeutungslos, die Produkte und Marken werden austauschbar. Und die Käufer wissen das, wie aktuelle Untersuchungen zur Markentreue bei Elektroautos zeigen. Deshalb bastelt jeder Konzern jetzt an neuen Markenmythen bei Elektromotoren und Akkus, damit der Audi-Käufer von heute auch brav auf den Elektro-Audi wartet.

      Dass der Staat jetzt den Konzernen bei dieser Strategie unter die Arme greift fällt unter Punkt 1 oben: Der Mist wurde in Form von Versäumnissen gebaut, und wir alle fangen unsere Automobilindustrie jetzt weich auf, damit dieser wichtigste deutsche Wirtschaftsfaktor keine Delle bekommt.

      Wenn Du mal bei Frau Merkels Rede zum BMW-Werk genau hin hörst kannst Du sogar schon das „Du du!“ erahnen.

  5. Tatsächlich nötig sind Fördermittel für kleine bis mittelständische Unternehmen, die die Kostenvorteile der Elektromobilität an den Kunden weiterreichen (siehe Mia), anstatt stark überteuerte Vorserienmodelle an den Mann zu bringen, wie es die etablierten Hersteller zurzeit versuchen. Für den Kauf solcher Fahrzeuge sollte man keine Fördermittel bereitstellen.

  6. Schwubs und schon ist die Katze aus dem Sack.
    Bitte verzeiht, dass ich auf den Smart ED zurück komme.
    Ich hatte bereits hier schon einmal darauf hingewiesen, dass die Entwicklung der E- Autos eigentlich schon im wesentlichen abgeschlossen ist und nur noch an den Feinheiten gearbeitet werden muss.
    Der Flächentest des Smart ED in England und hier in Deutschland ist nur noch ein Hinauszögern der Markteinführung, weil man auf die Subventionen des Staates hofft.
    Ich habe beim Smart ED Test feststellen müssen, dass dieses Auto eher Gestern als Morgen verkauft werden sollte.
    Aus dem Gejammer eines Forschungsvorstandes von Daimler kann ich nur entnehmen, dass sie nicht gewillt sind dem Kunden vernünftige Konzepte anzubieten.
    Für einen Chef in der Forschungsabteilung sehr armselig, wenn man bedenkt, dass wir hier von Entwicklern reden. Es zeigt sich, dass der Smart ED (der kommt ja quasi von Daimler- Mercedes), keine Chance hat oder haben soll, weil die Forscher in diesem Bereich nicht über ihren Tellerrand hinaus gucken können.
    Damit hat sich auch die Montagsrunde in München schon ad absurdum geführt.
    Wenn man wirklich etwas bewirken und Geld verdienen will, macht man sich nicht vom Staat abhängig.
    Ideenlos, konzeptionslos und einfach nur hilfloses Geschwafel von Profis, die es eigentlich besser wissen und können müssten.

    Deshalb verkneife ich mir hier die Wiederholungen von Ideen, die andere oder ich bereits von sich gegeben haben, weil die Herren Vorstände sie sowieso nicht hören wollen.
    Dann soll es so sein, dass sie nur zusehen wie andere ihnen die Rücklichter zeigen.

  7. Es ist schon seltsam: da unterstützt unsere Regierung noch vor ein paar Monaten den Kauf von Neuwagen mit 2500,-, bezeichnete dies als „Umweltprämie“ und scherte sich einen Dreck darum, welche Autos damit gekauft wurden. In vielen Fällen sicher kein Gewinn für die Umwelt, wenn fahrtüchtige PKW verschrottet wurden. Warum hat man seiner Zeit nicht das Geld genommen, um wirklich umweltfreundliche PKW zu fördern? Warum die Regierung jetzt beim Marktanreiz von Elektro-PKW zögert und zaudert, versteht kein Mensch. Vom Gedanken des Leitmarktes für Elektromobilität werden wir Deutsche uns ganz schnell verabschieden, diese Märkte entstehen in China, Frankreich und Japan. Nur nicht bei uns…wie immer. Schade, eigentlich.

    • Das ist nicht ganz richtig, daß die Regierung sich einen Dreck darum scherte, welche Autos mit der „Umweltprämie“ gekauft wurden: Die bereits verfügbaren Elektrofahrzeuge (CityEL + Twike) durften damit NICHT gekauft werden.

    • Die Umweltprämie war ein grünes Mäntelchen für eine steuerfinazierte Stützung der Automobilindustrie. Die besteht nicht nur aus den Deutschen „Premium-Herstellern“ die von der „Umweltprämie“ praktisch kaum profitiert haben. Es sind vielmehr die vielen Autohändler, Werkstätten und vor allem die Automobilzulieferer, die von der künstlich angeheizten Nachfrage mehr schelcht als recht am Leben gehalten wurden. So gesehen war die „Umweltprämie“ erfolgreich – eben eine politische Entscheidung.
      Zudem was das Angebot an großserienreifen E-Fahrzeigen zu diesem Zeitpunkt sehr überschaubar.
      Da jetzt absehbar ist, dass die deutschen Hersteller frühestens Ende 2011 (2013) serienreife E-Fahrzeuge anbieten können, macht die Einführung einer neuen „E-Umweltprämie“ erst ab diesem Zeitpunkt wirklich einen Sinn für die Politik. Wird solch eine Förderung zu früh eingeführt, würden nur die ausländischen Hersteller wie Renault/Nissan profitieren, die schon die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt haben. So ist das nun mal im Autoland Deutschland.
      Was mich hoffnungsvoll stimmt ist, dass durch den allgemeinen Aufschwung in 1-2 Jahren evtl. auch Geld für eine staatliche Förderung der Elektromobilität in der Staatskasse vorhanden sein könnte.
      Zudem gibt es als Anreiz der vormutlich weitere steigende Preis für Rohöl. Der weltweite Wirtschaftsaufschwung treibt die Preise langsam hoch. Kommt eine ernste Krise (Iran, Korea usw.) dann wird der Ölpreis astronomische Höhen erreichen. Das wird dann Kaufanreiz genug sein. Da braucht es gar keinen Staat.

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