„Wir gehen in Serienproduktion. Auch ohne Fördergelder“


Foto: David Klammer

Ford-Experten Jens Knoth (links) und Dr. Roland Krüger. Foto: David Klammer

In acht Modellregionen werden vom Bundesverkehrsministerium Förderprojekte zur Elektromobilität gestartet. Wir haben mit den Ford-Experten Jens Knoth und Dr. Roland Krüger darüber gesprochen, wo die Elektroautoproduktion ohne den Druck der Politik und den Fördermitteln stehen würde.

Gedanken-Experiment: Würde die Politik keinen Druck machen hinsichtlich Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß von Pkw, würde es von Ford heute Elektroautos geben?

Jens Knoth (Leiter Vorentwicklung Ford):  Sagen wir so – Elektroautos sind für Ford nichts Neues. In den 90er Jahren haben wir mit dem Electric Ranger sogar rund 2.000 Stück verkauft. Und im Jahr 2000 hatte Ford ein Elektroauto auf Basis des Ford Ka fast fertig entwickelt. Dieser e-Ka fuhr mit Lithium-Ionen-Batterien nominell 180 Kilometer weit und war bis zu 130 km/h schnell. Zu einer Serienfertigung kam es aber nicht, weil der Markt noch nicht reif dafür war. Durch den heutigen Druck der Politik bekommt die Nachfrage jetzt Dynamik, und zwar für alle Hersteller. Das ist eine große Hilfe.

Die Förderprogramme tun ein Übriges, oder?

Knoth: Ja, natürlich. Das colognE-mobil Projekt hier in Köln, wo wir uns engagieren, hat ein Gesamtbudget von 15 Millionen Euro und bekommt Mittel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung. Aber das Geld verteilt sich großflächig in der Bundesrepublik.

Wie viel der 15 Millionen Euro geht konkret an Ford?

Roland Krüger (Electric Vehicles Ford): Der Anteil von Ford am colognE-mobil-Projekt beträgt rund 11 Millionen Euro, 43 Prozent dieser Summe kommen von der öffentlichen Hand. Den anderen Teil zahlt Ford selbst.

Welche Gegenleistungen sind mit dem Erhalt der öffentlichen Gelder verknüpft?

Krüger: Wir stellen nicht nur die Elektrofahrzeuge zur Verfügung und betreuen die Kunden im täglichen Einsatz damit. Wir tragen auch die Kosten für die breite universitäre Begleitforschung mit. Außerdem leiten wir die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem colognE-mobil-Modellprojekt an die Koordinierungsstellen weiter, so dass sie für alle von Nutzen sind. Konkret liefern wir alle unsere Daten aus dem Betrieb unserer Elektro-Fahrzeuge. Das sind aktuell 10 Nutzfahrzeuge vom Typ Ford Transit BEV, die in Köln in der City-Logistik vor allem als Liefer- und Service-Fahrzeuge eingesetzt werden. In absehbarer Zeit werden weitere 15 Elektrofahrzeuge der Modellreihen Ford Transit Connect und Ford Focus hinzukommen.

In einer Pressemitteilung von Ford heißt es, es gehe im Projekt um die Erprobung der Dauerhaltbarkeit der Batterien, um die Ladezyklen und Entladezyklen, die Akzeptanz von Elektroautos in der Bevölkerung sowie um die Verkehrssicherheit. Aber geht es nicht in allen acht Modellregionen um genau diese Themen? Warum müssen dieselben Themen mehrmals von verschiedenen Seiten bearbeitet werden? Sind das nicht verschwendete Ressourcen?

Krüger: Das Wichtigste für uns wie für jeden anderen Autohersteller ist das eigene Lernen, insbesondere die Rückmeldungen unserer Kunden aus dem Alltagsbetrieb. Aber es macht Sinn und bedeutet einen Mehrwert für alle, wenn man sich gegenseitig austauscht. Das betrifft auch die Entwicklung einer Elektro-Infrastruktur. Herstellerübergreifende Themen werden ohnehin in den übergeordneten Plattformen der Modellregionen gemeinsam bearbeitet.

Knoth: Das politische Ziel der Bundesregierung von einer Million E-Fahrzeuge bis 2020 ist sicherlich nur dann erreichbar, wenn möglichst alle Hersteller in den Modellprojekten an Bord sind. Da spielt es eine untergeordnete Rolle, wenn Problemlösungen doppelt oder dreifach erarbeitet werden. Wir müssen alle mitnehmen auf die Reise: die Hersteller, die Kunden und die Stromversorger, die sowieso regional aufgestellt sind.

In Nordrhein-Westfalen sollen 250.000 E-Fahrzeuge auf die Straße, so die Politik. Inwieweit wird die öffentliche Hand solche Autos kaufen oder leasen? Gibt es Anfragen?

Krüger: Die Anfragen gibt es, aber es gibt derzeit noch keine Autos. Unsere Fahrzeuge im Modellprojekt sind Vorserienfahrzeuge. Diese können wir so nicht an die Stadt oder an die Kommune verkaufen. Abgesehen davon möchte Nordrhein-Westfalen mit seinem 250.000-E-Fahrzeuge-Ziel vor allem die Rahmenbedingungen schaffen, damit künftig nicht nur die öffentliche Hand selbst, sondern auch Unternehmen und Privatpersonen diese Fahrzeug erwerben.

Wenn die Modellprojekte Mitte 2011 auslaufen und es kein weiteres Geld vom Steuerzahler geben sollte, wird das Elektroauto von Ford dann ein zweites Mal in der Versenkung verschwinden?

Knoth: Es geht auf alle Fälle weiter, wir gehen ja demnächst in Serienproduktion. Wir werden in Europa Hybrid, Plug-In-Hybrid- und auch batterieelektrische Fahrzeuge anbieten. Los geht es schon im kommenden Jahr. Mit dem Ford Transit Connect Electric kommt Ende 2011 das erste batterieelektrische Fahrzeug von Ford in Europa und damit auch in Deutschland auf den Markt. Ein Jahr später ist dann mit dem Ford Focus Electric das erste Pkw-Modell von Ford mit Batterieantrieb hier in Europa verfügbar, für 2013 haben wir Hybrid- und Plug-in-Hybridmodelle angekündigt. Ob mit oder ohne Fördergeld vom Staat.

Autor: Das Interview führte Wolfgang Rudschies, ADAC Motorwelt

2 Antworten zu “„Wir gehen in Serienproduktion. Auch ohne Fördergelder“

  1. Seltsam … der Ka wurde damals doch nur als Muster gebaut um zu zeigen das LI-Akkus im E-Auto vieeeeel zu teuer sind (waren) – der RANGER-EV ist in -D- nie verkauft worden (die Marke Think haben sie in USA damals eingestampft) und von dem FORD ECOSTAR ((160KM RW. mit Zebra-Akku inc. Klimaanl.) der wirklich verkauft wurde – und auch in Koeln bei der „Fernmelde“-Post um 1995
    im Testeinsatz war) wird hier nix erwaehnt … die sollte evtw. mal etwas ueber ihre Firmenhistorie im WWW nachlesen😉 …

    Uebrigens der Ford-Ranger-EV wurde von Siemens-Technik angetrieben – siehe Bild:

    Es gibt in -D- nur zwei (mir bekannte) Ranger-EV – welche aus den USA importiert wurden (der eine im Ruhrgebiet faehrt heute noch mit den Orginal NiMh Akkus !).

  2. Kleiner Ansatz in die richtige Richtung, bei Ford.
    Ob mit oder ohne Fördergelder weitermachen ist die unwidersprochene Alternative.
    Gut, dass in diesem Interview die Energieversorger angesprochen werden.
    Was würde ein Interview bei den Stromerzeugern eigentlich hervor bringen?
    Momentan ist es sehr still bei diesen Unternehmen. Ich suche bereits einen Energieversorger der mir die Stromerzeugung auf dem Balkon oder den Fensterbrettern vor meinem Fenster ermöglicht. Lekker Energie bietet da z.B. die Solartechnik für Einfamilienhäuser im Versorgungspaket an.
    Das ist der Weg der jetzt beschritten werden muss.
    Dann lösen sich die Probleme der Versorgung für den Einzelnen und die Allgemeinheit sehr schnell. Die Kommunen haben z.B. noch nicht begriffen, dass sie gute Möglichkeiten der Erhöhung von Einnahmen haben, wenn sie ihre örtlichen Gegebenheiten auf den Markt der Energieerzeugung anbieten.
    Da fällt mir allein die Straßenbeleutung ein.
    Alles vernetzt und verkabelt. Vermieten oder verpachten von Lichtmasten für kleine Windkrafträder oder Solarzellen.
    Parkplätze mit Stromanschluss für Parkgebühren und Energieeinnahmen
    z.B. bei einem KWH- Haushaltspreis von 25 Cent, der dann an der Parkfläche 30 oder 35 Cent kostet.
    Portugal scheint da sehr weit voran zu schreiten, wie wir hier lesen konnten.
    Parkbuchten in Wohngebieten sind ebenfalls lukrative Einnahmequellen, wenn man sie entsprechend vermietet oder verpachtet.
    Also hier die Frage, ob die Energieversorger bereits in Verhandlungen von solchen Plätzen stehen, um sie zu pachten.
    Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber das Geld wird in Zukunft, wie bei Handys, nicht mit dem Auto allein, sondern mit den zusätzlichen Kompaktangeboten gemacht.

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