Die DBM-Rekordfahrt: Reaktionen aus Industrie und Wissenschaft


600 Kilometer mit nur einer Batteriefüllung – nach der Aufsehen erregenden Elektroauto-Rekordfahrt der Firma DBM hat die ADAC Motorwelt Stellungnahmen aus der Automobilindustrie und der Wissenschaft eingeholt. Gefragt wurde: Ist Ihnen die DBM-Akkutechnologie bekannt? Wie wird diese Akkutechnologie bewertet? Ist es möglich, dass die Technologie den Durchbruch in der Elektromobilität bedeutet, wie es Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle formuliert hat? Die Statements von AUDI bis VW lesen Sie hier.

AUDI
Pressesprecher Eric Felber: „Die von DBM verwendete Batterietechnologie ist uns bekannt, sie befindet sich im Forschungsstadium. Aus Sicht von Audi sind Lithium-Metall-Polymer-Akkus elektrisch und thermisch sehr empfindlich. Vor allem aus Gründen der Sicherheit und der Langlebigkeit ist diese Technologie noch weit von einem Serieneinsatz im Automobilbereich entfernt. Lithium-Metall-Polymer-Batterien können zwar eine sinnvolle Ergänzung des Technologieportfolios werden, es ist heute aber noch nicht abzusehen, ob diese Technologie eine wesentliche Rolle bei der E-Mobilität spielen kann.“

BMW
Pressesprecher Tobias Hahn: „Es gibt immer wieder öffentlichkeitswirksame Aktionen, die auf ein spezielles Ergebnis ausgerichtet sind. Ob dabei tatsächlich neue, oder sogar bahnbrechende Ergebnisse für ein Serienangebot generiert werden, bleibt zu prüfen. Wir werden uns, wie andere Wettbewerber sicher auch, die Ergebnisse detailliert anschauen, falls wir Zugang zu den grundlegenden Daten der verwendeten Batterie erhalten. Erst dann lassen sich konkrete Aussagen treffen. Für die Serienanwendung setzt BMW auf Lithium-Ionen-Batterien. Diese Technologie erfüllt zum gegenwärtigen Zeitpunkt am besten die vielfältigen Anforderungen an Energiedichte, Leistungsabgabe, Dauerhaltbarkeit, Sicherheit sowie Kosten- und Gewichtseffizienz. Selbstverständlich haben wir vor der Entscheidung für die Lithium-Ionen-Technologie unterschiedliche Batterietypen sehr genau auf ihre Serientauglichkeit geprüft.“

MERCEDES
Prof. Dr. Herbert Kohler, Leiter E-Drive & Future Mobility: „Ein solch singuläres Ereignis ist sicherlich alles andere als ein Durchbruch. Um eine für ein Elektroauto taugliche Batterie zu entwickeln, reicht es bei weitem nicht aus, wenn man sich auf einen einzigen Faktor konzentriert: nämlich maximale Reichweite dank maximaler Energiedichte. Das kann für einen Einsatz funktionieren, für ein verlässliches Konzept, das ein Autoleben lang zuverlässig arbeitet, ist eine solche Konfiguration aber nicht geeignet. Die Kernfragen, die sich über die Energiedichte hinaus stellen, sind beispielsweise: Wie oft
lässt sich die Batterie wieder aufladen? Lässt sich die gewünschte
Reichweite auch nach zehn Jahren und mehreren tausend Ladezyklen noch
abrufen? Wie steht es um die Qualität? Und vor allem: Ist eine vollumfängliche Sicherheit gewährleistet? Batterien auf Lithium-Metall-Polymer-Basis sind
aus heutiger Sicht für den Einsatz im Fahrzeug noch lange nicht
geeignet. Denn sie erfüllen unsere Sicherheitsanforderungen zur Zeit
definitiv nicht und eine entsprechende Langzeitstabilität (kalendarische
Lebensdauer) erfordert Werkstoffe, die das aggressive Verhalten der
Lithiummetalle abpuffern können. Dazu laufen – sehr optimistisch formuliert
– Grundlagenforschungen, deren Ausgang nicht genau zu prognostizieren sind.“

OPEL
Pressesprecher Uwe Deller: „Bezüglich der DBM-Batterie sind leider noch zu wenig Informationen verfügbar, um dies seriös einschätzen zu können. Prinzipiell sehen wir eine Verifizierung dieses mit öffentlichen Mitteln geförderten Technologieansatzes durch ein unabhängiges Testlabor bzw. eine Testinstitution als unabdingbar an, um weitere Aussagen machen zu können.“

VW
Dr. Rudolf Krebs, Generalbevollmächtigter für Elektrotraktion im Volkswagen-Konzern: „Wir vermuten, dass es sich bei der von Firma DBM verwendeten Batterietechnik um eine Lithium Metall Polymer Batterie handelt. Dieser Akkutyp hat zwar aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung eine recht hohe Speicherkapazität, ist aber nach unseren Analysen nicht genügend haltbar, sprich er hat eine ungenügende Zyklisierbarkeit. Nach unserem Kenntnisstand müssen Lithium Metall Polymer Batterien darüber hinaus erst geheizt werden, um ihre Funktion voll zu erfüllen. Völlig unzureichend ist deren Sicherheit gegen Brand. Für den Einsatz in einem Modell des Volkswagen Konzerns kommen sie deshalb nicht in Frage.“

FRAUNHOFER INSTITUT FÜR CHEMISCHE TECHNOLOGIE
Dr. Jens Tübke, Abteilungsleiter Angewandte Elektrochemie: „Leider liegen uns nicht ausreichende Informationen zu dieser Batterie und zu den Rahmenbedingungen vor, um eine fundierte Einschätzung geben zu können. Dazu wird momentan nur spekuliert.“

RWTH AACHEN, INSITUT FÜR ELEKTRISCHE ANTRIEBE
Prof. Dr. Dirk Uwe Sauer: „Entwicklungsfortschritte bei der Batterietechnolgie in diesem Umfang würden die Wissenschaft sehr verwundern.“

UNIVERSITÄT MÜNSTER, MEET (Münster Electrochemical Energy Technology)
Prof. Dr. Martin Winter: „Der Akku von DBM ist weder nachprüfbar noch nachvollziehbar. Es gibt weltweit rund 50.000 Techniker und Wissenschaftler auf diesem Gebiet. Aber keiner hat einen Akku, der die von DBM behaupteten Eigenschaften alle auf einmal in sich vereint, entwickeln können. Zeigen könnte DBM zum Beispiel eine Lade-/Entladekurve ihrer Batterie oder Zyklendaten oder Ergebnisse von Belastungstests. Und zwar ohne dass das Knowhow der Firma dadurch in Gefahr geriete. Aber sie tut es nicht. Sie macht sich durch diese Haltung alles andere als glaubwürdig.”

8 Antworten zu “Die DBM-Rekordfahrt: Reaktionen aus Industrie und Wissenschaft

  1. wolfgangrudschies

    Hallo Herr Welling!
    Der DBM-Akku befindet sich im Einsatz bei einer Firma, die mit Gabelstaplern arbeitet. Der Prokurist der Firma äußert sich stets positiv, die Firma ist bisher mehr als zufrieden. Das haben auch wir im Telefongespräch so zu hören bekommen. Und das, obwohl es einen Brand des Gabelstaplers mit DBM-Akku gegeben hat. Es sei auch nicht die Batterie gewesen, die gebrannt habe, wie es in Presseberichten und in Internetforen immer wieder heißt, sondern die Peripherie des Akkus (Ladegerät, Kabel) sei überhitzt aufgrund von Überladung. Es sei deshalb zu heftiger Rauchentwicklung gekommen, weshalb die Feuerwehr ausgerückt sei. Inzwischen ist der Gabelstapler mit DBM Akku seit etwa 13 Wochen im täglichen Einsatz.
    Ein Preis des Akkus war bisher nicht zu erfahren, weder vom Hersteller DBM (siehe Internetseite) noch vom Gabelstapler-Kunden.

  2. angeblich verkauft die Firma solche Akkus schon, für Gabelstapler u.ä.
    – stimmt das?
    – seit wann?
    – Preise?
    – Erfahrungen der Kunden? Zyklusfestigkeit usw.
    Oder ist der „Rekord“-Akkus etwas ganz Neues?

  3. Zur Meinungsfindung erscheint mir dies als Erfahrung sehr interessant und bestätigt die deutschen Hersteller:
    http://cgi.ebay.de/happens-buying-a-vpower-48V-15ah-LiFePo4-Battery-Honk-K-/140488108482?pt=Motorrad_Kraftradteile&hash=item20b5be69c2

    • Hallo gt66, das sehe ich nicht so. „You get what you pay for“ gilt auch in China. Und auch wenn mir das Herz blutet bei dem Bild: der Schriftverkehr offenbart in keiner Weise das nötige Wissen bzgl. Elektrik und Elektronik um mit einem derartig starken Akku zu experimentieren. Warum hat er seinen kundigen Freund erst nach der Katastrophe hinzugezogen? Warum hat er den offenbar billigst gekauften Akku nicht erst mal auf Herz und Nieren mit mehrfachen Lade/Entladezyklen außerhalb des Scooters getestet? Wo ist das Gutachten zur Brandursache? Daher kann ich die Reaktion der Anbieter auf seine Email nachvollziehen.

      • Hallo Michael Balzer, ich stimme Ihrem Kommentar voll zu!
        Auch den Gefahren, die die Automobilhersteller sehen!
        Es ist keine Technik für jeden Selbermacher !
        Alles muss stimmig sein, Ladetechnik, Akkutyp usw.
        Dieses Wissen muss vorhanden sein und weiter aufgebaut werden!
        Die komplette Infrastruktur fehlt noch.
        Daher auch mein früherer Kommentar: „Stell Dir vor es gibt Elektroautos aber keiner kann sie reparieren“

  4. 300 statt 600 km Reichweite würden mir schon reichen (1 x Büschelchen), wenn die Batterie ausreichend sicher gegen Brandgefahr geschützt wäre und sich zumindest ein Jahr lang über Nacht wieder voll aufladen ließe. Das scheint bei DBM leider nicht gewährleistet. Anderenfalls würde ich einen höheren Kaufpreis für ein derart interessantes, abgasfreies Auto durchaus in Kauf nehmen.

  5. Es ist wirklich schade, dass DBM nicht endlich die unverfänglichen Daten öffentlich macht, die ihre Entewicklung nicht gefährden.
    Es wird höchste Zeit.
    Es reicht nicht, nur bei der Bundesanstalt für Materialprüfung nachzufragen ob eine Prüfung stattfinden kann, sondern es muss unbedingt der Antrag gestellt werden. Das ist nach Auskunft der Behörde eben noch nicht geschehen.
    400 km würden auch schon reichen, um viele Kunden an den Verkaufstisch für ein E- Mobil zu locken. Doch das Verhalten von DBM sorgt eher dafür, dass wir einen enscheidenden Zuspruch für E- PKW in der Bevölkerung verlieren.
    Ich gehe davon aus, dass die Automobilhersteller und die technischen Hochschulen sehr genau wissen, was machbar ist.
    Deshalb muss DBM klarstellen wo ihre Reise hin geht.

    Der Artikel hier war sehr wichtig. Danke an adacmotorwelt, dass tatsächlich mal konkret bei Fachleuten nachgefragt wurde. Wir benötigen unbedingt als zukünftige Kunden Klarheit darüber, nach welchen Akkus wir fragen müssen, die sich in dem zu kaufenden E- Auto befinden sollten, damit man keine bösen Überraschungen erlebt. Mit getürkten oder schlechten Akkus ist keinem geholfen.

  6. Dietrich Hülsmann

    Was gab es da nur für einen „brüderlichen“ Zusammenhang, daß sich unser Wirtschaftsminister vor eine solch unsichere Kandidatin spannen ließ?
    Es ist positiv, daß der Langstreckenversuch durchgeführt wurde. Er hat sicherlich viele der mit der Materie befassten Köpfe zu intensiverem Nachdenken angeregt. Jetzt sollte Herr Brüderle aber darauf bestehen, daß die physikalischen (Dauer)-Eigenschaften offen gelegt werden, andernfalls sich Herr Brüderle und – nach der abgezogenen show- auch die Öffentlichkeit als r e i n g e l e g t betrachten dürften.

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