Unverhoffte Zwischenstopps


Der Karabag 500 E im Münchner Winter

Der Karabag 500 E im Münchner Winter

Von außen sieht der kleine schneeweiße 500er aus, wie seine Fiat-Artgenossen mit Benzinantrieb: stylish und rund. Dass der Elektroantrieb des Karabag 500 E unter der formschönen Karosserie des Fiat 500 im Alltagsbetrieb ab und an auch Anlaufschwierigkeiten hat, musste ADAC-Mitarbeiter Christopher L. an einem eiskalten Wintertag München leidvoll erfahren.

Eigentlich wirkt Herr L. als Architekt am Neubau der ADAC-Zentrale mit, doch sein Interesse am Thema Elektromobilität ist groß. Darum bewegt er mit den Kollegen vom Baubüro seit einiger Zeit auch einen Karabag 500 E auf Basis des Fiat 500 durch München. Vor einer der Fahrten versagt das Elektroauto jedoch plötzlich seinen Dienst. „Hat sich der Akku über Nacht entleert?“, fragt sich Herr L.. Gar nicht praktisch findet er, dass er in dieser Situation weder im Display noch am Antriebsgeräusch ausmachen kann, ob der Motor überhaupt läuft. Anscheinend schaltet sich das Auto aus, wenn sich eine Tür öffnet und geht dann erst widerwillig wieder an.

Der Architekt denkt zunächst, die Arbeitsverweigerung des E-Motors liegt an den knackig-kalten Außentemperaturen, die den kleinen Italiener in eine abrupte Schockstarre versetzen. Aber irgendwann fährt er dann wieder – bis zum erneuten Stillstand. Leider passiert das Malheur diesmal mitten auf einer Kreuzung: Nichts geht mehr: “Not Funct.“ leuchtet im Instrumententräger auf. Wie schön! Autos hupen, Hände werden zu Fäusten geballt. L. kann den Wagen mit Hilfe zweier freundlicher Damen von der Straße schieben. Nach kurzer Zwangspause am Straßenrand geht das Auto plötzlich wieder. Vielleicht eine Fehlfunktion, über die der Hersteller Bescheid wissen sollte?

Ohnehin hätte er dem Hersteller des italienischen Elektromobils, wenn er ihn mal träfe, einiges zu erzählen:
1. Es fehlt eine spezielle Betriebsanleitung. Die originale Fiat-Anleitung hilft wenig, schon beim Starten des Wagens und bei den Funktionen des Displays wird sie ihrem Namen nicht gerecht. Auch fehlt eine Anleitung zum Aufladen der Batterien im Auto. Zumindest bei den ersten Ladevorgängen ist man ob der ungewöhnlichen Handgriffe verunsichert. Zudem fehlt eine Beschreibung über die Dauer des Ladevorgangs, usw. Dass es eine benzinbetriebene Heizung gibt, die man extra betanken und an einem versteckten Schalter neben dem Fahrersitz einschalten muss, hat Christopher auch erst nach einigen eisigen Fahrten entdeckt.
2. Display: anstatt der (sinnlosen) Anzeige der Betriebstemperatur vermisst der Testfahrer folgende Anzeigen im Cockpit:
– Motor on/off (man hört es ja nicht)
– restliche Fahrleistung
– restliche Ladezeit
– eingelegter Gang
– Tankanzeige für die Benzin-Heizung
3. Hilfreich wären zudem Infos darüber, ob und wie sich z.B. das Heizen, das Autoradio, das Licht auf die Reichweite des E-Mobils auswirken.
4. Die Heizung ist nicht gerade zeitgemäß. Zunächst muss man den Extra-Schalter dafür im Innenraum finden und wenn sie dann läuft, hört sie sich an wie eine Turbine. Darüber hinaus ist die Heizleistung schlecht und wird es kaum warm im Innenraum. Als nervig empfindet Christopher die noch immer lückenhafte Infrastruktur der Ladestationen. Im Moment kann er nur beim ADAC und den Stadtwerken München in der Blumenstraße aufladen (und das dauert).

Ansonsten hat L. die Spritztour mit dem E-Auto genossen (wenn es denn mal warm ist). Sein persönliches Fazit: „Ich bin als Stadtmensch, Gelegenheitsfahrer, ohne Kinder und mit einem im Münchner Speckgürtel verteiltem Freundeskreis schon in der richtigen Zielgruppe für das Fahrzeug. Als Pool-Fahrzeug würde ich es den konventionellen Benzinern vorziehen, wenn auch nicht im Winter.“

7 Antworten zu “Unverhoffte Zwischenstopps

  1. Die Ironie beim SMART …

    er war ja urspruenglich als E-Auto (waehlbare Hinterachse entw. mit aufmontiertem Verbrenner – oder eben E-Motor) konzipiert!

    Die Verschraubungen fuer einen Akku-Halterung unter dem Fahrzeug sind bis heute noch an der Karosserie :-)!
    Selbst im Armaturenbrett ist eine (nicht beschaltete) Anzeigenlame fuer
    ein Ladegeraet verbaut…

    Die Firma MES/DEA (Schweiz Italien) baut den Smart schon seit 10 Jahren auf ELEKTROANTRIEB „zurueck“ – durfte nur nie nach -D- liefern (sowas …) http://www.elweb.info/dokuwiki/doku.php?id=mes-dea_smart_pure_elettrica

    Mittlerweile gibt es diverse UMRUESTER fuer den Smart … von Norwegen ueber GB/Polen/Tschechien/Italien usw. – ja selbst hier in -D- wird eine Umruestung von div. Firmen angeboten (deren Umbausatz auf dem eve-Smart aus Italien aufbaut).

  2. Und das Henne-Ei Problem bleibt noch eine Weile

    Leider hat Herr Bluhm Recht. Die großen deutschen Mobilhersteller haben die letzten 10 Jahre verschlafen. Es droht das Hinterherlaufen, Japaner und Chinesen sind Vorreiter und bauen ihren Vorsprung bei E-Motoren und Batterien aus. Diese werden aus dem ausland zugekauft und nicht selbst produziert. Die Entwicklungsabteilungen haben sich an Fördermittel und staatliche Subventionen gewöhnt. Nun warten sie scheinbar bis 2015 auf einen staatlichen Kaufanreiz, der kaum vor 2013 kommen dürfte, da die BuRe gerade die Abwrackprämie und hohe Summen für den Kauf von Benzinern bereit gestellt hat. Klar ist doch, dass ein E-Mobil ab 30T Euro für die meisten Autofahrer zu teuer für ein Zweitstadtauto mit geringer Reichweite ist. Solange es kaum Serienfahrzeuge gibt, kann der Hersteller Batterie betriebener Fahrzeuge die Kosten unabhängig von Produktionskosten festlegen und damit seine Entwicklungskosten wieder rein holen. Also warum sollte Daimler den Smart ed für € 10000 Euro verkaufen? Auch wen der Smart schon ausgereift wäre, so ist dieses Fahrzeug für die Vorstände, die eine große Limosine fahren, ein Spielzeugauto, was nur Kosten und keine Rendite verspricht. Wie soll sich da ein schnelles Umdenken einstellen. Geld hat Daimler mit dem Smart noch nie verdient und die Angst scheint zu groß, dass auch der Smart ed flopt, auch wenn er die besten Eigenschaften für dieses Segment mitbringt und ein sensationeller Erfolg möglich wäre. Ich wollte dieses Fahrzeug vor knapp zwei Jahren anschaffen, aber Daimler verkauft ihn (noch) nicht.
    Also heißt es Zähne knirschend abwarten und sich nach Alternativen umschauen, leider kommen diese aus Asien und sind dort schon lange auf der Strasse anzutreffen. Ich wünsche den deutschen Entscheidungsträgern in Industrie und Politik mehr Mut, denn die deutschen Tüftler und Entwickler neuer Technologien haben diesen immer bewiesen.

  3. Was ich nicht verstehe ist wieso die Umrüster sich auf Fahrzeuge stürzen, die es sowieso bald vom OEM in einer elektrischen Version geben wird.
    Für die Umrüstung kostengünstig beschaffbarer Microcars mit Motorschaden interessiert sich leider gar niemand von den Anbietern.

  4. Achja, seuftz!
    Was war das für ein schöner Test mit dem Smart ED, fällt mir zu diesem Bericht nur ein.
    Der ist wirklich absolut fertig zum Verkauf und hat nur kleine technische Änderung zur noch leichteren Handhabung zu erwarten.
    Leicht verständlich und ebenso leicht zu handhaben.
    Sehrgute, überschaubare Ausstattung. Platz für größere Akkus und größere Reichweite nach Kundenwunsch.
    Viele Extras für die Sonderwünsche im Angebot.
    Viele Ladestationen im Bundesgebiet, weil viele Smart und Daimler Händler.
    Wenn ich daran denke, wie schnell ich eingewiesen war und alle Probanden (Kollegen) während des Testes das Prinzip schnell aufgenommen haben, dann hat der Smart ED insgesamt alles das, was dem E- Karabag fehlt.
    Der Erfinder des Swatsch Autos, heute Smart, lacht sich sicher einen Ast, dass Daimler genau das Auto jetzt fertig gestellt hat, was er eigentlich haben wollte und nicht von Daimler 1995 bekam.
    Nun hat er schon lange seine Anteile verkauft, weil er nicht mit dieser Entwicklung, gerade bei Daimler, rechnen konnte.
    Wenn jetzt der Vorstand wüsste was er da eigentlich hat und für 10.000,00 € im Basispreis auf den Markt werfen könnte, dann würden wir in zwei Jahren die 1 Millionmarke von E- Autos nur allein mit diesem Smart ED erreichen, die sich die BuRe bis 2020 wünscht.
    Doch in der Vorstandsetage hat man keine Eier in der Hose im Alleingang den Verkauf zu forcieren.
    Da hilft auch der negativ Bericht vom E- Karabag leider nicht weiter.

  5. Fahrbericht eines SERIENFAHRZEUGS (BAUJAHR 1996)
    alle oben beschriebenen Maengel gibt es bei meinem
    CLIO electrique nicht (schauen Sie sich das Video an und
    vergleichen Sie selbst😉 ).

    Aber Microvett (oder hier in -D- Karabag) kann man
    schlrcht mit den GROSSEN vergleichen … dennoch
    eine Anleitung sollte es schon geben (vielleicht
    kann ja hier ein Voluntaer/Azubi/Praktikant vom
    ADAC (oder auch SIXT/RWE) einspringen – und
    mal eine PDF-Anleitung verfassen!

    Uebrigens – ueber die Ladesteckerabdeckung macht
    sich z.Zt. kaum jemand der deutschen Leitmarkt-
    fuehrer-Premium-Autobauer Gedanken …
    Ladestecker im E-Auto und der Deckel bleibt offen
    (doof wenn’s REGNET oder SCHNEIT …)
    das war bei den ELECTRIQUES von PSA und
    Renault schon vor 15 Jahren besser geloest !!!

  6. Der Karabag 500 E ist kein Großserienfahrzeug und will es auch nicht sein. Die beschriebenen Probleme und Defizite werden (voaussichtlich) bei einem durchentwickelten Serien EV oder Plug In Hybrid nicht auftreten. Der GM Volt wurde über mehrere Jahre entwickelt und intensiv getestete sowohl in der Wüstenhitze von Arizona und in den kalten Regionen in Kanada und Nordamerika. Beim GM Vold sind daher so viel/wenig Probleme zur erwarten wie bei jedem anderen Serienfahrzeug von GM/Opel.
    Wenn der Bericht als Hinweis für die Autohersteller gedacht ist, was sie alles berücksichtigen und abstellen sollten bevor so ein Fahrzeug auf den Markt kommt, o.k. – aber das ist in den Entwicklungsabteilungen sowieso schon bekannt.
    Ich bin gespannt auf Testbereichte von „echten“ Serien-EV wie dem Mitsubishi i-MiEV, Nissan Leaf, Opel Ampera. Da fürfte das Ergebnis erfreulicher sein.

  7. Die bisher süß schlafende Industrie hat sich endlich aufwecken lassen, sie will den Anschluß an das Auto-Electrozeitalter nicht verlieren.Dem gutwilligen Käufer etwas unentwickeltes an Hand zu geben, ist mehr als sträflich. Aus diesem Verhalten erkennt man eindeutig , wie motiviert der Hersteller hinter seinen Produkten steht. Haben wir nicht die gleiche Situation beim pedelec? Geld zu Lasten des Verbrauchers einfahren, wenn man dann nach Jahren Glück hat, ist der Fortschritt auf Kosten des Verbrauchers positiv verlaufen. Daher Hände weg, bis die Produkte reif sind. Ich stehe dann zur Elektro Alternative.

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