Wirtschaftsministerium untersucht Kolibri-Akkus in Modellprojekt – keine Förderung des Neuaufbaus des verbrannten Rekordautos


Im vergangenen Oktober legte ein zum Elektroauto umgebauter Audi A2 des Batterieherstellers DBM Energy die Strecke von München nach Berlin zurück. Die Rekordfahrt wurde vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) mit 275.000 Euro unterstützt. Im Dezember 2010 ist das DBM-Rekordauto in einer Lagerhalle in Berlin unter ungeklärten Umständen abgebrannt. Die ADAC Motorwelt wollte vom BMWi wissen, was das Ministerium zum Verbleib des Rekordakkus und zur Serienreife der Kolibri-Akkutechnik sagen kann.

Das Elektroauto der Firma DBM, dessen Weltrekordfahrt vom Ministerium mit 275.000 Euro gefördert wurde, ist im Dezember verbrannt. Ein Rückschlag für das BMWi?
Es ist in erster Linie ein schwerer Schlag für die Firma und ihre geleistete Arbeit. Der ursprünglich für Dezember 2010 bei der DEKRA vorgesehene Reichweiten-Check wird nun aber von DBM Energy Ende Februar nachgeholt.

Seit wann weiß das BMWi von der Zerstörung des Rekord-Autos?
Das BMWi ist am 13. Dezember 2010 von der Firma DBM Energy über den Vorfall unterrichtet worden – also unmittelbar nach dem Brand am 12. Dezember 2010.

Warum hat das Ministerium die Öffentlichkeit nicht zeitnah über die Zerstörung des öffentlich geförderten „lekker mobils“ informiert?
Das BMWi ist von den ermittelnden Behörden angehalten worden, keinerlei Auskünfte zu erteilen, um das laufende Ermittlungsverfahren nicht zu gefährden. Zur Brandursache kann das BMWi sich vor Abschluss der Ermittlungen auch weiterhin nicht äußern.

Die Kolibri-Batterie ist laut DBM nicht im verbrannten Fahrzeug gewesen. Hat das Ministerium einen Beweis dafür, dass dies stimmt?
Mitarbeiter des BMWi und der BAM haben die Überreste des Fahrzeugs vor Ort besichtigt. Das, was die Mitarbeiter vor Ort vorgefunden haben, deutete in der Tat nicht darauf hin, dass es sich um den Original-Akku mit immerhin 350 kg Gewicht handelte, der im Rekordfahrzeug verbaut war. Im übrigen ist es Aufgabe der Brandgutachter, dies zu beurteilen.

Nun soll ein zweites Auto gebaut werden, mit der gleichen Batterietechnik. Fördert das BMWi auch dieses neue Auto, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Der Aufbau des Ersatzfahrzeugs wird nicht durch das BMWi gefördert.

Hat das BMWi sich vor der Entscheidung, DBM zu fördern, eine Expertise über die Leistungsfähigkeit und die Risiken der Kolibri-Akku-Technologie eingeholt?
Bereits vor etwa einem Jahr haben sich die fachlich zuständigen Kollegen des BMWi mit einem Batterie-Experten der Hochschule Kempten und dem Projektträger DLR vor Ort bei der Firma DBM Energy einen ersten Eindruck von der Kolibri-Technologie verschafft. Es wurden mehrere Referenzen von Kunden der Kolibri-Technik überprüft, u.a. das Sondereinsatzkommando Berlin, die Führungsgruppe Süd (Thüringen) sowie die Firma PAPSTAR in Calw. Dort wird die Technik seit etwa einem Jahr intensiv getestet und befindet sich seit September 2010 im Dauereinsatz. Die bisherigen Erfahrungen der Firma sind nach deren Auskunft durchweg positiv (keinerlei Störungen und Ausfälle). Auch davon hat sich das BMWi vor Ort überzeugt.
Die mangelnde Reichweite von Elektrofahrzeugen stellt eine zentrale Herausforderung des Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität der Bundesregierung dar. Deswegen hat sich das BMWi entschieden, im Rahmen eines FuE-Projektes die Eignung der Kolibri-Technologie auch für den automobilen Einsatz zu testen.

VW etwa hat die Lithium-Eisen-Polymer-Akkutechnologie geprüft und aus Sicherheitsgründen verworfen. Irrt sich der Volkswagenkonzern?
Da uns hierzu keine näheren Informationen vorliegen, können wir das nicht beurteilen. Es hat aber immer wieder in der Technik-Geschichte wichtige Erfindungen auch von Seiteneinsteigern und kleinen, innovativen Unternehmen gegeben.

Hat das Ministerium Elektrofahrzeuge mit DBM-Akkutechnologie bestellt oder planen Sie, solche Fahrzeuge zu bestellen?
Aus unserer Sicht ist es erforderlich, weitere Erfahrungen mit der noch recht jungen Kolibri-Technologie zu sammeln. Das BMWi hat vor, die Alltagstauglichkeit von drei Fahrzeugen mit der Kolibri-Technologie über einen längeren Zeitraum eingehend untersuchen zu lassen. Dies soll in den nächsten Monaten in einem der vom BMWi geförderten Modellprojekte geschehen. Die Fahrzeuge werden aber nicht vom BMWi selbst angeschafft.

Sind Sie nach wie vor der Meinung, die Rekordfahrt des „lekker mobils“ sei der „Durchbruch für die Elektromobilität“?
Bislang gibt es keinen Grund hieran zu zweifeln.

Fragen: Wolfgang Rudschies, Mario Vigl/ADAC Motorwelt

14 Antworten zu “Wirtschaftsministerium untersucht Kolibri-Akkus in Modellprojekt – keine Förderung des Neuaufbaus des verbrannten Rekordautos

  1. Ich bin froh, das der ADAC die Story um den Hannemannschen Superakku weiter verfolgt. Und ich erinnere alle daran, das die erste ADAC-Reportage von der 600 km-Rekordfahrt sachlich, positiv und unvoreingenommen war. Anschliessend muß es aber erlaubt sein, zu hinterfragen. Ich hoffe, das meine Fragen zum „Fall DBM“ irgendwann alle durch die ADAC-Recherchen beantwortet werden.
    1. Frage: Warum durfte kein Beifahrer die Rekordfahrt mitmachen? Laut erster Hannemann-Argumentation hatte der Notar abgesagt. Warum also nicht einen der zahlreich vorhandenen Auto-Experten mit ins Rekordauto gesetzt? Eine ca. 5-prozentige Erhöhung der Fahrzeuggesamtmasse hätte den Rekord nicht beeinträchtigt, wohl aber die Glaubwürdigkeit um Zehnerpotenzen erhöht.
    2. Frage: Wieso verbrennt das Wunder-Auto kurz vor dem Termin, wo es seine Qualitäten erstmalig unabhängigen Experten gegenüber offen legen soll? Hier fällt es mir schwer, zu glauben, das die Konkurenz von BMW oder VW Feuer gelegt haben soll.
    3. Frage: Warum ist zum Zeitpunkt des Brandes nicht der „Hannemannsche Wunderakku“ im Auto eingebaut, sondern ein leerer „Behelfsakku“? Wenn Hannemann über einen serienreifen und absolut sicheren Akku verfügt, was macht es dann für einen Sinn, „Behelfsakkus“ zu verwenden? Wozu dieser Aufwand?
    Fazit: Jeder sollte seinen gesunden Menschenverstand, seine Erfahrungen und ein wenig Logik benutzen und für sich selbst die bisher vorhandenen Fakten bewerten und Herrn Hannemanns Äußerungen prüfen.

  2. Irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, daß die Autolobby in Deutschland nicht
    ernsthaft an alternativantriebssytemen interessiert ist. Warum auch?
    Schließlich fährt man mit dem antiken Antriebsprinzip namens Verbrennungsmotor doch ganz gut, oder etwa nicht? Das auch mein vielge-
    liebtes Auto eine Dioxinschleuder darstellt, wurd mir erst kürzlich bewußt,
    als bekannt wurde, daß Altöl stark dioxinhaltig sei. Und weil jedes Auto im
    Normalbetrieb mehr oder weniger Altöl verbrennt, wurde mir klar, daß ich mit jedem Gasgeben Dioxin in die Umwelt blase! Also her mit den Alternativ-Antriebskonzepten, die nicht auf Verbrennungstechnik basieren.
    Her mit dem Elektroauto, gespeist mit Ökostrom! Und nicht erst übermorgen, sondern baldigst. Darum wünsche ich der Firma DBM
    viel Durchhaltekraft und Gelingen ihrer Ideen.

  3. Die Firma Papstar, die den Gabelstapler mit DBM-Akku betreibt, hat ihren Sitz in Kall, südöstlich von Aachen. Calw hat das Bundesministerium geschrieben, die Adresse ist aber falsch.

  4. Handelt es sich bei der angegebenen Test-Firma für das Batterie-System wirklich um Papstar in Calw? Dort gibt es kein derartiges Unternehmen, wohl aber in Kall …

  5. Nur zu Info für alle späteren Leser:
    Nach meinem Kommentar wurde die irreführende Überschrift von „Der Fall DBM: Wirtschaftsministerium beendet direkte Förderung des Rekordmobils“
    in „Wirtschaftsministerium untersucht Kolibri-Akkus in Modellprojekt – keine Förderung des Neuaufbaus des verbrannten Rekordautos“ abgeändert.

  6. Ich muss POW zustimmen und finde die Überschrift auch bewusst irreführend. Tolle Leistung für ein E-Auto. Mit einem kleinen Range-Extender für Notfälle wäre das heute schon die eierlegende Wollmilchsau und absolut traumhaft!

  7. Warum diese Überschrift? Was für eine direkte Förderung wird denn beendet? Also:
    1. Das ‚ursprüngliche‘ Lekker Mobil wurde einmalig gefördert. Nachdem das Projekt abgeschlossen war, war gleichzeitig auch die Förderung abgeschlossen. Etwas anderes war nie geplant.
    => Wenn keine Förderung besteht kann diese auch nicht beendet werden
    2. Zitat „Das BMWi hat vor, die Alltagstauglichkeit von drei Fahrzeugen mit der Kolibri-Technologie über einen längeren Zeitraum eingehend untersuchen zu lassen. Dies soll in den nächsten Monaten in einem der vom BMWi geförderten Modellprojekte geschehen.
    => Es gibt also eine NEUE Förderung! Wie wär es mit einer Überschrift: „BMWi fördert 3 neue Elektrofahrzeuge für einen Langzeittest“?!
    3. Die komplette Entwicklung der Kolibri Akku Technologie lief ohne 1 Cent Förderung ab. Das BMWi kam (danach) mit dem Projekt auf die DBM zu.

    Neutrale Berichterstattung ist etwas anderes, aber scheinbar gibt es beim ADAC eine andere Agenda/Interessen.

  8. Ich finde den Bericht sehr wichtig.
    Jetzt zeigt sich, dass adacmotorwelt nachhakt. Viele Fragen sind schon mal erledigt.
    Praktische Tests laufen und damit ist erklärt, warum das BMWi mitgemacht hat.
    Jetzt sollte nur noch DBM etwas klüger an seine PR Arbeit gehen und der Zukunft keine Zweifel aufs Auge drücken, damit die einfache Funktion und der Betrieb für E- Autos keine Stolpersteine mehr in den Weg gelegt bekommt.
    Um den Smart ED ist es sehr ruhig geworden. Möchte mal wissen was dort, bei Daimler, so getuschelt wird.
    Der E- Karabag scheint auch keinen Mux mehr von sich zu geben.

  9. Pingback: electrive.net » VW, Nissan, DBM Energy, BMW, Zero Motorcycles.

  10. „…Die mangelnde Reichweite von Elektrofahrzeugen stellt eine zentrale Herausforderung des Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität der Bundesregierung dar. …“.
    Na typisch Politiker: unbedingt den 3. Schritt vor dem ersten machen wollen…
    Statt bezahlbare und ansprechende Fahrzeuge zu bauen bzw. bauen zu lassen und den heutigen Standart der Entwicklung zu verwenden muss man sich ja unbedingt „profilieren“ und am besten Unmögliches verlangen.
    Wem zum Henker reichen denn die derzeit kostengünstig und ohne Probleme erreichbaren 100 km Reichweite nicht?
    Die meisten im Stadtverkehr bewegten KFZ erreichen nicht einmal ihre Betriebstemperatur!
    Eine Einkaufsfahrt in der Stadt ist selten weiter als 10km!
    Entlastet endlich die Städte abgasmässig anstatt NUR auf die eierlegende Wollmilchsau zu hoffen!

    • Wer sagt, dass Elektroautos zur Zeit nur eine Reichweit von (technisch realisierbaden) 100 km garantieren können?
      „Wer zum Henker“ vergisst dabei immer wieder (bewußt?) die Elektroautos
      mit einer Brennstoffzelle ? ? ?

      • Michael Balzer

        Hallo Herr Pötter,

        1. ich wohne in Wuppertal. Zur nächsten Wasserstofftankstelle muss ich — nach 15 Jahren H-Proklamation durch die deutsche Automobil-Industrie — eine halbe Stunde fahren. Eine Option, vollständig auf diese Infrastrukturabhängigkeit zu verzichten, habe ich nicht, denn ich kann zu Hause nicht genug Wasserstoff herstellen, um damit ein Auto zu fahren — und mein Solarstrom wäre mir dazu bei dem Gesamtwirkungsgrad auch viel zu schade, denn wenn ich einen Akku direkt damit lade verliere ich nur etwa 20%.

        2. Dort (an der H-Tankstelle) kann ich dann Wasserstoff tanken, der zu rund 90% aus fossilen Energieträgern (Erdgas+Öl) hergestellt wurde… krank, aber noch auf unabsehbare Zeit H-Realität, denn der Wirkungsgrad bei Elektrolyse ist unwirtschaftlich und Biowasserstoff in den benötigten Größenordnungen noch nicht absehbar.

        3. Das Auto, das ich dafür kaufen muss, ist wegen der Brennstoffzelle und der Drucktanktechnik mindestens genau so teuer und schwer wie eines mit ausreichend großem Akku.

        Schon bis hierher klingt das alles im Vergleich mit der Strom/Akku-Alternative nicht so richtig sinnvoll für mich. Der einzige Vorteil wäre, daß ich innerhalb von Minuten auftanken kann — was ich allerdings mit einer entsprechenden Ladestation und aktueller Akkutechnik auch heute schon könnte.

        Aber es gibt auch noch eine politische Dimension: Ich kann den Verdacht nicht los werden, daß die Forcierung von Wasserstoff durch die Industrie viel mit der Erhaltung bestehender Macht- und Abhängigkeitsstrukturen zu tun hat. In der „Wasserstoffwirtschaft“ sitzen wieder dieselben Konzerne mit am Tisch, die auch heute schon die zentralisierte Energieversorgung kontrollieren:

        http://www.autobild.de/artikel/wasserstoff-tankstellen-fuer-deutschland-974304.html

        Viele kleine Stromspeicher am Netz, die ohne Umweg mit selbst oder zumindest regional produziertem grünem Strom geladen werden können, klingen für mich dagegen wie ein sinnvoller Baustein auf dem Weg zu einer dezentralen Energiewirtschaft — und damit vielleicht zu einer (etwas) freieren Welt.

  11. Pingback: Tweets that mention Der Fall DBM: Wirtschaftsministerium beendet Förderung des Rekordmobils | Das elektrische Fahrtenbuch -- Topsy.com

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