TukTuk ohne TöfTöf


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Adam Rice und Werner Knoerr wollen den Nahverkehr in Berlin revolutionieren und sehen in Elektro-Dreirädern nicht nur eine schnöde Geschäftsidee

Adam Rice ist nicht nur Bankkaufmann, sondern auch Umweltaktivist. Man kann ihn getrost als neugierigen Weltenbürger bezeichnen. Als er 2006 von einer seiner Asien-Reisen in seine Berliner Heimat zurückkam, wusste er es genau: die dreirädrigen TukTuks müssen auch in der deutschen Hauptstadt fahren – aber mit Elektromotoren und ohne Gestank. Rice waren schon öfters fast leere Nahverkehrsbusse in Berlin aufgefallen, meist auf kurzen Strecken. Kleine Transportfahrzeuge wie TukTuks sieht er als sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.

Seinem besten Freund und Geschäftspartner Werner Knoerr erzählte er von der Idee. Knoerr war zunächst skeptisch, ob denn so ein Projekt in Deutschland umsetzbar sei. Aber der ausgebildete Yoga-Lehrer Rice überzeugte Knoerr mit Geduld und Argumenten: In der holländischen Hauptstadt Amsterdam fahren die Elektro-TukTuks schon und sind Teil des öffentlichen Verkehrs – sie funktionieren. In Berlin sollen die fast lautlosen Elektro-Dreiräder schon in wenigen Wochen rollen. Im April soll es so weit sein. Gegen August wollen Rice und Knoerr die Fahrzeuge in Berlin verkaufen.

Die technischen Daten der dreirädrigen E-TukTuks sind ordentlich, wenn auch nicht weltbewegend: maximal sechs Insassen, bis zu 80 Kilometer Reichweite, 50 Kilometer pro Stunde Geschwindigkeit, etwa 900 Kilogramm Leergewicht – allein 300 Kilogramm wiegt die Batterie aus herkömmlichem Bleigel. Aufladezeit: ein bis zwei Stunden. Dafür ist sie sehr lange haltbar und an jeder Haussteckdose ladbar. Zudem hat die schwere Batterie einen großen Vorteil: Zwischen den Hinterachsen befestigt sorgt sie für einen enorm niedrigen Schwerpunkt. So bestand das dreirädrige eTukTuk problemlos den Elchtest.

Elektrofahrzeuge klingen immer noch ein bisschen nach Science-Fiction. Der Gedanke liegt also nahe, dass die Elektro-Rikschas mit futuristischen Materialien und Batterien gebaut sind. So ist es aber nicht. Herkömmlicher Stahl ist im eTukTuk verbaut. Knoerr sagt: „In Zukunft wird das vielleicht anders sein. Im Moment sind die Fahrzeuge so gebaut, dass man sie sich heute leisten kann.“ Der Kaufpreis liegt bei unter 15.000 Euro. Ein PKW-ähnliches Elektroauto mit vier Rädern und einer Reichweite von rund 160 Kilometern wie der Nissan Leaf kostet derzeit etwa 29.000 Euro und damit fast doppelt so viel.

In Holland werden die eTukTuks zusammengebaut. Rice und Knoerr sind in Deutschland derzeit die einzigen zukünftigen Vertreiber der Dreiräder. Nicht nur für die beiden Berliner ist die Vision einer abgasärmeren Innenstadt interessant. Der holländische Hersteller TukTuk Factory hat inzwischen Kauf- und Vertriebsanfragen aus Italien, Spanien und Frankreich, und eben aus Berlin. Fragt man Knoerr, ob er sich wegen seines ökologischen Gewissens entschloss, mit Rice an dem Projekt zu arbeiten, merkt man, dass er in größeren Zusammenhängen denkt. Denn seine erste Antwort ist nicht die Antwort auf die Frage: „Ich ernähre mich ausschließlich von Rohkost.“ Natürlich habe er ein ökologisches Gewissen.

Natürlich wollen Rice und Knoerr geschäftlichen Erfolg haben. Aber erst der Einsatz der Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr wäre für die beiden zufriedenstellend. Die deutsche Bürokratie könnte ein Hindernis für die Dreiräder im öffentlichen deutschen Verkehr sein. Rice und Knoerr verhandeln derzeit mit den deutschen Behörden über eine Sonderzulassung für den Fahrgasttransport. Eine allgemeine EU-Straßenzulassung haben sie bereits.

„Es müsste eine Ausnahmeregel her, denn eigentlich müssen laut Bundesgesetz Fahrzeuge für den Personennahverkehr zwei Achsen, vier Räder und vier Türen haben“, sagt Knoerr. Bus- und Taxifahrer seien ja froh, wenn sie eher die längere Strecke fahren dürfen, als die kürzere. „Und genau für tägliche, ganz kurze Strecke mit wenigen Fahrgästen wäre das eTukTuk ideal“, sagt Knoerr. Ab Anfang April wird sich in Berlin zeigen, wie alltagstauglich die Elektro-Dreiräder sind.

3 Antworten zu “TukTuk ohne TöfTöf

  1. Naja, solange eine laute Hupe eingebaut ist, sollte das in Indien kein Problem sein😉
    Klingt nach einem interessanten Projekt, ich bin gespannt!🙂

  2. Ich frage mich, ob man damit in Mumbai ohne TöfTöf-Krach damit überhaupt wahrgenommen wird🙂

    Wenigstens steht genug Elektro-Drehmoment zur Verfügung, dass man schnell aus brenzligen Situationen heraus beschleunigen kann. Grade an verkehrs-schwachen Tagen wie diesen da unten sehr wichtig🙂

  3. Das ist doch eine geniale Idee für meinen Chef. Wir haben hier eine Linie 391. Die Fährt am Tag ab 9:00 Uhr alle 2 Stunden bis 15:00 Uhr und befördert max. 3-4 Personen. Die Strecke ist mit 10 Minuten Fahrzeit von Hagenbecks Tierpark bis Niendorf Markt so kurz, dass es sich kaum lohnt den bisherigen normalen Citaro einzusetzen. Doch es gibt keine andere Lösung. Dieses E- TukTuk währe da absolut sinnvoll, weil zudem die Fahrgäste meist Senioren sind, die sowieso gerne sitzend fahren. Das Fahrzeug würde täglich nie die 80 km Reichweite erreichen.
    Die Vorschriften zur Personenbeförderung würde ich aber nicht ändern wollen. Es hat schon seinen Grund, dass diese Vorgaben existieren. Ohne Türen ist auch nicht ideal. Also währe es notwendig, dass sich die Entwickler anpassen, bevor es Absagen hagelt.
    Im allgemeinen bin cih sowieso ein verfechter des Dreirades und finde mich zum X-ten male bestätigt.

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