Batterien für das Elektroauto: Fünf große Hersteller beherrschen den Weltmarkt – Experten-Interview


Haben Sie schon einmal den Namen Sven Bauer gehört? Oder von der Firma BMZ? Wohl kaum. Dabei ist Sven Bauer Geschäftsführer von Europas größtem Hersteller für Lithium-Ionen-Akkus. Er kennt und beobachtet die Branche wie kaum ein anderer. Experten-Interview zum Stand der Batterietechnologie in Deutschland

BMZ-Geschäftsführer Sven Bauer

Sven Bauer im Testlabor

Herr Bauer, Ihre Firma stellt für alle möglichen Geräte und Einsatzgebiete Akkus her, unter anderem für Elektrofahrräder. Ihre Firma ist äußerst erfolgreich. Wieso bauen Sie keine Batterien für Elektroautos? Das müsste doch ein riesiger neuer Markt sein?

Das wäre schön, wenn dies ein großer Markt werden würde. Zum Vergleich: Während der Markt für E-Bikes in guten Zeiten mit 100.000 Akkus läuft, werden für Elektrofahrräder bereits 600.000 Akkus im Jahr produziert, im Autobereich sind wir mal bei 50 oder auch mal 100 Stück. Die jetzigen Kleinmengen in Europa sind für keinen Hersteller wirklich interessant.

Haben Sie mit Automobilherstellern über eine mögliche Fertigung gar nicht geredet?
Doch, natürlich. Wir haben auch eine Menge Muster und Kleinserien für fast alle Autohersteller produziert. Jedoch endet es dann auch bei diesen Mengen. Das sind alles Versuchsreihen, um Erfahrung zu sammeln. Die Autohersteller wollen vor allem lernen, und dazu benötigen sie die Mittelständler, bei denen das Know-how liegt. BMZ lebt jedoch nicht von der Herstellung von Kleinserien und bekommt auch nicht viele Millionen Euro Fördergelder, um eine Entwicklung einfach mal so ohne Serienauftrag zu begleiten. BMZ entwickelt nur, wenn ein Produkt raus kommt, das sich verkaufen lässt. Das mag dumm sein, aber dafür sind wir nicht auf Fördergelder angewiesen, um unsere Leute zu bezahlen.

Könnten Sie mit Ihrem Know-how eine Traktionsbatterie bauen, wie die Autoindustrie sie benötigt? Also besonders leistungsfähig, langlebig, sicher…
Das ist kein Problem. Wir haben diese Technologie bereits seit Jahren fertig. Gabelstapler setzen diese Technologie bereits sehr lange ein. Die Ansprüche hier sind viel höher, weil die Stapler oftmals in drei Schicht betrieben werden und die Lebenszeit auf 12 Jahre ausgelegt ist. Das Problem ist nicht die Herstellung, das Problem ist der Preis. Ein Akku für ein Auto mit 200 Kilometer Reichweite ist für den Endkunden noch zu teuer. Dies ist auch der Grund, warum diese Systeme entweder in der gehobenen Klasse eingesetzt werden, wo so was bezahlt wird, oder in Kleinfahrzeugen mit geringer Reichweite von 100 Kilometer und geringem Gewicht.

Die Kosten für die Lithium –Ionen-Akkus – Daumenwert 1000 € pro kWh – sind in den letzten Jahren doch merklich gesunken. Wie teuer würde heute eine Traktionsbatterie mit einer Kapazität von 20 kWh für einen Kleinwagen konkret sein? Das wären doch bei weitem keine 20.000 € mehr, oder?
Die Preise sinken und das ständig. Wir können heute von 200 Euro pro kWh ausgehen als Basis, teilweise sogar noch weniger.

Sie beziehen die Zellen für Ihre Akkufertigung von verschiedensten Herstellern und haben den Überblick: Welche Hersteller liefern die besten Battteriezellen weltweit?
Es gibt fünf große Hersteller, die den Weltmarkt beherrschen und 80 % des Bedarfes produzieren. Sanyo, Panasonic und Sony, also drei Japaner, dazu zwei Koreaner, Samsung und LG. Alle weiteren teilen sich die restlichen 20 % des Marktes. Litec, A123, Toshiba, Gaia sind nicht wirklich relevant.

Angeschlossen an den Fertigungsbereich bei Ihnen ist ein Labor für verschiedene Tests, die der europäische Gesetzgeber bzw. die UN-Behörden vorschreiben. Gelegentlich lassen Autohersteller ihre Akkus bei Ihnen testen oder auch die Bundesanstalt für Materialprüfung erbittet von Ihnen Unterstützung. Haben Sie mit Ihren Labors eine Alleinstellung in Deutschland oder warum kommen die alle zu Ihnen?
Es gibt nicht viele Labore, die sich auf Testreihen für moderne Batterien spezialisiert haben. Immerhin hat man auch mal schnell eine Exlosion oder Feuer. Das gab es bei der früheren Batterietechnologie so nicht. Ein Metallbrand lässt sich zudem nicht löschen. Die Batteryuniversity bei uns hat die Einrichtungen über die Jahre angeschafft, weil es einen großen Bedarf für Lithium-Ionen-Akkus gibt: für Powertools, Gartengeräte, medizinische Apparate, Fahrräder und so weiter. Diese Akkus müssen speziell getestet werden auf Sicherheit und Langlebigkeit. So ist das Labor gewachsen, und natürlich nutzt man das jetzt auch für die Autoindustrie.

Sie bauen auch Akkus für die Polizei und den militärischen Einsatz. Können Sie sagen, für welche Art von Geräten? Oder ist das geheim?
Das ist leider geheim.

Wenn Sie sich gedanklich völlig frei von Kostendruck und Kundenwünschen machen – was wäre Ihr Elektro-Traum, welches elektrisch betriebene Gerät würden Sie am liebsten entwickeln?
Geräte, die uns unabhängig machen und die Zukunft unserer Kinder sichern. Ich würde jedes Haus mit Solarthermie und Fotovoltaik ausstatten und einer Lithium-Batterie als Energiespeicher im Keller, die 220 V hat. Bauen wir auch schon. Kein Kabel von außen, kein Gas, kein Strom und kein Öl. Jeder hat seine eigene Versorgung. Das sichert die Zukunft, ist eine Altersvorsorge und minimiert die Fixkosten. Zudem freut sich die nächste Generation.

Interview: Wolfgang Rudschies

7 Antworten zu “Batterien für das Elektroauto: Fünf große Hersteller beherrschen den Weltmarkt – Experten-Interview

  1. Sehr geehrter Herr Bauer
    Würde Sie mir zustimmen, dass einige der größten Ideen und die damit einhergehenden Veränderungen in vielen Menschen den Gedanken hervorgerufen haben, “ warum habe ich es nicht gesehen, entdeckt da es eigentlich so klar und einfach erscheint. Ich möchte sagen, dass das umsetzen meiner Idee relativ einfach ist und sie, sollte sie noch kein anderer patentiert haben und sie umgesetzt wird, Abermillionen von Ihren Batterien benötigt!! Es handelt sich um ein völlig neues Konzept! Mehr möchte ich noch nicht dazu sagen, da mir natürlich bewusst ist, dass solche Ideen eines gewissen Schutzes bedürfen.
    Ich wäre hocherfreut von Ihnen zu hören!
    Und was haben Sie dabei zu verlieren?

  2. Erst mal was gutes vorne weg. Nach dem Erdbeben in Japan ist keiner der großen Hersteller wirklich betroffen. Wenn man bedenkt das fast alles aus Asien kommt, ist es schon hart das wir beinah 50 % der Prodution verloren hätten. Sony, Panasonic und Sanyo sitzen nunmal in Japan.

    Es gibt eine Firma FFE in München die für private Personen Konzept aufbauen, das Haus unabhängig zu machen. Man muss es sich leisten können. Ich baue gerade und werde es auf jeden Fall machen.
    Wasseraufbereitung, Solar, Fotovoltaik, Regenwasseraufbereitung ……..
    Mein Auto werde ich mit meiner Batterie laden die im Keller steht.

    Rente ist jedoch relativ. Eine Batterie hat eine bestimmte Lebenszeit.
    Bisher rechnet es sich leider noch nicht. Abwr was nicht ist, wir kommen……..

  3. Das sichert die Zukunft, ist eine Altersvorsorge und minimiert die Fixkosten. Zudem freut sich die nächste Generation

    Das sehe ich ähnlich wie Wolfgang Rutschies; man sollte die Umstellung auf die Elektro-Mobilität als Chance für die eigene Unabhängig und als Zukunftsinvestition sehen. Die Idee der eigenen Energieerzeugung aus der Sonne via Solarthermie & Photovoltaik auf dem eigenen Haus, mit anschließender Speicherung besteht ja bereits:
    Solarhaus und E-Mobilität
    Bei den neuen Solarhäusern steht die überschüssige Energie bereits heute der Betankung eines E-Autos zur Verfügung. Die Zapfsäule steht meiner Meinung nach in Zukunft also Zuhause.

  4. Sehr informatives Interview. Fahre seit 3 Wochen elektrisch und bin sicher die Anzahl der Fahrzeuge wird sich entgegen der meisten Prognosen entwickeln. Die Aussage von Herrn Bauer zur autaken Energieversorgung des eigene Hauses ist sehr interessant und hat mit Sicherheit sehr viel Potential.
    Unabhängigkeit ist möglicherweise auf Dauer gar nicht in €-Beträgen auszudrücken.

  5. Mit einer eigenen Batterie im Keller minimiert man vor allem das Problem des Transportes großer Energiemengen über weite Strecken und der sonst nötige Ausbau der Stromnetze fällt weg.

    Das vorhandene Stromnetz mit vielen dezentralen Quellen wäre dann eine Art Internet für Energie.

  6. Pingback: electrive.net » BYD, Kia, Renault, Zero Motorcycles, Wien-Bratislava.

  7. BMZ sagt mir ganz sicher etwas, weil es der erste batteriehersteller war, der mir die Zukunft des Lifepo4 Akkus näher brachte. dabei fand ich besonders interessant, dass die Akkupakete tatsächlich nach Kundenwunsch hergestellt werden. Leider eben nur für Großserien, aber immerhin.
    Das Schlußwort hat mir sehr guit gefallen. Jeder ist unabhängiig vom Netz und kann am Netz bleiben oder nicht. Das ist Zukunft auch für die nächsten Generationen. Ich hoffe, dass das mal Wirklichkeit wird.
    Was die Akkus für PKW angeht hat Herr Bauer völlig recht. Noch wird in Deutschland getüftelt und geprobt, während andere Nationen schon lange die Fähigkeiten und die Haltbarkeit der kkus im PKW kennen und nutzen. Da sind die Asianten weit im Vorteil und haben sich ökonomisch bei Akkus den Weltmarkt geteilt.
    Eigenartiger Weise ist das Militär schon viel weiter und es verwundert schon, dass diese Akkus nicht genutzt werden.
    Riesiges Potential am Markt, aber eben geheime Verschlusssache fürs Volk.

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