Messe Auto China: Wo stehen die deutschen Hersteller?


2020 sollen fünf Million Elektroautos auf Chinas Straßen rollen. Deshalb werben die deutschen Autobauer auf der Messe Auto China für ihre Zukunftsmodelle – obwohl unklar ist, an welche Steckdosen die Chinesen ihre Autos auf der Straße anschließen sollten: Garagen haben in den Metropolen Seltenheitswert.

Ladestutzen des Audi e-tron

Noch ist die Luft in Riesenstädten wie Peking und Shanghai gesundheitsgefährdend. Aber es bewegt sich etwas. Für Zweiräder mit Benziner gilt in vielen Städten bereits ein Einfahrtverbot: Statt stinkender Zweitakter drängen sich über 140 Millionen Elektro-Scooter und Pedelecs durch das Verkehrsgewühl. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Verbrennungsmotoren in den vom Smog geplagten Metropolen komplett reglementiert werden. „China will die grünste Autonation der Welt werden“, sagt VW-Chef Winterkorn. Folgerichtig entwickelt sich die Auto China zur internationalen Leitmesse für Stromer auf zwei und vier Rädern.

700.000 Besucher werden bis zum 28. April auf dem Ausstellungsgelände in Shanghai erwartet – wesentlich mehr werden es auch auf der IAA 2011 in Frankfurt nicht sein. Die deutschen Hersteller nutzen den Auftritt in China, um ihre E-Mobile zu präsentieren. Schließlich wollen sie die teuer entwickelten Stromer mit staatlichen Subventionen möglichst schnell in den Markt drücken. 2020 sollen fünf Million Elektroautos auf Chinas Straßen rollen. Dafür ist die allmächtige Zentralregierung bereit, den Kauf eines E-Autos mit umgerechnet bis zu 14.000 Euro zu fördern. „Gerade die leisen, emissionsfreien Elektrofahrzeuge eröffnen neue Perspektiven, um den schnell zunehmenden Individualverkehr in China zu gestalten. Die deutsche Automobilindustrie strebt dabei eine führende Rolle an“, erklärt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie.

Bis 2015 wird China 3,85 Mrd. Euro in die Elektromobilität investieren, erwartet der Verband der deutschen Automobilindustrie. Bis 2020 rechnet Karl-Thomas Neumann, Vorstandschef von Volkswagen Group China, sogar mit einem Förderprogramm in Höhe von umgerechnet 12 Mrd. Euro. Entsprechend bunt ist das Angebot an Batterie-, Hybrid- oder Plug-In-Hybrid-Studien auf der Auto China. Auch Brennstoffzellenfahrzeuge sind hier so selbstverständlich, als würden sie morgen in Serie gehen. „Die Chinesen wissen genau, dass sie mit dem Verbrennungsmotor keinen Blumentopf mehr gewinnen können“, sagt Audi-Entwicklungsvorstand Michael Dick. „Deshalb stürzen sie sich voller Elan auf die alternativen Antriebe. Da müssen wir gut aufpassen, dass wir die Nase vorn behalten.“

Mit dem A3 e-tron concept, der auf dem Genfer Autosalon mit konventionellem Antrieb zu sehen war, fährt Audi in Shanghai jedenfalls bewundernde Blicke ein. Neben einem 155 kW (211 PS) starken 1.4 TFSI-Vierzylinder mit Turboaufladung und Benzindirekteinspritzung, ist beim A3 e-tron concept auch ein Elektro-Aggregat mit 20 kW (27 PS) Leistung an Bord. Die viersitzige Stufenhecklimousine kann mit ihren Lithium-Ionen-Akkus bis zu 54 Kilometer rein elektrisch und damit abgasfrei fahren. Trotz einer Ladekapazität von zwölf Kilowattstunden bringt der Audi nur 1720 Kilo auf die Waage. „Auch im Zeitalter der neuen Energien wollen wir Premium-Marktführer in China bleiben“, betonte Audis China-Präsident Dietmar Voggenreiter im Vorfeld der Automesse in Shanghai. Konkrete Investitionspläne und E-Modelle kündigte er allerdings nicht an.

Der Audi e-tron

Daimler-Chef Dieter Zetsche demonstrierte ebenfalls Zuversicht: „Wir haben das Auto erfunden. Jetzt erfinden wir es neu“, verkündet er in Shanghai, „wir wollen Technologieführer beim emissionsfreien Fahren sein.“ Die Entwicklung eines Elektroautos mit dem chinesischen Hersteller BYD (Build Your Dreams) mache Fortschritte, so Zetsche. Das Mittelklasse-Auto soll 2013 auf den Markt kommen, obwohl BYD bei anderen E-Modellen Startschwierigkeiten hat. Der oberste Daimler-Manager wiederholte seine Forderung nach staatlichen Kaufanreizen, um den Preis der Stromer akzeptabler zu machen. Privaten Autokäufern stellt sich aber nicht nur die Finanzierungs-, sondern auch die Anschlussfrage: Kaum jemand in Chinas Metropolen besitzt eine eigene Garage für den Stromanschluss. Zetsche kontert den Einwand ganz pragmatisch: Solange die öffentliche Ladeinfrastruktur noch nicht ausreiche, ziele das E-Mobil vor allem auf Taxi- und Regierungsflotten.

Auch BMW wird 2013 mit seinem Kooperationspartner Brilliance die Fertigung eines Plugin-Hybrids starten. „Der Markt für Fahrzeuge mit alternativen Energien wird in China vergleichsweise groß werden“, sagte Vertriebsvorstand Ian Robertson. Die Langversion des BMW 5er wird um einen Elektromotor samt Hochvoltbatterie ergänzt. Damit kann die Limousine bei konstanten 60 km/h bis zu 75 Kilometer rein elektrisch zurücklegen. BMW-Chef Norbert Reithofer rechnet bei den neuen Fahrzeug- und Antriebskonzepten zunächst allerdings mit roten Zahlen: „Es kann sein, dass man während des ersten Produktlebenszyklus mit solchen Technologien kein Geld verdient. Da muss der konventionelle Antrieb die neue Technologie quersubventionieren“, bekannte er im vergangenen Jahr auf einem Kongress des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA).

VW startet 2013 mit umgebauten E-Versionen des Kleinwagens Up und des Golf Blue E-Motion. Trotz der klassischen Stahlkarosserie soll der Fünfsitzer nur rund 200 Kilogramm schwerer sein als ein Golf BlueMotion TDI. Eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 26,5 Kilowattstunden ermöglicht Reichweiten von bis zu 150 Kilometern. Der Akku nutzt Freiräume unter der Rücksitzbank, im Mitteltunnel sowie im Kofferraum. Trotzdem soll ein weitgehend normales Ladevolumen übrig bleiben. Über den Erfolg der Batterieautos macht sich Rudolf Krebs allerdings keine all zu großen Illusionen. Der Volkswagen-Konzernbevollmächtigte für Elektrotraktion rechnet für 2020 nur mit einem Marktanteil der Stromer von drei Prozent: „In China kann ich mir durch die massive Unterstützung der Politik vorstellen, dass es mehr wird,“ sagt Krebs.

Volkswagen Studie e-Scooter

Volkswagen Studie e-Scooter

Wirklich große Stückzahlen dürfte zunächst nur ein Winzling erreichen, der als Überraschung auf dem VW-Stand in Shanghai zu sehen war. Das kleine Zweirad mit nicht einmal 1 PS Leistung soll elektrisch 50 Kilometer weit kommen: „Wir werden den E-Scooter zumindest für China in Serie bringen“, kündigte VW an. Vielleicht wird er ja als Range Extender für große SUV und Limousinen mitgeliefert – wenn die begehrten Luxusschlitten wieder einmal im Stau stecken bleiben.

Text: Joachim Becker

2 Antworten zu “Messe Auto China: Wo stehen die deutschen Hersteller?

  1. Und noch etwas zu den gewichten der Fahrzeuge und den E- Motoren.
    Mit der Physik hat es nicht ein deutscher Hersteller. Gut, es gibt auch noch andere in der Welt, die blödsinn produzieren, weil sie die Masse und die Physik generell nicht beachten. Als angebliches Hochtechnologieland Deutschland werden in China sicherlich Fachleute neben den deutschen Autos stehen und müde lächeln, über das was man in deutschen Konzernen als Erfolg feiert.
    Mittlerweile sollte sich herum gesprochen haben, dass man aus der laufenden Serienproduktion kein Auto elektrifizieren kann, wenn man nicht grundlegend abspeckt. Damit ist seit langem erwiesen, dass es um neue ntwicklungen im Fahrzeugbau gehen muss. Wer immer noch mit Achsantrieb bei E- Motoren arbeitet, hat den Sinn der neuen Technik nicht kappiert. Allein die Verteilung der Masse auf alle vier Räder verbessert die Effiziens des PKW. Vier kleine Radnabenmotoren sind am optimalsten und nicht teurer als ein Achs- E- Motor, bei dem man dann noch diverse veraltete Bauteile benötigt (z.B. Differential).
    Was die Akkus angeht, gibt es auch noch viel Spielraum und Platz.
    Aber was erzähl ich hier eigentlich. Die Konzerne haben ja die ach so tollen Techniker. siehe Opel🙂

  2. Ich kann es nicht mehr lesen, geschweige denn noch hören. Wie deutlich zu lesen ist, sehen die deutschen Hersteller in China den Markt der Zukunft, weil man dort die Fahrzeuge subventioniert.
    Meine Herren Winterkorn und co. Wäre es vielleicht möglich, dass ihr euch auf den europäischen Märkten breit macht und z.B. in der Politik mal die Weichen stellt, damit die Infrastruktur zum Laden ausgebaut wird. Milliarden in der Kampfkasse, aber immer nur nach Geld vom Staat krähn. Selbst was investieren ohne Fördermittel passt euch nicht. Danke, dass die deutschen Hersteller uns hier in Europa so außen vor lassen. Wir sehen uns dann in 9 Jahren, wenn wir asiatische oder koreanische E- Fahrzeuge haben. Und mit Blick auf Ford kann ich nur sagen, dass die schon begriffen haben wie es geht und nicht auf den Staat schielen.
    Opel hat da noch viel zu lernen und sollte seine Ing’s zum Mond schießen.
    Einen lieben Gruß an Daimler mit ihrem Smart ED. Was ist denn nun mit diesem Fahrzeug? Es ist komplett fahrbereit. Fehlt euch wieder mal der Mut es selbst zu machen ohne eine Finanzspritze. Es wurden doch laut diesem Artikel genug Fördergelder für euch bereit gestellt.

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