Elektro-Parade am Wasserturm


Leise im Kreis: Elektroautos bei der ADAC-Roadshow in Mannheim (Foto: Steffen Jahn)

Leise im Kreis: Elektroautos bei der ADAC-Roadshow in Mannheim (Foto: Steffen Jahn)

Schön in Formation stehen sie da, für die Fotografen im Halbkreis um den Wasserturm drapiert: zwölf reinrassige Elektroautos, sechs Hybridfahrzeuge; ein Brennstoffzellenauto, ein von der Uni Saarbrücken umgebauter VW Tiguan mit monovalentem Gasantrieb, der Toyota Prius Plug-in-Hybrid und ein Battery Electric Vehicle mit Range Extender, der Opel Ampera. Neben jedem Ausstellungsstück Experten und Vertreter des jeweiligen Herstellers, fachkundige Mitarbeiter des ADAC, eine Menge Helfer und Organisatoren.

Die Parade von Autos mit alternativem Antrieb kann sich wirklich sehen lassen. Präsident Peter Meyer, der die Roadshow im Rahmen der ADAC Hauptversammlung am Donnerstag eröffnet, lässt sich nicht zweimal fragen, ob er den Opel Ampera jetzt gleich mal probefahren möchte. Denn das kann man hier im Zentrum der Stadt. Nicht nur wenn man Präsident des Veranstalters oder Bürgermeister von Mannheim ist. Die Fahrzeuge stehen dem gesamten Publikum zur Verfügung. Mannheim und all seine Besucher erleben drei Tage alternative Antriebe beziehungsweise Elektromobilität „live“.
Viele der Passanten schauen zunächst ungläubig, bis sie sich trauen jemanden anzusprechen, was es mit der Auto-Formation auf sich habe. Eine ältere Dame will wissen, ob der ADAC die Autos hier auf dem Platz etwa verkaufe. Nein, natürlich nicht. Ob sie vielleicht auch mal probe fahren möchte? „Ach, ich habe doch gar keinen Führerschein.“

Die Resonanz ist erstaunlich gut, besonders bei Leuten im Alter zwischen 20 und 35 Jahre. Sie stehen dem Thema aufgeschlossen-neugierig gegenüber. Das ist ganz offenkundig. Gut die Hälfte von ihnen scheinen aus dem Stand weg ein Elektroauto kaufen zu wollen – zumindest wenn die Fahrzeuge nicht so teuer wären, wie sie nun mal leider noch sind. Reichweite? „Wäre doch mein Zweitwagen, nur für die Stadt und die Kurzstrecke. Das reicht.“

Herr G. aus Mannheim wartet schon seit den 90er Jahren darauf, dass endlich Elektroautos in Großserie angeboten werden. Und vermutet, dass die aktuelle Herstelleroffensive doch wieder nur ein großer Bluff sein könnte. Wie vor rund zehn Jahren in den USA, als General Motors 1000 Elektro-Fahrzeuge, die in Kundenhand zum Testen waren, wieder einkassierte und in der Wüste verschrottete. „Außerdem fehlt es an einer Lösung für Laternenparker. Wo soll denn jemand, der in einer Mietwohnung lebt, sein Auto aufladen? Für diese Leute muss es Batteriewechselstationen geben.“

Auch Wilfried Kammerer, Schatzmeister des ADAC Nordbaden, meint, das Elektroauto wäre für viele Menschen der ideale Zweitwagen. Zur Arbeit fahren oder ins Restaurant, das sind meist alles kurze Strecken, die er fahre. „Außerdem habe ich eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Ich müsste den Strom nur auch noch zwischenspeichern können. Das wär’s.“

Bernd Birkholz, Delegierter vom ADAC Nordrhein: „Toll, ich sehe die Autos zum ersten Mal live. Mir gefällt besonders der Opel Ampera – und der Tesla Roadster natürlich. Ich werde auf jeden Fall Probefahrten machen. Die Gelegenheit bekomme ich so schnell nicht wieder.“ Hans Weber, Mitglied im Vorstand des ADAC Nordbaden ergänzt: „Ich bin überrascht, wie viele Hersteller schon ein Elektroauto haben. Der Ampera etwa fährt sich erstaunlich normal. Die Frage ist letztendlich, woher der Strom für die Elektroautos herkommt. Damit steht und fällt die Umweltbilanz.“

ADAC-Präsident Peter Meyer ist sicher: „Die Elektrifizierung des Autos wird massiv weitergehen. Wir erwarten in den kommenden Jahren vor allem Hybridfahrzeuge in allen Facetten.“ Nur eine Rentnerin meint: „Das mit den Elektroautos ist doch alles Blödsinn.“

Text: Wolfgang Rudschies

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