VW bringt das „Elektroauto für alle“


Ist der VW UP die Basis für das Elektroauto für alle?

Auf dem Wiener Motorensymposium hatten Elektroantriebe bisher einen schweren Stand. Für Überraschung beim diesjährigen Kongress sorgte der Schlussvortrag von Prof. Dr. Martin Winterkorn. Der Lenker des Volkswagen-Konzerns kündigte das „Elektroauto für alle“ an. Gleichzeitig nannte er die Elektromobilität eine „Jahrhundertaufgabe – für die Automobilindustrie und für den Industriestandort Europa“.

Die Zeit der Alleinherrschaft ist vorbei. Bereits im vergangenen Jahr musste „König Otto“ – also das Konzept des Verbrennungsmotors – in der Wiener Hofburg abdanken. Künftig werde es keinen Königsweg für Kraftmaschinen mehr geben, proklamierte der Kongressleiter Prof. Dr. Hans Peter Lenz. Der (Otto-)Motor als weltweit dominantes Antriebsprinzip werde sich die Arbeit künftig mit allerlei elektrischen Assistenten und (Zusatz-)Antrieben teilen: „Es lebe der Verbrennungsmotor, aber das Elektroauto steht schon am Start“, bekannte der längjährige Vorsitzende des weltweit wichtigsten Motorenkongresses nicht ohne Melancholie.

Welche Energiequelle wird in Zukunft den Antrieb dominieren? Das fragen sich die rund 1000 in Wien versammelten Experten schon seit Jahren. In den vergangenen Dekaden feierte der Turbodiesel auf dem Motorensymposium immer neue Triumphe. Hybridfahrzeuge mit Ottomotor waren auf dem Wiener Symposium bislang argwöhnisch als teure, schwere und extrem komplexe Antriebsalternative beäugt worden. Doch am Ende führt auch für die europäischen Hersteller kein Weg um die Doppelantriebe herum. Der Hybrid ebne den Weg zur Elektromobilität mit Hilfsmotor für größere Reichweiten, gab Prof. Lenz im vergangenen Jahr zu. Toyota genoss die späte Anerkennung für seinen Vorreiter Prius: „Dieser Kongress hat gezeigt, dass unsere Entscheidung vor über 15 Jahren richtig war“, sagte Koei Saga auf dem Abschlussplenum 2010. Dem Leiter der Toyota Hybrid-Entwicklung war die Genugtuung deutlich anzumerken.

Auf dem aktuellen Wiener Motorensymposium 2011 zeichnete sich der nächste Etappensieg des Hochvoltantriebs ab. Nachdem die deutschen Hersteller lange Zeit auf der Bremse gestanden hatten, skizzierte Dr. Winterkorn nun einen (langen) Weg in die Elektro-Zukunft. „Richtig ist: Die Elektromobilität spielt auf dem Weg zur emissionsfreien Mobilität eine Schlüsselrolle. Richtig ist aber auch, dass der anfängliche „Hype“ um das Elektroauto übertrieben war.“ Inzwischen sei zum Glück eine neue Sachlichkeit eingekehrt, so Winterkorn: „Selbst optimistische Studien rechnen bis 2025 mit einem Marktanteil von nur rund zehn Prozent.“

Für viele Kunden komme das Elektroauto allenfalls als Zweitfahrzeug in Frage. Und schließlich werde es zunächst auch vor allem ein Großstadt-Phänomen sein. Vor großem Publikum gab der Volkswagen-Chef dann jedoch eine Überraschung preis: „Ich freue mich, ankündigen zu können, dass Volkswagen 2013, 2014 und 2015 eine Reihe von Plug-In-Hybriden auf den Markt bringen wird.“

Diese Technologie biete aus seiner Sicht das größte mittelfristige Potenzial, weil sie das Beste aus zwei Welten verbinde: „Der Plug-In-Hybrid bietet das, was ein Großteil der Kunden erwartet: Einen uneingeschränkten verbrennungsmotorischen Aktionsradius, einen attraktiven elektrischen Radius im Alltagsbetrieb, keinerlei Einschränkungen bei Geschwindigkeit, Steigfähigkeit oder Anhängelasten, ein hohes CO2-Minderungspotential und nicht zuletzt deutlich geringere Anschaffungskosten gegenüber einem Batteriefahrzeug“, so Dr. Winterkorn.

Bekannt war bereits, dass VW mit umgebauten E-Versionen des Kleinwagens Up und des Golf Blue E-Motion 2013 starten wird. Zwei weitere Elektrofahrzeuge sollen zur gleichen Zeit in Kooperation mit chinesischen Partnern im Reich der Mitte auf den Markt kommen. Doch solche Fingerübungen gaben nur wenige Hinweise darauf, wie sich Volkswagen künftig von den Wettbewerbern unterscheiden will. Jetzt zeichnet sich die mittelfristige Strategie ab.

Die Wolfsburger werden den Schwerpunkt zunächst nicht wie Renault auf reine Batteriefahrzeuge legen. Anders als General Motors mit dem Chevrolet Volt und dem Opel Ampera geht Volkswagen auch nicht den Weg der E-Mobile mit Range Extender. Stattdessen werden die Deutschen ihren Vorsprung bei Verbrennungsmotoren nutzen und den Elektro-Radius bei den meisten Modellen auf rund 50 Kilometer beschränken: „Es gibt in Sachen Batterie nach wie vor keine zufriedenstellende und wirklich großserienreife Lösung“, betonte Dr. Winterkorn in Wien.

Volkswagen wartet ab, bis Traktionsbatterien wesentlich billiger werden: „Wir haben inzwischen eine klare Vorstellung, wie wir den Batteriepreis auf gut ein Viertel der heutigen Kosten senken. Klar ist: Wir werden das Elektroauto zu einem wettbewerbsfähigen Preis auf den Markt bringen. Und damit langfristig gutes Geld verdienen!“ Das Ziel sei laut Dr. Winterkorn klar: „Wir wollen und werden das „Elektroauto für alle“ anbieten. Aber wir wissen auch, dass das nur Schritt für Schritt geht.“ Mit begeisternden Fahreigenschaften werde das Ein-Liter-Auto XL1 zeigen, wie Volkswagen vorgehen werde. „Es hat alle Schlüsseltechnologien an Bord: Einen hocheffizienten TDI-Motor, innovativen Leichtbau und neue Werkstoffe aus Kohlefasern und einen Plug-In Hybrid mit Lithium-Ionen-Batterie.“ 2013 will VW das E-Mobil zunächst in Kleinserie auf den Markt bringen.

Text: Joachim Becker

4 Antworten zu “VW bringt das „Elektroauto für alle“

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  2. so Winterkorn: „Selbst optimistische Studien rechnen bis 2025 mit einem Marktanteil von nur rund zehn Prozent.“
    Diese Aussage beschreibt doch, dass es sich immer noch um ein Abbremsen handelt. Man will nicht zügig voran, sondern langsam und zögerlich. Es ist nicht nachvollziehbar, dass heute bekannte Technologien für die elektrische Mittelstrecke, erst in so weiter ferne 10 % Marktanteil bieten.
    Und was mich am meisten stört, dass es immer noch nicht in den Köpfen dieser „Lenker“ angekommen ist, wie man mit langlebigen Fahrzeugen anschließend Gewinne erzielen kann, wenn die Verstromung über Ladestationen und Akkutauschsystem gleichzeitig betrieben wird. Ich finde es sehr faszinierend, wenn ich nach 100 km auf der Autobahn zur Ladestation fahren kann, dort eine kleine Pause einlege und entweder schnell mit neuem Akku oder etwas langsamer mit aufgeladenem Akku weiter fahre. Die Folgesysteme sind entscheidend. Das E- Auto ansich, ist so gut wie fertig.
    Ich sehe Deutschland nicht unter den Top Ten der e- Mobilität und das für lange Zeit. Dafür sorgen die Konzernlenker schon selbst.

  3. Klingt ja eig. gar nicht so schlecht, der Artikel…
    Wenn man nur in den letzten 30 Jahren nicht laufend schon eine Menge toller Versprechen gehört hätte…
    Ich glaub´s jedenfalls erst, wenn ich (zu nem akzeptablen Preis) drin sitzen werde.

    Bis dahin werde ich wahrscheinlich mein E-Auto selber bauen, und zwar mit ganz banalen Blei-Akkus. Die sind nämlich lang nicht so schlecht, wie uns die Medien etc. glauben machen wollen. Ok, das Gewicht ist nicht so toll, aber für ca. 50-100km gut tauglich, günstig, gut zu recyclen und fliegen mir beim Laden auch nicht so schnell um die Ohren…

  4. Es ist doch erfreulich, dass auch der Lenker eines so großen Konzernes wie Volkswagen doch innerhalb einer realativ kurzen Zeit (2-3 Jahre) vom Bremser in Sachen elektrische Antriebe zu einer treibenden Kraft werden kann.
    Die Einschätzung, dass elektrische Antriebe vor allem ein „Großstadt-Phänomen“ werden teile ich allerdings nicht.
    Es sind doch gerade die Pendler die tagtäglich mit dem Auto zur Arbeitsstelle und zurück fahren, die im Fokus der Autohersteller liegen sollten. Diese legen einen Großteil der gefahrenen Kilometer zurück und verbrauche damit die meiste (fossile) Energie und erzeugen einen Großteil der Emissionen in den Städten und der Umgebung. Hier ist auch der Preisvorteil von Strom als Antriebsenergie am größten.
    Die heute schon mögliche elektrische Reichweite von 60 km (Ampera) bis zu 160 km (Renault Fluence Z.E) ist für diesen Einsatzzweck völlig ausreichend.
    Und wer dann noch eine Lademöglichkeit bei der Arbeitsstelle hat, der hat immer die volle Reichweite und kann auch weite Pendel-Wege ohne „Reichweiten-Angst“ bewältigen.
    Wir werden sehen, welche Strategie (Renault mit rein elektrischem Antrieb) oder die von VW (schrittweise hybridisierung) mehr Anklang bei den Autokäufern findet.

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