Berliner Spritsparrallye: Der erste Kontakt


Die vom ADAC ausgewählten 20 Fahrerteams beim Eco-Challenge-Drive treffen zum ersten Mal auf ihre Autos. Rechts unten: Die Schwestern Esther und Sarah Legermann.

Esther und Sarah Legermann sind ein ungewöhnliches Team bei der diesjährigen Spritsparrallye der Michelin Challenge Bibendum in Berlin. Denn sie haben mit Autos an sich nicht viel zu tun, im Gegensatz zu den Freunden Johannes Hör und Philipp Stößel beispielsweise. Beide studieren Alternative Fahrzeugtechnologie. Die Berliner Schwestern Legermann, 24 und 27, sind eines der zwei Frauenteams in der Rallye. Wer am Ende der etwa 300 Kilometer langen Strecke bis Linthe im Süden Berlins und zurück am wenigsten verbraucht hat, gewinnt einen Satz neue Reifen von Michelin. Die 20 Fahrerteams haben heute morgen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof erfahren, ob sie bei der Eco-Drive-Challenge am Sonntag mit einem Citroën DS 3 1,6 HDI oder mit einem Audi A8 3,0 TDI fahren dürfen.

Die Veranstalter haben die vierzig Fahrerinnen und Fahrer zuvor am Eingang des Tempelhofer Flughafens abgeholt. Das war auch nötig, denn das Flughafengelände ist riesig. Die Fahrerteams sind gespannt und hören aufmerksam zu, während die Organisatoren der Eco Drive Challenge in einem Seminarzelt erklären, wie das Rennen ablaufen wird. Die meisten haben eine ernste Mine. Das liegt aber eher an den vielen Infos, die auf alle einprasseln. Roadbook, Strafpunkte, technische Details der Fahrzeuge. Alles in etwa einer Stunde. Eine der wichtigsten Infos Tages: Wer eine Sekunde zu spät ist, bekommt einen Strafpunkt. Alle acht Etappen müssen in einer bestimmten Zeit absolviert werden.

Der Audi A8 mit drei Litern Hubraum, Turbodiesel: Gibt es nicht zu kaufen und hört sich leiser an als ein Ottomotor. Verbrauch: Angeblich 4,9 Liter auf 100 Kilometer. Und später stellte sich heraus: Die können sogar noch weniger verbrauchen.

Keines der Teams wusste also bisher, welches Fahrzeug es fahren wird. Die große Frage war: Wird es ein kleiner Citroën oder eine Audi Luxus-Limousine mit Sitzkühlung. Als Rennkoordinator Stephan Rau die Namen vorliest, die einen Audi fahren werden, geht ein Raunen durch das Zelt. Die einen zischen: „Yessss!“ Die anderen verziehen die Mundwinkel und bleiben ruhig. Alle hatten auf die Luxuslimousine gehofft.

Die zehn Audi A8 mit drei Litern Hubraum und V6-Motoren, die so noch nicht zu kaufen sind, können bei vorsichtiger Fahrweise laut Hersteller mit bis zu 4,9 Litern Diesel pro 100 Kilometer auskommen. Vor allem der Effizienzmodus im Audi wird für die Teilnehmer wichtig sein: Ein neues technologisches System, das trotz aller Elektronik für einen günstigen Verbrauch sorgen soll. Alle Audis haben eine Automatikschaltung mit acht Gängen. Die zehn Citroën C3 sind etwas einfacher gehalten, auch wenn mit viel Bordelektronik ausgestattet. Sie haben eine manuelle Gangschaltung. Wichtigstes Hilfsmittel beim Spritsparen hier: Die Start-Stop-Automatik. Bleibt man an einer Ampel stehen und kuppelt aus, stoppt der Motor. Tritt man die Kupplung, startet er wieder.

Ein rein elektrischer Prototyp von Honda zischt fast lautlos vorbei.

Alle Autos haben Transponder, die alle Daten direkt an die Begleitfahrzeuge liefern. „Wenn Sie wieder zurück sind am Tempelhofer Flughafen, wissen wir schon lange, wer gewonnen hat“, sagt Vizerennkoordinator Stephan Rau den Teilnehmern. Er führt nun alle zu den Autos auf dem Flughafengelände. Der erste Kontakt steht bevor. Fahrer und Auto treffen sich zum ersten Mal. Elektro-Prototypen zischen vorbei.

Der ehemalige Flughafen Tempelhof zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er unfassbar groß ist. Klar – es war mal ein internationaler Flugplatz. Dennoch ist es erstaunlich, wie verloren man sich beim ersten mal zwischen den früheren Landebahnen fühlt. Es ist, als würde man durch die Wüste marschieren. Und die Fata Morgana am westlichen Ende ist die Challenge Bibendum an den Flugzeug-Hangars. Passend dazu das Wetter: Es hat bereits über zwanzig Grad Celsius am frühen Morgen.

Sarah und Esther Legermann "wollen einfach mal schauen", wie gut sie beim Spritsparen so sind.

Alle Fahrerteams kommen an den Autos an. Esther und Sarah Legermann sitzen probe im Citroën DS3. „Fühlt sich ganz gut an“, sagt Esther. Die BWL-Studentin hatte sich am vergangenen Wochenende extra einen Audi A8 ausgeliehen und darauf gehofft, jetzt wieder einen Audi fahren zu dürfen. „Aber das ist schon ok so. Ich weiß nicht ob ich mit der vielen Bordelektronik im Audi auf Anhieb zu Recht gekommen wäre“, sagt die zierliche Esther. Ihre Schwester Sarah, eine Sportstudentin, sieht das ähnlich: „Außerdem fährt sich das kleinere Auto auf dem Parcours in Linthe einfacher“, sagt sie. Sie sollte damit recht behalten.

Der erste Kontakt kam also zustande. Die Fahrerinnen und Fahrer haben ihre Autos gesehen und gefühlt . Alle sind gespannt auf die Rallye, morgen am Sonntag. Aber erst mal steht eine Probefahrt an. Am Nachmittag wird bis zum ADAC Technikzentrum Linthe gefahren. Dort sollen alle den Parcours trainieren. Erst mal ist es aber Zeit für Mittagessen in einem der Hangars am Tempelhof.

Text und Fotos: Hüseyin Ince

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