Brennstoffzellenfahrzeuge ab 2014 in Großserie


Die mobile Wasserstoff-Tankstelle in Australien (Foto: Daimler)

Die mobile Wasserstoff-Tankstelle in Australien (Foto: Daimler)

Wie zuverlässig sind Brennstoffzellefahrzeuge? Beim F-Cell World Drive fuhren drei Mercedes B-Klasse F-Cell 30.000 Kilometer einmal um den Globus. Fazit: Die Technik funktioniert und wird mit größeren Stückzahlen wohl auch bezahlbar. Ab 2014 will Daimler Brennstoffzellenfahrzeuge in Großserie produzieren.

„Mobil ohne Emissionen und Kompromisse“ war das Motto des F-Cell World Drive. Tatsächlich hat der 125-Tage-Marathon rund um die Welt gezeigt, dass der alternative Antrieb keine gravierenden Schwächen hat. Bis zum ersten Juni waren drei Mercedes B-Klasse Brennstoffzellenfahrzeuge durch 14 Länder und vier Kontinente unterwegs. Keine der Energiespender hatte auf der 30.500 Kilometer langen Strecke einen technischen Defekt, im Antriebssystem wurde lediglich ein Elektromotor ausgetauscht.

Steht die Wasserstoffzukunft also schon in den Startlöchern? Nicht unbedingt. Wer heute mit Wasserstoff um die Welt fahren will, braucht eine enorme Logistik. Beim F-Cell World Drive wurden 56 Tonnen Automobil in einem Jumbojet von Kontinent zu Kontinent geflogen. 16 Begleitfahrzeuge samt Werkstattwagen mit 1.850 Ersatzteilen stellten sicher, dass die Stars der Veranstaltung immer topfit waren.

Brennstoffzellen sind Wunderwerke der Technik. Hunderte von flachen F(uel-) Cells, liegen wie Seiten eines Buches aufeinander. Anders als der Name vermuten lässt, lodert in Brennstoffzellen aber kein Feuer. Statt Explosionen im Zylinder löst der Dreh am Zündschlüssel eine 80 Grad „kalte“ Reaktion von Wasserstoff und Luftsauerstoff aus. Dabei entsteht nichts als Wasserdampf – umweltfreundlicher geht´s nicht.

Der "World Drive" führte auch durch das Reich der Mitte (Foto: Daimler)

Der "World Drive" führte auch durch das Reich der Mitte (Foto: Daimler)

Mit dem Strom, der bei der Umwandlung chemischer Energie entsteht, spurtet die 100 kW starke Mercedes B-Klasse F-Cell in 11,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Gebremst wird der Elan durch die drei schweren Wasserstofftanks im Unterboden: 1,7 Tonnen Gesamtgewicht sind viel für ein Kompaktauto – aber vergleichsweise wenig für Elektrofahrzeuge mit alltagstauglicher Reichweite.

Brennstoffzellenfahrzeugen sind zu 80 Prozent baugleich mit reinen Elektroautos. Ihr großer Vorteil ist die Form der Energiespeicherung. Anders als Batteriemobile, die stundenlang an der Steckdose hängen, können sie spontan nachgetankt werden. Wie bei einem Erdgasauto wird der Kraftstoff in wenigen Minuten an einer Säule gezapft. Allerdings sind 700 bar Hochdruck nötig, um den flüchtigen Wasserstoff für eine akzeptable Reichweite zu verdichten.

Zum Tross des F-Cell World Drive gehörte daher ein fünf Tonnen schwerer Mercedes Sprinter, der als mobile Tankanlage fungierte. Angeliefert wurde der Kraftstoff in Tankwagen des Projektpartners Linde. Mit den 200 bar aus dem Lastzug wäre die B-Klasse F-Cell höchstens die Hälfte der versprochenen 400 Kilometer weit gekommen. Erst der große Kompressor, der beim Druckaufbau wie ein Büffel vor und zurück wippte, machte 700-bar-Boxenstopps in abgelegenen Gegenden Chinas oder Kasachstans möglich.

Die mobile Tankstelleninfrastruktur hat aber noch einen entscheidenden Vorteil: Brennstoffzellen sind die Primadonnen unter der Motorhaube – kleinste Verunreinigungen im Wasserstoff zerstören oder verkleben die teuren Zellmembranen. Linde konnte weltweit eine Versorgung mit hochreinem Gas sicherstellen. Als die Experten an einer öffentlichen Wasserstofftankstelle in Oslo zweitklassiger Sprit entdeckten, nahmen die Wagen einen Umweg für den „hausgemachten“ Sprit in Kauf: Man wollte kurz vor Ende der Tour keine Risiken mehr eingehen.

Das Netz von Zapfsäulen bleibt eine entscheidende Hürde für die Verbreitung des alternativen Antriebs. „Die Zeit ist reif für Elektroautos mit Brennstoffzelle. Jetzt muss das Thema Infrastruktur Fahrt aufnehmen“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche beim Zieleinlauf des F-Cell World Drive in Stuttgart. Bisher gibt es auf der ganzen Welt nur gut 200 jederzeit zugängliche Zapfstellen für Wasserstoff. „Für eine erste Netzabdeckung in Deutschland würden jeweils fünf bis zehn Wasserstofftankstellen in den Großstädten genügen. Mit zusätzlichen Zapfsäulen an der Autobahn kämen wir auf insgesamt 1.000 Stück”, erläutert Mercedes Leiter e-Drive Prof. Dr. Herbert Kohler. 1,7 Milliarden Euro veranschlagt Daimler für diese Wasserstoff-Infrastruktur hierzulande.

Während die Infrastrukturfrage noch nicht beantwortet ist, hat die Technik in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Schon Anfang der 90er Jahre trommelte Mercedes für die Wasserstoffzukunft. Damals füllte die aufwändige Anlage für die chemische Reaktion noch einen kompletten 3,5-Tonner. Heute verschwinden alle Komponenten im Unterboden der Mercedes B-Klasse, ohne den Passagier- und Kofferraum zu beeinträchtigen.

Bei unserer Probefahrt vom südlichen Kalifornien bis über die nördliche Grenze bei Vancouver kamen wir mit einer Tankfüllung immerhin rund 300 Kilometer weit. Die versprochenen 400 Kilometer blieben ein eher theoretischer Wert. Trotzdem ist die Mercedes B-Klasse F-Cell ein effizientes Auto: Wie bei Hybridfahrzeugen sorgen ein Generator und eine Pufferbatterie dafür, dass beim Bremsen zusätzlich Bewegungsenergie zurück gewonnen wird. Im Durchschnitt benötigten wir rund ein Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer. Das entspricht einem Dieseläquivalent von 3,3 Litern auf 100 Kilometer.

Beim Finale des F-Cell World Drive gab Dieter Zetsche bekannt, dass Mercedes-Benz ab 2014 Brennstoffzellenfahrzeuge in Großserie fertigen wird – ein Jahr früher als bisher geplant. Ziel sei es, ein Konzept zu entwickeln, das dem Verbrennungsmotor zumindest ebenbürtig ist. Alle Komponenten sollen laut Daimler in zwei weiteren Entwicklungsgenerationen bis 2016 noch effizienter werden. Auch die hohe Platinbeladung der Brennstoffzellen soll auf das Niveau eines Katalysators sinken. „Bei einem Produktionsvolumen von hunderttausend Stück wird die Brennstoffzelle nicht mehr kosten als ein Hightech-Diesel mit Elektrohybrid“, verspricht Prof. Kohler.

 

Text: Joachim Becker

18 Antworten zu “Brennstoffzellenfahrzeuge ab 2014 in Großserie

  1. Ich kann es nicht ganz nachvollziehen, was zu meinem Kommentar vom 5.6. hier so negativ zu bewerten ist. Ich schiebe es mal auf meine Schreibweise in Stil, Rechtschreibung und Grammatik🙂. Vielleicht habe ich mich auch schlecht ausgedrückt. Nochmal für diejenigen die vor einiger Zeit hier noch nicht im eFb waren. Ich habe darauf hingewiesen, dass die Hamburger Hochbahn bereits die Wasserstoffbusse in 2010 allesamt abgeschafft hat.
    Warum wohl? Der Test war nicht so vielversprechend gelaufen, weil eben die Kosten für die Tankanlagen den Nutzen auffressen. Hinzu kommt, dass die Anwohner an den Betriebshöfen nicht davon zu überzeugen sind, dass diese Technologie eben sicher ist und niemals was passieren kann. Die technischen Unzulänglichkeiten bei den Fahrzeugen selbst (z.B. die magelnde Reichweite) lasse ich mal weg.
    Ich kann also in jedem Fall aus praktischen Ergebnissen mitteilen, dass diese Wasserstofftechnologie nur was für Großprojekte zur Energiespeicherung ist und in den entsprechenden Produktionsbetrieben eingelagert werden sollte, so wie es mit dem Diesel oder Benzin geschieht. Das sehen Experten, siehe die vielen Links, genauso.
    In Bezug auf PKW spricht ein ganz wesentlicher Punkt gegen diese Technolgie. Der PKW- Nutzer ist im allgemeinen Laie. Ein unachtsamer Fehler beim Betanken kann zu einem Gefahrenpotential führen, den der Laie und die Profis nicht schnellstmöglich beheben können, weil eben etwas in die Luft fliegt. Auch hier würden viele Anwohner auf die Barrikaden gehen, wenn man ihnen eine große unbekannte Gefahrenquelle vor die Tür stellen wollte. Das muss alles nicht sein. Und wie Wasserstoff reagiert wissen ja alle aus anderen geschichtlichen Ereignissen, bei denen man auch der Meinung war, dass nichts schief gehen kann.
    Also sind „Strom“-Ladestationen für die Infrastruktur besser als Wasserstofftankstellen. Hier muss angesetzt werden.

  2. Alles ist nur Geldmacherei und sehr große Lüge. Eins kann ich sagen. Geiz ist Geil. Und fängt zwar vom „Kopf“ an.
    Muss Wasserstoff unbedingt ins Zwischenspeicher???? Ganz bestimmt nicht. Und das wissen ALLE. Aber nur so kann man Geld abkassieren und zwar jede Menge. Was ist mit Meyer-Gas…? kann direkt aus dem Wasser per Elektrolyse mit Hochfrequenzstrom gefördert werden. Warum nicht? Politisch unwirtschaftlich!!!
    E-Auto muss unbedingt von einer Zapfseule gespeist werden. Obwohl gibt es eine ungemütliche Möglichkeit für Autoindustrie- die Akkus zum Beispiel an einer Station auszutauschen und ohne 2 Stunden zu warten weiter fahren. Nein!! Für unsere Autos ist unzulässig an Disign zu beeinflussen. „Wir wollen es nicht“ wurde gesagt!!!

    Und es geht nicht nur um die Autos.
    Permanentmagnetmotor, den wir nie im Leben dürfen in einem PKW oder Haushalt eingebaut zu sehen oder zu verwenden, vielleicht in einer Militäranlage? – Nur da, wo das Geld gibt und von Allem weiter die Menschheit und am Endeffekt sich selbst umzubringen. Ach, ich habe es vergessen Entschuldigung – Perpetum Mobile kann nicht existieren. Genauer zusagen darf nicht. Man spricht nicht drum, psst!! Warum nicht? Politisch unwirtschaftlich!!! Und viel zu billig für die Anwendung.
    Was ist mit dem entwickelten Antrieb von Viktor Schauberger???????? Schon vergessen? Na ja, er hat für die Nazzis gearbeitet.
    Viel Schass und Erfolg an Mercedes Benz und Co. mit unbezahlbaren Autos.

    Wann endlich werden wir alle nicht nur an sich denken.
    Oder habe ich kein Recht?

  3. Es ist doch immer wieder erstaunlich, sobald sich eine neue Technologie durchsetzt, wimmelt es nur so von „Fachleuten“, welche alles wissen und auf die ungeheuren Gefahren der Neuheit hinweisen.
    Als der Mensch zum ersten Mal aufrecht gehen konnte, kamen die Experten und wiesen auf die Sturzgefahr dieser neuen Gangart hin.
    Als die erste Eisenbahn in Deutschland 1835 von Nürnberg nach Fürth fuhr
    wurde gewarnt, daß der menschliche Organismus diese Geschwindigkeit nicht ohne Schäden aushalten aushalten kann. 35 km/h. Ähnliche Experten geben hier in diesem Forum ihren Kommentar ab.
    Ein jetziger PKW mit vollen Tank Benzin ist weit aus gefährlicher als ein Wasserstoff betanktes Fahrzeug. Bernd Meyn

    • jaja… und es soll ja immer noch Leute geben, die an die Beherrschbarkeit der Atomenergie glauben…

      Und von wegen „durchsetzt“: Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass da mehr als Alibiforschung betrieben wird. Immer nur so viel, dass keiner behaupten könnte, es würde nichts getan…

  4. Mercedes Leiter e-Drive Prof. Dr. Herbert Kohler
    Wer ist dieser Mann? Wofür hat er seinen Pr0f. und Dr. gemacht? Müsste man doch mal seine Doktorarbeit prüfen lassen. Hat wohl seinen Grund weshalb er für Mercedes bei der B- Zelle eintritt.
    Alle, hier und in anderen Foren, vorgebrachten Gründe die B- Zelle nicht zu fördern, weisen in eine Richtung:
    Wir können CO2 in der Erde lagern. Warum nicht auch Wasserstoff? Als Energiespeicher geradezu ideal und ständig unter professioneller Aufsicht. Wir leben ja auch mit Chemiefabriken und (noch) mit AKW’s!
    Wenn schon eine Tankstellenversorgung, dann doch mit Strom zum schnell Laden. Dafür ist die Energiespeicherung mit Wasserstoff geeignet.

    Dann würde sich das Problem der Akkus und der Reichweite schneller lösen als man glaubt.
    Ich würde mir kein Kraftwerk im Auto kaufen, bei dem die Gefahrenquellen viel zu hoch sind und ich unüberschaubare Preise auf Willkür bezahlen muss.
    Ich betrachte diesen Bericht in folgender Variante.
    Daimler/ Mercedes haben in den letzten 20 Jahren so viel Geld in die B- Zelle gesteckt, dass sie unbedingt einen Deppen brauchen der diesen Mist kauft und/ oder fördert. Da wir ungebildete Entscheidungsträger auf diesem Gebiet in der Politik haben, die sehr dringend ein kleines Zubrot benötigen, wird sich schnell eine Lobbygruppe finden, die diesem Irrsinn auch noch Milliarden in den Allerwertesten bläst.

    Nichts, aber auch gar nichts spricht für die B- Zelle in PKW oder anderen Fahrzeugen.

    • Michael Balzer

      Hallo Herr Bluhm,

      ich kenne das Budget für diese Entwicklung nicht, aber ich denke es sind trotzdem Peanuts im Vergleich zu den Kosten der Chrysler-Episode.

      Daimler hatten bereits 1997 das Batterie-Elektroauto serienreif entwickelt. Siehe Daimler-Prospekt von 1997.

      Die eigentliche Frage ist also, warum haben sie diese fertige (!) Entwicklung wieder in der Schublade verschwinden lassen? Wenn es 1997 wegen des gefallenen Gesetzes in Kalifornien war, bleibt die Frage warum die Schublade heute nicht längst wieder geöffnet wurde? Die ZEBRA-Batterie ist nicht der Grund, die könnte man einfach gegen aktuelle Li-Akkus austauschen.

      Warum haben sie also nicht einfach den Markt entscheiden lassen, sondern versuchen seitdem auf Biegen und Brechen und mit weiteren Jahrzehnten Entwicklungszeit eine Wasserstoff-Wirtschaft für den Personenverkehr zu etablieren?

      Der plausibelste Grund ist für mich, daß nur so eine neue Versorgungs-Abhängigkeit etabliert werden kann. Eine Steckdose kann jeder zu Hause haben, auch mit hoher Stromkapazität, und per Solaranlage o.ä. auch ganz ohne Energiekonzerne.

      Wie schon net_worker so treffend schrieb: zum Wochenende und Urlaubsanfang steigen dann halt die Wasserstoffpreise… natürlich nicht per geheimer Absprache, das wäre ja verboten, sondern schön im 90-Minuten-Takt voneinander abgeguckt…

      • Sehr interessanter Link (Danke!) und auch eine sehr interessante Frage…
        Genauso wie:
        – warum seit Anfang des 20. Jhdt der Elektroantrieb systematisch unterdrückt wird,
        – warum der Stelzer Motor in der Versenkung verschwunden ist,
        – warum wir unsere Marktführung bei Windenergie (vor 10 Jahren) hergeschenkt haben,
        – warum Energie, die unendlich vorhanden ist (Wind, Sonne, Geothermie, Gezeiten, Wasser…), künstlich knapp gehalten wird ,
        – warum immer noch an Atomenergie festgehalten wird, obwohl jeder mittlerweile wissen müsste, was das für ein Wahnsinn ist,

        ..und vieles mehr.
        Die Antwort ist ganz einfach: so lässt sich mehr damit verdienen!

  5. Wasserstoff – abgesehen von der aufwändigen und teuren Herstellung
    ist auch der Transport im Auto umständlich und gefährlich.
    Solche extremen Tests, wie sie bei den revolutionären KOLIBRI-Akkus
    angewendet wurden, würden die Brennstoffzellen mitsamt dem gespeicherten Wasserstoff sicherlich mit einer Explosion beantworten.
    Auch die Reichweite ist mies, 300 km, da ist das LEKKER-Mobil glatt doppelt so weit gefahren – von München nach Berlin ohne einmal nachzuladen.
    O glückliches Deutschland, Du hast hier die Technologie und die tüchtigen
    Ingenieure, die sie entwickeln. Das sind aber nun gerade nicht die Etablierten, die haben für die eigene Profitsicherung nur im Sinn, den wirk-
    lichen Fortschritt zu unterbinden.
    Ich sehe natürlich schon deutlich, dass auch diesmal wieder, wie schon so oft vorher, das alltagstaugliche und bezahlbare Elektrofahrzeug erfolgreich unterbunden wird. Nur ist diesmal die Situation ein wenig anders:
    Die Konkurrenz im Ausland ist stärker.
    Daher hoffe und wünsche ich, dass bei uns im Lande die Vernunft siegen
    wird. Man möge sich mit der Firma DBM energy und Herrn Hannemann
    an einen Tisch setzen und zu allseitigem Vorteil Deutschland auch auf diesem Gebiet an die Weltspitze bringen

  6. Man fragt sich wirklich, weshalb überhaupt noch Mühe in die Entwicklung von reinen Elelektro-Fahrzeugen investiert wird. Die Technik der Brennstoffzelle ist offensichtlich serienreif. PKWs mit Brennstoffzellen-Antrieb mit Ausstoß von Wasserdampf sind doch eigentlich das was die Umwelt braucht. Elektroautos, die zum Aufladen stundenlang an die Steckdose müssen und dann eine Reichweite von max. 100-150 km haben
    dürften in der Entwicklung stehen bleiben und auch bald eingestellt werden.
    Dieses ist meine persönliche Vision. Bernd Meyn 58091 Hagen

  7. Peter E. M. Schudel

    Wasserstoff ist ein hochentzündliches Gas. Von der EU und somit auch der deutschen Gefahrstoffverordnung ist er als Gefahrstoff eingestuft mit F+; R12 für „hochentzündlich“; seine Behälter müssen dementsprechend gekennzeichnet werden.

    Beim Mischen mit Luft zu 4 bis 76 Volumenprozent (Vol.-%) Wasserstoff entsteht Knallgas, das bereits durch einen wenig energiereichen Funken zur Explosion gebracht werden kann. In einem ausgewogenen Mischungsverhältnis von O2 und H2 kann eine Knallgasexplosion verheerende Wirkung haben. In jedem Fall ist darauf zu achten, keine leicht entzündlichen Materialien oder offene Flammen in der Nähe zu lagern. H2 reagiert auch heftig mit Chlor (Chlorknallgas) und Fluor.

    Sauerstoff/Wasserstoffgemische mit einem Anteil von unter 10,5 Volumenprozent Wasserstoff sind schwerer als Luft und sinken zu Boden. Die Entmischung erfolgt nicht unmittelbar, so das bis zur Unterschreitung der 4 Volumenprozent Grenze die Zündfähigkeit erhalten bleibt. Beim Umgang mit Wasserstoff müssen Sicherheitsvorschriften und Entlüftungsanlagen dieses Verhalten berücksichtigen.

    Wird molekularer Wasserstoff in einfachen Metalltanks gelagert, so kommt es wegen der geringen Molekülgröße zu Diffusion, das heißt Gas tritt langsam durch die Gefäßwände aus. Dies ist bei der Speicherung problematisch, insbesondere für Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge, wenn diese lange an einem abgeschlossenen Platz (Garage, Tiefgarage) stehen. Zudem rechnet man beim Betanken mit relativ hohen Verlusten von einigen Prozent der Gesamtmenge. Flüssiger Wasserstoff in Metalltanks neigt bei Beschädigungen oder Lecks zur Selbstentzündung.

    • Bei Daimler (Mercedes) wird schon seit mindestens 1994 an der Brennstoffzellentechnik geforscht und entwickelt. Ich kann mir vorstellen, dass in diesem langen Zeitraum alle denkbaren Probleme untersucht und gelöst wurden. Auf der letzten IAA konnte man die Brennstoffzellentechnik und deren Komponenten anschauen. Die Tanks in denen der Wasserstoff mit 700 bar gespeichert wird, bestehen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff mit einer Wandstärke von mehreren Zentimetern. Die sind so stabil, dass diese wohl alle denkbaren (schwersten) Crash-Situationen überstehen. Der Prüfdruck liegt bei über 1500 bar.
      Natürlich mus die gesamte restliche Technik im Fahrzeug genauso dicht und sicher sein, um die Entwicklung von Knallgas zu verhindern. Ob dies tatsächlich über die gesamte Lebensdauer der Fahrzeuge erreicht werden kann, kann man erst sagen wenn es eine genügend große Anzahl Fahrzeuge gibt die mindestens 10 Jahre betrieben wurden. Wenn es prozentual weniger abgebrannte Fahrzeuge gibt als bei Fahrzeugen die mit Diesel/Benzin betrieben werden, dann kann man erst sagen wie sicher die mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeuge sind.
      Frage an den ADAC: Wie viele Fahrzeugbrände gibt es zur Zeit pro Jahr in Deutschland. Gibt es darüber eine statistische Erfassung. Gibt es eine Meldepflicht dafür.

      • Sorry, aber es gibt NICHTS (ausser ev. einem soliden Diamanten…), das “ alle denkbaren (schwersten) Crash-Situationen überstehen“ kann!

        Dazu kommt noch die Alterung. Gerade Kunstoff (auch noch so kohlefaserverstärkt) neigt zum brüchig werden. Und dann sind es nach ein paar Jahren Alterung statt 1500 nur noch 500 bar: KAWUMMM!

        Nichts gegen Wasserstoff an sich, v. a. als Speichermöglichkeit für momentane Stromüberproduktionen z.B. bei Wind- und Solarenergie (siehe auch http://www.greenpeace-energy.de/windgas.html) ist W. ideal, aber bitte nicht direkt neben Wohngebäuden oder mitten im Berufsverkehr.

  8. Daimler hat einen imensen PR-Aufwand betrieben um die Reife des Brennstoffzellen-Antriebes zu demonstrieren. Die Technik scheint reif für die Vermarktung zu sein. Der Markt ist es scheinbar noch nicht.
    Wer so trommelt will etwas erreichen
    – Unterstützung beim Aufbau der Wasserstofftankstellen Infrastruktur (evtl. sogar durch den Staat.)
    – Ablenken von der Entwicklung bei den Batterie-EV
    – Vorbereitung des Martangangs mit dem Partner Linde (Wer liefert noch Wasserstoff ?)

    Dazu sollte der ADAC ein paar Dinge kritisch hinterfragen
    – Wie teuer wird es Waserstoff zu tanken. Kostet der Kilometer mit Wasserstoff mehr oder weniger als mit Diesel/Benzin ?
    – Wie lange hält der Brennstoffzellenstack – Das ganze Autoleben ?
    – Gibt es eine Ganrantie für die wichtigsten Komponenten (Brennstoffzellen-Stack, Pufferbatterie) des Antriebsstranges der über die gesetzliche Gewährleistung hinausgeht.
    – Gibt es mehrere Anbieter von Wasserstoff die Zugang zu einem Tankstellennetz haben, so dass eine funktionierende Preisbildung gegeben ist.
    – Woher kommt der Wasserstoff, Wie hoch ist die Effizienz Well-to-Wheel im Vergleich zum Batterie-EV
    – Kann das Platin aus der Brennstoffzelle wirtschaftlich recyklen und in neuen Stacks wiederverwenden.
    Wird die Abhängigkeit vom Öl durch eine andere Abhängigkeit (z.B. von Erdgas) ersetzt, so dass der Verbraucher ähnlich gemolken werden kann wie bei Diesel/Benzin. Zu Beginn der Reisezeit wird bestimmt der Wasserstoff knapp werden und der Preis zieht entsprechend den Marktregel an.
    Wenn alle diese Fragen positiv beantwortet werden können, bin ich der letzte der diese Entwicklung nicht unterstützen würde. Wenn man die Kosten von 1,7 Mrd Euro für den Aufbau eines Tankstellennetzes Deutschland sieht, dann sind das umgerechnet auf alle 40 Mio Pkw gerade mal der Gegenwert einer Tankfüllung.
    Wenn es wirklich nur Vorteile durch die Einführung von Wasserstoff geben würde, dann wäre ich bereit diesen Betrag (50 Euro) zur Finanzierung zu spenden.
    Daimler kann ja schon mal ein Spendenkonto einrichten. Es wäre mal interessant wie viele Menschen darauf einzahlen würden.

  9. Peter E. M. Schudel

    1,7 Tonnen Kleinwagen um 100 kg Mensch von A nach B zu transportieren? Da lachen ja die Hühner…! 700 bar Verdichtung? Stattlich. Und bei einem Frontal/Heckzusammenstoss hinterlässt der Wagen einen Krater so gross wie von einer Zweitweltkrieg-Bombe. Das wird richtig lustig. Einen Vorteil hat die Brennstoffzelle: Die Feuerwehr muss keine Insassen mehr aus dem verunglückten Fahrzeug schweissen. Was übrig bleibt, hat Briefmarkenformat…! Lieber Herr Zetsche, bestellen Sie mal genügend Kondolenzkarten.

  10. … und der ganze Aufwand mit der Geld-Verbrennstoff-Zelle damit man nu-ja keinen Verbrennungsmotor im Auto hat (von wegen CO2 Ausstoss der Gesammt-Flotte).

    Warum nicht statt teurer (ineffizenter) Wasserstoffverstromung einfach ein RangeExtender auf Erdgas (oder LPG) Basis ???
    Selbst eine Mini-Turbine (wie sie in GB getestet wird) duerfte preislich wesentlich attraktiver sein …😉

    Ich moechte kein Wasserstoff aus LINDEs ERDGAS-DAMPF-REFORMATION … dann lieber direkt Gas-Fahren (gleicher Wirkungsgrad ???)

    …und per Elektrolyse … naja auch kein Effizenzsieger …
    wennschon Windstromueberschuss in Wasserstoff gespeichert werden soll
    dann lieber so: http://www.greenpeace-energy.de/windgas.html

  11. Hoffentlich entwickelt sich die Insfrastruktur schnell genug. Eine Reichweite von 300km in Nordamerika mit den dortigen Geschwindigkeitsbegrenzungen ist jetzt nicht so beeindruckend viel. Das würde ein E-Auto mit 30-40kWh Akku auch schaffen, und da hätte ich die „Tankstelle“ ja zu Hause in der Garage.

    Und natürlich die Frage, wo der Wasserstof herkommt. Aktuell wird er ja größtenteils aus Erdöl bzw. Erdgas produziert. Nicht optimal, und die Energiebilanz ist, wenn man beim Erdgas bleibt, schlechter als bei einem Li-Ion-E-Auto, das gibt sogar Daimler selber zu:
    http://www2.daimler.com/sustainability/optiresource/index.html
    Jeweils mit Erdgas -> 7000km Pipeline -> Strom / Druckwasserstoff -> Li-Ion / Brennstoffzelle

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