Kilometer-Rekord im E-Auto


Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg mit seiner Partnerin in seinem Tesla Roadster (Foto: Tesla)

Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg mit seiner Partnerin in seinem Tesla Roadster (Foto: Tesla)

100 000 Kilometer hat Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg schon mit seinem Tesla Roadster zurückgelegt – so viele, wie kein anderer Tesla-Fahrer vor ihm. Seit Oktober 2009 braust der private Devisenhändler mit seinem Elektroauto durch Europa. Wegen des Autos hat der 46-Jährige schon einige interessante Bekanntschaften gemacht und ist sogar umgezogen. Einen Wagen mit Verbrennungsmotor will er nie wieder kaufen – außer vielleicht einen Oldtimer. Aber wenn in Deutschland tiefster Winter herrscht, muss schon mal das Auto seiner Partnerin herhalten. Wir sprachen mit Hansjörg Freiherr von Gemmingen-Hornberg über seine Erfahrungen.

Herr von Gemmingen-Hornberg, warum haben Sie sich für ein Elektroauto entschieden?

Ich habe es 2008 im Manager Magazin gesehen und war beeindruckt von der Reichweite. Die war mit 360 Kilometern angegeben. Mit knapp 100 km/h bei besten Bedingungen kommt man tatsächlich 350 bis 380 Kilometer weit. Bei sportlicher Fahrweise sind es 170 bis 250 Kilometer. Einmal hatte ich das Auto nach 90 Kilometern leer gefahren. Aber da bin ich gefahren wie ein Rennfahrer: Der Roadster wird erst bei 198 km/h abgeregelt.

Hätten Sie nicht manchmal lieber einen Porsche?

Das wäre auch ein ganz nettes lautes Spielzeug. Aber dann hätte ich ja keine Zeit mehr, so viele Kilometer auf den Tesla zu fahren.

Sie fahren gern Auto?

Ich bin schon immer viele Kilometer gefahren. Ich brauch‘ das so ein bisschen als Ausgleich zum Beruf. Überwiegend privat, aber auch beruflich mache ich viele Europareisen mit dem Auto. Wenn es mehr Lademöglichkeiten gibt, mach ich das auch noch mehr. Italien fängt gerade an. In Spanien und Frankreich ist es noch schwieriger, aber da beherrsche ich auch die Sprachen nicht, vielleicht habe ich deshalb Hemmungen. Österreich und die Schweiz sind unproblematisch.

 Wo laden Sie Ihr Auto, wenn Sie unterwegs sind?

Das muss man ein bisschen individuell vorausplanen. Ich habe bisher offizielle Ladesäulen gemieden, weil man da meistens eine Kundenkarte oder einen speziellen Adapter benötigt. Aber da ich aus der Landwirtschaft stamme – meine Eltern hatten einen großen Betrieb – habe ich einen Blick für Leitungen. Denn in landwirtschaftlichen Betrieben laufen auch größere Maschinen, die Drehstrom brauchen, und wenn ich solche sehe, frage ich dort einfach. Etwa zwei Drittel der Leute lassen mich problemlos mein Auto bei sich laden. Die anderen sind etwas skeptisch wegen der neuen Technik. Eine Bäuerin hat einmal einfach die Sicherung rausgedreht, als wir weg waren. Ihr Sohn hatte uns gegen ihren Willen erlaubt, das Auto bei ihnen zu laden. Dann stand es ungeladen da, als wir zurückkamen.

Sind Sie schon mal liegen geblieben?

Einmal habe ich knapp kalkuliert. Dann hat der ADAC mich nach Hause gezogen. Normalerweise habe ich die Berechnung im Griff. Ich fahre immer so, dass die letzten 5 Prozent bleiben. Zur Sicherheit und weil es gut für die Batterie ist. Bei der Berechnung der Reichweite muss man eventuellen Gegenwind einplanen. Wenn ich mich zum Beispiel mit 90 km/h in den Windschatten eines Lkws klemme, dann komme ich doppelt so weit wie sonst. Höhenunterschiede sind auch wichtig: Ein Höhenunterschied von 700, 800 Metern bedeutet gleich mal 10 bis 15 Kilometer weniger Reichweite. Und jeden Kilometer höhere Geschwindigkeit merkt man sofort am Verbrauch.

Was war Ihre längste Strecke und wie haben Sie sie bewältigt?

Ich bin einmal mehr als 800 Kilometer von Freiburg nach Berlin gefahren. Da musste ich zwei Mal laden und hatte eine Übernachtung eingeplant. In der Nacht habe ich das Auto auch geladen. Bei Chemnitz gab es dann einen kleinen Zwischenfall: Eine E-Tankstelle war ausgefallen. Aber der nette Pförtner eines großen Energiekonzerns hat eineinhalb Stunden lang  herum telefoniert, bis er jemanden gefunden hatte, bei dem ich das Auto privat laden konnte.

Wie funktioniert das mit der Wartung?

Die ist alle 20 000 Kilometer fällig und findet in meiner Garage statt. Dann kommt der Monteur mit dem Montagewagen aus München oder Zürich vorbei und überprüft kurz die mechanischen Teile. Er schaut, ob was klappert oder Licht oder Bremsen defekt sind. Früher bin ich selbst nach München zur Wartung gefahren, aber mittlerweile gibt es deutschlandweit 120 Tesla, die gewartet werden müssen, und da kommt der Monteur früher oder später vorbei. Ansonsten lasse ich die Bremsen und Reifen bei einer Lotus-Werkstatt in der Nähe machen.

Haben Sie etwas besonderes erlebt mit Ihrem Auto?

Ich bin extra deswegen umgezogen. Der Umzug stand zwar eh an, aber er musste dann beschleunigt werden. Denn in meinem Mietshaus hatte ich Nachbarn, die Angst vor Elektrosmog hatten. Als ich eine stärkere Leitung für das Auto wollte, haben sie dagegen gestimmt. Dann hab ich gleich ein eigenes Haus gekauft und mir erst einmal einen starken Anschluss installieren lassen. Er befindet sich außen, so dass auch andere Fahrer ihre Autos anhängen können, bevorzugt andere Tesla-Fahrer, sogar dann, wenn ich nicht da bin.

 Wie war das im Winter mit Ihrem Auto?

Das erste Jahr musste es draußen verbringen, wegen der nicht genehmigten Leitung. Aber das war auch kein Problem, trotz zeitweise -15° C. Im Extremwinter hab ich es stehen lassen, wegen des Salzes und weil die Unfallgefahr höher ist. Da haben wir das alte Auto meiner Partnerin genommen.

Gab es einen Moment, in dem Sie sich gewünscht hätten, kein Elektroauto zu haben?

Da wir ganz notfalls auf den Verbrenner meiner Partnerin umsteigen können eigentlich nicht. Ich werde auch in Zukunft keinen Verbrenner mehr kaufen. Höchstens einen Oldtimer…

 Was haben Sie in Zukunft noch mit Ihrem Auto vor?

100 000 Meilen voll zu machen wäre gut. Dann hätten die Amerikaner auch eine schöne runde Zahl. Und ansonsten will ich sehen, wie der Akku nachlässt und die Reichweite sinkt. Bisher hat er aber kaum nachgelassen, weil das Auto auch regelmäßig bewegt wird. Eventuell lasse ich die nächste Akku-Generation mit noch höherer Reichweite installieren.

Sie betrachten Ihr Auto als eine Art Forschungsprojekt?

Ich beschäftige mich schon sehr damit. Ich verbringe jeden Tag ungefähr eine halbe Stunde damit, jemandem das Auto zu erklären. Und viele wollen Probe fahren. Ich hab viele Kilometer auch mit Leuten im Auto gefahren. Aber ich gebe es nicht aus der Hand. Denn wenn man vom „Voltpedal“ geht, wird das Auto durch die sofortige Strom-Rückgewinnung ziemlich schnell langsamer. Und daran muss man sich erst gewöhnen.

Interview: Tina Nachtmann


Eine Antwort zu “Kilometer-Rekord im E-Auto

  1. Solche Berichte sind eine Freude. Schön, wenn jemand bereit ist sich den neuen Technologien zu öffnen und seine Erfahrungen an alle weiter gibt. Danke Herr Gemmingen-Hornberg, dass wir mal einen alltagstauglichen Bericht lesen können, der uns Aufschluss über die momentane Lage beim Laden und Fahren gibt.
    Ich finde es besonders toll, dass sie auch anderen E- Mobilfahrern die Möglichkeit zum Laden bieten, wenn sie in Ihrer Nähe sind. Das gehört irgendwie auch zum neuen Umdenken des Fahrens. Ich würde es genauso machen, wenn unsere Tiefgarage freien Zugang für andere bieten würde. Es reicht wahrscheinlich schon, wenn die anderen Bewohner im Haus solche Möglichkeiten nutzen können, um ihnen den Umstieg auf ein E- Mobil schmackhaft zu machen. Es ist vielleicht leichter bei einem Vermieter den Wandel durch Installationen von Ladestationen in Miethäusern zu beschleunigen, als bei Eigentumswohnungen.
    Witzig ist die Situation mit der Sicherung und der Verweigerung einer stärkeren Stromleitung. Das erinnert mich an die Reaktion der Leute bei der guten alten Dampflok vor langer Zeit.
    Mit der Kälte sehe ich da noch einigen Erfahrungsbedarf und eventuellen technischen Lösungen beim Vorwärmen der Akkus während des Ladevorganges. Müsste doch möglich sein die Akkus weiter warm zu halten wenn nicht mehr geladen wird. Bie neueren Akkus der Zukunft sollte sich diese Problematik lösen lassen.
    Weiterhin viel Freude beim Fahren und vielleicht lesen wir bald mal wieder was aus dem Alltag der E- Mobilfahrer in Deutschland und anderswo.

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