Laden oder tauschen? Batteriewechsel mit Better Place


Die Meldung lief über alle Ticker und Portale: Better Place hat seine erste Batteriewechselstation in Europa in Betrieb genommen. Und zwar im dänischen Gladsaxe, am Stadtrand von Kopenhagen. In den kommenden neun Monaten will Better Place in Dänemark insgesamt 20 Stationen aufbauen, heißt es.
Hinter der Firma Better Place (www.betterplace.com) steht bekanntlich ein schillernder Name: Shai Agassi. Der ehemalige SAP-Manager ist nicht nur bekannt als Experte für komplexe Computerprobleme, sondern auch als Meister des Marketings. Sein ehrgeiziges Projekt heißt: Länder, die auf Elektromobilität setzen, sollten mit einem Netz aus Lade- und Batteriewechsel-Stationen (Switching Stations) überzogen werden. Mit der Allianz Renault-Nissan fand Agassi zudem einen Autokonzern, der an seine Pläne glaubt. In Dänemark sieht die Kooperation zwischen dem Israeli Agassi und dem französischen Autokonzern so aus, dass der Renault Fluence Z.E. für 27.496 Euro zu haben ist – und fünf verschiedene Pauschalpakete abhängig von der Laufleistung dazu.

Die meisten Fachleute in Deutschland bezweifeln, dass sich der logistische wie finanzielle Aufwand von Batteriewechselstationen jemals rechnet. Das Tauschprinzip würde – zumindest in Ländern mit starkem Wettbewerb – eine Normierung der Fahrzeugtechnik bedeuten. Damit der Batterietausch schnell, einfach und kostengünstig ist, müssten alle Autos eine ähnliche Grundstruktur haben. Das aber würden die Hersteller der Elektroautos, die sich untereinander im Konkurrenzkampf befinden, nicht mitmachen. Und viele verschiedene Batterietypen und -größen zu bevorraten, koste zu viel Geld. Außerdem müsste die automatisierte Wechseltechnik der Stationen jeweils mehrgleisig ausgelegt werden. Ein völlig hoffnungsloses Unterfangen.

Renault verfolgt durch die Kooperation mit Better Place das strategische Ziel, sich in Dänemark einen Wettbewerbsvorteil vor anderen Herstellern zu verschaffen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. In Deutschland werden dem Konzept grundsätzlich keine Chancen eingeräumt.

Letztendlich siegt ohnehin einzig der Kundenwunsch. Solange das Elektroauto auf die Rolle des Zweitwagens für die Kurzstrecke beschränkt bleibt, ist es immer noch das Beste, den Wagen zu Hause aufzuladen. Wenn möglich, mit von Energiekonzernen unabhängigem, selbst erzeugtem Ökostrom.

Text: Wolfgang Rudschies

6 Antworten zu “Laden oder tauschen? Batteriewechsel mit Better Place

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  2. Das Konzept des Tausches finde ich vom Prinzip her sehr stimmig, wenn, ja wenn es die Hersteller schaffen sich auf einheitliche Normen zu einigen. Der Gewinn für die Nachhaltigkeit und die ökologischen Vorteile liegen meiner Meinung nach auf der Hand.

  3. Hallo go electric, networker und alle die hier noch zu Wort kommen werden.
    Ich sehe es genausos. Deutschland wird hier noch weiter ins Hintertreffen geraten. Der Witz ist doch, dass man hier zu Lande nicht mal angefangen hat eine Struktur aufzubauen um sich eventuell einen Marktvorteil zu beschaffen. Hier läuft doch überhaupt nichts richtig. Ich spekuliere ja schon auf den Twizy und wenn ich einen habe, möchte auch die Lade/ Wechselstationen.
    Und noch etwas zu den Standards. Wenn ich mich richtig erinnere sind zwar verschiedene Akkus am Markt, haben aber alle Standards für ihre Verwendung. Wenn ein Konzern sagt, es ist grundsätzlich nicht möglich, dann müssen wir alles daran setzen denen das Gegenteil zu beweisen. Bietet also Renault/ Nissan eine schnelle Technologie an und organisiert für alle ihre Fahrzeuge die Standards, dann kann auch der deutsche Autobauer nichts dagegen machen. Ab jetzt könnten sich allein im Taxigewerbe die Investitionen auf Jahrzehnte lohnen. Das wird ein Knaller.

  4. Schade das solchen Konzepten in Deutschland keine Chance gegeben wird. Vor allem im Land des Automobils sollte es doch gerade möglich sein, dass Batteriestationen entwickelt werden, die in jedem Auto, unabhängig vom Hersteller und Akkupack, die Batterie auswechseln können.
    Und wer sagt denn bitte, dass diese Batterienen nicht mit Ökostrom geladen werden?

  5. warum überlassen wir die Wirtschaftlichkeitsüberlegungen nicht einfach Better Place… die haben sich da sicher Gedanken zu gemacht.

  6. …“In Deutschland werden dem Konzept grundsätzlich keine Chancen eingeräumt“.
    Da werden sich aber ein paar Fachleute wundern, wenn es doch funktioniert. Der erste landesweite Test in Israel startet ende 2011. Wir werden dann ja sehen, ob die Technik und Logistik funktioniert oder nicht.
    Und wenn sie ein paar Analysten der Deutschen Bank Fragen die sich mit der Materie auskennen, dann hat die Akku-Wechsel-Technologie durchaus Potential erfolreich am Markt zu sein.
    Wenn es nach mir ginge, würde ich mir auch Akku-Wechselstationen in Deutschland wünschen. Soviel zum Kundenwunsch. Aber die deutschen Automobilhersteller haben ja alles unternommen, um diese Technologie nicht zu unterstützen.
    Es ist auch bezeichnend, dass Deutschland nicht beim Projekt “Greening European Transportation Infrastructure for Electric Vehicles” (2010-EU-91117-P) mitmacht, das den Aufbau einer solchen Infrastruktur in Europa untersuchen soll.
    Teilnehmer sind Dänemark, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich und Spanien. Irgendwie vermisse ich geographisch in der Mitte Deutschland. Beim Verhindern arbeiten die deutsche Industrie und Politik Hand in Hand.

    Als Ausgleich bauen die Deutschen dafür Wasserstofftankstellen auf…

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