Deutschlands erstes Elektro-Taxi


Interessantes Pilotprojekt in München: Dort gibt es das deutschlandweit erste Elektro-Taxi. Das Beispiel macht aber auch deutlich: Elektromobilität ist noch ein äußerst zartes Pflänzchen.

 

Deutschland hat sein erstes modernes Elektro-Taxi, Typ Mitsubishi i-MiEV. Die IsarFunk Taxizentrale München stellt den Wagen in einem Pilotprojekt Taxlern zur Verfügung. Josef „Hep“ Monatzeder, dritter Bürgermeister der Stadt und lokale Spitze von Bündnis 90/Die Grünen, zeigt sich begeistert über so viel Umwelt-Engagement eines privaten Unternehmens und wünscht sich alsbald Nachahmer.

Taxen sind normalerweise groß, tanken Diesel und stammen meist von Daimler. Bei den Autos der IsarFunk Taxizentrale München ist das anders. Die Firma baut ihre Flotte systematisch mit so genannten Eco-Taxis aus. Zur Zeit sind das 58 vom ADAC zertifizierte Modelle, solche wie der Toyota Prius mit Hybridantrieb oder Fahrzeuge, die mit Erdgas fahren. Langfristig will die Firma auf Null-Emissions-Taxen setzen. Der Mitsubishi i-MiEV ist das erste dieser Zukunftsmobile.

Dabei ist der Elektrofloh von Mitsubishi (ausführlicher ADAC-Test sowie das Crashtest-Ergebnis unter http://www.adac.de/test) eigentlich viel zu klein für ein Taxi. Jedenfalls wenn Personen mit einem oder gar zwei großen Koffern transportiert werden wollen. Die Fahrt zum Flughafen raus wird das Importprodukt aus Japan meist auch überfordern. Die Distanz hin und zurück in die Stadt schafft der Mitsubishi nämlich nur, wenn sein Akku noch einigermaßen voll ist. Aufgeladen wird ausschließlich in der Einsatzzentrale, mitten in der Stadt. Immerhin mit regenerativem Strom, so wie es sein muss.

Eine Schnell-Ladung mit Starkstrom ist nicht möglich, es fehlt schlicht ein passender Anschluß. Die 25000 Euro für eine Schnell-Ladestation japanischer Bauart waren im Budget nicht mehr drin. Nach 100 bis 130 Kilometern Tagesfahrt ist deshalb Schluss, der Mitsubishi muss für mehrere Stunden an die Steckdose gehängt werden. Das macht ein Taxi nicht gerade wirtschaftlich profitabel. Überhaupt ist das Auto für knapp 35000 Euro viel zu teuer. Für etwa das gleiche Geld bekäme man eben auch einen Mercedes, der voll einsetzbar und an jeder Ecke quasi in Windeseile wieder aufzutanken ist. Tag und Nacht. Der Punkt ist: Es gab eben nichts Besseres.

„Um Geld mit dem Mitsubishi i-MiEV im Taxibetrieb zu verdienen, müssten die Fahrtkosten etwa mit dem Zehnfachen des Üblichen abgerechnet werden“, so Hubert Schmidt, einer der beiden Geschäftsführer der Taxizentrale. Das machen weder die Kunden mit noch die Genehmigungsbehörde. Also wird der Mitsubishi ein Verlustgeschäft bleiben, das ist den Betreibern vollkommen klar.

Auch Fördergeld vonseiten des Staates hat es nicht gegeben. Lediglich ein wenig Sponsorgeld ist eingeflossen in das Projekt. So gesehen hat also eine Menge Umweltbewusstein die Entscheidung gestützt. Es gibt aber auch einen wirtschaftlich-strategischen Grund, den der zweite Geschäftsführer Christian Hess erklärt: „Es geht um unsere Zukunft im Taxibetrieb. Wenn es eines Tages heißt, Autos mit Verbrennungsmotor raus aus der Innenstadt – und das kann ganz schnell gehen, dass das kommt – dann sind wir mit unserem Elektroauto-Projekt gut vorbereitet. Wir wissen dann, wie das alles funktioniert. Und wir können schnell durchrechnen, wie sich das Geschäft amortisiert.“

Genauso schnell könne es auch passieren, dass die Autoindustrie größere und für den Taxibetrieb geeignetere E-Autos anbiete, die sogar weniger teuer seien. Das wäre es, was Geschäftsführer Hess sich vor allem wünschte. In diesem Fall dürfte das Projekt tatsächlich Nachahmer finden, das zarte Pflänzchen Elektromobilität einen Wachstumsschub bekommen.

Der ADAC unterstützt das Projekt nicht nur durch die Zertifizierung als Eco-Taxi. Der Automobilclub möchte auch die Daten über die zurückgelegten Fahrten und die Ladezeiten des Taxis auswerten, um Erkenntnisse zur Technik sowie zur Alltagstauglichkeit zu gewinnen. Wichtig für die Kunden: Wer das Elektrotaxi in München nutzen möchte, sollte die Fahrt vorab reservieren. Das ist per Telefon unter 089/450540 möglich. Weitere Informationen zum Eco-Taxi gibt es unter http://www.facebook.com/Isarfunk450540 sowie unter http://www.isarfunk.de.

Text: Wolfgang Rudschies

5 Antworten zu “Deutschlands erstes Elektro-Taxi

  1. Ähnliche Projekt wie von Jürgen Hahn geschildert werden auch mittlerweile in China von der Firma BYD durchgeführt. Taxis im Praxistest mit einer Reichweite von bis zu 300 km.
    http://blogs.forbes.com/china/2010/05/20/byds-electric-taxis-hit-shenzhens-streets/
    http://byd.com/showroom.php?car=e6

  2. Zum Thema general Electric kann ich nur sagen, dass die nächste Runde an Versuchen darauf ausgerichtet sein wird den Zugriff auf die haushaltsteckdose zu erlangen. Mir schwant da böses. Alle Konzerne der energiewirtschaft hängen eng mit den Autokonzernen zusammen. Was liegt da näher den Schwund von Kunden an öffentlichen Ladestationen nicht erst aufkommen zu lassen. Die Steckdose zuhause ist denen ein Dorn im Auge. Die unabhängige Stromproduktion sowieso grundsätzlich. Sonst hätten wir schon lange Gesetze die es jedem erlauben seinen Strom zu erzeugen und ins Netz zu speisen. Das EEG ist nicht für den Normalbürger ausgelegt und hatte viele Hintertüren um Otto- Normalerzeuger vom Netz zu halten. Er darf es zum Verbrauch nutzen aber nicht um sein Euronentütchen zu schonen!
    Das sind die Verträge die da gemacht werden. Auf das Stromnetz sind die Giganten absolut scharf und wollen unter sich bleiben.

  3. Hallo E-Driver, Hallo Jürgen Hahn,
    …und wenn der Herr Josef „Hep“ Monatzeder noch ein wenig gewartet hätte, dann könnte er ab 2012 mit Anmeldung ab Herbst 2011 einen Nissan Leaf für den gleichen Preis bekommen und mehr Leute befördern.
    Ist schon blöd, wenn man grün redet und leben will, aber keine Ahnung hat was wirklich schon geht. Und Verlustgeschäft ist doch heute ein Taxiunternehmen sowieso, weil die Behörden keinen freien Wettbewerb zulassen. Solange mir eine Genehmigungsbehörde vorschreibt was ich an Geld zu verdienen habe, würde ich mich nicht für so ein Projekt aus dem Fenster hängen. Erst wenn die Rahmenbedingungen für die kleinen Personengesellschaften und mittelständigen Betrieb stimmen, dann könnte man sich da mal einbringen. Bisher bekommen nur die Konzerne den Puderzucker wo hin geblasen und toben sich in absurden Tests und Versuchsreihen aus.
    Ich sehe die momentane Lage der e- PKW mehr in der Vermietung über Hotels und Autovermietungsfirmen/ Carsharing. Da ist in Dresden einer schon viel weiter mit seinen alten E- Modellen. Ich glaube bei dem stehen die Oldies der E- Mobilität keinen Tag still und kosten pro Tag um die 60 Euronitos (port.).
    Und wenn es der Stadt wirklich ernst wäre hätten sie diesem Unternehmer schnellstens an den Taxiplätzen eine normale Steckdose angebaut, damit er beim Warten laden kann. Ich wette, dass das keine 35000 Eurodosen (griech.) gekostet hätte, von einer nahe stehenden Laterne am Taxistand eine Dose abzuzweigen.

    Fazit: Mutig JA, aber ….!!!!

  4. … ebenso die BYD-TAXIs in China (mit SCHNELL-LADESTATIONEN)

    Ach – und eine UNI (ich glaube es war die in Aachen) haben sich mal einen
    BERLINGO ELECTRIQUE auf TAXI umbauen lassen (incl. TAXAMETER -Eichung und Leuchtschild auf’m Dach); dieser Berlingo hat/hatte dank neuer Li-Akkus auch so um die 300-400km REICHWEITE (der PREIS fuer den Akku sprengt vermutlich das Budget eines normalen TAXI-Unternehmers … aber dank FOERDERGELDGIESSKANNE ist das ja auch kein PROBLEM ;-)).

    Im letzten Jahr wurde auch in LONDON die Taxi-Flotte bereits „elektrifiziert“ …
    http://www.engadget.com/2008/07/17/e7-electric-taxi-makes-its-debut-in-the-uk/

    Der „SAXI“ wurde in den fruehen 90ern als ELEKTRO-TAXI konzipiert …
    leider wurden die Elektrifizierungsversuche ja Ende der 90er wieder eingestellt – und so ist seeeehhhhr viel von DAMALS verschwunden !

    Ein SAXI ist noch in MUENCHEN unterwegs => http://www.evalbum.com/1806
    Sein (privat) Besitzer arbeitet in einer Klinik in Muenchen …
    GRUSS an Korbi😉

  5. Tja… wie es richtig gemacht gehört, zeigt uns seit über einem Jahr Japan: http://www.japanmarkt.de/index.php/fe/technik/elektro-taxis-in-tokio-wechseln-ihrebatterie/
    Elektrotaxis mit Better-Place Wechselakkus.

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