„Wir wollen mit Ladesystemen Geld verdienen“


Wo kommt der Strom für Elektroautos her? Gibt es spezielle Tarife für Elektroauto-Fahrer? Wie sieht die Ladetechnik aus? Und womit wollen Energieversorger eigentlich Geld verdienen, wenn der Verkauf von Strom allein nicht rentabel ist? Wir fragten den Geschäftsführer der RWE Effizienz GmbH, Herrn Ingo Alphéus.

Herr Alphéus, Sie kennen den Vorwurf, RWE engagiere sich nur deshalb so stark beim Thema Elektromobilität, weil der Stromkonzern sich ein grünes Image verschaffen möchte. Es sei alles nur eine Marketingmaßnahme. Was entgegnen Sie den Kritikern?
Für uns ist Elektromobilität mittlerweile Fakt, nicht nur eine Vision für die Mobilität von morgen. Die Autos kommen jetzt Schritt für Schritt auf den Markt. Mitsubishi, Nissan, Renault, Peugeot, Opel machen Ernst mit Elektromobilität. Danach gleich die deutschen Hersteller. Und dann will geladen werden, Jahr für Jahr mehr Fahrzeuge. Bis 2020 eine Million, sagt die Bundesregierung. Was bedeutet das für das ohnehin schon gestresste Stromnetz? Wie stimmt man die Ladetechnik auf das Netz der Zukunft ab? Wie bringt man erneuerbare Energien in die Autobatterie? Wer bietet flexible Tarife, mit denen zu bestimmten Zeiten günstiger geladen werden kann? Sie sehen: Wir Stromversorger haben da eine klare Rolle, und wir haben dafür Lösungen entwickelt. Dies betrifft vor allem Ladesysteme und Dienstleistungen, mit denen wir Geld verdienen wollen.

Wie hoch ist der Anteil an regenerativer Energie bei der Stromerzeugung in RWE-Anlagen?
Knapp 6 Prozent der Stromerzeugungskapazität von RWE ist auf der Basis von erneuerbaren Energien. Bis 2030 wollen wir diesen Wert, einschließlich Pumpspeicherkraftwerke, auf 30 Prozent erhöhen. Dafür investieren wir in den nächsten drei Jahren knapp 4 Milliarden Euro, ein gutes Drittel davon in Deutschland.

Wie viel Geld hat RWE inzwischen investiert in das Thema E-Mobilität? In welcher Größenordnung werden Sie die nächsten Jahre investieren?
Wir sind vor drei Jahren als erster deutscher Energieversorger gestartet, waren also ein echter Pionier. Seitdem haben wir einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Daraus können Sie schon ablesen, dass wir das Thema ernst nehmen und das auch zukünftig tun wollen.

RWE bietet Elektroautos im Leasing an. Die Leasingraten sind allerdings sehr hoch. Wie ist die Kundenresonanz? Sind auch Privatleute unter den Leasingkunden?
Wir haben 100 Fahrzeuge per Leasing abgesetzt, hauptsächlich an Firmenkunden. Das klingt nach einer kleinen Zahl. Aber wir haben das angestoßen, als es fast keine Autos auf dem Markt gab, vor allem umgerüstete. Unser Ziel war es, das Thema Autofahren mit Strom auf die Straße zu bringen. Zu zeigen, daß es schon funktioniert. Und zwar in Verbindung mit unseren Ladesäulen. Mittlerweile haben wir schon über 1000 Ladepunkte (Anmerkung der Redaktion: 1 Ladesäule = zwei Ladepunkte) mit Partnern in Europa aufgestellt, mehr als 800 davon in Deutschland. Und über 70 davon mit dem ADAC.

Kommen wir zu den praktischen Fragen. Gibt es – wie beim Mobiltelefon – Roaming-Abkommen zwischen RWE und anderen Energieversorgern, sodass E-Autofahrer an Ladesäulen des einen und des anderen laden können?
Ja, das Abrechnen zwischen Stromversorgern gibt es, wenn auch noch in begrenztem Umfang. Hier waren wir einer der Ersten. Wir wollen das auch ausbauen, es gibt aber über 800 Energieversorger in Deutschland. Daneben wird es Direktbezahlung geben, per EC- oder Kreditkarten. Oder die Einbindung in Verkehrsverbunds- oder Carsharing-Kundenkarten. Oder im Parkhaus die Abrechnung per Zeiteinheit am Kassenautomaten. Unsere Produkte unterstützen alle diese Prozesse.

Kunden bezahlen ihren Hausstrom zum vertraglich vereinbarten Kilowattstunden-Preis. Im Zusammenhang mit dem Elektroauto wird jedoch oft davon gesprochen, nicht dann aufzuladen, wenn der Strom an der Börse teuer, sondern nur dann, wenn er billig ist. Ist das heute schon möglich? Gibt es bereits entsprechende Stromtarife?
Wir haben seit Anfang des Jahres einen Tarif, mit dem Sie von 8 Uhr abends bis 8 Uhr morgens und am ganzen Wochenende ihren Haushaltsstrom um rund 10 Cent pro Kilowattstunde billiger beziehen können als am Tag. Das ist der erste Schritt. Der Aufwand für neue Tarife, die ganz flexibel auf Preisschwankungen an der Börse reagieren, ist hoch. Und die Nachfrage entwickelt sich erst mit entsprechenden Auto-Stückzahlen. Wir machen aber zu diesem Thema gerade einen Markttest, um zu sehen, ob und wie Kunden das annehmen.

Ist das dann auch Strom aus erneuerbarer Energie?
Wir prüfen gerade, ob und wann das machbar ist. Sie müssen sich als Stromversorger ja auch immer passend eindecken, um auf Knopfdruck den vom Kunden gewünschten Grünstrom zu haben. Das ist ambitioniert. Bis dahin bieten wir 100-Prozent- TÜV-zertifizierten Ökostrom für Haus und Auto.

Allein Strom zu verkaufen, wird die RWE Effizienz GmbH nicht in die schwarzen Zahlen führen. Womit will die Firma das eines Tages erreichen? Mit dem Verleasen von Elektroautos?
Nein, sondern mit dem Verkauf von Ladetechnik und den dazugehörigen Dienstleistungen. Wenn Sie ein Elektroauto kaufen, bieten wir Ihnen für 500 Euro eine Ladebox, mit der Sie in Ihrer Garage viermal schneller und wesentlich sicherer laden als mit Ihrer vorhandenen Steckdose. Unsere Ladestation für öffentliches Parken oder das Parkhaus ist teurer, aber dafür auch acht- bis sechzehnmal so schnell und kann mit Stromnetz und Auto kommunizieren. Dazu liefern wir von der Wartung bis zur Einzelabrechnung der Kilowattstunde alle Dienstleistungen. Inklusive iPhone-App mit Navi für die Ladestationen auf Ihrer Strecke.

Ein Blick auf die Politik, bitte. Macht die Regierung alles richtig? Oder sehen Sie auch etwas in die falsche Richtung laufen?
Man muss nicht unbedingt morgens der Schnellste sein, um am Ende des Tages der Erfolgreichste zu sein. Die Bundesregierung hat mit der Nationalen Plattform Elektromobilität alle beteiligten Branchen an einen Tisch gebracht. Das ist weltweit einmalig. Andere Länder gehen das weniger systematisch an und legen einfach los. Wie die Niederländer in Amsterdam. Hier liefern wir bis 2014 bis zu 750 Ladepunkte. Was der Königsweg gewesen wäre, um als Markt die Nase vorn zu haben bei der Elektromobilität, wissen wir vielleicht in zehn Jahren.

10 Antworten zu “„Wir wollen mit Ladesystemen Geld verdienen“

  1. standartisierte wechselsysteme wären toll. die könnte man an tankstellen anbieten.
    hier aber mal ein geistiger ausrutscher meinerseits: weniger co2 ist wunderbar, aber wieviele rohstoffe und emissionen werden bei der herstellung bzw bei der entwertung von all den „ökostromnetzen“ und „akkus der Fahrzeuge“ erzeugt.
    tut mir echt leid, aber ich denke ihr verkauft hier dem volk ein mörchen als fernseher!!!
    das schlimme….es fällt drauf rein

  2. Ich würde gern wissen, wie ich mir das Nachladen vorstellen muss. Selbst bei 40 kW sind 20 kwh erst nach einer halben Stunde im Tank, was in der Fahrleistung etwa 5 l Diesel entspricht, bzw ca. 100 km, wenn ich tatsächlich Tiefentladungen machen darf.
    Habe ich also einen der Ladepunkte erreicht, so blockiere ich diese etwa 30 bis 120 Minuten. Wie werden da lange Warteschlangen unwahrscheinlich gemacht? Was sind die Kapitalkosten der Ladesäule plus Infrastruktur? Was also kostet die getankte kWh effektiv?
    Und wie sieht die Kurve Ladeverluste gegen Ladeleistung aus?

  3. Kann onlyelectrodriver und nie-mehr-benzin nur zustimmen.
    Wäre noch hinzu zu fügen:
    Zum Solarmodul auf dem Hausdach, dem Unterstellplatz oder Carport gehört noch der entsprechende Akku für die Nacht.
    Diese Akku-Kleinkraftwerke müssen entsprechend gefördert und bezahlbar gemacht gemacht werden.
    Den Rest erledigt der Bürger als Heim- und Handwerker.
    Solche Ladehalte im Netz und über Handy bundesweit abrufbar machen, das gibt der schadstofffreien Fortbewegung den richtigen Schub.
    „Nur gespeicherter Sonnenstrom ersetzt Erdöl, Kohle und Atom“.

    • Ich stimme dir zu W.H., doch ich bin auch Realist und würde mich, bis zur vollständigen Umsetzung von günstig aufgebauten Speichermedien für alle, schon mit einer Übergangslösung zufriedengeben. Will sagen, dass es in einer Übergangsphase durchaus gestattet werden kann aus dem Stromnetz in der Nacht aufzuladen. Klar wären dann immer noch Kohlekraftwerke oder andere am Netz die nicht so umweltfreundlich sind. Aber wir haben doch allein schon mit dem individuellen Verbund der EV Fahrer beim Laden eine ziemlich große Kraft, um unsere Ziele durchzusetzen. Da können die Kraftwerksbesitzer und Netzbetreiber nur zuschauen.

  4. Nachtrag zu meinem comment:

    So wie ich Herrn Scholz kenne, wird seine Antwort ein weiterer Eiertanz ohne konkrete Aussage, an der man ihn messen kann.

  5. Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl. Richtig ist, dass bis heute jeder Telefonanbieter auf den Dächern im Land eine Antenne aufbauen darf, aber noch nicht jedes Mehrfamilienhaus mit Mietern eine Wind- oder Solaranlage auf dem Dach hat.
    Die Stromerzeuger (Konzerne) setzen massiv auf Abhängigkeit und werden alles dafür tun, damit die Gesetze auch ja nicht geändert werden, um allen einen unabhängigen Stromanschluss zu gewähren.
    Dazu kommt die Abhängigkeit von den Netzbetreibern. Jeder Netzbetreiber sollte eigentlich jeden Stromerzeuger ans Netz lassen, aber dass funktioniert nur mit erheblichem Schwierigkeiten.
    Leute die bereits mit Strom fahren und einen Anschluss auch anderen zur Verfügung stellen würden wenn diese bei ihnen vorbei kommen und sich vorher ankündigen, gibt es zu wenige. das muss sich sehr schnell ändern und ich bin mir sicher, dass so einige hier von den Kommentatoren als E- Mobilnutzer eine Plattform im Netz haben um zu helfen.

    an adacmotorwelt

    Liebe Redakteure,

    Hamburg ist als Umwelthauptstadt ausgerufen worden. Eine sehr effektive Werbekampagne wäre für Hamburg, wenn der Senat beschließen würde, dass jeder Mieter einer Tiefgarage oder eines Parkplatzes der stadteigenen GWG/ SAGA GmbH ohne Schweirigkeiten einen Ladeanschluss installieren darf.
    Wäre doch mal interessant zu wissen, was der erste Bürgermeister auf Nachfrage der adacmotorwelt sagt, ob dieser stadteigene Vermieter bereit ist seine Mietverträge zu ändern. Die verbieten nämlich die Nutzung von elektrischen Geräten in den Tiefgaragen. Womit eine selbst finanzierte und installierte Ladestation dort ausgeschlossen ist. Dies gilt auch für die Parkplätze.
    Dann käme noch die Frage, ob denn die SAGA/ GWG bereit wäre endlich kleine Windkraft- oder Solaranlagen auf ihren Mitobjekten zuzulassen. Immerhin produziert die stadteigene Hamburg Energie in Abhängigkeit vom Netzanbieter Vattenfall mit Wind den Strom.
    Das wäre ein Interview mit Biss, weil sich nämlich deutlich zeigen würde was die Politik wirklich beabsichtigt. Förderung der Abhängigkeit von Energiekonzernen oder tatsächliche individuelle Versorgung.

    • @ M.B.

      Es gibt bereits (z.T. seit JAHREN) diverse Lademoeglichkeiten welche von EV-Fahrern (fuer EV-Fahrer) PRIVAT als Ladehalt angeboten werden.
      LEMNET, DREHSTROMNETZ (auch div. BHKW Betreiber ) oder (nicht sooo privat P+C Park and Charge) – hinzu kommen mittlerweile auch immer mehr Kommunen, die eine Lademoeglichkeit bereitstellen (DAMIT MEINE ICH NICHT DIE LADESTATIONEN VOM RWE – welche fuer den PRIVATEN EV-FAHRER
      bisher UNWIRTSCHAFTLICH sind (denn alleine die Mitgliedsgebuehren sind hoeher als manche STROM-JAHRESRECHNUNG fuers EV😉 )).

      • @ eDriver
        Das ist eine interessante Sichtweise. Die Solidarität der E-Autofahrer untereinander finden wir super, denn sie stehen für die gleichen Ideen, die auch wir vorantreiben wollen. Allerdings muss auch das kritisch betrachtet werden. Was passiert, wenn wir in den nächsten Jahren wie zu erwarten einen starken Anstieg an E-Fahrzeugen verzeichnen können, die Fahrzeuge in Sachen Ladeleistung deutlich leistungsfähiger sind – und sich somit auch die Dauer des Ladens deutlich verkürzen wird. Laden mit 22 oder sogar 44 kW wird dann Realität sein. Wir brauchen also ein flächendeckendes Netz an Ladeinfrastruktur, die zum einen das Bedürfnis der Kunden befriedigt, ihr Auto innerhalb kürzester Zeit wieder aufladen zu können und zum anderen ermöglicht, das Laden des Autos mindestens genauso einfach zu halten, wie das Tanken an der Tankstelle. Nur so werden wir mehr Menschen für den Umstieg auf E-Autos begeistern können.
        Und natürlich wird sich E-Mobility über kurz oder lang nur mit attraktiven Produkten und Tarifmodellen durchsetzen können – das ist uns bewusst! Für den privaten Gebrauch bieten wir deshalb aktuell nämlich schon Produkte an, die eine sichere Schnellladung mit 11 kW Leistung in der eigenen Garage ermöglichen und für die kein zusätzlicher Vertrag benötigt wird ab 595€ an.
        Für mehr Infos können Sie gerne unsere Homepage http://www.rwe-mobility.com aufrufen oder auch gerne direkt mit uns in Kontakt treten.
        Viele Grüße

  6. Damit ist wohl alles gesagt.

    Der Kunde weiß nun, was er zu tun hat: Zuhause mit echtem Ökostrom vom eigenen Hausdach laden.

    • onlyelectrodriver

      jo, damit ist alles gesagt und bereits meinerseits getan
      Ökostrom vom eigenen Hausdach laden ,den Überschuß in das Netz
      geben so das der Ökoanteil steigt ohne das andere sich dagegen wehren können mit dem Ziel wenigstens bei Sonne die CO2 Erzeuger zu zwingen Ihre Leistung runterzufahren .

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