Geburt einer neuen Automobilmarke: Fisker und sein Karma


„Wir wollten den schönsten Sportwagen der Welt entwickeln. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.“ Der dänische Automobildesigner Henrik Fisker ist sichtlich stolz auf sein Baby, als er es den europäischen Motorjournalisten präsentiert. ADAC Motorwelt-Redakteur Wolfgang Rudschies über die erste Ausfahrt mit dem Fisker Karma.

Mit dem Namen konnten bisher nur eingefleischte Automobilfans etwas anfangen. Fisker? Das ist doch der Karosseriedesigner, der bei BMW den Z8 und später bei Aston Martin den V8 Vantage entworfen hat. Beides wunderschöne exotische Sportwagen. Nun wird die Welt Henrik Fisker neu kennenlernen. Der Däne hat zusammen mit dem Deutschen Bernhard Köhler – ehemals Konzept-Entwickler bei Aston Martin, Mini und BMW – 1,5 Milliarden Dollar Kapital eingesammelt und eine neue Automobilmarke mit Sitz in Kalifornien gegründet. Erstes Produkt ist der Fisker Karma: ein viersitziger Sportwagen zum Preis von über 100.000 Euro. Immerhin acht exklusive Händler kümmern sich in Deutschland um den Vertrieb. Verkaufsstart: sofort.

Der Karma ist von beeindruckender Statur. Flach und gestreckt auf fast fünf Meter Länge. Die Karosserie wird von einem Leichtbaurahmen aus Aluminium getragen, der in Deutschland gebaut wird. Ein Solardach erzeugt Strom für die Klimaanlage. Trotz Alurahmen wiegt der Fisker Karma 2,2 Tonnen. Es steckt nämlich außerordentlich viel drin an Technik. Fiskers Sportwagen wird nicht von einem V8- oder V12-Motor, sondern von zwei mächtigen Elektromotoren im Heck angetrieben. Ein zusätzlicher Turbomotor mit 2 Liter Hubraum und 260 PS (von GM) unter der Fronthaube fungiert als Stromerzeuger, wenn die Batterie leer oder zu schwach ist. Der Lithium-Ionen-Akku von 20 kWh Kapazität ist in der Mitte des Fahrzeugs zwischen Vorder- und Hinterachse montiert.

Die Kraft des Fisker-Mobils steht einem herkömmlichen Sportwagen in nichts nach. 403 PS Leistung bzw. 1300 Nm Drehmoment sind ein Wort (alle Daten hier im Blogbeitrag „Die Stromer kommen“ vom 2. August 2011).
Wer den Karma startet, hört zunächst einmal nichts. Beim Anfahren sorgt ein künstlich erzeugtes Geräusch dafür, dass der Wagen auch akustisch wahrgenommen wird. Der futuristische Singsang wird per versteckten Lautsprechern in den vermeintlichen Auspuffenden und aus Öffnungen im Frontstoßfänger an die Außenwelt abgegeben.

Im reinen Elektromodus braucht der Karma rund acht Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 153 km/h erreicht. Mit Unterstützung durch den Verbrennungsmotor knackt er die 100-km/h-Marke in etwa sechs Sekunden und schafft Tempo 200. Die Bremsen (vom Spezialisten Brembo) verzögern extrem spontan und robust.

80 Kilometer Reichweite im reinen Elektrobetrieb dürfte für die meisten Pendler in USA wie im Rest der Welt genügen, um vom Haus auf dem Land zum Büro in die Stadt zu fahren. Mithilfe des Turbomotors sind über 450 Kilometer Reichweite möglich. Dessen Lautkulisse erinnert jedoch eher an das Fauchen eines zahnlosen Tigers. Es braucht nämlich einige Sekunden, bis die Energie des Behelfsmotors dort angekommen ist, wo sie den Vortrieb unterstützt.

Vom Modell Karma können 15.000 Exemplare pro Jahr gefertigt werden, die Fahrzeuge laufen bei Valmet in Finnland vom Band. Beim Karma wird es aber nicht bleiben. Schon 2012 soll eine 4,60-Meter-Limousine mit gleichem Antrieb, 2013 ein „Small Car“ für etwa den halben Preis des Karma auf den Markt kommen. Bei diesem Modell hat Henrik Fisker eine Produktionskapazität von 50.000 bis 100.000 Stück per anno im Sinn. Und spätestens dann wird es auch Verbrennungsmotoren von BMW als Range-Extender geben. Die sollten zumindest ein wenig besser klingen.

Interessierte schauen unter http://www.fisker-automobile.com

5 Antworten zu “Geburt einer neuen Automobilmarke: Fisker und sein Karma

  1. Eine interessante Automarke die viele Fans finden wird, so unser Eindruck auf der IAA und auf der IAA wurde auch der neue Fisker SURF vorgestellt:

  2. Pingback: electrive.net » Mute, Toyota, Audi A2, REM 2030, BOmobil, CEP.

  3. Schließe mich Michael Blum an. Es ist zwar viel Arbeit ein solches Meisterstück zu entwickeln und zu bauen, aber es gibt für diesen Preis bessere Alternativen. Leider ist er meiner Meinung nach nicht vergleichbar mit dem Tesla Fahrzeug aus den USA. Wenn dieser nicht so rar wäre wegen der Produktionskapazität, würden sicher viele die sich einen solchen Wagen leisten können auch einen zulegen.

  4. Kann man mit 1,5 Milliarden Dollar vielleicht mehr erreichen?
    Ich denke schon.
    Wo fängt bei den Tüftlern der Verstand an und wo hört er auf?
    Dieser Karma fängt gut an, wenn ich den ersten Kommentar hier lese.
    Fragen über Fragen wirft das Auto auf.
    Über diesem Fahrzeug schwebt wieder der Vergleich zum Tesla.
    Damit aber nicht genug.
    Der Prototyp EX 1 von Peugeot hat schon etwas, dass man in der Entwicklungstheorie von solchen „Sportlern“ umgesetzt hat.
    Vorder- und Hinterradantrieb mit 2 E- Motoren.
    Hier hat wohl ein Designer und ein Konzeptentwickler das Fach zu schnell gewechselt und kommt nicht vom Fleck.
    Wer Sportwagen mag hat weit bessere Angebote auf dem E- Mobilsektor, als diesen Karma. Die Herren sollten sich nochmal alles genau überlegen bevor sie die 1,5 Milliarden Dollar unwiderbringlich in den Sand setzen.
    Selbst wenn ich Multimilliardär wäre käme mir diese zu schwere und zu lahme Krücke nicht in meine Garage.
    Bei einer elektro F1 steht er sicherlich nicht in der Startaufstellung.

  5. Ich verstehe den Sinn eines so groß dimensionierten Range-Extenders absolut nicht. Der ist nur dazu da, um die Durchschnittsleistung des Autos abzudecken, die Spitzenleistung zum beschleunigen liefert eh der Elektromotor aus der Batterie. Der Range-Extender ist nur dazu da, um den Akku auf Ladung zu halten. Ein E-Auto dieser Größe verbraucht etwa 15-20 kWh/100 km. Eine Dauerleistung des RE von 30-40 kW reicht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s