Die Mobilität der Zukunft 5: Die Kraft der zwei Herzen


Hybridmodelle: Lexus RX 450h (l.) und Toyota Prius

Hybridmodelle: Lexus RX 450h (l.) und Toyota Prius

Autos mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotor wurden in Deutschland lange belächelt. Erst der japanische Konzern Toyota hat die Hybridtechnik mit dem Prius etabliert und entwickelt sie konsequent weiter – als Brücke zum reinen Elektroauto.

Faszinierend, diese Stille. Beim Fahren aus der Parklücke ist vom Auto außer einem leisen Summen nichts zu hören. Das Beste daran: Die Stille des Antriebs setzt sich fort – bis zu 20 Kilometer lang. So weit fährt der neue Toyota Prius im Idealfall rein elektrisch. Bisher gehörten solche Hybrid-Distanzen ins Reich der Träume. Der Toyota Prius 1.8 Plug-in-Hybrid wird Mitte 2012 auf den deutschen Markt kommen, parallel zum bekannten Prius. Der Neue markiert einen Meilenstein in der Entwicklung von Toyota. Als Energiespeicher dient eine neue Kobalt-Lithium-Ionen-Batterie, die an die Steckdose gesteckt („Plug-in“) und aufgeladen werden kann. Die Kapazität der Batterie beträgt 5,3 kWh. Im normalen Prius steckt eine 1,3 kWh speichernde Nickel-Metallhydrid-Batterie, die das Fahrzeug nur beim Anfahren und dann ein paar Hundert Meter rein elektrisch antreibt. Danach übernimmt der Benzinmotor den Antrieb. Der Prius Plug-in fährt unter Alltagsbedingungen 12 bis 15 Kilometer mit der Kraft der neuen Batterie. Technisch ist das eine sanfte, aber dennoch beeindruckende Revolution.

Sechs Hybridmodelle – diese Zwitter mit kombiniertem Elektro- und Benzinantrieb – stehen schon heute in den Preislisten von Toyota: der Auris und der Prius, bei der luxuriösen Toyota-Tochter Lexus die Limousinen CT, GS, LS und der Geländewagen RX. Mit dem neuen Prius Plug-in und dem Kleinwagen Yaris Hybrid kommen im Laufe des Jahres zwei weitere Hybride hinzu. Andere Hersteller haben aktuell höchstens ein oder zwei Doppelherz-Modelle zu bieten.

Beim Plug-in-Prius ist nicht nur die elektrische Reichweite außergewöhnlich, auch das Tempo von bis zu 100 km/h macht das elektrische Gleiten zum Erlebnis. Die Fahrt zum Einkaufen oder ins nächste Kino ist tatsächlich möglich, ohne einen einzigen Tropfen Benzin zu verbrennen. Jedenfalls dann, wenn gemächlich gefahren, kein anderes Auto überholt wird, keine großen Steigungen zu überwinden sind und der Akku gut mit Strom gefüllt ist. Geht die Energie des Akkus zur Neige oder wird zum Beschleunigen mehr Kraft als die 60 Kilowatt des Elektromotors benötigt, schaltet sich der Vierzylinder-Benzinmotor mit 73 Kilowatt hinzu – aber deutlich später als beim bisherigen Prius.

An der Haushaltssteckdose ist der Akku nach maximal 90 Minuten wieder voll geladen. Und weil die meisten täglichen Strecken von Autofahrern statistisch gesehen kürzer als 15 Kilometer sind, lässt sich der neue Prius zum Teil wie ein reines Elektroauto einsetzen. Stromkosten für eine Akkuladung: weniger als ein Euro. Auf 100 Kilometer beträgt der Benzinverbrauch des Prius Plug-in laut ADAC Messung 3,4 Liter Super – ein neuer Bestwert für Fahrzeuge mit Hybridantrieb.

Auf die Strategie, den Fahrzeugantrieb immer stärker zu elektrifizieren, hat sich Toyota bereits in den 90er-Jahren festgelegt. Die technischen Herausforderungen bestanden darin, die Steuerung zweier Antriebssysteme in den Griff zu bekommen, einen tauglichen Akku für das elektrische Fahren zu entwickeln sowie für eine effektive Rückgewinnung von Energie beim Bremsen (Rekuperation) zu sorgen. Bei diesen Themen hat Toyota einen Erfahrungsvorsprung von rund 15 Jahren. Das ist auch der Hintergrund, warum BMW jüngst einen Vertrag mit den Japanern abgeschlossen hat: Effiziente und saubere Dieselmotoren gegen Hybrid- und Akku-Know-how heißt das Geschäft.

Der Prius der ersten Generation kam 1997 auf den Markt. Erfolgreich verkauft wurde er vor allem im Heimatland Japan und in den USA. Dank des Prius ist Toyota heute der Hersteller mit dem besten Umwelt-Image in aller Welt. Der Zuspruch deutscher Kunden hält sich indes in Grenzen. Bestand im Straßenverkehr Anfang 2011: 22.256 Exemplare, ein homöopathischer Marktanteil von 0,2 Prozent.

Trotzdem ist es keine Frage, dass Toyota die Ehre des Pioniers im Bereich der Hybrid-Technik gebührt. Für Prius und Co. heimsen die Japaner einen Nachhaltigkeitspreis nach dem anderen ein. Der Prius war das erste Auto, das in der alltagsnahen Umweltbewertung des ADAC, dem EcoTest, die Höchstwertung bekommen hat. Dem mit der gleichen Hybridtechnik ausgestatteten Auris verlieh der ADAC vor einem Jahr beim Wettbewerb „Gelber Engel“ den Titel „Auto der Zukunft“.

Ziel von Toyota ist es, in allen Baureihen ein Hybridfahrzeug anzubieten. Die Tochter-Marke Lexus geht noch weiter und will künftig jedes neu entwickelte Modell als Hybrid verkaufen. Damit bildet der Hybridantrieb das Kernstück von Toyotas Umwelttechnologie – und schlägt zugleich die Brücke in eine emissionsfreie Mobilität. Der Chef von Toyota, Akio Toyoda, erklärt: „Die Hybridtechnik ist der derzeit überzeugendste Kompromiss aus Leistungsfähigkeit und Umweltverträglichkeit zu akzeptablen Preisen.“

So kostet der aktuelle Prius knapp 26.000 Euro. Der Prius Plug-in wird für rund 37.000 Euro zu haben sein. Verglichen mit den Preisen für Hybridmodelle deutscher Hersteller, ist auch das noch ein Schnäppchen. Der in der Anschaffung günstigste deutsche Hybrid ist zurzeit der Audi Q5 für 53.700 Euro. Wie es bei Toyota bis 2020 weitergehen soll, wird an den Konzeptautos der Japaner sichtbar. Gemeinsam mit Tesla entwickeln sie einen batterieelektrischen Geländewagen auf Basis des RAV4. Der Kleinwagen iQ steht als Elektroauto vor der Markteinführung in Japan. Und auf der Tokyo Motor Show zeigte Toyota im Dezember eine Limousine mit Wasserstoff-Brennstoffzelle – auch ein Elektroauto, nur dass der Strom nicht aus der Batterie kommt, sondern in der Brennstoffzelle erzeugt wird. An der Brennstoffzelle arbeitet Toyota seit Jahren parallel zur Hybridtechnik. Und hat mit anderen Herstellern angekündigt, bis 2015 ein Brennstoffzellenauto in Großserie zu bauen. Die Brücke vom Benzin- zum Stromauto kann auch über Wasserstoff führen.

Text: Wolfgang Rudschies, Foto: Andreas Fechner

5 Antworten zu “Die Mobilität der Zukunft 5: Die Kraft der zwei Herzen

  1. onlyelectrodriver

    Ich will keinen Hybrid , ich will ein Auto was 150 km mit AKKU fährt
    und nicht mehr als 15000 € in Serie kostet , also warte ich auf den
    Streetscooter und hoffe in 2013 endlich mein Geld loszubekommen
    Mit elektromobilen Gruß
    onlyelectrodriver

  2. Pingback: electrive.net » GM, Ssangyong, Renault Samsung, Tata, Via Motors.

  3. Wenn der Prius nicht so abgrundhässlich und vom Formfaktor unpraktisch wäre, hätte er sich auch hier bestimmt besser verkauft. Ist mir ein Rätsel, warum Toyota den innovativen Hybridantrieb in so eine Kiste verpackt. Das können sie eigentlich besser…

    • Das war doch schon immer so: optisch interessant sind nur die tollen AlibiStudien, die aber nie umgesetzt werden.
      Wäre ja auch schlimm, denn dann würden die Leute ja tatsächlich auch Elektro- und Hybridautos kaufen… der Horror für die ganze ÖlLobby!

  4. Ja WOW!
    Das klingt ja tatsächlich, als hätte ENDLICH zumindest EIN Hersteller (natürlich kein deutscher…) erkannt, worum es geht!
    Bravo!

    Kurzstrecke / Stadt: elektrisch, Überland mit Motor!😉

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