Mia L: Minibus minimal


Mia L: passt in die schmalen Durchfahrten von Altbauten

Mia L: passt in die schmalen Durchfahrten von städtischen Altbauten (Foto: Koch)

Vier Sitze, zwei Schiebetüren, bis zu 120 km Reichweite und rund 100 km/h schnell: Eckdaten, die die Mia für den Stadtverkehr geradezu ideal erscheinen lassen. Wenn da nicht ein paar ärgerliche Kleinigkeiten wären.

Kinderaugen leuchten nicht nur zu Weihnachten, auch ein Elektroauto wie der Minibus Mia L bringt die Augen der Kleinen zum Strahlen. Man kann es ja verstehen: Die Mia sieht aus wie einer Kinderzeichnung entsprungen – sie ist gerade mal 3,2 Meter lang, 1,65 Meter breit und nur 1,55 Meter hoch. Proportionen, die absolut kindgerecht sind. Hinzu kommen ein nett lächelndes „Gesicht“, die Schiebetüren an jeder Seite und der mittig angeordnete Fahrersitz („Das ist witzig, Mama!“).

Trotz kindlicher Begeisterung ist die Mia ein vollwertiger städtischer Begleiter: Der Ampelstart ist wie mit jedem Elektroauto immer zu gewinnen, und Tempo 50 ist so schnell erreicht, dass man auf die Radarfallen einer Stadt durchaus aufpassen muss. Die Schiebetüren erleichtern das Ein- und Aussteigen, dazu kommen beachtliche 420 Liter Stauvolumen – das ist mehr als im BMW 3er Touring zur Verfügung steht. In den bayerischen Lifestyle-Laster passen gerade mal 335 Liter, erst bei umgelegten Rücksitzen sind es dann 715 Liter.

Platz ist in der kleinsten Hütte - und im kleinen Hinterhof

Platz ist in der kleinsten Hütte – und im kleinen Hinterhof (Foto: Koch)

Wobei der 850 Kilogramm schweren Mia L (Version mit dem 12-kWh-Akku) bei der Zuladung Grenzen gesetzt sind: Sie beträgt 322 Kilogramm – inclusive Fahrer. Doch das, und dafür ist die Mia gebaut, reicht für alle Besorgungen und städtischen Wege: Egal, ob Schulfreunde oder der Wochendeinkauf samt Getränken mit nach Hause transportiert werden müssen, ob die Fahrt zum Sportclub oder ins Schwimmbad ansteht – nichts davon überfordert die Mia. Erwachsene auf der Rückbank freuen sich sogar über die ungewohnte Beinfreiheit – sie strecken sich einfach links und rechts vom Fahrer aus.

Die zwei Lithium-Eisen-Phosphat-Akkus der Mia sind im Wagenboden untergebracht und speichern auf Wunsch zwölf kWh. Eine schwächere Version der Mia fährt mit einem 8-kWh-Akku vor. Angetrieben wird die Mia von einem 58 Nm starken Elektromotor, der maximal 18 kW an die Hinterräder abgibt. Auch das reicht, um in der Stadt jederzeit im Alltagsverkehr wunderbar mitschwimmen zu können. Ein Wendekreis von nur 8,50 Metern macht zudem das Rangieren leicht.

Fahrwerk und Reichweite sind o. k. Zwar ist die Mia mit ihrer einfachen Kunststoffkarosserie innen lauter als außen, auch poltert die Hinterachse öfter mal über harte Hindernisse hinweg, die meiste Zeit aber federt die Mia durchaus angenehm ihre Lasten ab. Die Reichweite, selbst ohne Eco-Modus, ist nie ein Problem, solange man die Stadt nicht verlässt (man dürfte mit der Mia ja auf die Autobahn).

Ein Druck auf die weiße Mia-Blüte außen entriegelt die Schiebetüren – es öffnet sich eine überraschend große Luke, die das Einsteigen in den Minibus erstaunlich leicht macht. Der Blick fällt dann auf ein sehr reduziertes Cockpit, das im Wesentlichen aus einem Digitalbildschirm besteht, der Stromkonsum, Rekuperation im Schiebe- und Bremsbetrieb, den Ladestand des Akkus und die verbleibende Reichweite anzeigt.

LED-Tagfahrlicht ist Serie (Foto: Koch)

Tagfahrlicht ist Serie (Foto: Koch)

Wir fuhren die Test-Mia mit einem Tachostand von nur knapp mehr als 300 Kilometern – und da beginnt nun eine gewisse Verständnislosigkeit: Über die lieblose Verarbeitung, das billige Plastik allerorten (Leder gibt’s schon, gegen Aufpreis), über hakende Schiebetüren und Innenraumverkleidungen, die nur mittels Klettverschluss angebracht sind, und die sich in diesem frühen Stadium eines Autolebens bereits zu lösen begannen.

Aber wehe, wenn erst der Regen kommt! Bei unserem Testwagen hat es das Wasser in den Innenraum gedrückt – es sammelte sich in den Ecken unterhalb der Windschutzscheibe. Was immer schuld sein mag: Anno 2012 ist das ein Unding. Und es hat Folgen: Bei feuchtem Wetter beschlagen die Scheiben innen mehr als notwendig, die kleinen Schiebefenster in den Türen erweisen sich in diesem Fall als nutzlos, und das überlaute Gebläse der Lüftung pustet gerade mal die Windschutzscheibe frei (was auch ein wenig an Reichweite kostet). Die für den Blick zur Seite so wichtigen und großen Dreiecksfenster aber müssen mit einem Microfasertuch getrocknet werden – was doch fatal an den VW Käfer selig mit seinen kleinen Ausstellfenstern und die Ente mit ihrem Klappfenster erinnert.

Warum, und das ist die Frage, kann man ein Elektroauto, das zumindest in der von uns gefahrenen Variante ab 25.546 Euro kostet, nicht auch angemessen ausstatten und produzieren? Damit es sich, trotz aller Zugeständnisse an die Elektrotechnik, auch wie das Auto anfühlt, das es so gerne sein möchte?

2 Antworten zu “Mia L: Minibus minimal

  1. Pingback: Mia electric: Schon wieder kreist der Pleitegeier | Das elektrische Fahrtenbuch

  2. schön, dass hier nicht nur Lobeshymnen auf die neuen e-auto zu finden sind sondern auch kritische Stimmen,wenn die angebracht sind.so wie such in diesem Fall.

    Wertes ADAC-Team: weiter so!

    Grüße
    Thomas

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