Mobilität der Zukunft: Das Symposium


ADAC Präsident Meyer fasst bei seiner Abschlussrede die Ergebnisse des Symposiums zusammen.

Mit einer Zusammenfassung und dem weiteren Ausblick von ADAC Präsident Peter Meyer ging im Berliner Gasometer das Symposium „Mobilität der Zukunft“ zu Ende. Diskutiert wurde über “Alternative Antriebe” und “Das vernetzte Fahrzeug”. Die ADAC Motorwelt-Sonderausgabe zur Veranstaltung finden Sie unter diesem Link im pdf-Format (ca. 7,5 MB) zum Download. Lesen Sie hier den Wortlaut der Abschlussrede von ADAC Präsident Peter Meyer. 

„Meine Damen und Herren, sehr geehrte Gäste,

die wichtigsten Akteure der Automobilindustrie haben es bestätigt: In Sachen individueller Mobilität stehen wir vor einem stetigen und zunehmend gewaltigen Wandel. Jeder trägt Verantwortung, Mut zu beweisen und ausgetretene Wege zu verlassen. Dabei müssen wir alle mitnehmen: selbstverständlich den mobilen Kunden, aber auch Politiker, große und kleine Unternehmen und nicht zuletzt Bildungseinrichtungen. Ich freue mich deswegen ganz besonders, heute so viele kluge Köpfe beim ADAC Symposium „Mobilität der Zukunft“ anzutreffen. Herzlichen Dank für Ihr Kommen, herzlichen Dank dafür, dass Sie Ihr Wissen mit uns teilen.

Der Antrieb von morgen: Ideen und Struktur

Dass die Automobilindustrie viel Mut und noch mehr Verantwortung beweist, konnte unser Symposium bestätigen:

  • Renault-Nissan setzt für Freizeitspaß und Gewerbe auf batterieelektrische Antriebe. Opel bietet mit dem Opel Ampera Elektromobilität ohne Reichweitenbeschränkung. Daneben sind GM, Toyota, Honda und Nissan die führenden Inhaber unzähliger Patente zum Brennstoffzellenantrieb.
  • Peugeot-Citroën kombiniert fortschrittliche Diesel mit Elektroantrieben, während sich Toyota von einem eigenen Diesel verabschiedet hat und die Benzin-Hybridisierung in der gesamten Flotte anbieten wird. So auch den Prius Hybrid.
  • Daimler bringt als erster Hersteller das Brennstoffzellenauto in einem Mittelklassefahrzeug, während Audi mit einem elektrischen Sportwagen startet, der es mit dem oft zitierten Tesla Roadster aufnehmen will.
  • Außerdem plant Audi, den Treibstoff für Erdgasfahrzeuge aus Windstrom und Wasserelektrolyse zu produzieren, gerade weil fortschrittliche Erdgasantriebe im Konzern gesetzt sind.
  • Wir dürfen auch gespannt sein, ob sich in der Elektromobilität Kleinwagen, wie Smart und up! für die breite Masse durchsetzen oder ob Premium-Strategien mit sportlichen Elektrofahrzeugen in Carbonbauweise aufgehen.

Was lernen wir? Zumindest im Juli 2012 gibt es kein gemeinsames Gebäude, in dem die Hersteller, aufeinander abgestimmt, die Zukunft planen. Jeder sitzt quasi in einem eigenen Zimmer, also an anderer Stelle einer maßvollen Fächerstrategie. Und dennoch gibt es Gemeinsamkeiten:

  • Das Auto der Zukunft wird intelligenter konstruiert durch Leichtbau, Luft-, und Rollwiderstandsoptimierung.
  • Das Auto der Zukunft wird elektrischer durch Hybrid, Plug-in und batterieelektrische Nischenlösungen.
  • Das Auto der Zukunft wird zunehmend erneuerbar durch den Zubau erneuerbarer Energie und die Verwendung von Beimischungen zu Benzin, Diesel und Erdgas.
  • Langfristig hat die Brennstoffzelle eine große Zukunft vor sich.

Als der ADAC vor zwei Jahren sein erstes Symposium zur Mobilität der Zukunft in Berlin durchführte, waren viele Menschen von der Zukunft buchstäblich elektrisiert. Inzwischen ist der Stromer in der Realität angekommen:

Elektroautos sind noch viel zu teuer. Den Akkus fehlt die Reichweite. Die Geschäftsmodelle für eine Lade-Infrastruktur sind nicht entwickelt. Und: Elektroautos können immer nur so sauber sein wie der Strom, der sie versorgt. Deswegen muss das Elektroauto im Verbund mit der Energiewende konstruiert werden. Also CO2-frei zunächst als Sonderausstattung und später in Serie.

Nicht nur deswegen ist die Verkaufsförderung wieder ein Thema geworden. Der ADAC lehnt diese bis heute ab. Stattdessen fordern wir von der Politik weiter die Förderung der Grundlagenforschung, statt einzelner Demonstrationsfahrzeuge oder Demonstrationsfahrten.

Trotz aller bekannten Probleme: Der ADAC macht sich unverändert für eine Elektrifizierung von Fahrzeugen – jedoch nicht allein „batterieelektrisch“ – stark. Kombiniert mit einem zunehmenden Anteil an erneuerbaren Energien wird das E-Auto eines Tages seine Vorteile ausspielen – vor allem in den immer dichter besiedelten Großstädten dieser Erde.

Und: Die Mobilität der Zukunft hat uns heute bereits im Griff. Der Autofahrer fragt nach zeitgemäßen und attraktiven Modellen. Sind die Händler ausreichend für den Verkauf geschult? Passen die Anreizsysteme für den Verkauf alternativer Antriebe? Händler sollten den Mut haben, dem Kunden auch alternative Antriebe aktiv anzubieten, wie zum Beispiel Erdgasautos.

Ihr Anteil am Gesamtbestand beträgt gerade mal 0,17 Prozent. Dabei handelt es sich bei Erdgas um eine moderne Technik, die dem Verbrennungsmotor in puncto Schadstoffe weit überlegen ist. Leider verhindert auch die Infrastruktur mit nur rund 1000 Tankstellen in Deutschland eine größere Akzeptanz beim Verbraucher. Hersteller und Gasversorger sollten also schnellstmöglich ihr bestehendes Henne-Ei-Problem lösen.

Das vernetzte Fahrzeug: Intelligente Mobilität

Dass die Vernetzung unserer Fahrzeuge eine sehr wichtige Rolle für das Auto der Zukunft spielen wird, ist heute mehr als deutlich geworden. Hier finden sich zahlreiche Ideen und Entwicklungen, wie aktuelle Verkehrs- und Wetterinformationen, die absolut realisierbar erscheinen bzw. schon kurz vor der Markteineinführung stehen.

Genau genommen hat die vernetzte Zukunft längst begonnen. Was jetzt parallel erfolgen muss, ist die Demokratisierung, also der preisgünstige Zugang für die große Masse der Autofahrer zu diesen Angeboten ohne Zugangsbeschränkungen für Anbieter.

Der ADAC unterstützt diese Entwicklung vernetzter Fahrzeug – vor allem im Hinblick auf den zu erwartenden Sicherheitsgewinn. Wenn die elektronischen Helfer den Fahrer vor plötzlicher Straßenglätte, Nebel, Starkregen oder einem defekten Fahrzeug am Straßenrand warnen, dann bedeutet dies einen Sicherheitsgewinn. Immerhin will Deutschland bis 2020 die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent verringern.

In zweiter Linie wird das vernetzte Fahrzeug Umweltbelastungen senken und den Komfort des Fahrers erhöhen.

  • Beispiel 1: Der Fahrer erhält Informationen über Grüne Wellen oder Ampelschaltungen. Er kann seine Fahrweise darauf einstellen und so den Verbrauch optimieren.
  • Beispiel 2: Die Entscheidung zum Tanken trifft der Fahrer anhand der Tagespreise für Kraftstoffe, die er im Display vergleichen kann.

Hier ist auch der Gesetzgeber aufgerufen, die technischen Standards zu definieren, zumindest um die Kommunikation zwischen Infrastruktur und Auto – eventuell sogar zwischen Fahrzeugen – zu ermöglichen.

Natürlich hält auch diese strahlend schöne Welt Schattenseiten bereit. Die Informationsflut darf keinesfalls dazu führen, dass der Fahrer abgelenkt wird. Damit wäre auch ein möglicher Sicherheitsgewinn schnell aufgebraucht.

Zum Zweiten muss der Gesetzgeber Rahmenbedingungen für einen funktionierenden Datenschutz schaffen. Es darf beispielsweise nicht sein, dass die Fahrweise überwacht wird und die daraus gewonnenen Daten an Dritte wie etwa den eigenen Kfz-Versicherer wandern.

Und weil heute viele Menschen immer und überall online bzw. informiert sein wollen, droht auch die Gefahr eines überbordenden Infotainments: Wo ziehen wir die Grenzen, und wer zieht die Grenzen? Oder ganz konkret gefragt: Liegt die Verantwortung beim Autohersteller oder beim Autofahrer? All diese Fragen müssen umgehend geklärt werden.

Unser Symposium hat klargemacht, dass die Vordenker der Mobilität derzeit auf verschiedenen Routen zum Ziel kommen wollen. Umwege erhöhen zwar die Ortskenntnis, sind in diesem Fall aber kostspielig. Darin liegt sicher die größte Herausforderung: ein Produkt zu entwickeln, das den Kunden begeistert und seinen Geldbeutel erfreut.

Ich danke Ihnen.“

3 Antworten zu “Mobilität der Zukunft: Das Symposium

  1. Ulrich Schäfer

    Jede Menge Leute produzieren jede Menge heiße Luft. Schaut ´mal nach USA zu Tesla. Die bauen ein Auto für 40.000,– €, das 480 km weit fahren kann, noch dazu mit hinlänglicher Geschwindigkeit-rein elektrisch. What in heaven is your problem to do the same?
    Halten die Ölscheichs zu viel VW-Aktien?
    Baut ein Ecar mit 300 km Reichweite ( und zwar in allen Betriebssituationen wie Radio, Heizung, Gebläsebetrieb etc. ) und 150 km/h Höchstge-schwindigkeit für 4 Personen zum Preis von 20.000,– €. Dazu eine Lade-säule für innen und aussen. Evtl. sogar mit Solarmodul für die Säule.
    Die Entwicklungskosten lassen sich nicht mit den ersten 10 Autos hereinholen, aber dieses Fahrzeug geht weg wie warme Semmeln.
    Hybrid-Fahrzeuge sind lächerlich gering elektrifiziert (5 – 20 km Rechweite). Lasst den Quatsch gleich sein. Der Aufwand lohnt nicht.
    All das Gerede über noch mehr Sicherheitstechnik ist Unsinn; deshalb rast kein Jugendlicher weniger und säuft jemand nicht. Wer ein Auto nicht so fahren kann, daß er nicht ins Schleudern kommt, hat ein geistiges Problem, kein technisches.

  2. Diesen BMW- und Daimlerlastigen Beitrag hat ein User bei uns im Forum treffend formuliert:

    „Während Daimler alle technologischen Ansätze inklusive der Brennstoffzelle testet,setzt Renault-Nissan radikal auf batterieelektrisches Fahren, Toyota konzentriert sich auf die Hybridisierung und Opel feiert mit seinem Ampera mit Range-Extender große Erfolge“
    😉

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