Die Mobilität der Zukunft: Das Auto vernetzt sich


Egal, mit welchem Antrieb wir im Jahr 2020 unterwegs sind: Die Fahrzeuge werden dann zunehmend mit dem Internet verbunden sein. Die Folge: Mehr Sicherheit, mehr Komfort – manchmal beschleunigt, lenkt und bremst das Auto sogar selbst.

Es ist 7 Uhr früh, das Thermometer zeigt 5 Grad Celsius. Es regnet in Strömen. Architekt Michael Kaul muss in sein Stadtbüro. Er nimmt sein Smartphone und wählt per Fingertipp „Wagen vorfahren“. Dann schnappt er Laptoptasche und Mantel. Als er die Haustür hinter sich schließt, hält sein Auto schon neben ihm. Das Elektroauto ist ihm still und leise entgegengekommen, selbstständig aus dem hundert Meter entfernten Carport vor das Haus gefahren. Nun übernimmt Herr Kaul das Steuer. Den Innenraum hat er sich auf angenehme 20 Grad Celsius vorwärmen lassen, ebenfalls per Smartphone.

Auf dem großen Mitteldisplay sieht er seinen Terminkalender. Und er denkt: So beginnt der Tag perfekt. Zugegeben, dieses Szenario ist Zukunftsmusik – aber keine Utopie, im Gegenteil. Die Spitzen der Automobilindustrie sind sich einig: So wird Autofahren in wenigen Jahren Alltag sein. Das war das Ergebnis der großen Podiumsdiskussion des ADAC zur „Mobilität der Zukunft“ im Berliner Gasometer. Bernd Bohr, Vorsitzender des Bereichs Kraftfahrzeugtechnik der Robert Bosch GmbH: „Was man mit dem Web 3.0 alles machen kann, ist unglaublich. Dinge sprechen mit Dingen und treffen Entscheidungen.“ Hintergrund des Szenarios: Fahrzeuge werden zunehmend mit dem Internet verbunden – und dank neuer Elektronik immer intelligenter. Daimler-Chef Dieter Zetsche: „Das Auto wird digital.“

Was in Zukunft am Steuer alles möglich ist: Automatisierter Unfallnotruf; Online-Dienste und telefonische Auskünfte über spezielle Callcenter abrufen; Musikarchiv und andere Daten auf Servern speichern; Aktuelle Wetterdaten aus dem Internet beziehen; Nahegelegene Ladesäulen für Elektroautos reservieren.

Voraussetzung ist die sichere und schnelle Datenübertragung per Mobilfunk. Heutige Netze sind dafür bisher nur bedingt tauglich. Mit dem ultraschnellen LTE-Netz, das zurzeit in Deutschland aufgebaut wird, können sehr große Datenmengen vom Web ins Auto und zurücktransportiert werden. Mit Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde. Die Entwicklung zum vernetzten Fahrzeug vollzieht sich in kleinen Schritten, aber unaufhaltsam. Neueste Fahrzeugmodelle holen mehr und mehr Informationen und Komfort ins Auto. Aktuellstes Beispiel ist die neue Mercedes A-Klasse, das „rollende iPhone“.

Nicht nur, dass das persönliche Musikarchiv ins Auto einzieht – alle Funktionen sollen auch viel sicherer bedienbar werden. Selbst das Vorlesen von E-Mails oder sonstigen Textnachrichten ist schon heute möglich. Navigationssysteme nutzen endlich Verkehrsdaten in Echtzeit. Und bei einem Unfall wird automatisch ein Notruf abgesetzt. Künftig wird das Autofahren durch intelligente Assistenzsysteme sicherer gemacht, die sich mit der Außenwelt verbinden: mit anderen Fahrzeugen (Car-to-Car) sowie Ampeln, Tankstellen und Verkehrsleitzentralen (Car-to-Infrastructure).

Sensoren vorausfahrender Autos registrieren eine Ölspur oder Eisbildung auf der Straße und melden das weiter. „Wenn fünf Autos in einer Kurve ins Schleudern geraten, kann das sechste schon automatisch abgebremst werden“, sagt Bohr. Sollte der Gesetzgeber es erlauben, werden Autos sogar völlig selbstständig fahren. In Versuchen funktioniert das längst. Allerdings ergeben sich daraus Haftungsprobleme, speziell nach einem Unfall. „Liegt die Verantwortung dann beim Autohersteller oder beim Autofahrer? Diese Frage muss umgehend geklärt werden“, mahnte ADAC Präsident Peter Meyer in Berlin. Dass erste Autos schon in etwa fünf Jahren teilweise autonom fahren, davon ist Continental-Chef Elmar Degenhart überzeugt. Zum Beispiel im Stop-and-go-Verkehr. Hier übernimmt das Fahrzeug die Kontrolle, sodass der Fahrer sich anderen Dingen widmen kann. Michael Dick, Entwicklungs-Vorstand bei Audi: „Vernetzung der Fahrzeuge sorgt für Luxus – durch den Gewinn von Zeit.“

Beim ADAC Mobilitätsgespräch in Berlin auf dem Podium (von links): Karl Schlicht
(Toyota), Carlos Tavares (Renault), Dr. Karl Obermaier (ADAC), Thilo Koslowski (Gartner Inc.), Dr. Dieter Zetsche (Daimler), Rita Forst (Opel), Dr. Ulrich Hackenberg (VW), Peter Meyer (ADAC), Dr. Elmar Degenhart (Continental), Prof. Dr. Thomas Weber (Daimler), Dr.-Ing. Bernd Bohr (Bosch), Michael Dick (Audi).

Allerdings sind den Spitzenmanagern auch die Risiken der Fahrzeug-Vernetzung bewusst. Daimler-Chef Zetsche: „Hacking von Daten ist eine realistische Gefahr. Wenn wir teilautonomes Fahren anbieten, darf niemand von außen in die Fahrtrichtung eingreifen. Wir wollen deshalb eigene Server, über die alle Anwendungen laufen.“ ADAC Präsident Meyer warnte im Fazit der Veranstaltung zudem: „Die Informationsflut im Auto darf nicht dazu führen, dass der Fahrer abgelenkt wird. Damit wäre auch ein möglicher Sicherheitsgewinn schnell aufgebraucht.“ Denn Ablenkung, das zeigen etliche Untersuchungen, ist sehr häufig die Ursache für einen Unfall.

Text: Wolfgang Rudschies

Eine Antwort zu “Die Mobilität der Zukunft: Das Auto vernetzt sich

  1. Bis dahin wirds wohl noch eine Weile dauern.

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