Finale der eRallye: „Die Angst fährt mit“


Düstere Stimmung auf dem Jaufenpass: Auf dem höchsten Punkt der Strecke war die Sicht extrem schlecht.

Düstere Stimmung auf dem Jaufenpass: Auf dem höchsten Punkt der Strecke war die Sicht extrem schlecht.

Bevor die eRallye auf die letzte Etappe ging, setzten sich die Teams noch einmal in der Hotellobby zusammen und analysierten ihre Etappe „Die Historische“ online: Wo beginnt die Gleichmäßigkeitsprüfung, wo fährt man am besten schneller, wo langsamer, wie kann man Zeit gut machen, wo sollte man keine Zeit verlieren?

Die Teams hatten nun vier von fünf Etappen hinter sich und wussten bei der letzten Etappe, worauf es ankommt. Ein letztes Mal wollten sie sich der Geschwindigkeitsvorgabe nähern und nicht von den eindrucksvollen Bergen Südtirols ablenken lassen. Die angepeilte Durchschnittsgeschwindigkeit heute: 37 Kilometer pro Stunde.

Suche nach der richtigen Strategie für den Gesamtsieg

Der Trick der Sieger vom vergangenen Mittwoch hatte sich herumgesprochen. Einige Teams waren sich aber unsicher, ob es auch in Richtung Jaufenpass die richtige Strategie wäre, schnell loszulegen, um am Ende der Etappe mehr Spielraum zur Regulierung der Geschwindigkeit zu haben.

Ladepause für die eRallye am Kloster Neustift bei Brixen.

Ladepause für die eRallye am Kloster Neustift bei Brixen.

Wer nach etwa 40 Kilometern den Jaufenpass auf 2370 Metern überwunden hatte, war energietechnisch auf der sicheren Seite. Ab hier ging es fast nur noch bergab, und die Fahrzeuge konnten „rekuperieren“, also beim Bremsen oder Rollen Energie zurückgewinnen.

Der Jaufenpass meinte es jedoch nicht gut mit den eRallye-Teams. Etwa zehn Kilometer vor dem höchsten Punkt mussten sie deutlich langsamer fahren als geplant. Denn dichter Nebel verhüllte Verkehrszeichen und Abzweigungen. Die Sicht zum vorausfahrenden Fahrzeug betrug nur etwa 20 Meter. Auch der Checkpoint der eRallye am Jaufenpass war nur zu erahnen und sehr spät zu sehen. Doch als die Teams den Checkpoint passierten, war es geschafft: Alle rollten bergab bis zum Brixener Kloster Neustift. Die Rekuperationsphase begann.

Die elektrische Schildkröte

Nach ihrer Ankunft begrüßte Stiftsverwalter Urban von Klebelsberg die Teams in der Augustiner-Klosteranlage bei Brixen. Von Klebelsberg freute sich, dass die eRallye hier halt machte. „Jetzt können wir die serienreifen E-Autos aus der Nähe sehen. Unser nächstes Betriebsfahrzeug wird nämlich ein Elektroauto“, erklärte er.

Die Fahrt bis Brixen hat ein paar eRallye-Pionieren das Herz in die Hose rutschen lassen. Max Schneider, 22, fuhr mit Christoph Sommer einen Nissan Leaf. Auf der Bergstrecke zum Jaufenpass wurde die Energie knapp. „Die Frontscheibe war beschlagen, und ich musste die Lüftung einschalten. Die Anzeige war bei sechs Kilometern, die wir noch fahren konnten. Aber zum Glück hatten wir den Schildkrötenmodus. Bergab war es dann kein Problem mehr“, sagt Max. Der Nissan Leaf schaltet bei knapp werdender Energie in ein schwächeres Leistungsprogramm, das sich Schildkrötenmodus nennt und das Fahrzeug länger fahren lässt als bei normaler Leistungsentfaltung.

Oben kalt und neblig, unten warm und sonnig: Südtirol überraschte nach dem kalten Jaufenpass mit warmem Wetter in Brixen.

Oben kalt und neblig, unten warm und sonnig: Südtirol überraschte nach dem kalten Jaufenpass mit warmem Wetter in Brixen.

Auch die Juristin Olivia Bellotti war ein wenig geschockt. „Als wir auf dem Jaufenpass ankamen, hatten wir weniger als 10 Kilometer Reichweite mit unserer Batterie“, sagte sie nach der Zielankunft. Froh, am Kloster angelangt zu sein, und die Sonne genießen zu können, trank sie einen Tee. Ihre Teamkollegin Andrea Stiegler beschrieb die Fahrt so: „Die Angst liegenzubleiben fährt immer mit.“

Olivia Bellotti fährt pro Jahr 60.000 Kilometer. Ein Elektro-Auto käme für die Berlinerin nur als Zweitwagen in Frage.

Trotzdem war sie nach der ADAC eRallye durch Südtirol daran interessiert, ein E-Auto zu kaufen. „Der Smart scheint sehr ausgereift zu sein. Als Zweitwagen für die Stadt durchaus überlegenswert“, sagte Bellotti. Als Erstwagen eher nicht, denn sie fährt beruflich etwa 60.000 Kilometer pro Jahr. „Da brauche ich ein Auto mit viel Reichweite“, so die Berlinerin.

Siegerehrung im Bergmuseum

Nach einer kurzen Führung durchs Kloster fuhren die eRallye-Teams zum allerletzten Teilstück der Rallye-Strecke, zurück in den Safety Park Pfatten. Beim Abendessen im Reinhold Messner Mountain Museum Firmian wurden dann die Gesamtsieger gekürt. In der Endwertung zählten nun auch die Punkte aus der Energieeffizienz über alle Tage. Doch zunächst gab es wie immer einen Tagessieger: Das Team Bellotti/Stiegler näherte sich der durchschnittlichen Geschwindigkeitsvorgabe am besten.

Vivian Reiter (l.) und Thomas Fuchß (r.) gewinnen die erste ADAC eRallye Südtirol 2012.

Vivian Reiter (Mitte) und Thomas Fuchß (r.) gewinnen die erste ADAC eRallye Südtirol 2012.

Dann wurde es richtig spannend: Kamen die Sieger aus einem der bisher führenden Teams, oder hatten die Punkte für Energieeffizienz die Gesamtwertung auf den Kopf gestellt? Letzteres war der Fall. Ein Team, das bisher ganz ohne Tagessieg war, hat die erste ADAC eRallye Südtirol 2012 gewonnen. Die Darmstädter Vivian Reiter und Thomas Fuchß sind die Gewinner des Hauptpreises: Ein Vitalpina-Natururlaub in Südtirol. „Wir sind überrascht und hätten wirklich nicht damit gerechnet. Ich bin gefahren, meine Partnerin hat das Roadbook gelesen“, erklärte Fuchß.

„Ich fahre ungern Auto, fahre aber gerne mit. Wir lieben Südtirol. Nach der eRallye bleiben wir ohnehin eine Woche in der Gegend“, sagte Reiter. Beide waren überwältigt von ihrem Sieg und den Erlebnissen bei der eRallye. „Es ist unglaublich, was der ADAC und Südtirol uns in dieser Woche zusammen mit der eRallye an Programm geboten haben. Und jetzt auch noch der Gesamtsieg für uns – vielen Dank an die Organisatoren“, erklärte Fuchß.

Auf fünf Etappen hat das Gewinnerpaar vier verschiedene aktuelle E-Autos von Nissan, Opel, Peugeot und Smart unter Rallye-Bedingungen gefahren. Auf die Frage, ob eines für den täglichen Gebrauch in Frage käme, gibt Fuchß eine unentschlossene Antwort: „Alle Autos haben ihre Vorzüge. Der Nissan Leaf ist komfortabel, der Opel Ampera hat eine gute Leistung, der Peugeot iOn verbraucht wenig Energie, und der Smart electric drive ist peppig. Ich könnte mich wirklich nicht entscheiden“, sagt er. Fuchß würde den Kauf eher vom Preis abhängig machen: „25.000 Euro sollte mein E-Auto kosten, mehr nicht.“

7 Antworten zu “Finale der eRallye: „Die Angst fährt mit“

  1. Ich gehörte zu den Auserwählten, die an der Rallye teilnehmen durften und muss mich einfach äußern.

    Ja, Elektroautos wollen noch etwas anders bewegt werden, als Autos mit Verbrennungsmotoren. Aber wer hätte es sich 1990 getraut mit einem Laptop einen Nachmittag lang im Park zu arbeiten? Für kurze Zeit wäre es zwar möglich gewesen, aber mehr als zwei Stunden konnte man ohne Stromanschluss nicht überbrücken. 20 Jahre später haben wir Laptops, die nicht nur mehr Rechenleistung haben, sondern auch bis zu 10 Stunden ohne Nachladen auskommen. Die Technologie ist noch in der Entwicklung und je mehr dort jetzt reininvestiert wird, um so eher werden wir die Fortschritte sehen. (Lithium-Luft-Akkus scheinen hier eine Lösung zu sein, ich bin gespannt).

    Zum letzten Tag der Rallye kann ich nur sagen: Thomas ist Schuld und zwar sowas von! Er hat am Donnerstag beim Briefing uns nicht mehr gewarnt! *g* Und weil es der letzte Tag war, haben viele richtig Gas, äh Strom gegeben. Ich sage mal nicht, wie schnell wir den Jaufenpass hoch sind. Die italienische Polizei könnte mitlesen.😉 Wir waren oben jedenfalls rund 5 Minuten vor der Zeit und haben pausiert, um im Durchschnitt nicht ganz zu schnell zu sein. Und das trotz langsamen und verantwortungsvollem Fahren im Nebel! (Teilweise hat man wirklich nur 20 m weit gesehen). Alles vor der Nebelbank rausgefahren…

    Jedenfalls wurde es auch bei uns knapp. Der iOn hatte noch 5km auf der Reichweitenanzeige, als wir am höchsten Punkt ankamen. Das ist 1 km, bevor es in den Schleichmodus geht. Dabei muss man erwähnen, dass die Akkuanzeige noch 2 von 16 Balken anzeigte. (Die angezeigte Restreichweite ist nur davon abhängig, wie man zuvor gefahren ist.) Den Jaufenpass herunter haben wir ordentlich mit der Motorbremse gearbeitet und so den Akku wieder auf 1/4 seiner Kapazität aufgeladen. Die Restreichweite im Kloster Neustift lag bei über 40 km!

    Auch muss ich den ADAC verteidigen. Der Artikel mag journalistisch gesehen nicht der bestmögliche sein. Aber das ist hier auch überhaupt nicht gewollt. Es geht darum die Eindrücke eines Tages in nur wenigen Worten zusammenzufassen. Und der Zeitplan war so vollgestopft, wir haben an einem Tag Dinge gemacht, die schaffen die meisten Menschen nicht in drei.

    Eigentlich darf man solches Genörgel gar nicht kommentieren. Die Rallye war keine „Herstellerdauerwerbeveranstaltung“. Ja, die Hersteller hatten ihren Platz im Spiel, genauso wie Südtirol und der ADAC. Da hat sich niemand etwas gegeben oder genommen. Alle haben beträchtliche Summen in die Veranstaltung investiert, um die Elektromobilität voranzubringen. Da darf man schon mal Flagge zeigen. Außerdem muss man erstmal Hersteller finden, die bei so einer Veranstaltung mitmachen. Denn ohne die geht das nicht.

    Und warum da Opel Amperas mitfuhren? Na ganz einfach: Der Ampera ist ein Elektroauto mit Generator für den Fall, dass der Akku leergefahren wird. Er fährt wie ein Elektroauto, er rekuperiert wie ein Elektroauto. Warum also nicht mitmachen lassen? Technisch hätte man den Generator auch komplett abschalten können. Aber warum? Wir Teilnehmer wurden angehalten so sparsam wie möglich zu fahren, denn es gab eine CO2-Ausstoßwertung und im Generatorbetrieb sinkt die CO2-Bilanz drastisch. Also besser ordentlich fahren und den Generator nicht brauchen. (Gut, ich gebe zu, die Sellaronda ging es schnell den Berg runter… das war nicht gut für den CO2-Fußabdruck *hust*)

    Aber hey, zu den Nörglern sage ich nur: Mach’s besser oder schweige. Klugscheißer gibt’s echt genug auf der Welt.

    • Wieso Noergler … ?
      Der sogn. Noergler ist bei der WAVE2012 mitgefahren und nach der Fahrt von Italien bis nach Holland (mit Luis Palmer sicher nicht immer einfach) weiss er
      genau wovon er spricht😉 !

      … ich finde er hat’s besser gemacht …

    • Schöner Bericht. Danke für die Infos.
      zu „Mach’s besser oder schweige“: Meinungsaustausch findet nur statt wenn man andere Meinungen zulässt. Die Zeiten wo Menschen mit anderer Meinung schweigen müssen sind zum Glück vorbei.

  2. Der Titel hätte auch lauten können „Geräuschlos fahren war eine neue positive Erfahrung“. Hat er aber nicht. Hier wird erwartungsgemäß vom ADAC wieder Stimmung gemacht. Schade

    Die Streckenführung ist für Elektroautos auch eher unüblich. Informationsgehalt zum Thema Alltagstauglichkeit: NULL

  3. Absolute Zustimmung. Ich diskutiere auch gerade mit Freunden in einem Forum über das Thema. Hier glänzen alle mit Nichtwissen und den aus den bekannten Medien vorgekauten Nachteilen. Es ist schade, dass der ADAC hier in die gleiche Bresche schlägt, wenn auch nicht so direkt wie andere.

    E-Fahrzeuge haben aus meiner Sicht keine „Nachteile“, sie haben lediglich ein anderes Einsatzgebiet. Für mich als Wenigfahrer kommt ja auch kein Diesel in Frage, rechnet sich wirtschaflich nicht. Aber schreie ich das bei jeder Gelegenheit gleich heraus? Das ist einfach Fakt und wird aktzeptiert. Warum kann man die E-Autos nicht einfach unter „weiterer Einsatzzweck“ anstelle Konkurrenten zu den Verbrennern sehen?

    Das ist als wenn man behaupten würde, dass Sportwagen unnütz sind, weil man damit keinen Kinderwagen transportieren kann. Sagt natürlich keiner, weil der EINSATZZWECK eines Sportwagens klar ist. Und über den Preis dieser Autos regt sich auch keiner auf…

  4. Was mich als ADAC-Mitglied immer wieder erstaunt ist die Tatsache, dass der Club mit solchen Berichterstattungen die Ängste und vermeintlichen Mängel an der ach so unausgereiften eMobilität weiter zu schüren versteht. Nach genauer Analyse des Berichts von dieser – sagen wir einmal „Herstellerdauerwerbeveranstaltung“ – wo wirklich Äpfel mit Birnen auf einer fragwürdigen Streckenführung verglichen werden sollen verlbleich nicht wirklich viel Informationsgehalt. Warum muss hier denn ein Hybride (Opel Ampera) mitfahren? Ich frage mich ob der ADAC so eine Art von Lobbyismus nötig hat? Was bleibt am Ende beim Leser hängen? Elektroautos bleiben liegen, sind inakzeptabel für Vielfahrer die Wert auf eine große Reichweite legen und im Jahr 60.000+ km abreissen und bergauf ein rollendes Hindernis für den nachfolgenden normalen Verkehr.
    Ich habe gerade selbst an der WAVE2012 – einer reinen Elektroautorallye über 2.600km teilgenommen, bei der keine Hybridfahrzeuge teilnehmen dürften. Und auch wir fuhren durch die Alpen, zum Teil mit Etappen von mehr als 125km Länge und bestimmt nicht mit einem Schnitt von 37 km/h. Was mir aber besonders auffällt ist die Tatsache, wie verblendet mit innovativen Gimmicks der Autohersteller hier geworben wird: Der Nissan Leaf reduziert im sogenannten Schildkrötenmodus lediglich die maximale Spannung am Motor, dadurch kann u.U. auf gerader Strecke ein wenig Energie eingespart werden und man kommt entsprechend weiter. Schaltet man jedoch bergauf in diesen Modus, so sollte man eigentlich vom Physikunterricht her wissen, dass der ohnehin schon unterhalb seiner optimalen Nennspannung und durch die Bergauffahrt gequälte Elektromotor nun noch mehr Leistung – also Ampére – aus der Batterie benötigt. Am Ende sieht man sich durch solche „Bedienfehler“ sogar mit einem nicht gerade unerheblichen Mehrverbrauch konfrontiert.

    • Bernhard Liesenkötter

      Ralf-Martin Tauer hat zwar Recht, aber er sollte wissen, dass die Berichterstattung von Journalisten gemacht wird! Und welcher Journalist erinnert sich schon gerne an seinen Physik-Unterrricht (wenn er denn je einen gehabt haben sollte)?
      Vom Schildkröten-Modus hatte ich noch nichts gehört, vielen Dank für diese Erklärung.
      Ich verlange zwar nicht, dass sich der ADAC bezüglich Elektro-Autos sich so schnell (innerhalb vieler Jahre!!) ganz vom Saulus zum Paulus wandeln soll, aber etwas mehr Mühe in Bezug auf Physik und Logik dürfte er sich wirklich geben!
      Die Elektro-Batterieautos können natürlich nicht die Verbrenner ersetzen. Aber – ich habe gehört, dass auch der Ferrari nicht so toll ist: er kann weder einen Kinderwagen mitnehmen noch hat er eine Anhängerkupplung!
      Also: Ich finde, dass der Ampera richtig Klasse ist. Weil ich aber nur einen Zweitwagen brauche, habe ich natürlich den Smart ed gekauft.

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