Lautlose Eleganz


Nach dem karg ausgestatteten Roadster bringt Tesla im März das Model S auf den Markt. Eine fünf Meter lange Luxuslimousine, die die Fachwelt staunen lässt.

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Sie denken, dass Elektroautos klein sind und nicht weiter als 150 Kilometer kommen? Falsch! Das neue Tesla Model S bietet den Luxus einer Business-Limousine und kann mit einer Batterieladung 500 Kilometer weit fahren.

Überlisten die Amerikaner nun etwa die Gesetze der Physik? Nicht ganz. Denn auch Tesla braucht dafür riesige Batterien, die bis zu 700 Kilogramm wiegen, aber so geschickt im Unterboden versteckt sind, dass sie nicht am Platzangebot nagen. Dieses fällt trotz coupéhaft eleganter Form überraschend gut aus: Fünf Personen sind luftig untergebracht, nur im Fond sitzt man auf der flach eingebauten Bank nicht allzu bequem. Und die Kopfstützen sind hinten etwas zu klein geraten.

Mehr zu kritisieren gibt es aber nicht. Der Innenraum ist so hochwertig verarbeitet und mit so feinen Materialien versehen, dass selbst S-Klasse und Co. blass vor Neid werden. Auch wegen des neuartigen Bedienkonzepts: Ein riesiger Touchscreen dominiert die Mittelkonsole. Er ist so groß wie zwei iPads und lässt sich kinderleicht per Fingertip bedienen und die verschiedenen Menüs mit Wischbewegungen verschieben. Auch die Navikarte lässt sich auf diese Weise vergrößern – so wie bei einem Tablet-PC. „Richtige“ Tasten braucht das Tesla-Cockpit fast keine mehr. Unser Eindruck: Nach ein paar Minuten Eingewöhnungszeit kommt damit jeder zurecht. Dieses Bedienkonzept ist so gut gelungen, dass es bald Nachahmer finden wird.

Selbst einen Startknopf für den Motor hat sich Tesla gespart. Wenn sich der Fahrer auf seinen Platz setzt, reicht der richtige Autoschlüssel in der Hosentasche, und der Tesla ist startklar. Jetzt nur noch den Wählhebel auf „D“ und schon geht’s los. Ziemlich flott sogar: Der Ami stürmt so vehement nach vorn, dass wir dem Hersteller eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,6 Sekunden gern glauben. Wie leichtfüßig der Tesla wirkt, ist bei 2,2 Tonnen Leergewicht erstaunlich. Der Federungskomfort fällt standesgemäß aus. Beeindruckend ist, wie lautlos und geschmeidig sich der Tesla fortbewegt. Einen brüllenden Achtzylinder dürfte hier niemand vermissen – der würde in so einem High-Tech-Gefährt auch reichlich antiquiert wirken.

Drei Batterievarianten will Tesla für sein Model S anbieten: eine Version mit 40 kWh für 250 Kilometer Reichweite, eine mit 60 kWh und rund 350 Kilometer und eine 85-kWh-Version für 500 Kilometer Reichweite.

Ab März wird aber vorerst die Top-Version für rund 90.000 Euro angeboten, das Grundmodell soll später erscheinen und circa 60.000 Euro kosten. Derzeit liegen Tesla weltweit bereits 13.000 Vorbestellungen vor. Auch in Deutschland könnte die Limousine Erfolg haben – und Audi, BMW und Mercedes wenigstens ein bisschen ärgern. Denn die basteln noch immer an brauchbaren E-Autos – mit 150 Kilometer Reichweite.

Text: Jochen Wieler

17 Antworten zu “Lautlose Eleganz

  1. Es gibt neben Tesla noch einen Hersteller mit akzeptablen Reichweiten – Rimac Automobili Kroatien!

  2. Hoffentlich setzt sich bis dahin auch die alternative Energiegewinnung durch. Ohne diese kann es keine nachhaltigen Fahrzeuge geben.

    • Zum Beispiel „SOLARER-WASSERSTOFF“ für die Elektro-Autos der Zukunft . . .

      • DIe Wasserstoff-Maerchenstunde !
        http://www.heise.de/tr/artikel/Wasserstoff-marsch-1726680.html

        Bis zur Wasserstoff-Herstellung in großem Maßstab ist allerdings noch einiges an Wegstrecke zurückzulegen. Um eine Million Brennstoffzellenautos zu versorgen, bräuchte man rund 1000 Turbinen der 2,5-Megawatt-Klasse.
        (MIT DEM ERZEUGTEN STROM KOENNTEN SO PI-MAL-DAUMEN 3MIO. EV’s DIREKT VERSORGT WERDEN)

        Das zweite derzeitige Hindernis ist der Preis. „Wir können Wasserstoff aus Windstrom für acht bis neun Euro pro Kilogramm herstellen“, sagt Diwald. Mit optimierter Technik könne die Summe zwar auf sechs bis sieben Euro sinken. Hinzu kämen dann aber immer noch Steuern und Vertriebskosten, sodass der Autofahrer an einer Wasserstoff-Tankstelle rund 15 Euro fürs Kilogramm berappen müsste, mit dem er dann 100 Kilometer weit fahren kann. Diwald ist jedoch überzeugt: „Ab 2025 dürfte das absolut wettbewerbsfähig sein, weil Diesel und Benzin dann mehr als zwei Euro pro Liter kosten dürften.“ WIE PRAKTISCH … STATT EFFIZENTERE WEGE ZU GEHEN EINFACH ABWARTEN !

      • Mit Hilfe von Fotovoltaik- und Windstrom kann man an jedem Ort dieser Erde Wasserstoff herstellen. Die Nutzung von Überstromkapazitäten machen die Herstellung von Wasserstoff Energieeffizienzunabhängig.
        Wenn als Primärenergieträger die Sonne genutzt wird kann die Herstellung von Wasserstoff niemals zu teuer sein.

        Wenn der Strom aus unserem heutigen „Energiemix“ 30% teurer wird, dann wird der Preisunterschied zwischen Wasserstoff und elektrischem Strom immer kleiner.

        Also bitte nicht die Rechnung ohne den >Wirt machen . . .

      • @ Theo Pötter:
        Wie was? Wenn der Strom teuerer wird, soll der (Strom-)Wasserstoff nicht teuerer werden?

        Also allgemein, ein PKW, welches im Schnitt 20 000 km pro Jahr fährt (statistisch im Schnitt gar etwas weniger), mit z.B. 50 km/h im Schnitt, dann fährt es ca. 400 Stunden im Jahr, von über 8700 Stunden, die es im Jahr gibt… d.h. die Fahrzeuge fahren ca. 5%, und in der 95% der Zeit sind die Fahrzeuge „Stehzeuge“.
        Ich sehe kein Raum für das uneffektive Mittel „Wasserstoff“ bei dem Ansatz, schon gar nicht unter dem Wissen, dass z.B. auch die Schnellladung immer weniger ein Problem darstellt.

  3. Tesla ist im Moment wohl der einzige Hersteller, der es mit der eMobilität wirklich ernst meint und das Konzept auch konsequent zu Ende denkt. Zugegebenermaßen haben die es auch etwas einfacher, müssen ja nicht die jahrzehntelangen Investitionen und Entwicklungen kompensieren – oder sich Gedanken über das Überleben der Zuliefer-Industrie machen… Ich bin auch mal gespannt, welche Steine ihnen hier in Europa in den Weg gelegt werden und wie lange es dauert, bis die durch die allgemeine Gewöhnung an Verbennungsmotoren (nebst der Argumentationen der entsprechenden Lobbies) und blanke Unwissenheit vorherrschenden Zweifel in der Öffentlichkeit bröckeln… Aber je mehr EVs jetzt auf die Straße kommen, desto schneller wird das gehen. Das ist in den USA übrigens auch schon der 2. Anlauf (siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=PLf1Is3GA-M) – nur diesmal nicht gezwungenermaßen durch gesetzliche Vorgaben…
    Mein Model S habe ich übrigens schon im März reserviert, Liefertermin wahrscheinlich Frühjahr 2013. Wer möchte, darf sich gerne für eine Probefahrt bei mir anmelden🙂

  4. Informativer, gelungener Artikel, aber woher haben Sie denn die Euro-Preise im letzten Absatz? Wissen Sie mehr als alle anderen? Soweit ich von Tesla direkt weiss, gibt’s die offizielle Angaben dazu erst Ende dieses Jahres… oder sind das gerundete US-Preise in Dollar mit falscher Währungsangabe…?

    • ADAC Motorwelt Blog-Team

      Sehr geehrter Herr Witte,
      Es gibt in der Tat noch keine offiziellen Preise von Tesla, daher haben wir uns an den Dollar-Preisen für das Model S orientiert. Diese sollte man allerdings nicht zum aktuellen Kurs umrechnen, sondern eher 1:1 in Euro umwandeln. Teslas Preispolitik bei der Europa-Einführung des Roadsters legt diesen Schluss nahe.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Ihr ADAC Motorwelt Blog-Team

  5. Mercedes, BMW, Audi: AUFWACHEN!

  6. Sie haben nicht berichtet, das Tesla beim Kauf eines Model S, noch dazu kostenlose Aufladung an Tesla Ladestationen garantiert, für die gesamte Lebenszeit des Fahrzeuges. Die Ladestationen sind so plaziert, dass man in ganz Kalifornien immer eine Ladestation in Reichweite hat, demnächst von San Franzisko bis New York fahren kann. Die Aufladung erfolgt mit Geichstrom in 30 Minuten, es ist gespeicherter Sonnenstrom von den Dächern über den Ladestationen.
    Diese Meldungen können Ihnen doch nicht entgangen sein. „http://www.motorvision.de/artikel/tesla-s-neue-wunder-ladesaeule-fuer-elektrolimousine-tesla-model-s,18650.html“

    Was wird die Energie- und Verbrennungsmotoren-Lobby ihren Erfüllungsgehilfen im Bundstag wohl auf das Ableseblatt schreiben, wenn Tesla damit nach Europa kommt und auch Deutschland beglückt.
    Vielleicht schreibt die EU, nach 5-jähriger Beratung durch tausend Beamte, einen genormten Stecker vor. Die Vielzahl der staatlich geförderten Gremien zur Erforschung der Elektromobilität braucht man dann auch nicht mehr, der ADAC wird seinen Stil ändern müssen.
    Aus Berlin kommt wahrscheinlich zusätzlich zur Pkw-Maut, auch die Fußgänger-Maut und die Besteuerung der Sonnenstrahlen.
    Neue Aufgabe für den ADAC.
    Mit sonnigen Grüßen
    W. Herbi

  7. 60.000 € für maximal 250 Km Reichweite
    90.000 € für maximal 500 Km Reichweite

    30.000 € für eine maximal 45 KWh stärkere Batterie

    So hochwertig kann der Innenraum doch gar nicht verarbeitet sein.

    Es ist nicht alles Gold was glänzt . . .

  8. Einfach mal Jay Leno fragen.😉

    Im März ist es also soweit. Na da bin ich mal gespannt!

  9. tja, liebe deutsche Automobilindustrie, frei nach Tesla Motors: forscht ihr noch oder fahrt ihr schon?😉

  10. Ich wünsche jedem Unternehmen viel Glück und Erfolg, das sich wagt, in dieser Hinsicht konsequent nach vorn zu gehen. Mögen die Teslas dieser Welt den renommierten Marken das Fürchten lehren. Es wird Zeit, daß eine ausgewogene Diversifizierung Einzug hält.

    Obige Fahrzeug-Variante gehört zu Schritt 1. Schritt 2 wären einfache, kleine, modulare, nachhaltige Fahrzeuge. Beide könnten nebeneinander existieren.

    Hoffentlich sehe ich bald auch ein paar solche Teslas auf dt. Straßen.

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