Forschungsprojekt: Audi macht Akkus sicherer


Das Forschungsfahrzeug wird von einem E-Motor vorn und zwei E-Motoren hinten angetrieben. Im Mitteltunnel und vor der Hinterachse: die Batterien. Foto: Audi

Kurz nach dem ersten Rollout von Audis Forschungsfahrzeug mit neuartiger Batterie wird die angekündigte Kleinserie des R8 e-tron abgeblasen. Gibt es  einen Zusammenhang?

Autos müssen sicher sein. Paradox aber wahr ist, dass das für Autos mit Elektroantrieb noch viel mehr gilt als für Autos mit Verbrennungsmotor. Grund: Wird ein Elektroauto aufgrund eines brennenden Akkus zum Wrack, verlieren Autokäufer das Vertrauen in die Technologie. Siehe der Brand eines Chevrolet Volt nach einem Crashtest in den USA oder der Feuerunfall eines BYD in China. Dass das Brandrisiko eines Pkw mit Kraftstofftank keineswegs geringer ist, spielt in der öffentlichen Diskussion meist kaum eine Rolle. Das Nachsehen haben die Hersteller von Elektroautos, wenn ihnen die Verkaufszahlen einbrechen. Kein Wunder also, dass Politik und Autoindustrie versuchen, Elektroautos und deren Akkus immer noch ein Stück sicherer zu machen.

Neuestes Ergebnis bei Audi ist der Rollout eines Forschungsfahrzeugs. Das Auto auf Basis eines R8 wurde im September erstmals Journalisten gezeigt und erklärt. Freilich erst kurz nachdem es der Bundesregierung präsentiert worden war. Denn die hat das Forschungsprojekt mit 15 Millionen Euro, der Hälfte der Investitionssumme, unterstützt. Weitere Partner des Förderprojektes sind der Automobilzulieferer Bosch sowie die Hochschule Aachen (RWTH). Projektleiter Dr. Christian Allmann von Audi: „Mit welcher Begeisterung das Entwicklungsteam, gemeinsam mit der Hochschule Aachen, gearbeitet hat, das war schon toll.“

Batterieeinheit des Mitteltunnels, bestehend aus Makrozell-Blöcken in Trapezform. Die kleinen runden Einzelzellen stammen von Sanyo. Foto: Audi

Die größte technische Herausforderung bei einem Elektroauto, so Allmann in einem Vortrag auf dem Münchner e-monday dieser Woche, ist neben der Zellchemie der Akkus die Integration der Batterie ins Fahrzeug. Während der Akku des Forschungsfahrzeugs von Audi mit herkömmlichen Rundzellen der Firma Sanyo (Typ 18650) aufgebaut wurde, sei man hinsichtlich des Akku-Packages neue Wege gegangen. So wurden jeweils 26 Rundzellen in einem trapezförmigen, mit Kunststoff ummanteltem Block – einer so genannten Makrozelle – zusammengefasst. Der Clou: Die Makrozellen werden so gestapelt, dass sie sich im Falle eines Unfalls gegeneinander verschieben und somit Aufprallenergie abbauen können. Dem gleichen Zweck dienen Aluschienen zwischen den Blöcken. Hohlprofile zwischen den einzelnen Rundzellen (in den Blöcken) wirken als zusätzlicher Deformationsraum.

Durch die trapezförmige Anordnung können sich die Makrozellen bei einer Deformation verschieben und Energie abbauen. Foto: Audi

In der Zukunft sei es vielleicht sogar denkbar, solcherart konstruierte Batterieeinheiten auch in der Front eines Fahrzeugs oder weiter im Heck zu platzieren, also in den eigentlichen Deformationszonen. Allmann: „In der Simulation haben die Batterien entsprechende Crashtests schon bestanden. Der Real-Crash steht noch aus.“ Man kann also davon ausgehen, dass es bis zu einer Serienentwicklung dieser Batterie noch wenigstens zwei, wenn nicht drei Jahre Zeit braucht.

Möglicherweise haben diese Erkenntnisse dazu geführt, dass die Serienproduktion des von Audi für 2013 angekündigten R8 e-tron wie berichtet gestoppt wurde. Audi versteht sich schließlich als Technologie-Vorreiter, der Maßstäbe setzt. Warum sollte man eine schlechtere Lösung in den Verkauf bringen, wenn man weiß, dass es etwas Besseres geben könnte? Diesen Vorwurf wollten sich die Verantwortlichen bei Audi wohl nicht machen lassen.

5 Antworten zu “Forschungsprojekt: Audi macht Akkus sicherer

  1. Audi verliert an Glaubwürdigkeit. Vorsprung durch Technik – war gestern

  2. Über die ungleiche Berichterstattung im Brandfall habe ich schon ausführlich in meinem Artikel Meinungsbildung (http://sam-evii.blogspot.de/2012/10/meinungsbildung.html) geschrieben.

    Das man nur ein Fahrzeug auf den Markt bringen will, wenn es perfekt ist, ist unmöglich. Denn sonst dürfte es ja keine „verbesserten“ Nachfolger geben.

    Es kursierte ja auch schon der Grund, daß der Akku noch zu teuer wäre. Bei einem Fahrzeug jenseits der 100 k€ sollten die paar Mark fufzig keine Rolle spielen. Die Technologie scheint vergleichbar mit der Tesla-Lösung. Standard 18650 Zellen zu Clustern verbinden. Somit sollten die Preise günstig sein, da auf ein Massenprodukt zurückgegriffen wird.

    Gruß
    Andreas

  3. „zwei, wenn nicht drei Jahre“ für den letzten Teil des Crashtests?
    LÄCHERLICH!

    „Technologie-Vorreiter, der Maßstäbe setzt“: ja genau… Allerdings Massstäbe, wie man es eben NICHT macht!!!

    Mich würde echt interessieren, was sich die ÖlMafia diese andauernden Verzögerungen und Sabotagen kosten lässt…

  4. Ich verstehe nicht warum gerade bei einer „neuen“ Technologie so krampfhaft daran geforscht wird, dass blos keine Fehler passieren.
    Es heißt doch aus Fehlern lernt man. Wobei man ja bei Verbrennungsmotoren auch von Lernresistenz reden kann: Wie oft liest man in der Zeitung dass ein Auto abgebrannt ist, und das seit Jahrzehnten und sie werden immer noch gebaut…
    Und zu Audi: Ich empfinde es als schwache Ausrede zu sagen, wir bringen ein neues Produkt nicht auf den Markt, weil es etwas besseres geben könnte. Etwas besseres wird fast immer geben, nur wurde es oft noch nicht entdeckt/erforscht. Mit so einer Einstellung wird man eher den Anschluss den anderen Herstellern gegenüber verlieren.

  5. Also wenn es darum geht, „das perfekte Elektroauto“ auf den Markt zu bringen, sehen wir die nächsten 50 Jahre noch keines. Zudem dürften dann auch keine Verbrenner verkauft werden. Das ist aus meiner Sicht nur ein Scheinargument.
    Renault sagt wenigsten klar was Sache ist. Solange sich Verbrenner gut verkaufen, wird das E-Auto herausgezögert (nicht wörtlich, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann, versteht das). In die gleiche Kerbe schlägt Fiat mit dem 500e. Der wird nur da verkauft, wo er verkauft werden MUSS.

    Jetzt sag mir doch mal jemand welcher Hersteller (außer Tesla) ernsthaft E-Autos verkaufen will?

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