Better Place: Schwere Zeiten für ein ambitioniertes E-Auto-Projekt


BSS_Exit1Das Unternehmen Better Place startete in Israel mit großen Plänen, wollte die Elektromobilität mit bestmöglicher Technik revolutionieren  und ganz nebenbei die Welt verbessern. Doch bis heute schreibt das Unternehmen rote Zahlen. Die potenziellen Kunden nehmen das Konzept „E-Auto mit der austauschbaren Batterie“ nicht an – es ist schlicht zu teuer. Erst kürzlich verließ der Firmengründer das Unternehmen. In Israel soll die Hälfte der 400 Mitarbeiter entlassen werden.

Das Better-Place-Prinzip ist einfach: Man kauft sich zunächst ein Elektroauto, in Israel einen Renault Fluence ZE für derzeit umgerechnet etwa 24.500 Euro. Die Batterie stellt Better Place, dazu schließt man einen befristeten Vertrag über die gewünschte Kilometer-Leistung ab – ähnlich wie bei einem Mobilfunkvertrag, bei dem man Minutenpakete kauft. Je nach Vertrag kostet der Kilometer zwischen 11 bis 13 Cent.

Statt an eine Tankstelle fahren Better-Place-Kunden durch eine Art „elektrische Waschstraße“. In etwa fünf Minuten tauschen Roboterarme unterhalb des Fahrzeugs die leere Batterie gegen eine vollgeladene. Der große Vorteil: Lange Ladezeiten entfallen, der Kunde bleibt dauerhaft mobil.

So funktioniert der automatische Batterie-Tausch:

Als Firmengründer Shai Agassi dieses E-Auto-Projekt 2008 vor etwa 300 Zuhörern bei der Münchner Konferenz „Digital Life Design“ (DLD) präsentierte, wirkte er euphorisch. Beim Vergleich mit den Mobilfunkverträgen reckte er ein Handy in die Höhe. Die Zuhörer fanden das System plausibel und quittierten seine Zukunftsvision mit viel Applaus. Kurz danach startete Better Place in Israel.

BetterPlace_CSDas Unternehmen mit Hauptsitz in Palo Alto ist neben Israel mittlerweile auch in Dänemark, Australien, den Niederlanden und China aktiv. In Israel und Dänemark ist das Geschäftsmodell am weitesten fortgeschritten. Insgesamt hat Better Place in diesen beiden Ländern rund 750 Kunden. Etwa zwei Drittel der geplanten Batterietauschstationen sind schon aufgebaut.

2012: Die Anfangseuphorie ist längst verflogen. Laut der Israelischen Website „Globes“ verkaufte Better Place im vergangenen Monat lediglich 23 Fahrzeuge, damit ist der November der erfolgloseste Monat des ganzen Jahres. Der Grund für die schlechten Zahlen ist einfach: Das Konzept ist für den Verbraucher zu teuer. Eine jährliche Fahrleistung von 10.000 Kilometern kostet mindestens 1100 Euro. Zum Vergleich: Mit einem Benzin-Fahrzeug, das durchschnittlich 6 Litern pro 100 Kilometer verbraucht, kostet dieselbe Strecke nur rund 900 Euro (bei einem Benzinpreis von 1,50 Euro). Erschwerend kommen die höheren Anschaffungskosten eines Elektroautos hinzu.

Auch die Zukunft von Better Place sieht düster aus: Zu groß scheinen die vertraglichen Bürden. Mit Renault ist bis zum Jahr 2016 eine Abnahme von 100.000 Fahrzeuge vereinbart. Aber dazu müsste Better Place in den kommenden vier Jahren knapp 25.000 Neukunden gewinnen  jährlich. 2012 waren es nicht einmal 1000.

Aus dem Unternehmen heißt es nun, man werde sich „reorganisieren“. Was das bedeutet, muss als Erste die israelische Belegschaft erfahren: Bis zu 200 Mitarbeiter müssen gehen, etwa die Hälfte der insgesamt 400 Mitarbeiter. Firmengründer und Erfinder Agassi musste bereits im Oktober gehen. Ihn ersetzte Evan Thornley, Leiter von Better Place Australien.

Zumindest einen Lichtblick gibt es in den Niederlanden: In Amsterdam fahren aktuell zehn Renault Fluence ZE von Better Place als Taxis zwischen dem Flughafen Schiphol und der Innenstadt. Jelle Vastert von Better Place Niederlande: „Die Reaktionen der Taxifahrer sind überwältigend.“ Zusammen legten die zehn Taxis seit September 2012 ohne Probleme etwa 150.000 Kilometer bei mehr als 4000 Fahrten zurück. Better Place erwartet eine jährliche Laufleistung von 80.000 Kilometern pro Fahrzeug und hofft  aufgrund der positiven Resonanz  auf eine Marktlücke gestoßen zu sein.

6 Antworten zu “Better Place: Schwere Zeiten für ein ambitioniertes E-Auto-Projekt

  1. Elektromobilität und solare „Stromüberproduktion“:
    Das technische Konzept ist großartig!!! Das wahrscheinliche, aktuelle Scheitern liegt ausschließlich im privatwirtschaftlichen, kurzfristigen Gewinndenken begründet.
    Wenn wir die Wechselakkus nutzen, um – im großen Stil – PV Energie tagsüber in z. B. Autobahnsonnenraststätten zu sammeln und ZEITVERSETZT Energie zum fahren bereit zu stellen, haben wir eine gute Sonnenscheinmobilitätsenergieversorgungsinsel als Teil eines Netzes OHNE zusätzliche Stromleitungskapazität geschaffen.
    Das gleiche gilt für die privaten Solardächer. Sie können entweder den Strom direkt in den, im geparkten Auto befindlichen Akku, einspeisen, oder laden wohnortnah und somit wiederum netzfreundlich den Akku in der „Kleinwechselstation“.
    Im bei „schlechtem“ Sonnenwetter können die Akkus z. B. von, sehr oft antizyklisch anfallender, Windkraft geladen werden.
    Der, dann nur noch relativ kleine Restbedarf, wäre dank der großen elektrischen Pufferkapazität sehr einfach über Biomasse BHKWs (indirekte Sonnenenergienutzung) zu decken.
    Die Wärme, die in diesen BHKWs anfällt, wird – da diese ja genau so dezentral angelegt sind, wie die Kleinwechselstationen – ebenfalls ohne große Leitungsverluste, den Haushalten zur Verfügung gestellt, die ja in genau dieser Situation eine Unterstützung ihrer eigenen SOLARTHERMISCHEN Anlagen brauchen.

    Das ist sowohl technisch wie auch wirtschaftlich und ohne Komforteinbuße machbar!
    Annähernd 100% Co2- neutral, 100% regenerativ, stufenweise umzusetzen… Warum also nicht?
    Antwort: Siehe oben.

    Gute Besserung und frohe Weihnachten uns allen.

    • Potenzial und auch Know-How bestehende Dinge massiv zu verbessern haben wir ohne Ende. Als entscheidende Kraft dagegen hält leider primär erwähntes Profitdenken und damit einhergehender Lobbyismus. Schaumerma, was draus wird…

  2. das ist so schade um BetterPlace,
    da kann ich mich nur den vorrednern anschließen.

    Hab mir dazu das Video angesehen weil ich nur die Erzählungen bisher kannte und finde es ausgesprochen genial.

    Da sollte die Regierung in Deutschland besser investieren, an Autobahnraststätten und -höfen solche Ports zu schaffen wo es sicher kein Platzmangel gibt.
    In der Großstadt wirds bissel hapick wegen den Quadratmeterpreisen, aber wo ein Weg da gibt es auch eine Lösung🙂 – hier wäre ein Parkplatz 4 5min. gut, also man fährt drauf und darunter befindet sich diese Batterieaustauschtechnik, nach ca. 5min., wahrscheinlich ist man auch schneller fertig und wird zum raus fahren gebeten, falls nicht darf man sich gerne hier etwas einfallen lassen was man mit dem Elektroauto dann passiert😉 (gibt ja immer welche die aus der Reihe tanzen), mit dieser Idee bräuchte man viel weniger Platz als eine BetterPlace Station, klar wird das dann eine Sache die mit der Stadtplanung dann Hand in Hand gehen muss, wo vllt. das Problem bestehen dürfte, aber gut hoffen darf man ja noch.
    Tja und letzteres weil jeder besser größer weiter sein möchte und mit niemand gerne was teilt, alle Autohersteller die ecars produzieren oder es vorhaben an einem Tisch zu bringen die sage, „ja wir machen diese Konstruktion damit das ecar es zu lässt dass die Batterie automatisch gewechselt werden kann“

    Man sieht, es is eigentlich gar kein Problem, die Stadt und der Staat würden wohl mitziehen, die Ölkonzerne wohl ungern eine BetterPlace Station bauen wollen, aber durch den Staat könnte man das klären.
    Doch mit der starken Autolobby… .

    Es ist einfach zu schade Öl einfach nur zum verbrennen zu nutzen.

  3. Super Idee, zu starke Gegner.
    Und wieder: ein Beispiel dafür, wie man mit hirnloser Finanzpolitig auch die besten Ideeen ruinieren kann…

    Viel mehr als die Hälfte von den 24.500 Euro ist das Ding nicht wert. „Geschäftspolitik“ und „Verbindlichkeiten“ etc. natürlich ausgenommen… Nur liegt leider genau da der Hase im Pfeffer…

    Für so ca. 15 000 (+ Akku, aber verfl. nochmal OHNE „Minutenpakete“! (Ob die noch ganz dicht sind frag ich hier lieber nicht…)) wär das Teil DER Verkaufsschlager und auch RENTABEL!

    Wenn „man“ es denn nur ENDLICH wollen würde…

  4. Das wäre sogar sehr schade!
    Die Idee ist eigentlich bestechend, aber nach dem schnellen Antritt in Israel und in Dänemark hat man hier lange Zeit nichts mehr davon gehört (in der veröffentlichten Meinung). Leider!
    Weshalb haben eigentlich nicht auch andere Länder ohne dominante Kfz-Industrie mitgemacht, die billigen grünen Strom haben (z.B. Österreich, Norwegen,…). In jeder Großstadt eine solche Akku-Wechselstelle hätte genügt.
    Die Begeisterung der Amsterdamer Taxifahrer war vorherzusehen und sollte weiter veröffentlicht werden. Auch der Prius wurde schnell von den Taxifahrern gelobt – vielleicht ist ja das Projekt doch noch nicht zum Scheitern verurteilt? Schön wär’s.

  5. Die Masse aller Konsumenten in westlichen Ökonomien wird zwangsläufig immer mehr oder minder stark auf die eigenen Finanzen achten müssen. Folglich ist Finanzierbarkeit ein primäres Kriterium.

    Speziell ein vergleichsweise isoliertes Land wie Israel könnte dem gegenüber ein vermutlich spezielles Interesse an Unabhängigkeit vom Faktor Öl haben. Beides zusammengenommen könnte eine bombige Symbiose abgeben.

    Das würde aber zwangsweise enorme staatliche Anfangssubventionen erfordern. Im speziellen Falle von Israel durchaus sinnvoll. Unterläßt die politische Führung aus was auch immer für Gründen diesen Anschub, dann wird’s so heikel wie es sich derzeit darzustellen scheint…

    Schade.

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