Formel E: Kampfjets auf vier Rädern


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Schnell, leise, hautnah: Ab 2014 sollen die Formel-E-Rennen ausschließlich auf Stadtkursen stattfinden.

Rennboliden mit Elektroantrieb: Ab 2014 startet eine Formel-E-Serie, so ist es zumindest geplant. Die ersten Rennstrecken stehen bereits fest: Rio de Janeiro und Rom. Weitere 15 Städte wollen zum Austragungsort werden. Fans des Formel-1-Sounds brauchen sich angeblich auch nicht sorgen: Die Fahrzeuge werden klingen wie futuristische Kampfjets, verspricht der spanische Formel-E-Promoter Alejandro Agag.

 

 

Von Links nach rechts: Formel-E-Marketing-Chef Alejandro Agag, Formel-1-Veteran Jean Todt und der Londoner Formel-E-Investor Enrique Bañuelos.

Von links nach rechts: Formel-E-Marketing-Chef Alejandro Agag, Formel-1-Veteran Jean Todt und der Londoner Formel-E-Investor Enrique Bañuelos.

Etwa zehn Austragungsorte, zehn Teams, jeweils acht Teammitglieder plus Fahrer und Motorenmechaniker: Die Details der Formel E konkretisieren sich zwar langsam, aber sicher. Auch das erste Team der Formel E steht bereits fest:

Es heißt Drayson Racing, gegründet vom ehemaligen englischen Wissenschaftsminister Lord Paul Drayson. Zu erwarten ist, dass einige Teams aus der Formel 1 auch Formel-E-Teams stellen werden. Laut Alejandro Agag finden derzeit Verhandlungen mit mindestens zwei Formel-1-Teams statt. Verbindungen zur Formel 1 bestehen seit Langem.

Denn einer der größten Fans der kommenden Elektro-Rennserie ist der Vorsitzende des Automobilweltverbandes FIA, Jean Todt, langjähriger Funktionär der Formel 1. Er bezeichnet die Formel E bereits jetzt als visionären und gleichberechtigten Rennzirkus neben der weltbekannten Formel 1. Zudem finanziert die FIA die elektrische Hochgeschwindigkeitsmeisterschaft und gilt als Initiator der Formel E.

Mit Erfahrung und Zuversicht: Alejandro Agag möchte ab kommendem Jahr die Formel E weltweit etablieren.

Mit Erfahrung und Zuversicht: Alejandro Agag, 42, möchte ab kommendem Jahr die Formel E weltweit etablieren.

Der Geschäftsführer der Formel-E-Holding Agag freut sich auf die Formel-E-Meisterschaft ab 2014 und schreibt ihr entscheidenden Einfluss auf die Popularität der Elektromobilität zu: „Die Leute sollen Elektroautos als sichtbare Lösung für ihr Leben präsentiert bekommen.“ Und die Zuschauer in den Metropolen der Welt werden die Elektrorenner hautnah erleben. Denn das Besondere an der Formel E ist, dass sie nicht auf herkömmlichen Rennstrecken stattfinden wird, sondern mitten in den Städten, ähnlich dem Formel-1-Rennen in Monaco.

Das Erlebnis Formel E wird ohnehin etwas Besonderes für die Zuschauer. Neben den im Vergleich zur Formel 1 merkbar leiseren Motorengeräuschen erwartet sie eine nie erlebte Akustik: Erstmals werden nämlich auch Wind- und Reifengeräusche der Boliden zu hören sein, also Dinge, die bei herkömmlichen Rennen in der Regel von Motorengeräuschen deutlich übertönt werden.

Spektakulärer Rennrhythmus

So wie die alltägliche Elektromobilität auf der Straße hat auch die Formel E ein Reichweitenproblem, das die Vermarktung verhindern könnte, aber mit einem spektakulären Rennrhythmus umgangen wird. Die vollgeladenen Formel-E-Boliden schaffen nämlich nicht die geplante Renndistanz. Da mussten sich die Marketing-Experten etwas einfallen lassen.

Jedes Formel-E-Team wird über zwei Fahrzeuge verfügen. Nach etwa 25 Minuten steht der erste Boxenstopp an. Der Fahrer wechselt in das vollgeladene Fahrzeug, fährt wieder 25 Minuten und steigt dann nochmals in das erste Fahrzeug, das bis dahin etwa zu 50 Prozent wieder aufgeladen sein soll. So sind 25 plus 25 plus zehn Minuten Rennen angedacht. Das klingt nach spektakulären Fahrzeugwechseln. Reifenwechsel soll es zunächst nicht geben. Die Formel-E-Renner sollen mit einem Reifensatz das ganze Rennen durchfahren.

Selten hatte eine Rennserie so gleiche Voraussetzungen für alle Teilnehmer. Die Teams treten mit identischen Fahrzeugen an. Die Formel-E-Holding stellt die Boliden und kassiert im Gegenzug Teile der Sponsorengelder. Die elektrischen Antriebe stammen von McLaren. Chassis und Aerodynamik dürfen nicht verändert werden. Die Teams sollen aber Spielraum bei Motor und Batterien haben, um der Konkurrenz technisch vorauszufahren. Wie genau dieser Spielraum aussehen wird, steht noch nicht fest.

Fraglich bleibt, mit welchen Fahrern, mit welchen Teams und in welchen Städten die erste Formel-E-Saison beginnen wird. Bei den Städten scheint der Veranstalter mehr Gewissheit zu haben als bei Teams und Fahrern. Agag gab bekannt, dass neben Rio und Rom mindestens zwei Rennen in großen US-Metropolen gefahren werden.

Ob die Formel E mit aktuellen Top-Fahrern aufwartet oder eher als Möglichkeit gelten wird, stilvoll die Karriere zu beenden und dabei noch ein gutes Gewissen der Umwelt gegenüber zu haben, weiß noch keiner so recht. Ein Zitat von Agag aus jüngster Vergangenheit lässt eher Letzteres vermuten, auch wenn er in Interviews stets um aktuelle Top-Fahrer wirbt: „Wir denken, dass die Sportler dies (also die Formel E, Anm. d. Red.) als gute Karrieremöglichkeit sehen, wenn sie einmal einen bestimmten Punkt erreicht haben.“

Der finanzielle Aspekt dürfte für viele potenzielle Formel-E-Teams attraktiv sein, für Top-Fahrer eher weniger. Denn es sieht so aus, als ob Fahrer der Formel E Verdiensteinbußen hinnehmen müssten, vergleicht man die Jahresbudgets der Rennserien. Eine herkömmliche Saison mit einem Formel-1-Rennwagen kostet derzeit etwa 190 Millionen US-Dollar. Ersten Schätzungen zufolge wird eine Formel-E-Saison etwa fünf Millionen US-Dollar kosten.

4 Antworten zu “Formel E: Kampfjets auf vier Rädern

  1. Auf die Forumula E werde ich mich jetzt schon sehr freuen!
    Normal schaue ich die Formula Uno nicht an. Doch die E Version würde mich sehr interessieren.
    Zudem haben die weniger Verschleißteile, da werden sich die Elektromechaniker freuen :)…

    Hoff es klappt und wird nicht kurz davor von irgendeinem Institut (/Herrschaft) gecancelt.

    Gut Glück!

  2. So beginnt der erste Test für eine neue Technologie im Sport. Finanziell überschaubar, nah am Menschen der sich dafür interessiert, hohe Werbewirkung und, und , und. Natürlich wird es wieder Kritiker geben die z. B. ein Problem bei der Ökologie sehen, wenn es um die Beschaffung der elektrischen Energie geht.Aller Anfang ist schwer. Doch gerade die Breitenwirkung und die Förderung der Technologie wird hier noch ungeahnte Fortschritte in puncto Energieversorgung und -gewinnung machen. Das größte Problem der Energiespeicher erhält eine neue Plattform zum Testen.

    • Motorsport und Ökologie schließen sich gegenseitig aus. Da ändert auch die Tatsache nichts, dass jetzt mit Strom statt mit Benzin gefahren wird.
      Aber ich begrüße das natürlich auch, denn der Motosport könnte ruhig ein wenig Ökoimage gebrauchen. Außerdem gibt es dort durchaus Innovationen, die später im normalen Straßenverkehr Einzug finden.
      Ob ich es mir allerdings anschaue, das mag ich noch bezweifeln. Ich bin kein Freund von langweiligen Runden drehen…

  3. Eine gut Entwicklung. Die Formel E wird eines Tages die Formel 1 beerben. In der Formel 1 fahren dann nur noch „Youngtimer“ Boliden.

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