Bundesregierung hält an Plänen zur E-Mobilität fest – trotz aller Hindernisse


Angela Merkel verspricht, dass alle Zusagen der Bundesregierung zur Elektromobilität eingehalten werden.

Angela Merkel verspricht, dass alle Zusagen der Bundesregierung zur Elektromobilität eingehalten werden.

Eine aktuelle ADAC Umfrage zeigt, dass in Deutschland die Symphatie für Elektromobilität im Vergleich zu 2011 leicht gesunken ist. Unterdessen trafen sich in Berlin führende Köpfe aus Politik und Wirtschaft, um über die Weiterentwicklung der Elektromobilität in Deutschland  zu diskutieren. Denn an einem Ziel hält die Bundesregierung trotz schleppender Entwicklung fest: Im Jahr 2020 sollen in Deutschland eine Million Elektroautos fahren. Ein wichtiges Thema waren auch die sogenannten Supercredits. 

Die Zahl der Ladesäulen in Deutschland muss deutlich steigen, um die E-Mobilität attraktiver zu machen.

Die Zahl der Ladesäulen in Deutschland muss deutlich steigen, um die E-Mobilität attraktiver zu machen.

Laut der aktuellen ADAC Umfrage wird die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland vor allem durch drei Dinge gehemmt: Kaufpreis, Ladezeit und Reichweite der E-Fahrzeuge. Bei der Reichweite würden die Befragten noch am ehesten Kompromisse eingehen. Doch dafür müsste die Ladedauer deutlich kürzer sein als bisher üblich. Bis zu acht Stunden pro Ladevorgang möchte kaum einer warten müssen. Die Fahrzeuge sollen in der Anschaffung nicht viel mehr kosten als herkömmliche Autos mit Verbrennungsmotor. Sie sollen eine echte Alternative zum Verbrenner sein, keine überteuerten Nischenprodukte.

Beim internationalen Elektromobilitätsgipfel in Berlin wurden am vergangenen Montag diese Themenfelder diskutiert. Dort stand auch die Frage im Raum, wie Anreize für Käufer und Fahrzeugbauer aussehen könnten, um die E-Mobilität zu fördern und mehr Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern will der deutsche Staat den Kauf von E-Autos nicht subventionieren. Viele Teilnehmer der Konferenz sahen die sogenannten Supercredits als richtigen Weg, um die Autohersteller dazu zu bewegen, mehr E-Fahrzeuge herzustellen.

Supercredits sind ein Bonussystem, bei dem Fahrzeughersteller die Null-Emission der gebauten E-Autos mit den Emissionswerten der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren verrechnen können, um die Flotten-Emissionsgrenzwerte der Europäischen Union einzuhalten. Es geht dabei auch um die Frage, wie viele Fahrzeuge bis wann für die CO2-Bilanz der Hersteller angerechnet werden können. Statt den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Verrechnungsfaktor 1,3 bei den Supercredits möchte die deutsche Autobranche gerne den Faktor 3 berechnen dürfen. E-Autos sollen also deutlich höher angerechnet werden und somit die Flotten-Emissionen der Hersteller stärker senken. Kritiker sehen das als Anreiz, weiterhin Fahrzeuge mit großen Verbrennungsmotoren und hohen Emissionswerten zu bauen. Auch der ADAC sieht die Supercredits skeptisch: „Der Nutzen für Autofahrer und Umwelt ist gleich null, denn eine wirkliche CO2-Reduzierung über die komplette Modellpalette ist mit diesem Verfahren nicht verbunden“, so der ADAC Vizepräsident für Technik Thomas Burkhardt.

Angela Merkel ist Fan der Elektromobilität

Kanzlerin Merkel zeigte sich bei ihrer lockeren Rede zum Elektromobilitätsgipfel als überzeugte Anhängerin des Elektroantriebes und der Supercredits: „Wir müssen den Transformationsprozess zur Elektromobilität schaffen. Die Bundesregierung steht zu ihren Zusagen im Bereich Elektromobilität, weil wir wissen was davon abhängt. Unsere Pläne sind ambitioniert, aber umsetzbar. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass in Deutschland 2020 eine Million E-Autos fahren.“ 

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler

Auch der deutsche Wirtschaftsminister sieht in Supercredits einen guten Weg, entscheidende Anreize zum Bau von E-Autos zu schaffen: „Supercredits wären der einfachste Anreiz, etwas für das Thema zu tun. Das wäre ein enormer Beitrag für die Elektromobilität.“

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer

Auch Peter Ramsauer sieht in der Absatzschwäche kein Hindernis, am Millionenziel der Kanzlerin festzuhalten: „Wir werden es schaffen. (…) Es gibt für die Bundesregierung keinen Grund, vom Ziel einer Million E-Autos in 2020 abzurücken. Die ersten Schritte sind meist die schwersten, der Absatz wird aber rasant zunehmen.“ Ein Vorschlag des Verkehrsministers polarisierte besonders: Rein elektrisch betriebene Fahrzeuge sollen demnach künftig Busspuren nutzen dürfen.

VW-Chef Martin Winterkorn

Die Verantwortung zur Verbreitung der Elektromobilität sieht VW-Chef Winterkorn bei der Bundesregierung. Er forderte sie auf, die Rahmenbedingungen zu verbessern. „Wir erwarten keine Förderung einzelner Fahrzeuge. Was aber sinnvoll und nötig ist, sind infrastrukturelle Maßnahmen“, sagte Winterkorn. Er denke dabei an den Ausbau des Elektro-Tankstellen-Netzes oder an eine Fahrspur auf mehrspurigen Straßen extra für Elektrofahrzeuge. Winterkorn glaubt trotz aller Hindernisse ebenfalls daran, dass bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren werden: „Ich bin überzeugt, dass das gelingen kann.“ Die Preise für Elektroautos würden mit steigenden Stückzahlen sinken.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann

Der Chef des Autoherstellers Opel sieht eine deutlich zentralere Rolle in der Entwicklung der Elektromobilität auf Deutschlands Straßen. Für ihn ist es nicht nur eine Frage der Machbarkeit, er sieht die weltweite Führungsrolle der deutschen Autoindustrie gefährdet: „Wenn die deutsche Autoindustrie das (die Transformation zur Elektromobilität, Anmerkung d. Red.) nicht schafft, wird sie ihren weltweiten Führungsanspruch verlieren.“

Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck

Kritisch äußerte sich am Rande des Gipfels Greenpeace-Experte Lohbeck. Er sieht in Supercredits den falschen Anreiz für Fahrzeughersteller: „Statt sich für wirksame CO2-Grenzwerte einzusetzen, die das Klima und die Geldbeutel der Verbraucher entlasten, will die Bundesregierung diese zugunsten von Herstellern wie BMW und Daimler aufweichen.“

Lesen Sie dazu auch unser exklusives Interview mit dem Elektromobilitäts-Experten Professor Matthias Busse.  Er ist skeptisch, ob E-Fahrzeuge die herkömmliche Mobilität bald vollständig ersetzen können.

9 Antworten zu “Bundesregierung hält an Plänen zur E-Mobilität fest – trotz aller Hindernisse

  1. Was will ich mit einem Elektroauto, wenn ich zuhause (bei vorhandener Starkstromdose) „über den Gehsteig“ nicht laden darf, sondern erst 15-30 Min. zu einer Stromsäule zu fahren, an der ich mind. 1-2 Stunden warten muss, bevor ich dann zum eigentlichen Ziel fahren kann?

  2. „Sie sollen eine echte Alternative zum Verbrenner sein…“
    Und hier liegt der (Denk-)Fehler. Warum sollen die eine Alternative sein? Warum nicht ergänzen? Jeder kauft sich doch das Auto, das für seine Verhältnisse passt (Kombi, Bus, Cabrio, SUV…). Nur bei der Motorisierung gab es bisher eigentlich keine wirkliche Auswahl. Nur Verbrenner (wahlweise mit Diesel, Benzin oder Gas). Der E-motor ERGÄNZT das bisherige Angebot und ersetzt nicht auf einen Schlag alles bisherige. Ich versteh nicht, warum das keiner begreifen will!

    Aber wie immer wird alles totgeredet und der Industrie schöne Geldgeschenke gemacht. Raus kommt dabei eher selten was. Innovationen entstehen wo anders. Und eine kleine, „unbekannte“ Firma baut auf einmal eines der besten E-Autos zu halbwegs bezahlbaren Preisen.
    Bei so viel Ignoranz MUSS man eigentlich im September jemanden bestrafen!

  3. Die Bundesregierung plant 1 Million E-Fahrzeuge für das Jahr 2020. Ich plane einen Sommerurlaub auf dem Mars für das gleiche Jahr. Für die Umsetzung meines Planes unternehme ich ähnlich wenig wie die Bundesregierung für ihren Plan. Ich bin ich mal gespannt welcher Plan eher aufgehen wird.

    (Am Ende wird es wohl doch wieder Italien im Stau mit vielen anderen Autos die rattern und stinken…)

  4. Pingback: Bundesregierung hält an Plänen zur E-Mobilität fest – trotz aller … | Südwestfalen Automotive Netzwerk

  5. Wenn bei E-Fahrrädern eine elektromagnetische Strahlung besteht, wie sieht es dann bei den E-Autos mit viel größeren Batterien aus? Wird dem „dummen“ Bürger da mal wieder was verschwiegen??

  6. 2020: 1 Million Elektroautomobile davon ca. 200.000 mit Brennstoffzelle.

  7. Stefan Burkhardt

    Mir schwant, dass die Fokussierung rein auf Elektroantrieb und Speicherung von elektrischer Energie eine Sackgasse sein könnte. Die Technologie für den Antrieb an sich sieht für mich ausgereift aus und hat viele Vorteile gegenüber Verbrennungsmotoren. Es gibt aber noch viele Herausforderungen, die größte ist die Speicherung der notwendigen Energie, die immer noch sehr teuer und kompliziert ist. Es gibt Ansätze für die Speicherung von Bremsenergie und zur Speicherung von Strom aus Fotovoltaik im Hausbereich auf Druckluftbasis, die mir bei entsprechender Weiterentwicklung auch für den generellen Antrieb viel erfolgsversprechender erscheinen. Die Rückgewinnung von Strom zur Speisung der Elektromotoren und auch der direkte Antrieb über Turbinen ist hierbei möglich. Diese Technologie ist viel einfacher umzusetzen, viel sicherer zu beherrschen, ohne Umweltgifte realisierbar und damit insgesamt viel kostengünstiger. Liebe Bundesregierung, bitte beeinflussen Sie die Entwicklungschancen der Deutschen und Europäer nicht einseitig, bitte lassen Sie den Blick auch auf andere Möglichkeiten zu, indem die Förderungen nicht stur an Elektroantrieben festgemacht werden. Liebe Deutsche Industrie, bitte verlieren Sie sich nicht in hochkomplizierten Entwicklungen, die sicher faszinierend und reizvoll sind. Allzuoft ist die Lösung viel einfacher, als wir technikverliebten Deutschen uns in hochkomplexen Entwicklungen gerne verrennen.

  8. Typisch:
    das einzige sinnvolle Argument kommt von Greenpeace.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s