Systemsteckdose von Ubitricity: Simply clever?


Knoten ins Netz: Systemsteckdose von Ubitricity

Knoten ins Netz: Systemsteckdose von Ubitricity

Elektroautos und das Infrastrukturproblem: Aufbau und  Instandhaltung von Ladesäulen sind so aufwendig und teuer, dass sich das investierte Geld mit dem Verkauf von Strom kaum wieder verdienen lässt. Eine Lösung des Problems könnte die Idee der Firma Ubitricity sein: die Intelligenz zur Stromabrechnung für das Elektroauto ins private Ladekabel zu integrieren – und die Technik damit deutlich billiger zu machen.

„Charge wherever you like“ – so einfach stellt sich Andreas Pfeiffer, Geschäftsführer der Hubject GmbH, das Laden von Elektroautos in Zukunft vor. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die Firmen BMW, Bosch, Daimler, RWE und Siemens zusammengeschlossen und ein System entwickelt, das europaweit Zugang zu öffentlichen Ladestationen ermöglichen soll.

Ob das so bald kommt und wer überhaupt eine flächendeckende Ladeinfrastruktur aufbauen könnte, steht jedoch in den Sternen. Die Branche hat erhebliche Selbstzweifel, dass sich mit dem Verkauf von Autostrom jemals Geld verdienen lässt. In absehbarer Zeit schon mangels Masse nicht. Dann aber auch, weil Elektroautos vor allem zu Hause und nicht an öffentlichen Plätzen geladen werden, so das Ergebnis etlicher Studien. Schlimmer noch: Selbst bei guter Auslastung würde die Wartung, Überwachung und Erhaltung von öffentlichen Ladesäulen wohl viel mehr Geld kosten, als der verkaufte Strom wieder in die Kasse bringt.

Von den anfänglichen Investitionen ganz zu schweigen. Pro Ladesäule werden immerhin mehrere Tausend Euro fällig. Für die 150.000 Ladestationen, die nach den Vorstellungen der Europäischen Kommission bis 2020 in Deutschland installiert werden sollten, wären je nach Berechnungsgrundlage zwischen 500 und 750 Millionen Euro an Investitionen nötig. Etwaige zusätzliche Erschließungskosten nicht berücksichtigt. Es ist völlig unklar, wer angesichts der finanziellen Risiken so viel Geld in die Hand nehmen kann und will. Ein tragfähiges Geschäftsmodell steht bislang aus.

Einen deutlich kostengünstigeren Ansatz verfolgt die Firma Ubitricity: Das Berliner Start-up-Unternehmen will ein System zum Laden und Abrechnen anbieten, das lediglich aus einer simplen Systemsteckdose plus einem Ladekabel mit Elektronikbox besteht. Der Clou: Die Box übernimmt die Funktionen, die sonst die Ladesäule innehat. Sie baut eine Mobilfunkverbindung zwischen dem Fahrzeug des Kunden und der Leitstelle bei Ubitricity auf, prüft die Ladeberechtigung, schaltet den Strom frei und überträgt die Messdaten. Kabel und Box werden immer im Auto mitgeführt und sind überall einsetzbar, wo sich eine Ubitricity-Steckdose befindet. Das senkt die Technikkosten erheblich.

Die Intelligenz steckt in der Box des Ladekabels

Die Intelligenz steckt in der Box des Ladekabels

So soll die Systemsteckdose zur Markteinführung für etwa 100 Euro erhältlich sein. Das intelligente Ladekabel wird voraussichtlich 100 Euro mehr kosten als ein handelsübliches Standardladekabel (Mode 3). Das sind Anschaffungskosten, die sogar für Privatpersonen akzeptabel wären. „Wir denken jedoch in erster Linie an Stadtwerke, Kommunen, Arbeitgeber oder auch Parkhausbetreiber, mit denen wir ins Geschäft kommen wollen“, so Dr. Frank Pawlitschek, Mitgründer und Geschäftsführer von Ubitricity.

Für die Abrechnung mit dem mobilen Stromzähler kalkuliert Ubitrictiy mit Kosten von sechs bis acht Euro pro Monat und Kunde, unabhängig davon, an wie vielen Systemdosen er lädt. Pawlitschek: „Das intelligente Ladekabel kann mit allen Elektrofahrzeugen genutzt werden, und zwar ohne in deren Systemarchitektur einzugreifen.“ Das Ladekabel muss allerdings modellspezifisch abgestimmt werden. Ein Kabel für den Nissan Leaf funktioniert mit jedem Leaf, aber nicht in Kombination mit einem Peugeot iOn.

Weniger Kosten dank intelligentem Ladekabel

Weniger Kosten dank intelligentem Ladekabel

Beim ADAC wird das System derzeit in einem Praxistest erprobt. Technischer Projektleiter ist Bernhard Tschenscher vom Technikzentrum in Landsberg. Erste Erkenntnis: Die Installation der Systemdose ist kaum schwieriger als eine neue Deckenlampe über dem Esstisch anzuschließen. Dennoch sollte die Installation von einem Elektriker vorgenommen werden, der auch die Zuleitung und Absicherung des Stroms prüft. Während der Inbetriebnahme steckte der Teufel im Detail. Tschenscher: „Anfangs gab es kleine Probleme in der Anwendung. Mal startete die Ladung nicht, mal streikte die Mobilfunkverbindung, weil sich die Systembox-Batterie entleert hatte. An einem Ladekabel war ein Kontakt nicht richtig fixiert. Wir haben es halt mit Prototypen zu tun.“ Inzwischen laufen die Systeme weitgehend rund. Bis zur Serienfertigung ab Mitte 2014 sollten und müssen alle Probleme behoben sein.

Der Nissan Leaf und der Opel Ampera im ADAC-Versuch

Der Nissan Leaf und der Opel Ampera im ADAC-Versuch

Als Testfahrzeuge im Einsatz sind ein Opel Ampera und zwei Nissan Leaf. Systemsteckdosen gibt es im Technikzentrum Landsberg, der ADAC Zentrale in München, sowie bei zwei Mitarbeitern zu Hause, die die Elektroautos im Alltag bewegen und testen. Eine Konstellation, die der von Berufspendlern gleicht: Wenn das E-Mobil nachts zu Hause, tagsüber aber am Arbeitsplatz geladen wird. Mithin über zwei verschiedene Stromzähler und damit auf Kosten zwei verschiedener Stromkunden. Welches Auto wann wo und wie lange Strom bekommt, lässt sich in einem Internet-Portal von Ubitricity nachverfolgen und wird dort dokumentiert. Die Abrechnung erfolgt eichgenau mit Einzelverbindungsnachweis auf der Mobilstromrechnung, je nach Vereinbarung zulasten des Arbeitnehmers oder des Arbeitgebers. Die Fahrzeuge einer Flotte können gemeinsam kontiert werden. Den Stromlieferanten darf sich der Kunde frei aussuchen, so Ubitricity. Wenn gewünscht, liefert das Unternehmen den regenerativ erzeugten Strom aber auch gleich mit. Egal, ob an den Arbeitsplatz oder nach Hause.

Messdaten und Abrechnung im Überblick: Ubitricity Portal

Messdaten und Abrechnung im Überblick: Ubitricity Portal

Ubitricity arbeitet parallel daran, die Systemsteckdosen eines Tages auch an Lichtmasten in der Stadt anzubringen. Knut Hechtfischer, Co-Gründer des Start-ups: „Auf diese Art können mit geringem Aufwand Ladepunkte geschaffen werden, die mit rund 300 Euro Umrüstkosten um ein Vielfaches günstiger sind als Ladesäulen.“ Sofern das Umrüsten und Betreiben von Kommunen genehmigt wird, böte sich dies als Lösung für Laternenparker an. Hechtfischer: „Man kann unser System in etwa mit der WLAN-Technik für Handys vergleichen. Überall, wo Sie einen WLAN-Punkt erreichen, kommen Sie ins Netz. Der WLAN-Punkt ist unsere Systemsteckdose, das Smartphone ist Ihr Elektroauto mit dem intelligenten Ladekabel.“

9 Antworten zu “Systemsteckdose von Ubitricity: Simply clever?

  1. Sie schreiben in ihrem Beitrag: „Das Ladekabel muss allerdings modellspezifisch abgestimmt werden. Ein Kabel für den Nissan Leaf funktioniert mit jedem Leaf, aber nicht in Kombination mit einem Peugeot iOn.“ Dies stimmt so nicht ganz.

    Die intelligenten Ladekabel von ubitricity funktionieren mit allen E-Fahrzeugen, die sich normkonform verhalten und die für Mode 3 Ladung geeignet sind. ubitricity bietet Kabelvarianten an, bei denen fahrzeugseitig ein Typ 1- oder ein Typ 2-Stecker verbaut ist. Eine spezifische Anpassung an jeden Fahrzeugtypen ist nicht notwendig.

    Im Rahmen der laufenden Feldtests prüft ubitricity die Ladekabel-Prototypen mit den unterschiedlichsten E-Fahrzeugtypen, die sich derzeit beim Laden noch nicht alle einheitlich verhalten. Die bisherigen Tests haben gezeigt, dass die inzwischen aktuellen Fahrzeugtypen nahezu alle mit den ubitricity-Ladekabeln funktionieren.

  2. Schade, dass das ganze Konzept nur funktioniert, wenn ich ein entsprechendes Ladekabel gekauft habe-damit erhöhen sich fuer mich als Verbraucher die kosten ja noch weiter!

    Warum gibt es kein Konzept, was mit heute schon vorhandenen Lösungen funktioniert?

  3. Pingback: electrive.net » RuhrautoE, DriveNow, Ubitricity, Zuffenhausen, Hochkönig.

  4. Warum einfach, wenns auch kompliziert geht…

    Wichtig ist, dass ich mein eAuto an JEDER Steckdose laden kann (NUR, wenn´s ausnahmsweise mal sein muss!).
    Prinzipiell wird aber an meiner Eigenen daheim geladen.
    Über Nacht.

    Alles andere ist einfach nur Overkill.
    Und wird sowieso nie funktionieren.

    Zum UnterwegsSchnellStromTanken gibt´s keine Alternative zum Wechselakku.
    Aber auch den braucht eig. sowieso Keiner.
    Dann schon lieber nen kleinen RangeExtender für Notfälle…

    • … das sehe ich anders:
      – wenn wir weiter in die Zukunft denken, sollten auch nicht Garagenbesitzer Elektrofahrzeuge laden können.
      – Tagsüber beim Arbeitgeber Strom zu tanken, um die Solarstromspitzen abzufangen ist auch eine gute wichtige Alternative.
      – beim Wechselakku stimme ich zu…
      – aber ein RangeExtender, braucht nur Platz, man fährt ihn unentwegt spazieren, damit man dann im Notfall aus Benzin mit einem Wirkungsgrad von 20%-30% Strom, aber vielmehr Hitze und CO2 produziert?! Ich weiß nicht … dann lieber Wechselakkus, „aber den braucht eig, sowieso Keiner“.

      • Ok, das mit dem Laden beim Arbeitgeber ist soweit schon richtig, aber dafür braucht man kein intelligentes Ladekabel.
        Und wenn man schon an die Zukunft denkt: es stehen viel zu viele Autos auf den Strassen rum. In Tokio z.B. kann man schon lange kein Auto mehr zulassen, ohne einen eigenen Parkplatz nachweisen zu können…
        Und der (kleine!) RangeExtender ist ja nur für NOTFÄLLE gedacht! Also ich zumindest mag einfach kein Damoklesschwert (schaff ich´s noch heim oder nicht) über mir…

  5. Das resultiert aus dem geförderten Projekt der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) mit ihrem “On-Board Metering” : http://servicereport.eu/elektromobilitaet-forschungsthema-reichweite/

  6. Herrlich! Endlich eine gute Reklame für Ubitricity, die bei Kennern natürlich bereits bekannt war.
    Sehr schön auch die Tatsache, dass sie sich trauen, das Prinzip in der „Höhle des Löwen“ testen zu lassen. Die Idee ist natürlich – aus der Sicht der Bremser – des Teufels, denn so leicht darf das doch gar nicht gehen!

    Es wird hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis dieser Extra-Stromzähler auch bidirektional funktioniert und zusätzlich Rundfunk/Mobilfunk-Informationen empfängt vom aktuellen Strompreis! Denn dann fungiert das Elektroauto endlich als Regulativ im Netz (positiver Effekt für die Stromlieferanten) und handelt selbstständig mit Strom (positiver Effekt für den Kunden).
    Wer allerdings seit Jahren predigt, dass man für eine gute Elektromobilität zuerst eine flächendeckende Lade-Infrastruktur benötige (die natürlich der Steuerzahler bezahlen müsste), der wird das ganze nicht gut finden können…
    Die Groß-Firmen sollen sich einsalzen lassen!

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