Brennstoffzellen: Der ewige Traum


Das Batterie-elektrische Auto wird langsam zum gewohnten Bild auf den Straßen, aber das Brennstoffzellen-Fahrzeug bleibt, was es seit Jahren ist – eine Verheißung für die Zukunft.

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Passanten erschrecken geht mit dem Hyundai iX35 FC ganz einfach: Wird das Fahrzeug abgestellt, tost mit einem staubsaugerähnlichen Geräusch eine gewaltige Wolke Wasserdampf aus dem Auspuff. Kein Defekt, sondern eine technische Notwendigkeit: Wasser, das als „Abfallprodukt“ in der Brennstoffzelle als Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff entsteht, wird aus dem System geblasen. Würde das Wasser zum Beispiel bei Minusgraden im Auto gefrieren, ginge in der Brennstoffzelle nichts mehr.

Beim Fahren verhält sich der Hyundai wie ein ganz normales Elektroauto. Einfach Gas geben, und der Wagen setzt sich geräuscharm und angenehm ruckfrei in Bewegung. Und das sogar recht flott: Der 1830 Kilo schwere iX35 FC sprintet in 12,5 Sekunden auf Tempo 100, die Spitze ist bei 160 km/h erreicht. Der Fahrer gewöhnt sich schnell an das Auto – das es so allerdings noch nicht zu kaufen gibt.

Warum eigentlich nicht? Seit  Jahren preisen Autobauer wie Honda, Toyota, Ford, GM und Mercedes Brennstoffzellen-Autos als zukunftsweisende Technik an – und entwickelten die unterschiedlichsten Prototypen. Doch bis in die Verkaufsräume hat es noch kein „Fuel Cell“-Modell geschafft. Was verwundert: Schon 1996 versprach Dr. Michael Krämer, damaliger Leiter der Forschung der Daimler-Benz AG, in der ADAC Motorwelt einen Serienstart für 2010. Im Oktober 2009 wiederum erklärte Daimler-Boss Dr. Dieter Zetsche, dass der Durchbruch jetzt gelungen sei. Serienstart: 2015. Auch diesen Termin hat Daimler verschoben. Nun sei das Jahr 2017 „fest“ geplant.

Das Problem ist das Tankstellennetz

Der Knackpunkt: Es fehlt immer noch ein Netz von Wasserstoff-Tankstellen. Zwar existieren offziell bundesweit 16 Zapfsäulen. Tatsächlich befinden sich aber sechs davon im Bau oder in Planung. Bereits 2005 hatte der Münchner Gase-Spezialist Linde vorgeschlagen, eine „Wasserstoff-Autobahn“ in ganz Deutschland zu errichten. Zu sehen ist davon bis heute nichts. Linde-Sprecher Stefan Metz erklärt die Gründe: „Ein solches Projekt erfordert ein hohes Maß an Planung. Dazu zählt auch die Sicherstellung einer Mindestauslastung der Tankstellen.“ Heißt: ohne Autos keine Tankstellen – und ohne Tankstellen keine Autos. Immerhin fördert das Verkehrsministerium den Bau der Infrastruktur mit 20 Millionen Euro, weitere 20 tragen Linde und Co. Bis 2015 soll es dann 50 Standorte geben.

Teurer als ein E-Auto wird das Brennstoffzellen-Auto mit seiner aufwendigen Technik in jedem Fall: Neben den platinhaltigen Fuel Cell Stacks sind das vor allem die Sicherheitstanks, in denen Wasserstoff unter 700 Bar Druck gespeichert wird. Doch der vergleichsweise schnelle Tankvorgang und die
Reichweite bleiben das schlagende Argument für ein Brennstoffzellen-Fahrzeug gegenüber einem Batterie-getriebenen Elektroauto. Und solange das so bleibt, wird der Traum vom Pkw mit Brennstoffzellen-Antrieb wohl noch weitergeträumt.

Text: Wolfgang Rudschies

2 Antworten zu “Brennstoffzellen: Der ewige Traum

  1. Pingback: Brennstoffzelle: Forschen ja, verkaufen nein | Das elektrische Fahrtenbuch

  2. Die Brennstoffzelle allein wird es nicht schaffen, die Brennstoffzelle als Reichweitenverlängerer schon.
    Etwa 10 k/Wh sollte sie schon liefern.
    Sollte bei gleicher Leistung günstiger sein als wie der Verbrennungsmotor vom BMW i3. Tragbar sollte sie auch sein und der Durchbruch ist da. Millionen Caravaner warten auch auf so etwas.
    W. Herbi

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