Abt gewinnt erstes Rennen der Formel E


Ein heftiger Unfall kostete Nick Heidfeld den ersten Sieg der Formel-E-Geschichte, glücklicherweise blieb er unverletzt. Lucas di Grassi vom deutschen Rennstall Audi Abt sicherte sich unterdessen Platz 1 beim Rennen in Peking.

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Eintrag in die Geschichtsbücher: Der erste Sieger der Formel E, Lucas di Grassi (Mi.), feiert mit Franck Montagny (li.) und Sam Bird (2. v. re) auf dem Podium.

Siegerjubel beim deutschen Rennstall Audi Abt. Zwar wurde Daniel Abt nachträglich vom dritten auf den zehnten Platz strafversetzt, Kollege Lucas Di Grassi durfte sich dafür als Gewinner der Formel-E-Premiere nach 25 Runden rühmen. Zweiter wurde Franck Montagny aus Frankreich, Dritter der Brite Sam Bird. „Das fühlt sich großartig an“, sagte di Grassi. „Aber diesen Unfall in der letzten Kurve mag niemand sehen. So will keiner gewinnen“, betonte er.

Bis zu dem heftigen Unfall von Nick Heidfeld war das Rennen weitgehend störungsfrei verlaufen. Nicolas Prost verteidigte seine Pole, die er sich rund drei Stunden zuvor bei dem Ein-Tages-Event gesichert hatte. Nach einem leichten Crash von Ex-Formel-1-Pilot Bruno Senna musste in der zweiten Runde das Safety Car auf die Strecke, die Autos konnten so Energie in ihren Akkus sparen. Als Gewinner des ersten Wagenwechsels – die Batterie-Power reicht nicht für ein ganzes Rennen – durfte sich Heidfeld fühlen. Er nahm die Verfolgung von Prost auf, die dann aber jäh endete.

Heidfeld war mit seinem vollelektrischen Rennwagen am Samstag kurz vor der Ziellinie in die Streckenbegrenzung gekracht, meterhoch durch die Luft geschleudert worden und auf den Asphalt von Peking gekracht. Der 37 Jahre alte gebürtige Mönchengladbacher blieb nach dem  Brutalo-Rempler von Prost und dem verpassten historischen Formel-E-Premierensieg erstaunlich ruhig. „Ich war überrascht, dass es nicht stärker wehgetan hat“, sagte Heidfeld und betonte: „Ich war auf dem Weg zu gewinnen.“

Für das unwürdige Nachspiel sorgte der Sohn des seinerzeit als kompromisslos geltenden viermaligen Formel-1-Weltmeisters Alain Prost. Der Unfallverursacher gab zunächst Heidfeld die Schuld. Dabei hatte der Franzose kurz nach links gelenkt, wo sich Heidfeld schon auf gleicher Höhe befand. Später sah Prost Junior den Fehler ein. „Ich fühle mich sehr schlecht wegen des Unfalls und (…) verstehe, dass ich die Schuld hatte“, twitterte er.

Die Formel E geht am 22. November im malaysischen Putrajaya in die zweite Runde. Nach insgesamt zehn Rennen wird der erste Gesamtsieger gekürt. Als Spitzenreiter fliegt der Brasilianer di Grassi nach Malaysia. Heidfeld, der in 183 Formel-1-Rennen schon vergeblich auf einen Sieg gewartet hatte, reist mit null Punkten an.

Quelle: dpa

2 Antworten zu “Abt gewinnt erstes Rennen der Formel E

  1. Dieser Bericht gehört hier her, denn das Rennen war sehr aufschlussreich für ein besseres Verständnis dieser Technologie..
    Ich höre schon wie einige sofort meinen, das ist alles Quatsch und entspricht nicht dem Sinn der E- Mobilität in ökologischer und ökonomischer Hinsicht.
    Ich selbst sehe den Nutzen der E- Mobilität auch eher in der Veränderung zu einer umweltfreundlichen Fortbewegung ohne fossile Brennstoffe im Alltag. Denn wir werden in der Masse diese E- Fahrzeuge vorrangig für unsere alltäglichen Nutzfahrten verwenden.

    Das Rennen sollte man jedoch gesehen haben. Der Fahrer ist hier sehr gefordert, weil er die Reichweite mit seinem Fahrstil extrem beeinflussen konnte.

    Zuerst einmal fehlte das laute Motorengeräusch. Es war nur ein surren und summen, verbunden mit dem dezenten Qietschen der Reifen auf dem Asphalt zu hören. Es klang alles sehr ungewohnt und doch gefiel es mir. Irgendwie durfte man sich als Zuschauer mehr auf das konzentrieren, was sich im Rennen bei den Fahzeugen verändert oder wie die Fahrer gefühlvoll die Energiereserven nutzten. Schon im ersten Teil des Rennens musste man mitfiebern ob die Angaben für den Zuschauer zur Energiemenge an Bord richtig waren und der Fahrer sein zweites Fahrzeug überhaupt erreichen konnte. Fehlerhafte Anzeigen verwirrten hin und wieder und ließen schlimmes befürchten. Immerhin verändert der Fahrerwechsel gelegentlich die Position der Fahrer, wie bei Nick Heidfeld deutlich zu sehen war. Von Platz 4 auf Platz 2 durch Fahrzeugwechsel. Probleme beim Anlegen des Gurtes, den der Fahrer nicht selbst anlegen kann und auf Hilfe angewiesen ist, nach Verlust von Teilen die schraubenden Monteure, direkt im Rennen in der Box, Schleichfahrten nach übermäßigem Energieverbrauch usw.usw. Erstaunlich wendige E- Boliden und super Überholmanöver in sehr engen Kurven. Die direkte Kraftübertragung des Antriebs auf die Fahrbahn hatte mitunter so ihre Tücken für die Fahrer. Nicht selten rutschte man einfach mal mit den Reifen über den idealen Bremspunkt, weil der Schub falsch eingeschätzt wurde. Der Booster für ca. 50 PS mehr, den der Zuschauer einem Favoriten per Internetabstimmung zusprechen konnte, wurde offensichtlich von Di Grassi nicht genutzt. Vielleicht haben wir es auch nicht mitbekommen, weil die Regie keine Einblendung dieser „Ergänzung“ einspielte. Wie schnell man dann aber auch bei dieser Technik die Kontrolle verlieren kann, zeigte der Zusammenstoß von Nicola Prost und Nick Heidfeld in der letzten Runde kurz vor dem Ziel. Wir können von Glück reden, dass Nick nichts weiter passiert ist. Die Schutzvorrichtungen am Zaun haben diesmal gut gewirkt, Dennoch wurde deutlich, dass die obere Hälfte des Absperrzaunes ohne Aufprallschutz den fahrer aufspießen kann, wenn es unglücklich läuft, Für Alle, Kommentatoren, Veranstalter, Zuschauer, Fahrer und Teams der Rennställe, gab es viel zu lernen und zu staunen. So unspektakulär wie manche meinen war das alles nicht, selbst wenn der Unfall nicht passiert wäre. Im Endergebnis muss man die Zuverlässigkeit der Akkus und des Antriebssystems insgesamt sehr hoch einschätzen. Einige der Leser hier werden sich sicher noch an die viertel Meile mit einem E- Mottorrad mit LiFePo Akkus erinnern, bei dem der komplette Antriebsteil inklusive Akku in Rauch aufging. Das war in diesem Rennen nicht geschehen.

    Ich freue mich auf das nächste Rennen und bin gespannt, nach wie vielen Runden, mit wie viel Restenergie die Fahrzeuge gewechselt werden. In der Formel E wird ganz sicher vieles getestetet und Einzug halten, was wir später auf unseren Straßen, im alltäglich genutzten Fahrzeug, wiederfinden.

    • Schöne Zusammenfassung. Ich habe es mir gestern auf youtube angesehen, zumindest stellenweise. Bin kein Fan von Autorennen und fand das dann genau so langweilig.
      Der Unfall am Schluss hat aber gezeigt, wie „sicher“ das für die Fahrer eigentlich ist. Fahrer steigt aus völlig zertrümmertem Fahrzeug ohne eine (physische) Verletzung.
      Wäre das mit einem F1-Fahrzeug passiert, hätten die Strecke wegen brennendem Benzin gesperrt werden müssen. Und ob der Fahrer das dann überlebt hätte, ist auch ungewiss.

      Volle Zustimmung auch, dass solche Events die E-Mobilität voranbringen. Es geht ja in erster Linie um öffentliche Wahrnehmung. Die fehlte bisher.

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