Führerschein für E-Bikes?


In der Schweiz werden schärfere Regeln für die Fahrer von E-Bikes debattiert. Im Gespräch sind eine Tacho-Pflicht und ein Führerschein. Auch in Deutschland dürften elektrisch betriebene Fahrräder bald für Diskussionen sorgen – gerade weil sie so beliebt sind.

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E-Bikes im Trend: Auch in Deutschland erfreuen sich elektrische Fahrräder großer Beliebtheit.

Die Besitzer von elektrisch betriebenen Fahrrädern in der Schweiz könnten bald mit strengeren Regeln konfrontiert werden; dies berichtet die „Neue Zürcher Zeitung“. Grund für die Forderung von Politikern ist die steil angestiegene Anzahl von schweren Unfällen mit Fahrradbeteiligung. Schweizer Fahrrad- und auch E-Bike-Fahrer sind immer öfter in Unfälle verwickelt. So stieg die Zahl der schwerverletzten E-Bike-Fahrer um 29 Prozent. Schweizer Politiker zeigten sich wenig überrascht und verurteilten die mangelnde Einhaltung der Verkehrsregeln durch Radfahrer. Besonders die fast lautlosen E-Bikes seien für ältere Fußgänger eine große Gefahr.

Für Fahrer der elektrischen Variante soll – zumindest nach dem Willen einiger Politiker – eine Tacho-Pflicht eingeführt werden. Dadurch soll den Fahrern vor Augen geführt werden, wie schnell sie unterwegs sind. Tempoverstöße wären so auch für den Sünder besser nachvollziehbar. Eine obligatorische Fahrprüfung für E-Bikes steht ebenfalls zur Diskussion. Die Schweizer Grünen lehnen eine mögliche Fahrprüfung dagegen ab und fordern stattdessen den Bau von neuen Fahrrad-Schnellbahnen.

Auch in Deutschland könnte das Thema an Fahrt aufnehmen. Grund ist der anhaltende Boom bei E-Bikes. Rund 1,8 Millionen Elektro-Fahrräder sind in Deutschland schon in Betrieb. 2014 dürften laut Schätzung des Zweirad-Industrie-Verbandes ca. 450.000 E-Bikes verkauft werden. Mittelfristig gehen Hersteller und Handel von 600.000 neuen E-Bikes jährlich aus. Dass das Radeln mit elektrischer Unterstützung weiter ein Trend ist, liegt auch daran, dass inzwischen alle Fahrradtypen, Rennräder bis Mountainbikes, mit E-Motor zu haben sind.

Es bleibt abzuwarten, ob mehr E-Bikes auf deutschen Straßen auch automatisch gestiegene Unfallstatistiken bedeuten. Anders als bei den Fußgängern hat die Anzahl der verunglückten Fahrradfahrer in den letzten 25 Jahren deutlich zugenommen. Der Wert von 2013 bedeutet eine Zunahme von 37,1 Prozent gegenüber 1979. Die Zahl der getöteten Fahrradfahrer verringerte sich seit 1979 allerdings um 73,9 Prozent. Insgesamt waren 2013 ein Fünftel aller im Straßenverkehr Schwerverletzten (20,6 Prozent) und mehr als ein Zehntel der Getöteten (10,6 Prozent) Fahrradfahrer.

Text: Johannes Gerl

Nachtrag vom 17. September – Rechtliche Lage in Deutschland:

Generell gilt: Bei einem E-Bike erfolgt die Motorunterstützung durch Gasgeben. Die juristische Einstufung hängt von der erreichbaren Höchstgeschwindigkeit und der Motorleistung ab. Dementsprechend lassen sich E-Bikes in vier Gruppen einteilen: Bis 20 km/h, bis 25 km/h, bis 45 km/h und über 45 km/h.

E-Bikes bis 20 km/h sind rechtlich Leichtmofas. Wegen der geringen Geschwindigkeit sind sie von der Helmpflicht befreit. Der Fahrer benötigt mindestens eine Mofaprüfbescheinigung. Ein Versicherungskennzeichen ist Pflicht. Eine private Haftpflichtversicherung deckt Schäden durch E-Bikes also nie ab. Radwege dürfen nur befahren werden, wenn dies ausnahmsweise gestattet ist; Radwege außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen immer befahren werden.

E-Bikes bis 25 km/h sind Mofas, bei denen allerdings ein geeigneter Helm für Krafträder Pflicht ist.

E-Bikes bis 45 km/h entsprechen einem Kleinkraftrad und dürfen nur mit einer Fahrerlaubnis der Klasse AM gefahren werden. Auch hier gilt Helmpflicht; Radwege sind tabu.

E-Bikes über 45 km/h sind kaum am Markt vertreten und gelten – je nach Leistung – als Leichtkrafträder der Führerscheinklasse A1 oder als Motorräder der Klasse A. Diese Fahrzeuge sind steuer- und versicherungspflichtig.

8 Antworten zu “Führerschein für E-Bikes?

  1. ADAC Motorwelt Blog-Team

    Aufgrund der aufgetretenen Fragen zu den verschiedenen Klassen von E-Bikes, haben wir am 17.9. einen Nachtrag veröffentlicht.

    • Danke für den Versuch, den Wirrwarr aufzuklären, aber so ist das auch nicht ganz richtig:

      1.: ein E-Bike (Abkürzung für Elektro-Bike!) ist zuallererst einmal JEDES Fahrrad mit Elektromotor.
      2.: wenn der Elektromotor OHNE Treten schneller als 6km/h beschleunigt, ist ein Versicherungskennzeichen und mindestens ein Mofa-Führerschein Pflicht, ab 25km/h ein Mokick-FS.
      3.: „Eine private Haftpflichtversicherung deckt Schäden durch E-Bikes also nie ab“ stimmt nicht, weil ein Pedelec auch ein E-Bike ist. Und ein Pedelec gilt rechtlich prinzipiell als Fahrrad. Alles andere braucht ein Versicherungskennzeichen und DIESES deckt die Schäden.

      In der Schweiz gelten zwar ähnliche, aber doch andere Regeln (Mindestalter etc. …), was den „Bericht“ noch verwirrender macht.

      Und wozu hier irgendwelche „Unfallstatistiken“ von Fahrradfahrern (noch dazu ganz ohne Hintergründe!) in einem Beitrag zu E-Bikes in den Raum geschmissen werden ist allerhöchstens so zu verstehen, dass hier die Stimmung angeheizt werden soll… wie auch ib3000 leider sehr treffend formuliert hat!

  2. Der Artikel hätte ev. doch noch sowas wie ein klein bisschen Sinn machen können, wenn dem Autor der Unterschied zwischen einem E-Bike mit 250 Watt, genannt PEDELEC (max. 25 km/h) und einem E-BIKE mit 500 Watt(max. 45 km/h) klar gewesen wäre.
    Dann hätte er auch gewusst, dass man für ein E-BIKE sehr wohl einen Führerschein braucht!
    Tacho-Pflicht bei 25 km/h… na klar…
    Beide Kategorien in einen Topf zu werfen und nicht zu differenzieren macht den ganzen Artikel absolut wertlos.

  3. Wenn mehr Leute Fahrrad fahren gibt es auch mehr Unfälle. Das ist unvermeidbar. Deswegen einen Führerschein einzuführen halte ich für nicht sinnvoll. Die Regelwut der Bürokraten springt natürlich darauf an, leider.
    Ich befürchte schon Fahrschulen für Fahrräder, TÜV Prüfungen alle 2 Jahre, Winterreifenpflicht ab 1. Oktober, Versicherungspflicht, Warnwestenpflicht und Flickzeug mit Verbandskasten natürlich auch.

    Dann mal Los liebe Lobbyisten. Das Rennen um neue Einnahmemöglichkeiten ist eröffnet.

    Dann dürfen unsere Kinder natürlich erst ab 16 Jahren den europäischen E-Bike Führerschein für 500 Euro machen.

    Fürchterliche Vorstellung!

  4. Hier die Klasse AM im Wortlaut.
    Zitat.
    Beinhaltet –
    direkter Erwerb
    ab 16 Jahre
    Zweirädrige Krafträder (Mopeds) auch mit Beiwagen und Fahrräder mit Hilfsmotor durch die Bauart bestimmte Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h mit Elektromotor oder andere Verbrennungsmotoren mit einem Hubraum von max. 50 ccm oder bei Elektromotoren eine max. Nenndauerleistung von höchstens 4 kW.
    Dreirädrige Kleinkrafträder (Trike) durch die Bauart bestimmte Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h und max. 50 ccm Hubraum bei Fremdzündungsmotoren bzw. bei anderen Verbrennungsmotoren eine max. Nutzleistung bis 4 kW oder bei Elektromotoren bis max. 4 kW Nenndauerleistung.
    Ausnahme gemäß Fahrerlaubnisverordnung § 76:
    Zweirädrige Krafträder durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 km/h und nicht mehr als 50 km/h mit einem Hubraum von nicht mehr als 50 ccm, wenn diese bis zum 31.12.2001 erstmals in den Verkehr gekommen sind sowie Kleinkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotor im Sinne der Vorschriften der DDR, wenn diese bis zum 28.02.1992 erstmals in den Verkehr gekommen sind.
    Zitat Ende

    Muss man noch mehr zu diesem Thema sagen, wenn man weiß, dass allein diese Einordnung der E- Fahrräder laut Führerscheinklasse AM automatisch den Besitz dieses Führerscheins erzwingt und niemand mit einem E- Bike fahren darf der diesen Führerschein nicht hat? Alle E- Bike’s fallen in diese Klasse AM.

  5. Nachtrag: Das E- Fahrrad dürfte nach Führerscheinbestimmung nicht ohne Haftpflichtversicherung und ohne Besitz der Füherscheinklasse AM genutzt werden. Beim Verkauf kann der Verkäufer die Zulassung, wie beim Autohändler, mit anbieten und veranlassen. Hat nur noch keiner umgesetzt, obwohl die Gesetze dafür vorhanden sind. Selbst Kasko wäre möglich, weil der Verlust eines E- Bike sehr schmerzlich sein kann.

  6. Oh JAAA! Das ist ein Thema, das tatsächlich an Fahrt aufnehmen wird. ich selbst durfte schon zwei schwere Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern beobachten. Einen Radfahrer konnten Passanten festhalten, obwohl er gerade flüchten wollte. Im anderen Fall war die ältere Dame so schwer verletzt worden, dass niemand den Verursacher ergriff, weil erste Hilfe vorrangig war. Kennzeichen gibts ja keine.

    In D lässt sich das ganz einfach lösen. Das Fahrrad mit Hilfsmotor (bis 45 km/ h) hat in der EU eine eigene Führerscheinklasse AM. Dazu gehören auch Fahrräder mit E- Motoren!

    Schön wenn wir in D das ganze mal aufgreifen und z.B. der ADAC verstärkt darauf drängt die Führerscheine solcher Nutzer prüfen zu lassen. Der Akku ist am Fahrrad nicht zu übersehen. Die Haftpflichtversicherung würde dann auch besser für solche Fahrzeuge greifen, weil ein Mofa- Kennzeichen erforderlich ist. Denn im Fall der Seniorin blieb sie wohl auf dem ihr entstandenen Schaden an Leben und Gesundheit sitzen, weil der Täter nie ergriffen wurde.

  7. War doch nicht anders zu erwarten…..

    Diese knapp 25Km/h eines Pedelec sind doch für die meisten Radler schon zu viel des Guten.

    Fahrphysik???? Was ist das denn ????

    Ich bin ein EX- Radsportler, inzwischen 56 Jahre alt und immer noch aktiv.
    So mancher junger „Möchtegernraser“ würde sich immer noch böse erschrecken wenn ich den „Gashahn“ aufreiße und Vollschub gebe.

    Aber eins ist mir dabei glasklar, mehr als 20-25Kmh auf dem Rad sind immer ein großes Risiko.
    In meinem Fall nur wegen der anderen auf der Straße, ich denke permanent mit und rechne mit allem wenn ich schnell fahre.

    Besser ist das…..

    Ich persönlich denke eine Führerscheinpflicht und auch ein TÜV für die Radler wäre sicherlich nicht so ganz schlecht….

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