Erst Sieg, dann Disqualifikation


Das deutsche Abt-Team feiert am vergangenen Wochenende in Berlin zunächst den FormelE-Rennsieger aus dem eigenen Team. Doch der Brasilianer Lucas di Grassi wird nachträglich disqualifiziert – und ist stinksauer. Die Premiere in Deutschland beweist aber auch: Die vollelektrische Rennserie zieht Zuschauer an.

Bei gutem Wetter surrten die Formel-E-Boliden an den Berliner Zuschauern vorbei.  Unter ihnen war auch der ehemalige Formel-1-Fahrer Hans Joachim Stuck: "Ich habe 40 Jahre Ohrstöpsel getragen; es ist schön, keine Ohrstöpsel zu tragen.”

Bei gutem Wetter surrten die Formel-E-Boliden an den Berliner Zuschauern vorbei. Unter ihnen war auch der ehemalige Formel-1-Fahrer Hans Joachim Stuck: „Ich habe 40 Jahre Ohrstöpsel getragen; es ist schön, keine zu tragen.”

21.000 Fans waren zur FormelE-Premiere auf dem ehemaligen Berliner Flughafen Tempelhof angereist. Sie erlebten zunächst einen souveränen Sieger, dann ein besonderes Drama. Stunden nach dem Rennen wurde der Brasilianer Lucas di Grassi disqualifiziert. Der Frontflügel seines vollelektrischen Rennwagens entsprach nicht dem Regelwerk, befanden die zuständigen Experten. „Wir sind sehr enttäuscht, dass Lucas‘ fantastische Leistung in Berlin nun nicht belohnt wird“, sagte Teamchef Hans-Jürgen Abt.

Auch Abts Sohn Daniel hatte keinen Grund zur Freude. Nach einem Verbremser in der ersten Runde waren bei dem 22-Jährigen bereits alle Hoffnungen auf einen Podestplatz oder gar einen deutschen Premierensieg in der ersten vollelektrischen Rennserie dahin. „Enttäuschendes Rennen gestern für uns alle“, meinte er mit einem Tag Abstand am Sonntag.

Landsmann Nick Heidfeld lag in dem Rennen hingegen zwischenzeitlich schon auf Podiumskurs, letztlich kam er als Sechster ins Ziel. Durch die Disqualifikation von di Grassi rückte der 38-Jährige vom Venturi-Team des Hollywood-Stars Leonardo DiCaprio schließlich auf Platz fünf. Der Sieg im achten von elf Saisonrennen ging rund vier Stunden nach der Zieldurchfahrt auf dem 2,469 Kilometer langen Kurs an Jérôme d’Ambrosio aus Belgien vor dem Schweizer Sébastien Buemi.

Führungswechsel in der Tabelle

Im Klassement musste di Grassi die Führung an seinen Landsmann Nelson Piquet Jr. (103) abgeben, der nun mit zwei Punkten Vorsprung auf Buemi führt. Di Grassi, der das Rennen nach einem frühen Überholmanöver gegen Pole-Mann Jarno Trulli nach Belieben beherrscht und mit mehr als sieben Sekunden Vorsprung nach 33 Runden gewonnen hatte, rutschte auf Rang drei ab (93). Entsprechend sauer war der Südamerikaner. „Keine Sorge, wir kommen zurück und treten Piquet und Buemi AUF DER STRECKE in den Hintern…“, twitterte der 30-Jährige.

Den Prüfern fielen bei der Untersuchung des vermeintlichen Siegerautos nach dem Rennen drei Unregelmäßigkeiten am Frontflügel auf, dabei auch Metallstangen in der Verkleidung zur Verstärkung. Di Grassi befand, er sei wegen Nichtigkeiten disqualifiziert worden, die nichts mit der Leistung zu tun hätten. Alle Argumente nutzten nichts. Dass Teamkollege Daniel Abt vom 15. auf den 14. Rang kletterte, konnte die Stimmung auch nicht aufhellen.

Bitteres Nachspiel für Sieger und Fans

Noch ein bisschen mehr hatte sich auch Heidfeld ausgerechnet, der sich im Rennen zwischenzeitlich schon auf Platz drei vorgearbeitet hatte. Am Ende ging dem ehemaligen Formel-1-Piloten aber die Power aus. Dennoch fiel Heidfelds Fazit positiv aus, bevor es zu den letzten Stationen vor den Kreml in Moskau und nach London geht. „Der ePrix Berlin war ein großartiges Heimrennen mit einer guten Show für die vielen Zuschauer“, meinte er. Allerdings eines mit einem entscheidenden Nachspiel, von dem viele Fans erst zu Hause erfuhren.

Quelle: dpa

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