Airbus träumt von elektrischen Verkehrsfliegern


Ein kleiner Testflug für den Piloten, aber eventuell ein großer Flug für das Unternehmen Airbus: Vergangenen Freitag überquerte ein elektrisch betriebenes Kleinflugzeug des Flugzeugherstellers den Ärmelkanal. Jetzt möchte das Unternehmen E-Flieger auch für längere Strecken reisetauglich machen. 

Oben der Großraumflieger, unten der "E-Fan". Der Elektroflieger ist beinahe lautlos.

Oben der Großraumflieger, unten der „E-Fan“: Der Elektroflieger ist beinahe lautlos.

Es waren gerade einmal 74 Kilometer, die der Airbus-Zweisitzer „E-Fan“ durchgehend flog und danach sicher landete. 35 Minuten benötigte das Leichtflugzeug mit der Kennung „E-WILE“ für die Strecke vom englischen Lydd nach Calais mit einer Fluggeschwindigkeit von etwa 130 km/h. Doch für Airbus hatte der Test mit dem Kleinflugzeug-Prototyp scheinbar beflügelnde Wirkung.

Denn jetzt träumt das Unternehmen davon, elektrisch betriebene Flugzeuge für bis zu 70 Personen zu bauen, vorerst mit Hybrid-Antrieb, also elektrisch und mit Kerosin betrieben. Gegenüber der Berliner Zeitung sagte der Leiter des Elektro-Programms Detlef Müller-Wiesner: „An der Nachfrage (für solche Flugzeuge) zweifle ich nicht. eine Flugstunde wäre alles in allem 30 bi 40 Prozent günstiger als beim herkömmlichen Kerosin-Antrieb“, ein gewichtiges Argument für alle Airlines.

Zwei sogenannte Mantelrotoren leisten dem „E-Fan“-Prototyp Vortrieb. 167 Kilo schwere Lithium-Polymer-Batterien in den Tragflächen liefern die Energie für die beiden Antriebseinheiten. Der E-Flieger wiegt insgesamt 500 Kilo. Um das Gewicht zu reduzieren, wurde auf ein aufwendiges Räderwerk für Start und Landung verzichtet. Unter den beiden Flügeln sorgen hauptsächlich zwei kleine Räder an dünnen Federstreben für die vorübergehende Bodenhaftung. Die maximale Flugzeit des „E-Fan“ beträgt 50 Minuten. Seine Entwicklung kostete Airbus 70 Millionen Euro.

Produktionsstart in wenigen Monaten

Schon Anfang 2016 soll die serienmäßige Produktion einer weiterentwickelten Form des aktuellen „E-Fan“ starten. Zehn Flugzeuge pro Jahr will Airbus zunächst aus den Hangars rollen lassen. Besonders zu Schulungszwecken ist der E-Fan offenbar gut geeignet. Airbus forscht angeblich schon am Prototyp „E-Fan 4.0“. Er soll bis zu drei Stunden fliegen können, vier Sitze und einen Hybrid-Antrieb haben.

Ab 2017 will ihn Airbus gemeinsam mit Siemens in Ottobrunn bei München testen. Besonders attraktiv wäre diese Weiterentwicklung vor allem deshalb, weil sie durch ihre Lautlosigkeit problemlos Nachtfluglizenzen erhalten könnte. Airbus hofft auf den Einsatz der Hybrid-Technologie, die im „E-Fan 4.0“ entstehen wird, in den Verkehrsflugzeugen der Zukunft.

Der Traum des elektrischen Fliegens

Schon vor 52 Jahren entstand die Idee des elektrischen Fliegens, konnte sich bisher aber kommerziell nicht durchsetzen. 1973 war es ein Österreicher, der als Erster ein bemanntes E-Flugzeug steuerte. Danach wurde viel experimentiert, in den letzten Jahren wieder etwas häufiger. Eines der Haupthindernisse beim Fliegen ist – naja – das Fliegen. Denn die Batterien sind meistens sehr schwer, weshalb elektrisch betriebene Flugzeuge schnell ein hohes Standgewicht erreichen. Längere Strecken mit bisheriger Energiedichte und Gewicht der Batterien sind kaum zu bewältigen, außer mit einer Hilfstechnologie wie Solarzellen, die für regelmäßigen Energienachschub sorgen.

Derzeit jagt der Schweizer Pilot André Borschberg Rekorde mit so einem Flugzeug namens „Solar Impulse 2“ und fliegt um die Erde. Die Energie aus 17.000 Solarzellen betreibt die Propeller des Fliegers mit der Spannweite eines Airbus-Großraumflugzeuges. Auf der letzten Etappe saß der Pilot fünf Tage und fünf Nächte nonstop am Steuer und landete auf Hawaii. Borschberg stellte somit zwei Rekorde auf: Längster Soloflug und weiteste Distanz mit einem Solarflugzeug (8200 Kilometer).

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