„T0RR“: Elektro-Renner mit 136 PS


Noch ist es nur ein Prototyp – doch dieses Racebike hat das Potenzial, den Zweiradsport aufzumischen. Die Zutaten sind die Hardware des aktuellen BMW-Superbikes, ein brachiales Drehmoment und ein Kniff beim Motor, um das Handling zu verbessern. Ob das für den ersten Härtetest beim Rennen in Oschersleben reicht?

Dieses Elektromotorrad hat der Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU München entwickelt. Wie schlägt er sich im Renneinsatz?

240 Nm Drehmoment. Rumms. Dieser Wert auf einem Motorrad treibt wohl selbst erfahrenen Racern einen wohlig-warmen Schauer über den Rücken – oder den Angstschweiß ins Gesicht. Mit diesem Kraftberg wartet ein völlig neues Rennmotorrad auf, dessen Prototyp Studenten der Technischen Universität München in Zusammenarbeit mit der chinesischen Tsinghua Universität entwickelt haben.

Das Beste: Das immense Drehmoment liegt linear bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h an. Denn der Prototyp mit dem Namen „TORR“ wird von einem Elektromotor angetrieben. Der elektrische Antrieb leistet dabei 100 kW, also umgerechnet 136 PS. Das sind etwa 60 Pferdestärken weniger als zeitgenössische Superbikes auf den Prüfstand bringen.

Dennoch verspricht der E-Renner dank des hohen Drehmoments konkurrenzfähige Fahrleistungen und könnte seine Stärken vor allem am Kurvenausgang ausspielen. Denn während Racebikes mit konventionellem Hubkolbenmotor ihre Kraftentfaltung aufbauen müssen, kann die TORR stets mit vollem Vortrieb aus den Kurven beschleunigen.

Die Projektmitarbeiter Christian Sander (li.) Lukas Wheldon mitte) und Cumhur Öztürk (re.) mit ihrem Elektromotorrad "T0RR".

Die Projektmitarbeiter Christian Sander (li.) Lukas Wheldon (Mitte) und Cumhur Öztürk (re.) mit ihrem Elektromotorrad „T0RR“.

Gerade deshalb ist die verbaute Traktionskontrolle des Bikes so wichtig. Nur so kann die immense Kraft auch auf den Boden kommen. Das Motorrad verwendet dafür die Technik des Superbike-Primus BMW S1000 RR – und den ganzen Rest gleich dazu. Laut Informationen der TU München haben die Studenten aus Deutschland und China „Getriebe, Kupplung, Motor und Elektronik entfernt und es dann in ein Rennmotorrad mit elektrischem Antrieb umgerüstet.“

Im Rahmen befindet sich ein 100-kW-Elektromotor, der rückwärts eingebaut ist. Das soll das Handling des Bikes verbessern, indem die Maßnahme das Rotationsträgheitsmoment senkt. „Der Motor läuft in die entgegengesetzte Richtung wie die Räder. Die in die gleiche Richtung rotierende Masse verringert sich – und damit natürlich auch das Rotationsträgheitsmoment“, sagt Philip Wacker, Projektbetreuer der TU München. Wacker zufolge sei die Fahrdynamik und das Handling sogar besser als bei einem konventionellem Motorrad.

Keine Hinterradbremse – aber massive Motorbremse

Ein weiteres Spezifikum des E-Renners ist seine fehlende Hinterradbremse. Denn das Motorrad nutzt den Motor als Generator durch das Rekuperationsprinzip. „Der Widerstand am Rad führt zu einem Bremseffekt. Am hinteren Rad muss daher keine mechanische Bremse eingebaut werden – das spart Gewicht. Die gewonnene Energie kann außerdem teilweise wieder in die Batterie gespeist werden“, schreibt die TU in ihrer Pressemitteilung.

Als reines Rennmotorrad muss der Prototyp natürlich vor allem eins sein: schnell und wettbewerbsfähig. Das Team will beim semiprofessionellen Pro Thunder Race auf dem Motopark in Oschersleben antreten. Für die komplette Renndistanz reicht die Akku-Kapazität noch nicht. Das kürzere Qualifying jedoch wollen die Studenten mit guten Rundenzeiten bestreiten – natürlich auch, um weitere Förderer für die Weiterentwicklung des Projekts zu gewinnen.

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  1. Hat dies auf rebloggt.

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