Lkw unter Strom: eHighway soll Realität werden


Seit 2011 erprobt der Siemens-Konzern eine Lkw-Strecke unter Strom. Nun soll der elektrische Straßengüterverkehr auch auf die echte Autobahn kommen. Der Startschuss dafür soll im übernächsten Jahr fallen.

Energieversorgung, Stromabnehmer und Hybridantriebstechnik machen den "eHighway" zu einer umweltschonenden Güterverkehrslösung.

Energieversorgung, Stromabnehmer und Hybridantriebstechnik machen den „eHighway“ zu einer umweltschonenden Güterverkehrslösung.

Das Bundesumweltministerium hat die Verwirklichung des „eHighway“ vor wenigen Tagen mit einer Bekanntmachung für sein Förderprogramm zur Elektromobilität auf den Weg gebracht. Interessenten sollen für die geplante Pilotstrecke bis Ende Februar 2016 kurze Projektbeschreibungen einreichen. Nach Auswahl eines oder mehrerer Projekte könne im zweiten Halbjahr 2016 dann die konkrete Planung beginnen und 2017 die Installation, so der Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik.

Am Anfang des Forschungsprojekts stand die Frage, wie der wachsende Güterverkehr bewältigt werden kann, ohne gleichzeitig den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid weiter in die Höhe zu treiben. In Deutschland rechnet die Bundesregierung mit einem Plus des Güterverkehrs von rund 40 Prozent im Zeitraum 2010 bis 2030. Nach dieser Prognose wird die Bahn aber nur ein Fünftel dieses Zuwachses übernehmen können. Die meisten Transporte kommen daher auf die Straße.

Umweltschonend und ökonomisch

Da liegen Lkw mit Elektroantrieb nahe – vor allem, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien wie Solar- oder Windkraft kommt. Das Siemens-System soll den Verbrauch fossiler Kraftstoffe reduzieren, Betriebskosten senken sowie CO2 und Stickoxide vermeiden. Eine umweltschonende und ökonomische Alternative zum herkömmlichen Güterverkehr also.

Das Konzept zur Elektrifizierung der Lkw besteht aus drei Hauptkomponenten: Energieversorgung, Stromabnehmer und Hybridantriebstechnik. Die Energieversorgung funktioniert wie bei der Bahn: Stromabnehmer auf dem Führerhaus der Lkw drücken sich an die Oberleitung. Will ein Elektro-Lkw überholen, senkt sich der Stromabnehmer, der Fahrer kann auf die Überholspur ausscheren. Nach dem Wiedereinscheren führen Sensoren den Stromabnehmer wieder an die Leitung. Reicht die Leistung nicht mehr, schaltet sich der Dieselmotor hinzu.

Autobahn-Elektrifizierung: Ein Kilometer kostet etwa 2,5 Mio. Euro

Siemens setzt darauf, dass die Bundesländer geeignete Strecken für das Pilotprojekt vorschlagen – das könnte ein langes Autobahnstück oder auch eine Pendelstrecke zwischen einem Hafen und dem Schienenanschluss sein. In der Nähe des Hafens von Los Angeles ist ein solches Demonstrationsprojekt bereits im Bau.

Über den Erfolg der E-Lastwagen dürfte am Ende entscheiden, ob und wie schnell die Zusatzkosten für Infrastruktur und Fahrzeuge durch geringere Energiekosten im laufenden Betrieb ausgeglichen werden können. Bisherige Studien gingen davon aus, dass ein Kilometer Autobahn-Elektrifizierung bis zu 2,5 Millionen Euro koste, so Siemens.

Wie der „eHighway“ aussieht, zeigt Siemens in einem Video. Hier finden Sie die Details dieser Technologie.

Mit Material von dpa

10 Antworten zu “Lkw unter Strom: eHighway soll Realität werden

  1. Oberleitungen wie bei Strassenbahnen, gehts noch rückständiger??

  2. Was für Busse gut ist kann für LKW nicht schlecht sein.

  3. In zwei Jahren gibt es den Stromspeicher oder Akku für Pkw und Lkw zum halben Preis, wahrscheinlich auch bei halben Gewicht.
    Bei Tesla kosten zur Zeit 10 KW 3.100 €, wiegen etwa 100 kg, bei 130 x 86 x 18 Zentimeter.
    Mich erstaunt, dass Siemens auf so ein totgerittenes Pferd setzt, das hatte seine Daseinsberechtigung in Straßenbahnen und O-Bussen, vor 50 Jahren.
    Wenn auch nur auf kurzen Strecken per Oberleitung die Akkus aufgeladen werden sollen, so müssen doch die Stromabnehmer erst in die Lkw eingebaut werden. Wie sollen die mindestens 100 KW Stromstärke von der Oberleitung in die Akkus oder den Elektromotor kommen.
    Bei gefahrlosen 50 Volt Gleichspannung müssen es armdicke Kupfer-Kabel sein, bei 500 Volt wird es ernst und tödlich. Umbaukosten pro Lkw mindestens 5.000 €. Haben die von Siemens schon mit dem TÜV geredet.
    Wenn der Kaeser Jo von dem Unsinn erfährt, ist die Oberleitung auch bald unter und nicht mehr lange über der Erde.
    Siemens soll lieber den Siemens-Radnabenmotor bauen und zu bezahlbaren Preisen verkaufen, so dass auch der arme Garagenschrauber seinen Verbrennungsmotor ausbauen und verschrotten kann.
    Das wird ein Milliardengeschäft, bei 500 Milionen Ölverbrennern weltweit.

    Wenn es VW gelingt, den Lithium-Luft Akku in Massenproduktion herzustellen ist nicht nur VW alle Sorgen los.

    • Ein paar Fakten:
      Ein LKW fährt 600-800 (real bis1200km) am Tag. Dabei braucht er ca. 30-35 Liter Diesel/100km, fährt min. 4,5 Stunden am Stück, macht max. 45min Pause und dann geht es weiter. Das heißt, ein Akku-eLKW benötigt minimal einen 500kWh Akku der in 45min vollgeladen werden muß. D.h. die max. Ladeleistung liegt bei mindestens 1MW. Wie teuer ist so eine Ladestation? Ladekabel? Stecker? Davon benötigt ein Autohof 50-100 Stück pro LKW-Rastplatz – deutschlandweit 30.000-40.000 eLKW-Lade/Rastplätze. Mit einer Oberleitung benötigt man das alles nicht.
      Ein ICE saugt bei 300km/h 8000 kW aus der Oberleitung – da kommt man mit dem LKW auch zügig den Berg rauf😉
      Und natürlich ist das tödlich wenn man da hinlangt – aber warum sollte das einer machen? Macht doch beim Bahnnetz auch keiner.

      Mit den Tesla-Werten würde der Akku 155.000€ kosten und 5 Tonnen wiegen. Irgendwann dann die Hälfte, aber nicht in zwei Jahren.
      Und selbst dann ist das Konzept Akku gegenüber dem der Oberleitung unterlegen.

      Ich kann die ablehnende Haltung hier in den Kommentaren nicht nachvollziehen.

  4. Wieso nicht gleich noch eine Güter-Schienenstrecke neben jede Autobahn bauen?

  5. Besser ist, die Millionen für die Oberleitungen in die Entwicklung und Massenproduktion der Stromspeicher oder Akkus zu investieren.

  6. „Oberleitung“?
    Rechnet sich nicht!
    Bestenfalls für Kurzstrecken…

    Das ist nur wieder mal ein Beispiel dafür, wie man RICHTIGE eLKW´s (die übrigens sehr gut funktionieren!) uninteressant machen will…

    Und wer diesen Bericht als „gut“ bewertet der sollte in Zukunft tatsächlich unter einem elektrifizierten Spinnennetz spazieren fahren müssen…

    • Der ICE, die Straßenbahnen und Oberleitungsbusse funktionieren auch Bestens. Warum sollten im Schwerlastverkehr, bei dem ein unvergleichlich hoher Verbrauch gegenüber dem PKW zugrunde liegt und alle LKWs hintereinander herfahren, nicht eine Oberleitung genutzt werden?!
      Setzt man rein auf den Akku-eLKW rechnet sich erst recht nicht (Größe Akku, Reichweite, Ladeinfrastruktur, Anzahl LKW). An der Oberleitung kann während der Fahrt geladen werden, um die restlichen Kilometer elektrisch zum Zielort zu gelangen. Die Installationskosten der Oberleitung müssen natürlich noch fallen, aber das Prinzip kennen wir von Bahn und Nahverkehr und das finde ich gut und macht Sinn – mehr Sinn als alle LKWs mit Akkus betreiben zu wollen.

  7. IchmagStromerundfragjanur

    Der Truck wird wohl weiterhin auf Gummireifen fahren. Ohne überwachte Erdung wird das ein spannendes Thema zur Frage Hochvoltsicherheit. Mich wundert, dass dazu keine Aussagen zu finden sind.

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