Brennstoffzelle: Forschen ja, verkaufen nein


Seit Jahrzehnten experimentiert die Industrie schon mit Brennstoffzellenfahrzeugen. Durchgesetzt hat sich die Technologie noch nicht. Doch vor allem asiatische Autobauer widmen sich dem Wasserstoffantrieb mit Euphorie. Die deutschen Hersteller hingegen halten sich zurück. Ein Überblick.

Zum Themendienst-Bericht von Thomas Geiger vom 22. Januar 2016: Wenn der Honda Clarity mit Brennstoffzelle im Frühjahr in den Handel kommt, stößt er nur Wasserdampf aus. (ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung der Quelle. Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) Foto: Honda

Wenn der Honda Clarity mit Brennstoffzelle im Frühjahr in den Handel kommt, stößt er nur Wasserdampf aus. Foto: Honda.

Der neue Honda Clarity hüllt sich bei der ersten Testfahrt in eine dicke weiße Wolke. Doch aus dem Heck kommt Wasserdampf. Denn die futuristisch gezeichnete Limousine, die im Frühjahr in den Handel kommt, fährt mit einer Brennstoffzelle. Aus dem in Karbon-Drucktanks vor dem Kofferraum gespeicherten Wasserstoff erzeugt sie Strom für einen Elektromotor. Als einziges Abfallprodukt produziert sie chemisch reines Wasser, das als Dampf aus dem Heck säuselt.

Damit ist Honda nicht alleine: Seit etwa einem Jahr verkauft auch Toyota ein entsprechendes Auto. Der Mirai ist eine 4,90 Meter lange Limousine und sieht wie ein Raumschiff auf Rädern aus. Seine Optik ist exotsich – und die Technologie auch. Fahrzeuge mit Brennstoffzelle sind Randerscheinungen und werden es wohl noch eine Zeit lang bleiben, wie wir an dieser Stelle bereits im Frühjahr 2014 geschrieben haben. Unser Autor Wolfgang Rudschies erklärt hier, warum die Technologie noch weit vom Durchbruch entfernt ist.

Zum Themendienst-Bericht von Thomas Geiger vom 22. Januar 2016: Neue Energie: Aus Wasserstoff erzeugt die Brennstoffzelle im Honda Clarity den Strom für einen Elektromotor. (ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung der Quelle. Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) Foto: Honda

Neue Energie: Aus Wasserstoff erzeugt die Brennstoffzelle im Honda Clarity den Strom für einen Elektromotor. Foto: Honda.

Nur wenige Modelle sind überhaupt auf dem Markt und verkaufen sich in verschwindend geringer Stückzahl. Die meisten deutschen Hersteller haben sich bisher meist mit Forschungsprojekten und Entwicklungsfahrzeugen begnügt, die nie in Serie gingen.

Federführend bei der Entwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen sind Autobauer aus Asien. Neben den eingangs erwähnten japanischen Firmen ist Hyundai ein Aktivposten hinsichtlich der Brennstoffzellen-Technologie. Die Koreaner haben ihr Modell ix35FC seit 2013 mehrere hundertmal verkauft. Allerdings verbaut Hyundai die Technik in einem umgerüsteten Serienwagen, während Honda und Toyota dafür eigene Autos entwickelt und so zum Beispiel beim Platzangebot Fortschritte gemacht haben.

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Fahrverhalten wie ein Elektroauto: Hyundai iX35FC. Einfach Gas geben, und der Wagen setzt sich geräuscharm und ruckfrei in Bewegung. Foto: Hyundai.

Zu den Vorteilen der Brennstoffzelle sagt Toyota-Manager Tanaka: „Anders als Mineralöl ist das Edelgas theoretisch unbegrenzt verfügbar. Und es lässt sich – ebenfalls in der Theorie – komplett CO2-neutral produzieren und verbrennen.“ Emissionsfreie Mobilität könne zwar auch mit Strom funktionieren, so der Projektleiter. Doch erstens lasse sich Wasserstoff besser speichern und zweitens punkte die Brennstoffzelle gegenüber dem Elektroauto mit den kürzeren Ladezeiten von etwa drei Minuten.

Zum Themendienst-Bericht von Thomas Geiger vom 22. Januar 2016: Raumschiff auf Rädern: Toyota taufte sein Auto auf den Namen Mirai, was auf japanisch Zukunft heißen soll. (ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung der Quelle. Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) Foto: Toyota

Toyota taufte sein Auto auf den Namen Mirai, was auf Japanisch Zukunft heißt. Foto: Toyota.

Allerdings gebe es auch viele Gründe, die gegen die Brennstoffzelle sprechen: „Wasserstoff ist nur dann ein sauberer Treibstoff, wenn er aus regenerativen Energien hergestellt wird. Und davon sind wir noch weit entfernt“, sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Außerdem mangele es an Transportkapazitäten, von einer flächendeckenden Versorgung mit Tankstellen ganz zu schweigen. Aktuell existieren in Deutschland nicht einmal 50 Zapfstationen für Wasserstoff.

Deutsche Autobauer zögern

Im Vergleich zu den asiatischen Autobauern sind die Maßnahmen der deutschen Hersteller überschaubar, ihr Agieren ist zögerlich. Daimler forscht mittlerweile in einer Allianz mit Ford und Renault-Nissan und will 2017 ein marktfähiges Auto vorstellen. BMW nutzt die Kooperation mit Toyota für die Entwicklung eines eigenen Brennstoffzellen-Fahrzeugs und hat acht alltagstaugliche Prototypen auf Basis des 5er GT aufgebaut. Auch der VW-Konzern hat die Forschung wieder aufgenommen. „Jahrelang haben wir nur zugeschaut und gerade so viel gemacht, dass wir den Anschluss nicht verlieren“, sagt ein Ingenieur aus Wolfsburg.

Zum Themendienst-Bericht von Thomas Geiger vom 22. Januar 2016: Kraftstoff Wasserstoff: Auf der Motorshow in Detroit zeigte Audi Anfang Januar die Studie H-Tron Quattro Concept. (ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung der Quelle. Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) Foto: Audi

Auf der Motorshow in Detroit zeigte Audi Anfang Januar die Studie H-Tron Quattro Concept. Foto: Audi.

Audi wird noch lange brauchen, ehe alltagstaugliche Fahrzeuge im Verkauf sein werden. Während Honda 200 Clarity in diesem Jahr bauen und Toyota bis 2020 den Mirai 30.000 Mal bauen will, erwägt Audi höchstens eine Forschungsflotte für die interne Verwendung. Ein Audi-Ingenieur zum Zeitplan der Ingolstädter: „In diesem Jahrzehnt wird das mit dem Verkauf nichts mehr.“

Mit Material von dpa

5 Antworten zu “Brennstoffzelle: Forschen ja, verkaufen nein

  1. Was soll man über die wissenschaftliche Kompetenz der Brennstoffzellen-Forscher denken, wenn sie Wasserstoff für ein Edelgas halten? Das ist ganz gewiss nicht.

  2. Bereits im Jahr 2011 hat Suzuki eine EU-Typzulassung für ein Brennstoffzellenfahrzeug bekommen – die erste Zulassung dieser Art weltweit. Leider fehlt der Suzuki Burgman Fuel Cell in Ihrer Aufstellung. Wurde das Fahrzeug ignoriert, weil es kein Auto, sondern ein Motorroller ist?
    http://www.bikeundbusiness.de/emobilitaet/articles/309664/

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