Elektromobilität in Bayern: Die Bilanz, die Probleme


Kann Bayern Elektromobilität? Umfassende Praxisversuche in drei Modellregionen sollten diese Frage beantworten. Nun hat der Freistaat eine erste Bilanz zu den Erkenntnissen aus den Tests präsentiert. Doch der Testalltag steht in teils krassem Gegensatz zu den blumigen Worten der Initiatoren.

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Malerische Kulisse, durchwachsene Ergebnisse: In Garmisch-Partenkirchen wurden die Forschungsergebnisse aus den bayerischen Modellregionen vorgestellt.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) wertet die weiß-blaue Praxis als vollen Erfolg. „Die Grundlagen für Elektromobilität im Freistaat sind gelegt. Nun geht es darum, die notwendigen Infrastrukturen auszubauen und die richtigen Anreize für die Elektromobilität im Alltag zu setzen“, sagte sie in Garmisch-Partenkirchen, wo vergangenen Freitag die Forschungsergebnisse aus den Modellregionen vorgestellt wurden.

Die drei Modellregionen sind Garmisch-Partenkirchen in Oberbayern, das unterfränkische Bad Neustadt an der Saale und Deggendorf am Rande des Bayerischen Waldes. Vertreter aus Wissenschaft und Forschung hätten gemeinsam praktikable Lösungen gefunden, die bayern- und deutschlandweit anwendbar seien, so Aigner.

Elektromobilität

Früher schnell auf Skiern, heute Botschafterin für Elektromobilität: Rosi Mittermaier. In Garmisch-Partenkirchen freute sie sich darüber, wie leise ein E-Auto sei.

Jede der drei Modellregionen hatte sich für das Forschungsprojekt auf einen Anwendungsbereich spezialisiert. So können an Schnellladesäulen der Technischen Hochschule in Deggendorf beispielsweise mehrere Elektrofahrzeuge mit unterschiedlichen Spannungen und Akkutypen gleichzeitig geladen werden. Dies sei bisher nicht möglich gewesen, hieß es bei der Präsentation. Bad Neustadt testete, wie sich eine Region eine Vorreiterrolle in der Elektromobilität sichern und damit Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen kann. Garmisch-Partenkirchen fokussierte sich darauf, wie Tourismus und E-Mobilität unter einen Hut zu bringen sind.

Bayern ließ sich das 2011 begonnene Projekt 37,5 Millionen Euro kosten, teilweise soll es verlängert werden. Doch das ist nicht nur angesichts der eher durchwachsenen Gesamtbilanz fraglich. Besonders ernüchternd soll der Test vor allem im Bayerischen Wald verlaufen sein. In das sogenannte Projekt E-Wald flossen mehr als 20 Millionen Euro.

Bayerischer Wald: Probleme mit Elektromobilität

Nach Angaben von Einheimischen wird das kostspielige Projekt in der Region kaum angenommen. Die Nachfrage von Touristen, vor allem während des Winters, liege bei null, sagte Karin Wurm, Leiterin der Tourismus-Information in Sankt Englmar (Landkreis Straubing-Bogen), dem Bayerischen Rundfunk.

Positiv: Nach fünf Jahren verfügt Ostbayern nun über ein Netz von mehr als 130 öffentlich zugänglichen Stromtankstellen. Die Firma E-Wald wurde im Rahmen des Projekts gegründet und stellt der Region dauerhaft mehr als 200 E-Autos zum Mieten zur Verfügung. Dennoch nehmen Touristen das Angebot kaum wahr, und auch die Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald erachtet die E-Autos inzwischen als ungeeignet: Sie seien zu teuer und böten keinen notwendigen Allradantrieb, so Hubert Wachter, Abteilungsleiter Nationalpark Bayerischer Wald, gegenüber dem BR.

3 Antworten zu “Elektromobilität in Bayern: Die Bilanz, die Probleme

  1. Wenn die Touristen vorwiegend mit dem eigenen Wagen anreisen ist es nicht verwunderlich, dass die Mietautos wenig genutzt werden. Das hat nichts mit dem Elektroantrieb zu tun.
    Wie so oft wurde das Geld nicht zielführend investiert. Man hätte mehr an die Touristen denken sollen, die mit dem eigenen Elektroauto anreisen. Das hätte langfristig den höheren Effekt gehabt.

  2. Schade um das verschwendete Geld.
    Für 37.500.000 € hätte man 750 Ladestationen zu 50.000 € bauen können. Damit hätte man die Elektromobilität sinnvoll gefördert und der Verbraucher den Nutzen.

  3. Besonders ernüchternd sei der Test im Bayerischen Wald verlaufen…
    Und natürlich wird dann nur noch darüber berichtet! Wie das Ergebnis in Neustadt a.d.Saale (Thema Pendler) ausgefallen ist, würde mich wewsentlich mehr interessieren als die Einstellung der Bayerischen-Wald-Verwaltung: wenn man der ein E-Auto mit 4-Rad-Antrieb hinstellen würde (=Tesla), würden sie sich wahrscheinlich über die fehlende Anhängerkupplung beschweren …
    …dies sagt ein Privatmann, der schon 2 Elektroautos hat und begeistert ist…

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