Letzte Lösung Herstellerquote?


Die Zielvorgabe der Bundeskanzlerin Angela Merkel gerät immer mehr in Gefahr. Eine Million Elektrofahrzeuge sollten bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen fahren. Davon ist man derzeit sehr weit entfernt. Regelmäßig fällt das Wort „Kaufprämie“. Doch wäre sie das richtige Instrument? Das Umweltministerium schlägt nun eine Zwangsmaßnahme vor: die Herstellerquote. 

E-Fahrzeug an der Ladestation: Wird das weiterhin ein eher seltenes Bild bleiben oder boomt demnächst die E-Mobilität?

E-Fahrzeug an der Ladestation: Wird das weiterhin ein eher seltenes Bild bleiben oder boomt demnächst die E-Mobilität?

„Die Geister, die ich rief“, könnte sich die Bundeskanzlerin derzeit denken, wenn sie an ihre Vorgabe vor einigen Jahren denkt und einen Blick auf die aktuellen Zulassungszahlen wirft. Vor etwa einem Jahr waren in Deutschland weniger als 20.000 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge angemeldet. Die Bundesregierung, das Umweltministerium und die Autoindustrie beratschlagen zwar regelmäßig, wie sie die E-Mobilität fördern können. Doch die verschiedenen Parteien können sich nicht auf die richtigen Mittel einigen, so wie am 2. Februar, als sich Angela Merkel im Bundeskanzleramt mit den Spitzen von BMW, Mercedes und VW traf. 

Mit am Tisch saßen auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Finanzminister Wolfgang Schäuble. Drei Stunden dauerten die Verhandlungen. Konkrete Ergebnisse: null. Das Umweltministerium war nicht dabei. Dessen Vertreter sind mittlerweile frustriert, weil solche Verhandlungen selten sinnvolle Beschlüsse mit sich bringen.

Prämie, Quote oder beides?

Umweltministerin Barbara Hendricks würde mittlerweile am liebsten Autohersteller zu einer E-Quote zwingen, um endlich die CO2-Belastung zu senken. Ihre Hoffnung: Wenn die Hersteller mehr E-Autos oder Hybrid-Fahrzeuge bauen müssen, werden auch mehr gekauft. Die Quote würde die Umweltbehörde gerne mit noch strengeren CO2-Vorgaben für die Autoindustrie kombinieren – und zwar europaweit.

Die Kaufprämie für E-Autos, ähnlich der Abwrackprämie vor einigen Jahren, wäre der Autoindustrie am liebsten. Doch Finanzminister Wolfgang Schäuble wehrt sich gegen die Idee. Nichts und niemand scheint ihn davon überzeugen zu können, dass die Prämie ein sinnvolles Instrument sein könnte. Doch sie scheint nicht endgültig gescheitert zu sein. Noch im Februar ist wohl ein Vier-Augen-Gespräch mit BMW-Chef Harald Krüger und Wolfgang Schäuble geplant.

Finanzierung der Kaufprämie

Mehrere Fragen müssten bei der Kaufprämie geklärt werden. Eine entscheidende: Woher stammt das Geld? Ausschließlich aus Steuertöpfen? Ginge es nach Henning Kagermann, Leiter der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), sollen sie die Fahrer von Diesel- und Benzinautos finanzieren. Seine Idee: Pro Liter Diesel werden etwa ein bis anderthalb Cent mehr bezahlt. Dieses Geld fließt direkt in die Kaufprämie und finanziert sie nach Kagermanns Rechnung lückenlos: „Das wären rund zwölf Euro Mehrbelastung pro Autofahrer jährlich.“

Was halten Sie von der Kaufprämie oder der Herstellerquote als Instrument, die Elektromobilität in Deutschland zu fördern? Diskutieren Sie mit, schreiben Sie einen Kommentar!

Mit Informationen von dpa

16 Antworten zu “Letzte Lösung Herstellerquote?

  1. Pingback: Politischer Fortschritt für Kaufprämie | Das elektrische Fahrtenbuch

  2. Es braucht eine Regelung wie in Gasthäusern, wo ein nichtalkoholisches Getränk gleich teuer sein muss, wie das billigste alkoholische. Also müssten die OEMs mindestens ein Elektroauto mit einer Reichweite von 200 km zum Preis eines gleichwertigen Verbrenners anbieten.

    • Interessante Idee! Aber genau wie ich im Gasthaus trotz des ggf. höheren Preises das Bier dem Wasser vorziehe, gibt es viele Leute, die trotz eines vergleichbaren Preises auf Verbrenner stehen und die eAlternative NICHT kaufen würden.
      Um beim (zugegeben schiefen) Bild zu bleiben: das eMobil muss das „alkoholische“ werden, und der Verbrenner das „Gracherl“.

  3. Eher Herstellerquote. Dann können die Autobauer nicht weiterhin so passiv bleiben.
    Tipp: Setzen Sie doch das integrierte Umfragetool ein!

  4. Herstellerquote bringt Kunden nicht zum Kauf. Dafür gibt es zu viele herkömmliche Angebote, die hier in D am Start sind. Die Preiserhöhungen bei Sprit würden den Otto-Normalverbraucher treffen, der ohnehin schon in ein sehr schmales Portemonaie schaut. Was ich mich allerdings frage: „Warum werden PKW Leihsysteme zugelassen, die nicht ausschließlich E- Fahrzeuge haben?“ Ich rede hier nicht von Autovermietungen, sondern den städtischen Carsharingsystemen, als Ergänzung des ÖPNV. Hier gäbe es ohne weitere Finanzierungen die Möglichkeit den Anteil der E- Fahrzeuge zu erhöhen.
    Ohnehin subventionierter ÖPNV kann ebenso finanziell unterstützt werden um die Elektromobilität vroan zu bringen. Das war gerade vor kurzem angesprochen worden. Hier liegt ein enormes Potential.

    Und jetzt eines meiner Lieblingsbeispiele:
    Der Bund besitzt totes Kapital in Form von Standstreifen auf der Autobahn. Für bestimmte Zeiten werden ganze Streckenabschnitte für den Individualverkehr auf den Standstreifen freigegeben. Das ganze im Grundsatz überall und dazu noch Oberleitungen für den Busreiseverkehr, dann würde auch eine Maut für Busse (Zweckgebunden für den Ausbau) besser ankommen. Ja, man muss schon geld auftreiben und Anreize schaffen, aber Quoten oder Preiserhöhungen für die Einen und Subventionen für die Anderen, sind nicht sher optimal.

  5. Wenn Elektroautos endlich zu den REALEN Preisen verkauft werden würden, bräuchte man den Schmarrn nicht.
    Ein Elektroauto zu bauen ist weit kostengünstiger als einen Verbrenner. Getriebe und Motoren sind hochkomplexe, komplizierte und aufwändig herzustellende Teile, ein Elektromotor ist weitaus simpler.
    Das Problem ist nur, dass bei geringen Stückzahlen und künstlich verteuerten „Entwicklungskosten“ (zu denen auch die sogenannten „Studien“ gehören) die Preise auf einem vollkommen überzogenem Niveau gehalten werden.
    Naja, irgendwie müssen ja wohl die Einbussen an den Folgekosten kompensiert werden, da an Elektroautos ja kaum ´was kaputt geht…

    • Die Batteriekosten machen derzeit leider immer noch den Löwenanteil aus. Bei meinem C-Zero waren es vor 4 Jahren ca. 50%. Dennoch halte ich das Preis-Argument für nicht ausschlaggebend: Es wird gigantisch viel Geld für Autos ausgegeben. Für Premium-Limousinen, für Edel-SUVs, für was weiß ich nicht was. Wenn es gelänge, Elektroautos „sexy“ zu machen, so dass diejenigen, die das Geld haben, sie kaufen, weil es „schick“ ist, dann wären wir einen gewaltigen Schritt weiter.

      • „Premium“-eAutos gibt´s doch schon, der Tesla ist doch Top (für Leute, die´s sich leisten können).
        Was fehlt sind die als Zweitwagen tauglichen!
        Komplette Verbrenner gibt´s zwischen 10 und 20-tausend zur Genüge.
        Ein eAuto kann man für unter 10 000 bauen (den C-Zero z.B. für unter 15 000 wäre real), den Akku für die Hälfte.
        Und wenn der dann nicht wieder auf besseren Fahrradreifen daherkommt (auch wenn´s ein paar Kilometer Reichweite kostet, aber dafür dann optisch ein Leckerli wird), dann hätten wir schon mal ein Drittel weniger Verbrenner in den Städten…

      • wenn das gelänge, hätten wir sexy viel Elektroschrott. Die Anreize sollten dazu führen, möglichst wenig kWh verbauen zu müssen. Also gezielt technologische Förderungen für sparsame Fahrzeuge à la Audi A2, flexible Akkugrößen und Schnellladen. Für private macht Elektromobilität derzeit keinen Sinn, PHEVs sollten daher ebenso- aber nur bis zur unteren Mittelklasse – gefördert werden, aber am besten durch Vorschriften.

  6. Eine „Herstellerquote“ ist doch überhaupt nicht durchsetzbar. Auch Frau Hendricks kann keinem (Auto-)Hersteller vorschreiben, wie er seine Produkte gestaltet. Wenn es ein Autohersteller (der sich z.B. auf sparsame Stadtautos spezialisiert) schafft, die CO-Vorgaben seiner „Flotte“ auch ohne eAutos zu erfüllen, dann ist da gar nichts zu machen. Dass die sogenannten „Premium“-Hersteller, die zum großen Teil sprit-fressende SUVs und große Limousinen verkaufen, selbst eine gewisse Quote an eFahrzeugen auf den Markt bringen (MÜSSEN), um ihren CO-Flotten-Ausstoß einzupegeln, steht auf einem anderen Blatt – einem Feigenblatt!

    Zur Kaufprämie: Ich bin kein Freund von Subventionen, aber in diesem Fall wäre es ein Leichtes, reine eFahrzeuge (evtl. befristet) von der Mehrwertsteuer zu befreien. Das wäre ein deutlicher Kaufanreiz, und niemand müsste sich fragen, aus welchem Topf es bezahlt wird: Es würde einfach ein gewisses Minus an Steuereinnahmen entstehen.

    Unabhängig davon sehe ich es als das größte Problem für die Entwicklung der eMobilität in D an, dass trotz millionenschwerer Schaufenster-Projekte der Aufbau einer diskriminierungsfreien Schelllade-Infrastruktur nicht nur nicht voran kommt, sondern sogar (unter Einsatz von Steuergeldern!) zugunsten der deutschen Autolobby aktiv boykottiert wird (Stichwort: CCS vs. CHAdeMO).

    Mit Protektionismus fördert man keine Technologie!

  7. Das Problem ist das für den Durchschnittsnutzer untaugliche Preis/Leistungsverhältnis, das nur mit besserer Technik und fallenden Preisen zu lösen ist. Eine Kaufprämie wird Mitnahmeeffekte und ein Strohfeuer auslösen; nach Ende der Prämie fällt das wieder komplett zusammen. Die Norweger erleben es ja gerade, nachdem das Förderprogramm wegen vorzeitiger Erschöpfung zu Ende ist. Mal abgesehen davon, dass auch eine Kaufprämie nur die belohnt, die genug Kohle hätten, sich eh ein E-Auto zu leisten; der kleine Arbeiter oder Angestellte kann das auch mit einer Kaufprämie nicht. Das als Lösung – wie fast immer – die Idee aufkommt, die Konkurrenz zum gewünschten durch künstliche Verteuerung zu reduzieren, war ja klar…

  8. Warum diskutiert eigentlich keiner mal über eine Steuerermäßigung für Dienstwagen?
    Man könnte doch die 1%-Regelung auf 0,3 für reine EAutos und 0,5% für PlugIn-Hybride anpassen und Entfernungskilometer der einfachen Strecke 0,01 Prozent des Listenpreises senken und schwups – für einen Großteil der Dienstwagenberechtigten wäre das EAuto auf einmal supergünstig und in 1 bis 3 Jahren kämen jede Menge bezahlbare Gebrauchte auf den Markt!

  9. Eine Herstellerquote haben wir doch schon jetzt. Man sieht das ganz extrem bei KIA. Der Soul EV hat die elektrischen Neuzulassungen in Deutschland 2015 dominiert. Von diesen Neuzulassungen sind aber nur sehr wenige (keine??) hiergeblieben. Das waren rein taktische Zulassungen um die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen. Das KBA findet daran nichts Verwerfliches. Dieses Instrument ist ein zahnloser Tiger.

    Dagegen wären die Kaufprämien durchaus hilfreich um die Fahrzeuge an Privatpersonen zu bringen. Daran scheitert es doch derzeit. Den hohen Aufpreis ist kaum einer bereit zu zahlen und natürlich gibts noch die „German Angst“ vor der Veränderung. Ein E-Auto ist eine Umgewöhnung. Eigentlich zum Besseren, wie jeder Elektro-Fahrer bestätigen kann. Nur glauben das die Benzinköpfe nicht.

    Ich persönlich bin für die Kaufprämie. Zeitlich begrenzt auf 2 Jahre, finanziert durch die Anhebung der Diesel-Mineralölsteuer. Denn der Diesel ist die dreckigste Art sich fortzubewegen und wird durch den niedrigen Steuersatz begünstigt obwohl er mehr Probleme schafft als löst. Derzeit liegt der Steuersatz bei 47ct. Wenn man das auf 55ct dieses Jahr und nochmal auf 60ct nächstes Jahr erhöht, könnte man locker 10.000€ pro Fahzeug zuschießen und noch zusätzlich eine flächendeckende Infrastruktur damit aufbauen. Wohlgemerkt liegt der Diesel damit immer noch unter den 65,4ct beim Benzin.

    Eine Anmerkung zur Kaufprämie habe ich aber noch. Der Autor dieses Zitates mag mir verzeien wenn ich die Quelle nicht angebe, aber ich finde den Beitrag auf die Schnelle nicht mehr. Damit ist das Zitat wohl auch nicht originalgetreu…

    „Man belohnt die Leute, die die Ursache des Problems sind und bestraft diejenigen, die Teil der Lösung sind“

    Sprich: Diejenigen, die jetzt schon auf den eigenen PKW verzichten gehen leer aus.

  10. Wenn überhaupt Prämie, nur für REINE E-Autos, nicht für Hybride.

    Prämie muss für Ersatz eines Verbrenners sein, der verschrottet wird.

    Tendenziell eher Anreize durch sukzessive, geplante, progressive Spritpreiserhöhung, zb. 2016 +15c, 2017 +25c, 2018 +40c, 2019 +60c, ….

    • Allerdings würden Plug-ins mit vernünftiger rein elektrischer Reichweite zumindest die Städte entlasten…

      • Das wissen Sie aber nie, wenn das Auto steht und kurz die Klimaanlage läuft, springt der Motor an.

        Und wenn ich nie lade, läuft ständig der Motor und die Batterie ist leer. Nein, ich glaub das ist nicht gut – keine Hybride.

        Nein, nur Range Extender ließe ich gelten.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s