Le Mans 2016: die Renner von Audi und Porsche


Audi dominierte die 24 Stunden von Le Mans jahrelang. Doch nur ein Jahr nach dem Porsche-Comeback bei dem legendären Rennen entschieden die Zuffenhausener 2015 das prestigeträchtige Duell mit Audi für sich. Nun haben die Ingolstädter ihren Hybrid-Rennwagen kräftig überarbeitet. Reicht das 2016 für den Sieg?

Komplett überarbeitet: Der Audi R18 für die 24 Stunden von Le Mans im Jahr 2016.

 

 

 

 

 

 

 

 

Früher hell, jetzt dunkel: Schon von außen macht der R18 klar, dass er mit seinem Vorgänger wenig gemeinsam hat. Der Hybrid-Rennwagen soll Audi helfen, an die Siege vergangener Jahre bei den 24 Stunden von Le Mans und der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC anzuknüpfen. 2015 konnte Porsche beide Titel holen.

Das neue Aerodynamik-Konzept lässt den Wagen deutlich aggressiver erscheinen. Die Nase in der Front wirkt regelrecht hochgezogen. Der gesamte Vorderwagen wirkt gedrungener und schärfer. Ziel der Maßnahmen sei eine Verbesserung des Luftflusses gewesen, so ein Audi-Sprecher bei der Vorstellung des Wagens. So erhöht sich der Anpressdruck des Renners, wodurch sich seine Performance bei Kurvenfahrten verbessert. Die Sicherheitszelle, das Monocoque, wurde den Umbauten angepasst und entsprechend verändert. Auch das Fahrwerk wurde stark überarbeitet.

Vogelperspektive: Unter der veränderten Außenhaut arbeitet ein Motor, der schon 2011 Verwendung in LE Mans fand.

Vogelperspektive: Unter der veränderten Außenhaut arbeitet ein Motor, der schon 2011 Verwendung in Le Mans fand.

 

Audi R18: erstmals mit Lithium-Ionen-Batterieantrieb

Der Hybrid-Antrieb ist komplett neu – und erstmals batteriebetrieben. Lithium-Ionen-Batterien speichern fortan die Hybrid-Energie, die weiterhin an der Vorderachse generiert wird. Die Bewegung der Räder beim Bremsen wird dort in elektrische Energie umgewandelt und dann in den Batterien gespeichert. Dieses Prinzip ist auch aus der Formel 1 bekannt und firmiert dort unter dem Namen KERS.

Höchste Erfordernisse an Leichtbau bei gleichzeitig hoher Torsionssteifigkeit: eine ständig neue, große Herausforderung für die Konstrukteure.

Höchste Erfordernisse an Leichtbau bei gleichzeitig wachsender Torsionssteifigkeit: eine ständig neue Herausforderung für die Konstrukteure.

Mit der Änderung reagiert Audi auch auf eine Änderung im Reglement: Von der Saison 2016 greift eine streckenspezifische Leistungsbegrenzung, in Le Mans dürfen die Rennwagen nur noch 300 kW (408 PS) Leistung beim Beschleunigen abgeben. Bei den restlichen WEC-Läufen gilt dieses Limit nicht.

Aerodynamik: Der Fahrtwind soll zwischen die Radhäuser geleitet werden und weiter in die Kühlkanäle fließen – möglichst ohne die Bildung von Luftwirbeln, die Energie kosten.

Der Fahrtwind soll zwischen die Radhäuser geleitet werden und weiter in die Kühlkanäle fließen – möglichst ohne die Bildung von Luftwirbeln, die Energie kosten.

Der Motor ist ein alter Bekannter und stammt in seiner Grundform aus dem Jahr 2011. Das Aggregat ist nach wie vor ein V6-TDI. Der 2016er-Motor verfügt seit 2014 über einen Hubraum von vier Litern. Die Systemleistung beträgt so insgesamt etwa 1000 PS, das Drehmoment liegt bei ungefähr 850 Nm. Audi verspricht einen weit effizienteren Umgang mit Kraftstoff gegenüber dem Vorgänger und reduzierte so das Tankvolumen um acht Prozent auf knapp weniger als 50 Liter.

Eine weitere Konstante bei Audi sind die Piloten: Wie im Vorjahr sitzen Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer sowie Lucas di Grassi, Loïc Duval und Oliver Jarvis im Cockpit. Sie messen sich noch in dieser Woche am 25. und 26. März beim ersten offiziellen WEC-Test auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet /Frankreich) mit der direkten Konkurrenz in der Königsklasse der Rennserie, LeMans-Prototyp1, kurz LMP1: Porsche und Toyota.

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Neuen Scheinwerfer beim Porsche 919: Die Lampen sind jetzt mit deutlich mehr LEDs bestückt und soll Nachtfahrten erleichtern.

Für das Porsche-Team war 2015 ein Riesenerfolg: Die Zuffenhausener errangen den Gesamtsieg in Le Mans, gewannen zudem die Hersteller- und Fahrerweltmeisterschaft. Porsche wird 2016 als Titelverteidiger in der WEC gejagt werden. Für die dritte Saison seit Porsches Rückkehr in die Topkategorie der Le-Mans-Prototypen wurde der zukunftsweisende Porsche 919 Hybrid stark weiterentwickelt. Die Basis der Chassis-Struktur und des Antriebskonzepts bleiben erhalten.

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An der Vorderachse wird während des Bremsvorganges kinetische Energie in elektrische umgewandelt.

Anders als Audi setzt Porsche auf einen Vierzylinder-Benzinmotor mit Turboaufladung. Dazu speichert eine Lithium-Ionen-Batterie die elektrische Energie aus zwei unterschiedlichen Rekuperationssystemen, der Bremsenergie von der Vorderachse und Abgasenergie. Unterm Strich erzielt Porsche so eine Systemleistung von etwa 900 PS.

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Porsche nutzt drei verschiedene Aerodynamikpakete, die auf die Anforderungen der jeweiligen Rennstrecke zugeschnitten sind.

Damit will Porsche in seiner dritten Saison in der Langstrecken-Weltmeisterschaft wieder siegreich sein – in Kombination mit dem bewährtem Chassis. Aufgrund einer Änderung im Reglement muss auch Porsche allerdings Sprit sparen. Hintergrund: Die Konstrukteure der Le-Mans-Prototypen sollen gezwungen werden, immer effizientere Aggregate zu konstruieren und die Autos zunehmend zu elektrifizieren.

Insgesamt hat Porsche den 919 Hybrid eher perfektioniert statt renoviert und vertraut im Wesentlichen dem Siegerfahrzeug des vergangenen Jahres. Eine der wenigen echten Neuerungen ist die Vorderachse, die das Auto gutmütiger und leichter beherrschbar machen soll.

 

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