Ein Motorrad wie gedruckt


Die Airbus-Tochter APWorks modelliert ein Elektromotorrad am Drucker. Und will mit der gleichen Technik bald Flugzeuge leichter machen. Wir haben uns den Light Rider bei seiner Präsentation in Ottobrunn bei München genauer angesehen.

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So sieht das weltweit erste 3-D-gedruckte Elektromotorrad aus.

Trockennebel wabert aus dem schwarzen Zelt, in dem Airbus-Chef Tom Enders gerade verschwunden ist. Normalerweise präsentiert der Mann riesige Flugzeuge. Heute macht er es ein paar Nummern kleiner. Als sich die Vorhänge öffnen, fährt er auf einem silbrigen Elektromotorrad. Dessen auffallendste Eigenschaften: Im Gegensatz zu einem Airbus A380 bewegt es sich fast lautlos. Und sein Rahmen kommt aus dem Drucker.

Nach einer Runde um die Werkshalle auf dem Airbus-Gelände in Ottobrunn bei München gibt sich Enders begeistert. Sehr stabil habe er auf dem Motorrad – es hört auf den Namen Light Rider – gesessen, die Beschleunigung sei eine Wucht. Und es ist leicht, gerade mal 35 Kilo bringt es auf die Waage. Binnen drei Sekunden beschleunigt es von 0 auf 45 km/h. Auch das Drehmoment ist nicht von schlechten Eltern. Es beträgt 130 Nm. Aber aller Schwärmerei zum Trotz: Eigentlich geht es hier nicht um ein neues Motorrad. Sondern um eine zukunftsweisende Produktionstechnik: den 3-D-Druck.

Natur als Vorbild: 3-D-Druck befreit Designer von allen Zwängen

In der Halle, die Enders gerade umfahren hat, steht die MetalFAB1. Dieses Wunderding ist nach Meinung mancher Zukunftsforscher Vorbote einer neuen industriellen Revolution. Hergestellt wird es von der niederländischen Firma Additive Industries. Durch ein Glasfenster kann man der Maschine bei der Arbeit zusehen. Aluminiumpulver wird auf eine Platte gestreut. Dann huschen zwei Laser über das Material und lassen es schmelzen. Wieder eine Lage Pulver, wieder die Laser, die neue Schicht verbindet sich mit der bestehenden. Dieser Prozess wiederholt sich bis zu 60.000 Mal. Schließlich ist das gewünschte Bauteil fertig. Fräsen, Metallpressen, menschliche Handarbeit: nicht mehr nötig. Die neue Technik befreit die Entwickler von allen Zwängen, die ihnen der Maschinenpark oder die Gesetze traditioneller Fertigungstechnik auferlegen. Am Computer entworfene Formen können genau so hergestellt werden, wie vom Designer erdacht.

Die vielen Löcher im Rahmen des Motorrads sind deshalb auch kein optischer Schnickschnack. Sondern bionisches Design, das sich die Natur zum Vorbild nimmt. Die erhöht die Festigkeit von Knochen oder Baumstämmen nämlich nur dort, wo es unbedingt nötig ist. Und spart sich Mühe und Material an allen anderen Stellen. Genau so ist es beim 3-D-Druck: Für Stabilität und Kraftübertragung notwendige Teile werden produziert, alles andere weggelassen. Das Gewicht sinkt und macht die Technik interessant für den Flugzeugbau, wo jedes Gramm weniger Kerosin und damit viel Geld spart. Airbus-Chef Enders, große Zahlen gewohnt, spricht von 20 Milliarden Dollar Einsparpotenzial in den nächsten 20 Jahren. Er träumt sogar schon von 3-D-Druckern, die an Flughäfen in aller Welt bereitstehen und Ersatzteile produzieren. Auf Knopfdruck, nur, indem ein kleines Designprogramm von Airbus an die Maschine geschickt wurde.

Für die Massenfertigung sind die Teile aus dem Drucker zu teuer

Außerdem entsteht beim 3-D-Druck kaum Abfall. Nur das Material, das wirklich nötig ist, wird geschmolzen. Das restliche Pulver saugt die Maschine nach der Fertigstellung ab, es kann anschließend wiederverwendet werden. Bis ganze Autokarosserien oder Flugzeugkabinen den 3-D-Drucker verlassen, wird es allerdings noch dauern: Die Druckkammer in Ottobrunn hat eine Fläche von gerade mal 42 Quadratzentimetern und ist nur 40 Zentimeter hoch. Das Elektromotorrad musste deshalb aus mehreren gedruckten Einzelteilen zusammengeschweißt werden.

Und auch beim Preis wird sich noch einiges tun müssen. Für den Light Rider ruft APWorks 50.000 Euro auf. Für das gleiche Geld bekommt man andernorts zwei hochgezüchtete Rennmaschinen. Und richtige Motorraddämpfer. Die Federgabel des Stromers kommt von einem Mountainbike-Ausstatter. Selbst Airbus-Chef Enders schlägt nicht auf Anhieb zu. Als ihm ein APWorks-Mitarbeiter einen Kaufvertrag aufdrängen will, bittet er um Bedenkzeit. Und wendet sich dann schnell einem Fernsehteam zu, um die Einsatzmöglichkeiten des 3-D-Drucks zu preisen. Den Motorradbau erwähnt er nur noch am Rande.

Text: Thomas Paulsen

2 Antworten zu “Ein Motorrad wie gedruckt

  1. Das Motorrad sieht wirklich klasse aus, richtig futuristisch!

  2. Hallo,
    sehr schönes Motorrad, sieht echt gut aus. Trotz des hohen Preises ist das Ding bestimmt der Hammer. Wenn ich im Lotto gewinnen sollte würde ich mir so ein Ding sicherlich hohlen.😉

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