Kaufprämie für Elektroautos: Nachfrage ist gering


Verbraucher können beim Kauf eines Elektroautos eine Prämie von bis zu 4000 Euro einstreichen. Doch aktuelle Zahlen zeigen: Die Nachfrage der Verbraucher ist bisher relativ gering – und auch regional gibt es deutliche Unterschiede.

Die Kaufprämie für E-Autos ist da - doch nur wenige nutzen sie.

Die Kaufprämie für E-Autos ist da – doch nur wenige wollen sie.

 

Die Kaufprämie für Elektroautos stößt vor allem bei Privatleuten auf Interesse. Das geht aus einer ersten detaillierten Auswertung des für die Vergabe zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hervor. Seit Freischaltung des Antragsverfahrens am 2. Juli bis Donnerstag, 14. Juli, gingen insgesamt 936 Anträge ein. Davon stammten 639 und damit gut zwei Drittel von Privatpersonen. Der Rest entfällt vor allem auf Unternehmen.

Aufgeschlüsselt nach Herstellern liegt BMW mit Anträgen für 320 verkaufte Elektroautos vorne. Es folgen Renault (253), Volkswagen/Audi (97) und Mitsubishi (64).

Für den höheren, auf reine Batterie-Elektrofahrzeuge beschränkten Bonus von 4000 Euro haben sich 625 Antragsteller entschieden. 311 wollten sich den Kauf eines Hybridautos fördern lassen, das per Stecker geladen wird und einen ergänzenden Verbrennungsmotor besitzt. Für diese Plug-In Hybride gibt es 3000 Euro Prämie, die ebenfalls zwischen Staat und Hersteller geteilt wird.

Regional ergibt sich ein klarer Schwerpunkt im Süden der Republik. Bayern und Baden-Württemberg führen die Antragstabelle mit 258 beziehungsweise 170 Anträgen klar an. Im Osten halten sich die Autokäufer hingegen sehr zurück: Aus Sachsen-Anhalt kamen bislang neun, aus Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern jeweils zehn Anträge.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Kaufprämie:

Wie hoch sind die Kaufprämien?

Für reine E-Autos mit Batterie gibt es insgesamt 4000 Euro Umweltbonus, wie die Prämie offiziell heißt. 2000 Euro kommen dabei vom Bund und 2000 Euro kommen vom Hersteller. Bei Hybridautos bekommt der Käufer insgesamt 3000 Euro Prämie (1500 Euro vom Staat, 1500 Euro vom Hersteller). Zusätzlich will der Bund noch 15.000 Ladestationen finanzieren.

Wo kann ich einen Antrag stellen?

Beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn bei Frankfurt über ein Internet-Portal. Dort werden auch alle Fahrzeugmodelle aufgeführt, für die die Prämie gilt. Das E-Auto darf als Basismodell nicht mehr als 60.000 Euro kosten . Damit die Hersteller nicht noch die Preise erhöhen, gelten die Netto-Listenpreise vom 31. Dezember 2015.

Welchen Effekt soll die Prämie haben?

Die Regierung erwartet, dass so der Kauf von mindestens 300.000 Fahrzeugen angeschoben wird. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hofft sogar auf 500.000 Stück.

Wer kann den Umweltbonus beantragen?

Anträge dürfen Privatpersonen, Firmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine stellen. Das E-Fahrzeug darf aber erst nach dem 18. Mai gekauft worden sein. Käufer müssen das Auto mindestens neun Monate behalten, das gilt auch für geleaste Fahrzeuge.

Wie lange gibt es den Bonus?

Gezahlt wird nur, so lange Geld im Fördertopf ist, den Bund und Branche mit je 600 Millionen Euro füllen. Spätestens am 30. Juni 2019 soll Schluss sein.

Lohnt sich ein E-Auto steuerlich?

Ja. Rückwirkend zum 1. Januar 2016 wird die Steuerbefreiung für neue (und umgerüstete) Elektrofahrzeuge von fünf auf zehn Jahre verdoppelt. Arbeitnehmer müssen keine Steuern zahlen, wenn sie in der Firma ihr privates E-Auto aufladen. Arbeitgeber bekommen die Möglichkeit, geldwerte Vorteile pauschal mit 25 Prozent Lohnsteuer zu besteuern. Diese Regelungen gelten befristet vom 1. Januar 2017 bis Ende 2020.

Rechnen sich Kaufprämien für Privatleute?

Wir vom ADAC haben nachgerechnet. Selbst mit 4000 Euro Höchstprämie bliebe ein Großteil der aktuellen E-Modelle bei den Kosten pro Kilometer deutlich teurer als Benziner oder Diesel.

Was muss ich beachten, welche Unterlagen sind nötig? 

Wer die Prämie bekommen will, muss eine Rechnungskopie vom Autohändler sowie den Zulassungsnachweis auf den Antragsteller (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) vorlegen. Dafür hat man einen Monat Zeit nach Eingang des Antrags beim Bafa. Achtung: Um die 2000 Euro Bonus für einen Stromer bzw. die 1500 Euro für einen Hybrid-Wagen vom Staat zu bekommen, muss auf der Rechnung vom Autohändler stehen, dass der Hersteller bereits eine Prämie in derselben Höhe vom Netto-Kaufpreis abgezogen hat.

Welche Hersteller machen mit?

Die deutschen Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW sind dabei, aber auch viele ausländische Hersteller ziehen mit. So beteiligen sich nach Angaben ihres Branchenverbandes VDIK Citroen, Hyundai, Kia, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Renault, Toyota und Volvo. Einzelne Anbieter wollen sogar auf die Prämien noch einen Zuschlag drauflegen, um Kunden anzulocken.

Mit Material von dpa

6 Antworten zu “Kaufprämie für Elektroautos: Nachfrage ist gering

  1. @B.L.
    Abwarten und Tee trinken wird sicherlich nicht so viel ändern können.

    • Stellt sich die Frage, was denn was ändern könnte!

    • Das eigentlichte Problem habe ich ja bereits angesprochen: Es fehlt an Modellvielfalt. Solange die Hersteller da nicht in die Gänge kommen, wird sich nicht viel ändern. Die Masse trinkt also erstmal Tee und wartet.

      An zweiter (Problem-)Stelle sehe ich definitiv die Reichweite. Das wird aber jetzt ab 2017 mit den größeren Akkus in den Hintergrund treten. Preis und Lademöglichkeiten sehe ich nicht so problematisch, das wird einfach nur zu stark aufgebauscht.
      Ein Golf GTI kostet Liste auch ab 30.000€, der Golf R sogar fast 40.000€. Rechnet sich so ein Fahrzeug in irgendeiner Weise? Wohl kaum, trotzdem werden diese Fahrzeuge gekauft. Die Leute WOLLEN solche Fahrzeuge. Prestige, Geltungsdrang, Minderwertigkeitskomplexe… es gibt sicher viele Gründe.
      Wenn die Hersteller mal attraktive E-PKW anbieten und diese auch angemessen vermarkten, so wie sie das seit Jahren mit ihren Dickschiffen (SUV) machen, verkaufen sich die Autos fast von selbst.🙂

      • Also, ich denke das Hauptproblem ist die völlig irrationale Preisgestaltung der eAutos.
        z.B. kostet der eSmart das Doppelte des Verbrenners, noch dazu OHNE Akkus (die werden gemietet).
        Ein Elektromotor ist deutlich simpler herzustellen als Motor mit Getriebe etc., deswegen müsste die eVersion deutlich günstiger sein!
        Nur leider werden (wohl absichtlich…) die Preise künstlich hochgeschraubt, z.B. durch die Entwicklungskosten für vollkommen unsinnige „Studien“, die in die eAutos mit reingerechnet werden.

        Die wollen einfach keine eAutos verkaufen, weil die Dinger kaum Verschleiss haben und kaum kaputt gehen: der Alptraum jeden Herstellers!
        Natürlich ausgenommen die paar Hersteller, die weiter denken als bis zur eigenen Nasenspitze. Tesla wirds schon richten…😉

  2. Nennen Sie die Zahlen vollständig und richtig.
    Mit dem Stichtag 14.7. sind insgesamt 936 Anträge gestellt. Davon gut 2/3 von Privatleuten.
    Ihre Berichterstattung weitgehend tendenziell negativ gefärbt und unvollständig. Unterlassen Sie das schlicht und einfach.

  3. Die Anträge können noch nicht einmal 2 Wochen gestellt werden und schon wird von mangelndem Interesse geredet? Hier wird der Umstand vergessen, dass man, im Gegensatz zu 2009, ein Neufahrzeug kaufen muss und es keine elektrischen Lagerfahrzeuge gibt (kein Hersteller wird E-Autos auf Halde produzieren). Die Ausbezahlung der Prämie erfolgt ja erst wenn ein Verwendungsnachweis (also die Zulassung) erfolgt ist. Man kann den Antrag zwar schon vorher stellen (mit dem Kaufvertrag), aber wozu die Eile?
    Dazu kommt noch, dass die wirklich interessanten Fahrzeuge mit den größeren Akkus erst noch kommen (Hyundai Ioniq, neuer e-Golf, Ampera-e, Model 3…).

    Also abwarten und Tee trinken, da kommen sicher noch einige Antragsschübe.

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